- Grippeimpfung gegen Herzinfarkt: Was ist heute möglich?

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Herzinfarkt © panthermedia.net / photographee.eu

Eine Grippeimpfung schützt nicht nur vor einer schweren Virusinfektion, die den Erkrankten im schlimmsten Fall zu ein bis zwei Wochen strenger Bettruhe zwingt, in den letzten Jahren wurden mehrere Studien publiziert, die nahelegen, dass eine solche Impfung auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko vermindern kann. Aber wie ist das möglich?

Grippeimpfung vermindert Infarktrisiko

Drei Winter infolge, von 2008 bis 2010, untersuchte die australische Ärztin Anita Heywood ihre sämtlichen Herzinfarkt-Patienten auf Infektionen mit dem grippeauslösenden Influenza-Virus. Während 12,4 % der Herzinfarkt-Patienten positiv auf den Erreger getestet wurden, wurde das Virus bei nur 7 % der Patienten aus einer Kontrollgruppe ohne Herzerkrankungen nachgewiesen. Nach Berücksichtigung der Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sank jedoch die Signifikanz des Ergebnisses massiv. Auch wenn es durchaus denkbar erscheint, dass eine Grippe ein letzter auslösender Faktor für ein sogenanntes kardiovaskuläres Ereignis sein könnte, konnte Heywood dies in ihrer Studie nicht nachweisen. Sie ermittelte jedoch auch, ob die von ihr untersuchten Probanden gegen Grippe geimpft waren. Dabei fand sie heraus, dass die Impfung das Herzinfarkt-Risiko ihrer Patienten scheinbar um bis zu 45 % gesenkt hatte [1][2].

Eine Metaanalyse aller bis 2013 veröffentlichten Studien zum Thema ergab schließlich, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse durch eine Impfung nicht wie von Heywood vermutet um 45 %, sondern lediglich um 36 % sinkt. Dies betrifft nicht nur die Prävention von Herzinfarkten, auch Schlafanfälle könnten auf diese Weise verhindert werden. Die Metaanalyse ergab außerdem, dass bereits 58 an unterschiedlichen Personen Impfungen einen Infarkt verhindern. Man nennt diese Zahl Number Needed to Treat (NNT). Im Vergleich zu  anderen Präventionstherapien fällt die NNT in diesem Fall erfreulich niedrig aus [3][4].

Wie hängen Grippeimpfung und Herzinfarkt zusammen?

Ein Herzinfarkt ist meist die Folge der sogenannten Arteriosklerose. So nennt man eine Veränderung der Arterienwände in verschiedenen Bereichen des Körpers. Sie kann u.a. Herz, Hirn, Nieren oder die Beine betreffen. Verdicken sich die Gefäßwände, wird das betroffene Organ schlechter durchblutet. Kommt es zu einem völligen Gefäßverschluss, nennt man das Infarkt, da der hinter dem Verschluss liegende Gewebeabschnitt nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Bei einem Gefäßverschluss am Herzen spricht man von einem Herzinfarkt, betrifft er das Hirn, kommt es zu einem Schlaganfall. Die bisher publizierten Studien zum Thema legen nahe, dass die Grippeimpfung einen positiven Effekt auf solche Gefäßerkrankungen haben könnte. Zwei mögliche Theorien zur Erklärung dieses Zusammenhanges werden bisher erörtert. Verschiedene Risikofaktoren tragen zur Entstehung von Infarkten bei. Dazu gehören u.v.a. Lebensalter, Rauchen, Ernährung, Stress oder bestimmte Medikamente. Letztendlich sorgt ein auslösendes Ereignis für die Entstehung eines Infarkts. Autoabgase oder eine schlechte Nachricht können der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Einige Wissenschaftler vermuten nun, dass auch eine Grippe zu den möglichen auslösenden Ereignissen zählen könnte. Eine andere Erklärung ist die Beeinflussung der Blutgerinnung durch den Impfstoff. Falls dieser blutverdünnend wirkt, verbessert er die Durchblutung der von der Arteriosklerose betroffenen Organe und vermindert so ebenfalls das Infarktrisiko [1][5].

Wie lange hält der Schutz an?

Bei der Korrelation von Grippeimpfungen und kardiovaskulären Ereignissen handelt es sich bisher lediglich um eine Arbeitshypothese, die mithilfe von Studien weiterhin erörtert wird. Der Impfschutz gegen die Influenza-Infektion setzt etwa 10 bis 14 Tage nach der Impfung ein und hält ungefähr ein Jahr lang an. Falls die Senkung des Infarktrisikos aber mit einer blutverdünnenden Wirkung des Impfstoffes zusammenhängt, ist im Augenblick noch nicht geklärt, wie lange dieser Effekt anhält [6].

Eine Grippeimpfung schützt aber nicht nur vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch eine Herzmuskelentzündung, die als Komplikation einer schweren Infektion entstehen kann, wird so verhindert. Wer sich impfen lassen möchte, sollte dies jährlich zwischen Oktober und Dezember tun, um die gesamte Grippesaison über vor dem Erreger geschützt zu sein [6].

Quellenangaben:

[1] „Grippeimpfung könnte vor Herzinfarkt schützen“, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55617, 19.08.2016
[2] C R. MacIntyre, A. E. Heywood, P. Kovoor, I. Ridda, H. Seale, T. Tan, Z. Gao, A. L. Katelaris, H. W. D. Siu, V. Lo, R. Lindley, D. E. Dwyer, „Ischaemic heart disease, influenza and influenza vaccination: a prospective case control study“, http://heart.bmj.com/content/early/2013/08/06/heartjnl-2013-304320.full.pdf+html, 19.08.2016
[3] „Meta-Analyse: Grippeimpfung könnte vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen“, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56292, 19.08.2016
[4] J. A. Udell, R. Zawi, D. L. Bhatt, M. Keshtkar-Jahromi, F. Gaughran, A. Phrommintikul, A. Ciszewski, H. Vakili, E. B. Hoffman, M. E. Farkouh, C. P. Cannon, „Association Between Influenza Vaccination and Cardiovascular Outcomes in High-Risk Patients“, http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleID=1758749, 19.08.2016
[5] „Arteriosklerose“, http://www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-arteriosklerose_700.html, 19.08.2016
[6] „Deutsche Herzstiftung empfiehlt Grippeimpfung jetzt“, http://www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=561, 19.08.2016