- Yoga & Co.: Modeerscheinung oder wirkliche Wundermittel?

Yoga © panthermedia.net / ikostudio

Yoga, Pilates, Tai Chi, Qi Gong – die Liste der Angebote für Entspannungs- und Bewegungsformen ist lang. Und deren Beliebtheit in der Bevölkerung wächst. In Deutschland gibt es inzwischen rund fünf Millionen Yogis und Yoginis; Tendenz steigend [1]. Verbirgt sich dahinter nur eine neue Modeerscheinung, oder bieten Yoga und Co. tatsächlich eine Alternative, um die Gesundheit auf sanfte Weise zu unterstützen?

In wie weit helfen Yoga & Co. der Gesundheit?

Yoga ist eine Jahrtausend alte Wissenschaft, die kreiert wurde, um eine körperliche und geistige Gesundheit, sowie spirituelle Balance zu fördern [2]. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts findet das fernöstliche System auch immer mehr Zulauf aus dem Westen. Heute gilt Yoga schon fast als Volkssport. Und auch die Wissenschaft zeigt großes Interesse am gesundheitlichen Nutzen der „alternativen Sportart“. Die Tatsache, dass immer mehr Krankenkassen Kurskosten für Yoga und Co. erstatten, ist ein weiteres Indiz für das wachsende Vertrauen in die gesundheitsfördernde Wirkung der Bewegungsform.
Doch in wie weit ist der Nutzen des Yoga-Booms belegt? Das Ergebnis zahlreicher Studien zeigt, dass das regelmäßige Praktizieren von Yoga die körperliche, wie auch seelische Gesundheit fördert [2]. So wurde beispielsweise gezeigt, dass Yoga ausgleichend auf das vegetative Nervensystem wirkt – das Nervensystem, welches nicht willentlich beeinflusst werden kann, und für Abläufe wie Herzschlag, Verdauung und Blutdruck zuständig ist. Eine regelmäßige Yogapraxis senkt Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin, Entzündungsfaktoren, Blutzucker und Blutdruck [2][3]. „Glückshormone“ wie Serotonin sind dagegen nach der Yogapraxis erhöht [3]. Amerikanische Wissenschaftler belegen, dass Versuchspersonen mit Vorhofflimmern, durch regelmäßige Yogaübungen ihre Vorhofflimmer-Episoden halbieren können [4].
Und auch auf der psychischen Ebene zeigt Yoga eine beeindruckende Wirkung. Während Yoga einen stress- und angstreduzierenden Effekt aufweist, steigert es das Maß an Selbstbewusstsein und Wohlbefinden [2][3].

Hatha, Vinyasa, Ashtanga, Bikram – oder was?

Yoga ist eine 3000 Jahre alte Tradition, die ihren Ursprung in Indien findet [5]. Innerhalb der Yoga-Tradition existieren zahlreiche Yogaschulen (z.B. Hatha-, Vinyasa-, Ashtanga-Yoga); es gibt bis zu 100 verschiedene „Yogarten“, welche von sanfter Entspannung bis hin zu schweißtreibendem Work-out reichen [6]. Sie alle umfassen Körper (Asanas)-, Atem- (Pranajama) und Meditationsübungen. Aspekte wie Selbststudium und Achtsamkeitsübungen sind weitere Aspekte, die Yoga als ein ganzheitliches System vervollständigen. Eine Aussage darüber, welche Aspekte des Yogas nun zu welchen gesundheitsförderlichen Effekten führen, ist daher aber nur schwer zu treffen. Die Wissenschaft betont, dass mehr Studien nötig seien, um die Effekte der einzelnen Yogapraktiken genauer zu verstehen.
Ähnlich nützlich wie Yoga erweisen sich Qi Gong und Tai Chi. Beide Bewegungspraktiken stammen aus der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM). Das Augenmerk liegt hier vor allem auf meditativ ausgeführten, langsamen Bewegungen. Studien zeigen, dass sich die beiden Bewegungsformen positiv auf Knochenstärke, Herz-Kreislauf-System, Lebensqualität und Depressionen auswirken [7].
Pilates ist eine weitere „Sportart“, die große Beliebtheit findet. Es handelt sich hierbei um ein sehr viel jüngeres Fitnessprogramm, welches 1920 von Johann Pilates entworfen und bekannt gemacht wurde [8]. Es verbindet Elemente von Kampfsport, Yoga und Gymnastik. Das Augenmerk liegt vor allem auf dem Aufbau der Muskelkraft. Die Studienlage zum Nutzen von Pilates ist jedoch weitaus dünner als es bei Yoga der Fall ist [9].

Alles eine Frage des Lebensstils?

Fakt ist, dass körperliche Inaktivität einer der größten gesundheitlichen Risikofaktoren der modernen Gesellschaft darstellt: Eine „sitzende Lebensweise“ erhöht die Wahrscheinlichkeit Alterskrankheiten wie z.B. Bluthochdruck (Hypertension) oder Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zu entwickeln [10]. Inaktivität wird als Risikofaktor für einen frühzeitigen Tod angesehen [10]. Körperlich aktiv zu sein ist daher eine der besten Maßnahmen, um die Gesundheit zu fördern. Ob nun Yoga und Co. heilende Kräfte besitzen ist daher schwer zu sagen. Die gesundheitsfördernde Wirkung könnte ebenso auf den Aspekt der körperlichen Aktivität zurückgeführt werden. Trotzdem darf man den eher „meditativen Sportarten“ wie Yoga nicht ihren Nutzen absprechen, den sie auf den Geist ausüben. Denn Aspekte wie Selbstreflexion und Achtsamkeit haben Sportarten wie Joggen oder Schwimmen eben weniger zu bieten. Wichtig ist, dass ein Jeder das findet, was ihm oder ihr Spaß macht. Denn das ist das beste Rezept für eine regelmäßige und gesunde Bewegungseinheit im Alltag.

Quellenangaben:

[1] „Massenphänomen Yoga.“, http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/167773/index.html, 12.08.2016
[2] P. Sengupta: „Health Impacts of Yoga and Pranayama: A state-of-the-Art Review.“, 12.08.2016
[3] R. Klatte et al.: „Wirksamkeit von körperorientiertem Yoga bei psychischen Störungen.“, http://www.aerzteblatt.de/archiv/175449, 12.08.2016
[4] „Neuer Ansatz: Yoga als Rezept gegen Vorhofflimmern.“, http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzrhythmusstoerungen/article/648479/neuer-ansatz-yoga-rezept-vorhofflimmern.html, 12.08.2016
[5] C. Woodyard: „Exploring the therapeutic effects of yoga and its ability to increase quality of life.“, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3193654/, 12.08.2106
[6] S. Watson: „Yoga.“, http://www.webmd.com/fitness-exercise/a-z/yoga-workouts, 12.08.2016
[7] R. Jahnke et al.:„A comprehensive Review of Health Benefits of Qigong and Tai Chi.“, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3085832/, 12.08.2016
[8] „Yoga, Pilates & Co.“, https://www.ikk-gesundplus.de/gesundheit/sport_bewegung/yoga_pilates/, 12.08.2016
[9] „Pilates: How does it work and who needs it?“, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3666467/, 12.08.2016
[10] L. F. Cherkas: „The Association Between Physical Activity in Leisure Time and Leukocyte Telomere Length.“,
http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=413815, 12.08.2016

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