- Der seelische Patient – Wie Psychosomatik die Krankheit beeinflusst

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Psychosomatik © fotolia.com / puhhha

Oftmals wird der Effekt der eigenen Psyche auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterschätzt. Gerade in den letzten Jahren hat die Wissenschaft beeindruckende Erkenntnisse im Zusammenhang verschiedener körperlicher Symptome mit psychischen Erkrankungen präsentiert. So gilt beispielsweise eine gegenseitige Beeinflussung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen als gesichert. Es entwickeln bis zu 30% der Patienten nach einem Herzinfarkt Depressionen und Angststörungen. Gleichzeitig sind Depressionen wieder ein Risikofaktor für neue Herzbeschwerden und erhöhen die Sterblichkeit. [1]
Doch auch bei vielen weiteren Erkrankungen und körperlichen Symptomen spielt die eigene Psyche eine entscheidende Rolle und kann dadurch auch das Ziel einer Therapie der physischen Erkrankungen sein.

Psychosomatik – Begriffserklärung

Psychosomatik ist die Lehre von körperlichen Symptomen bei psychischen Erkrankungen. Dies bedeutet, dass für körperliche Beschwerden psychische Ursachen gefunden werden können. Dem Patient muss dabei die Existenz seiner psychischen Erkrankung nicht bewusst sein, es kann sich dabei um innere Konflikte im Unterbewusstsein handeln. Allerdings können viele körperliche Erkrankungen ebenfalls zu psychischen Beschwerden, wie Depressionen oder Angststörungen führen.
In der Krankheitsentstehung spielt häufig ein Missverhältnis aus Schutz- und Belastungsfaktoren auf die Psyche eine entscheidende Rolle (salutogenetische Perspektive). [2]

Psychische Erkrankungen – Prädisposition für Erkältungskrankheiten?

Zunächst ist festzuhalten, dass gerade Erkältungskrankheiten selten in direktem Zusammenhang mit psychosomatischen Ursachen stehen. Dennoch gibt es auch hier vielfältige Beeinflussungen, die zumindest die Entstehung und den Verlauf von Erkältungskrankheiten begünstigen können, obwohl die eigentliche Ursache der Erkrankung meist eine Andere ist.
Insbesondere Depressionen oder dauerhafte Stresszustände können zu einer Schwächung des Immunsystems und damit zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten beitragen. Entscheidend an diesem Prozess beteiligt, ist dabei das Stresshormon Cortisol. Dieses, mit dem als Medikament verwendeten Cortison verwandte Hormon, führt zu einer Schwächung bestimmter Immunzellen (sog. Lymphozyten), welche entscheidend an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt sind. [3] Außerdem wird die Produktion von Entzündungsmediatoren unterdrückt, sodass die typischen Erkältungssymptome zunächst nur leicht vorhanden sein können. Somit können sich die Krankheitserreger weiter ausbreiten und die Erkrankung wird verschlimmert. Stress und Depressionen erhöhen den Cortisolspiegel im Blut und können über diesen Mechanismus eine Erkältungskrankheit begünstigen und verschlimmern.

Spezielle Erkältungssymptome mit möglicher psychosomatischer Ursache

Husten

Insbesondere im Rahmen eines allergischen Asthmas kann Husten auch die Folge psychischer Störungen oder Stresssituationen sein. So geht man davon aus, dass etwa die Hälfte aller Asthmaanfälle einen psychischen Auslöser wie Stress, Verlusterlebnisse oder Angststörungen haben. [4] Durch Angstgefühle kann sich der Patient außerdem in eine Hustenattacke hineinsteigern und diese damit selbst verschlimmern.

Allgemeines Krankheitsgefühl

Das allgemeine Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Antriebslosigkeit ist entscheidend von den Persönlichkeitsmerkmalen des Betroffenen abhängig. So führt eine depressive Grundstimmung zu einer weiteren Verstärkung dieser Beschwerden. Optimismus und Lebensfreude können dagegen dazu führen, dass sich der Patient mehr zutraut, sich bewegt und sich dadurch besser fühlt.

Fieber

Im Gegensatz zu anderen hier erwähnten Krankheitssymptomen ist Fieber bei psychosomatischer Ursache seltener vorhanden. So kommt es beispielsweise bei Depressionen erst später zu Fieber. [5]

Schnupfen

Insbesondere Heuschnupfen mit allergischer Ursache wird entscheidend durch die Psyche beeinflusst. So werden Krankheitsschübe nicht nur von der Pollensaison beeinflusst, sondern können zusätzlich durch Stress oder Angst ausgelöst werden. So genügt beispielsweise oftmals der bloße Anblick einer blühenden Wiese oder einer Birke, dass ein Allergiker mit ihm bekannter Allergie erste Symptome entwickelt ohne dass diese unmittelbar durch die jeweiligen Pollen bedingt sind. [6] Alleinige Ursache von Allergien sind psychische Beschwerden allerdings nicht.

Kopfschmerz

Abhängig von der Art des Kopfschmerzes kommen verschiedene psychosomatische Ursachen in Betracht. So wird beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Migräne und der Abwehr des Körpers gegenüber Depressionen diskutiert. Der klassische Spannungskopfschmerz wird dagegen meist auf eine geistige oder körperliche Überbelastung zurückgeführt. [7]

Niesen

Niesen kann beispielsweise durch Nervosität gefördert und sogar ausgelöst werden. Durch Auslösen des Schluckreflexes kann versucht werden den Niesreiz zu unterdrücken.

Therapie und Kontakte

Erkrankungen mit psychosomatischer Ursache werden idealerweise durch Behandlung des zugrunde liegenden psychischen Konflikts gelöst. Nicht immer ist dafür professionelle Hilfe notwendig. Oftmals genügen Entspannungsübungen. Regelmäßige Pausen, Bewegung im Freien und Urlaube helfen psychischen Stress zu minimieren und können dadurch positive Effekte auf verschiedene Krankheiten haben. Auch eine optimistische Grundeinstellung kann hilfreich sein. Erst wenn diese Maßnahmen scheitern oder direkt ein schweres Krankheitsbild wie eine ausgeprägte Depression vorliegt, muss ein Arzt oder Psychologe kontaktiert werden. Bei ausgeprägten Erkältungssymptomen, die länger als 2 Wochen anhalten und den Allgemeinzustand des Patienten stark einschränken, sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden.
Im Akutfall kann Hilfe in nahezu jeder Uniklinik gefunden werden, alternativ bietet sich auch die Hotline der Telefon Seelsorge Deutschland an (+49 (0)800 111 0 111). Zum akuten Notfall zählen z.B. lebensmüde Gedanken, selbst- oder fremdgefährendes Verhalten. Falls solche Symptome verspürt werden muss unmittelbar ein Arzt konsultiert werden.
Des Weiteren sind Psychologische Notdienste in vielen Landkreisen verfügbar. Die Telefonnummern können beispielsweise hier eingesehen werden: http://www.depressionen-depression.net/notfaelle/notfallnummern.htm

Quellenangaben:

[1] Klinik für Psychatrie Universität Graz: „Der Zusammenhang von Depressionen, Angst und Herzerkrankung – Eine psychosomatische Herausforderung“; http://www.hdbp.org/psychiatria_danubina/pdf/dnb_vol23_no4/dnb_vol23_no4_412.pdf / 19.07.2015
[2] G. Titcher: „Psychokardiologie – Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen“; Deutscher Ärzteverlag, Köln 2008
[3] G. Herold und Mitarbeiter: „Innere Medizin“; Köln 2012; S. 765
[4] AllEx – Alles fürs Examen – Das Kompendium für die 2. ÄP; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2014; Band 2; S. 1076
[5] Prof. Dr. Joachim Bauer: „Depressive Gesundheitsstörungen“; http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/depression.html / 19.07.2015
[6] A. Trautmann: „Allergologie in Klinik und Praxis“; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2013; S. 504
[7] Sein.de: „Kopfschmerzen psychosomatisch betrachtet“; https://www.sein.de/psychosomatik-7-kopfschmerzen-psychosomatisch-betrachtet/ / 19.07.2015