- Die besten Frühjahrskräuter gegen Erkältung und Co.

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Frühjahrskräuter gegen Erkältung

Naturheilmittel erfreuen sich auch weiterhin zunehmender Beliebtheit. Der Glaube an die Wirksamkeit von Naturheilverfahren überwiegt dabei so manch fehlende schulmedizinische Evidenz.

Einer Studie zufolge, im Rahmen derer das Institut für Demoskopie Allensbach im Jahr 2010 eine bevölkerungsrepräsentative Befragung zum Thema „Naturheilmittel“ durchführte, hatten bereits 70% der Befragten Naturheilmittel verwendet. Lediglich 7% gaben an, Naturheilmittel generell abzulehnen.

Zudem ergab die Studie, dass Naturheilmittel vermehrt in Haushalten mit höherem Einkommen verwendet werden.[1] Auch geht aus den Allensbach-Studien hervor, dass sich Frauen eher mit dem Themenfeld der Alternativmedizin auseinandersetzen als Männer.

Naturheilmittel Verwendung Deutschland

Zunehmend wecken Naturheilverfahren auch das Interesse der jüngeren Generationen.

Insbesondere bei der symptomatischen Behandlung von Erkältungsbeschwerden könne den Befragungen zufolge ein positiver Effekt mit der Anwendung von Naturheilmitteln in Verbindung gebracht werden.[2]

Dabei kann der Begriff „Naturheilmittel“, Homöopathika, Phytopharmaka sowie Arzneimittel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) umfassen und kann sowohl pflanzliche Heilmittel als auch Vitaminpräparate einschließen.[3]

Die Pflanzenheilkunde zählt zu den ältesten medizinischen Behandlungsmethoden und erfreut sich auch heutige noch großer Beliebtheit. Ob getrocknet als Tee, Tinktur oder Salbe – Heilkräuter werden als preiswerte und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode zur Linderung mancherlei Beschwerden eingesetzt und können zur Verbesserung des Wohlbefindens beitragen.

Erkältungskrankheiten stellen dabei einen besonders häufigen Anlass für die Anwendung für Heilpflanzen dar. Doch neben vielgenutzten Heilkräutern wie Kamille, Salbei und Thymian finden sich gerade zur Frühjahrszeit so manche, oft als Unkraut verkannte regionale Gewächse, die bei Erkältungsbeschwerden ebenfalls Linderung verschaffen können.

Gesammelt oder angebaut im heimischen Garten können frische Frühjahrskräuter eine gelungene Abwechslung zu dem getrockneten Kräuterrepertoire des Haushaltes bieten.

Vor diesem Hintergrund sollen im Folgenden einige heilsame Frühjahrskräuter vorgestellt werden.

Frühjahrskräuter im Überblick

Spitzwegerich (Plantago lanceolata L.)

Vorkommen

Der Spitzwegerich ist weltweit verbreitet vorwiegend auf Wiesen, Äckern und an Wegrändern zu finden. Für Heilanwendungen wird dabei das Spitzwegerichkraut eingesetzt.

Heilwirkung

In der Pflanze enthaltene Schleimstoffe können sich auf die angegriffenen Schleimhäute in Mund- und Rachenbereich auflagern und dadurch die Reizung beruhigen. Auf diese Weise kann erkältungsbedingter Hustenreiz gelindert werden. Neben Schleimstoffen enthalten Spitzwegerich-Blätter zudem Kieselsäure und entzündungshemmende Gerbstoffe.[4]

Anwendung

Darreichungsformen: Frischpresssaft, Tee, Sirup, Pastillen.
Gesammelt und getrocknet können die Blätter des Spitzwegerichs als Tee zubereitet  werden. Die mittlere Tagesdosis von 3-6 g sollte dabei nicht überschritten werden.
Für den Teeaufguss wird 1 Teelöffel (ca. 1,5g) der getrockneten Blätter mit einer Tasse kochenden Wassers überbrüht. Nach einer Ziehzeit von etwa 7 Minuten kann der Tee dann schluckweise getrunken werden.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Unerwünschte Wirkungen, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Gegenanzeigen zur Anwendung des Heilkrautes sind nicht bekannt.[5]

Huflattich (Tussilago farfara) [4]

Vorkommen

Das Frührjahrsgewächs wächst bevorzugt auf Lehmboden und ist in ganz Europa, Nordamerika, sowie West- und Nordasien verbreitet. Die ausdauernde Pflanze zeichnet sich durch die heilsame Wirkung ihrer Blätter aus.

Heilwirkung

Dank seiner Gerb-, Bitter- und Schleimstoffe eignet sich der Huflattich zur Behandlung sowohl bei akuten Schleimhautentzündungen der Atemwege mit trockenem Hustenreiz als auch bei Heiserkeitsbeschwerden.

Anwendung

Zur Teeanwendung sollten 1-2 Teelöffel des Krautes mit heißem Wasser aufgegossen und eine Ziehzeit von 10 Minuten eingehalten und anschließend abgeseiht werden (1TL entspricht etwa 1g).

Ein Anwendungszeitraum von 2x 2-3 Wochen pro Jahr  sollte jedoch nicht überschritten werden. Das Kraut verfügt über Pyrrolizidinalkaloide, die in größeren Mengen und bei langfristiger Anwendung zu Unverträglichkeitsreaktionen führen und sogar eine leberkanzerogene Wirkung haben kann. Daher sollte die maximale Tagesdosis von 4-6g der Droge eingehalten werden.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Bei Schwangerschaft oder Stillzeit sollte als Vorsichtsmaßnahme auf die Anwendung verzichtet werden.

Zu beachten: Kinder & Säuglinge

Generell ist von einer Anwendung bei Kindern unter 4 Jahren abzuraten.

Für Kinder zwischen 4-10 Jahren gilt die Empfehlung  einer maximalen Tagesdosis von 2-4g, sowie einer Tagesdosis von 4-6g bei Kindern zwischen 10-16 Jahren.[6]

Schlüsselblume (Primula veris L.) [5]

Vorkommen

Die seltene Pflanze kann  zerstreut in ganz Europa vorkommen, wobei sie kalkhaltigen und stickstoffarmen Boden zum Wachsen bevorzugt. Schlüsselblumen können auf trockenen Wiesen, Waldlichtungen und in Laubwäldern beobachtet werden.

Das zu den Primelgewächsen zählende Heilkraut steht unter Naturschutz, wobei sie jedoch im eigenen Garten angebaut sehr gut als Hustentee genutzt werden kann.

Heilwirkung

Schlüsselblumen enthalten vor allem in ihren Wurzeln entzündungshemmende, schmerzlindernde, antivrale und hustenlösende Inhaltsstoffe, wie etwa Triterpensaponine, Phenylglykoside und Flavonoide. Die Blüten dagegen beinhalten u.a.  ätherische Öle, Saponine und Flavonoide, die sich bei Erkältungsbeschwerden sekretolytisch auswirken und das Abhusten unterstützen können.

Die schleimlösende, entzündungshemmende und beruhigende Wirkung der Schlüsselblume kann sich daher positiv auf Hustenbeschwerden im Rahmen eines grippalen Infektes auswirken.

Anwendung

Mögliche Darreichungsformen: Tee, Honig, Fertigpräparate

Zur Anwendung der Pflanzenwurzel als Tee wird eine maximale Tagesdosis von 1g, für die Verwendung von Blüten dagegen eine maximale Tagesdosis von  4g empfohlen.

Für einen Teeaufguss sollen ¼ Teelöffel der zerkleinerten Wurzeln oder aber 1 Teelöffel der Blüten mit kochendem Wasser übergossen werden.

Eine Ziehzeit von etwa 5 Minuten sollte vor dem Verzehr abgewartet werden.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Schwangere und stillende Mütter sollten auf die Anwendung der Schlüsselblume verzichten. Auch bei bestehender Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwür oder Asthma bronchiale sollte von der Schlüsselblume als Heilpflanze abgesehen werden.6

Zu beachten: Kinder & Säuglinge

Für die Behandlung von Kindern eignet sich die Schlüsselblumenblüte wegen ihrer besseren Verträglichkeit, eines geringeren Nebenwirkungsprofils und ihres besseren Geschmackes eher als die Wurzel.

Zur Anwendung der Blüten können für Kinder folgende Tagesdosen empfohlen werden:

Alter Empfohlene Tagesdosis
0-1 Jahre 0,5 -1 g
1-4 Jahre 1 – 2 g
4-10 Jahre 2 – 3 g
10- 16 Jahre 2  – 4 g

 

Taubnessel (Lamium album) [7]

Vorkommen

Die Taubnessel ist in ganz Europa verbreitet und unterscheidet sich anhand ihrer weißen Blüten von der ähnlich erscheinenden Brennessel. Insbesondere in den Monaten April bis Oktober kann sie  gesammelt und getrocknet werden.

Heilwirkung

Die Taubnessel verfügt über Inhaltsstoffe (u.a. Flavonoide, Schleim- und Gerbstoffe), die sich adstringerend (zusammenziehend), schmerzlindernd und antientzündlich auf angegriffene Schleimhäute der Atemwege auswirken können.

Anwendung

Zur Behandlung von Erkältungskrankheiten kann  die Taubnessel als Teeaufguss zubereitet werden.

Für die Teeanwendung sollte 1 Teelöffel (etwa 1g) mit kochendem Wasser aufgegossen und nach 5 Minuten abgeseiht werden. Die empfohlene Tagesdosis von 3 g sollte dabei nicht überschritten werden.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Gegenanzeigen, Wechsel- oder Nebenwirkungen  im Zusammenhang mit der Anwendung von Taubnesseltee sind nicht bekannt.

Brunnenkresse (Nasturtium officinale) [8]

Vorkommen

Die Brunnenkresse ist inzwischen weltweit verbreitet und kann bevorzugt am Ufer fließender Gewässer, wie beispielsweise an Quellen oder Bachufern,  gefunden werden. Das Heilkraut kann ebenfalls im eigenen Garten unter ausreichend Flüssigkeitszufuhr angebaut werden.

Heilwirkung

Das Kressegewächs aus der Familie der Kreuzblütler enthält neben Vitamin C, A, D, und E auch Gerbstoffe, Spurenelemente und Bitterstoffe. Wegen ihrer antibakteriellen Wirkung kann sie zur Behandlung von Schleimhautentzündungen der Atemwege empfohlen werden.

Anwendung

Brunnenkresse kann als Heilkraut in frischer Form roh unter Speisen vermengt verzehrt oder in getrockneter Form als Tee angewendet werden.

Da die Heilpflanze geringe Mengen an Senfölglykosiden enthält, die sich schleimhautreizend verhalten können, sollte eine Tagesdosis von 20-30g des frischen Krautes nicht überschritten werden. In getrocknetem Zustand beläuft sich  die Tagesdosis auf  2-4g.

Auch wird empfohlen, einen Anwendungszeitraum von maximal 6 Wochen einzuhalten.

Für eine Teezubereitung sollte 1 Teelöffel mit 250ml kochendem Wasser überbrüht, für etwa 10 Minuten zugedeckt ruhen gelassen und schließlich abgeseiht werden.

Nebenwirkung und Gegenanzeigen

Es wird empfohlen, ausschließlich kultivierte Brunnenkresse roh zu verspeisen. Über das wild wachsende Kraut kann es in seltenen Fällen zu einer Übertragung des Leberegels, einer parasitären Infektion, kommen.

Als mögliche Nebenwirkung kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Bei bestehenden Magen- oder  Darmgeschwüren, sowie bei entzündlichen Nierenerkrankungen, sollte auf die Anwendung verzichtet werden.

Zu beachten: Kinder & Säuglinge

Für Kinder unter 4 Jahren ist von einer Behandlung mit Brunnenkresse abzusehen.

 

Quellenangaben:

[1] Institut für Demoskopie Allensbach: „Naturheilmittel 2010 – Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung“, http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_studies/7528_Naturheilmittel_2010.pdf , S.4 , 28.03.15
[2] Prof. Theo Dingermann: „Die Beziehung von Wissenschaft und Gesellschaft – Im Spannungsfeld zwischen Natur und Chemie“, http://user.uni-frankfurt.de/~dingerma/Podcast/U3L_5.pdf , Goethe Universität Frankfurt am Main, 28.03.15
[3] Dieter Melchart: Naturheilverfahren: Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung; mit 106 Tabellen, Schattauer Verlag, 2008, S.16
[4] Volker Fintelmann: Lehrbuch Phytotherapie, Georg Thieme Verlag, 2009, S. 176 – S. 178
[5] Karin Kraft,Rainer Stange: Lehrbuch Naturheilverfahren: 106 Tabellen, Georg Thieme Verlag, 2010, S.170 – S.174
[6] Ursel Bühring, Helga Ell-Beiser, Michaela Girsch: Heilpflanzen in der Kinderheilkunde: Das Praxis-Lehrbuch, Georg Thieme Verlag, 2012, S.83 – S.110
[7] Rita Traversier, Kurt Staudinger, Sieglinde Friedrich: TCM mit westlichen Pflanzen: Phytotherapie – Akupunktur – Diätetik, Georg Thieme Verlag, 2012, S. 390
[8] Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie, Georg Thieme Verlag, 2014, S. 306