- Medikamentenrückstände im Trinkwasser

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Mit einer Erkältung Fahrrad fahren? © panthermedia.net / matej kastelic

Es ist ein Glück, dass Pharmazeuten für immer mehr Krankheiten immer wirksamere Medikamente entwickeln. Die Sterblichkeitsrate bei vielen Erkrankungen geht von Jahr zu Jahr zurück, die Menschen werden im Durchschnitt älter und bleiben dank Antibiotika und Co. häufig auch bis ins hohe Alter fit und gesund. Der Konsum von Medikamenten in Deutschland hat allerdings auch seine Nachteile. Wissenschaftler weisen schon seit vielen Jahren Rückstände der so alltäglich gewordenen chemischen Arzneien im Trinkwasser nach. Aber was wird das für Folgen haben?

Wie gelangen die Medikamente ins Trinkwasser?

Nehmen wir ein bestimmtes Medikament ein, kann der Körper dies häufig nicht vollständig abbauen. Die Reste landen also früher oder später in der Toilettenschüssel und schließlich in den Abwässern. Gerade ältere oder abgelaufene Medikamente werden häufig auch im WC oder in der Küchenspüle entsorgt. Dazu kommt, dass die Wirkstoffe in den fertigen Präparaten so verpackt sind, dass sie nicht ihre Wirksamkeit verlieren, bevor sie im richtigen Organ gelandet sind. Sie müssen also häufig wenigstens die ätzende Magensäure überleben. Deshalb können sie auch später durch Kläranlagen schlechter abgebaut werden und gelangen schließlich wieder ins Trinkwasser oder in Obergewässer wie Seen und Flüsse. 50 bis 100 verschiedene Medikamentenrückstände können durch Tests mittlerweile nachgewiesen werden. Dazu gehören zum Beispiel Schmerzmittel, Psychopharmaka, Antibiotika und Hormonpräparate [1][2].

Welche Folgen entstehen für Mensch und Umwelt?

Die Konzentration der Rückstände im Trinkwasser ist sehr gering. Sie liegt im Nano- und Mikrogrammbereich. Auch wer täglich lebenslang mehrere Liter Wasser aus dem Hahn trinkt, dürfte bis ins hohe Alter insgesamt nicht mehr als eine Tagesdosis der jeweiligen Wirkstoffe zu sich genommen haben. Insofern rechnen Wissenschaftler im Augenblick nicht mit gravierenden Auswirkungen für die Gesundheit der Bevölkerung [1][2].

Auf Süßwassertiere scheinen die Medikamentenrückstände aber doch einen schädigenden Einfluss auszuüben. Bei verschiedenen Fischarten wurde ein verringertes Angstverhalten beobachtet, das möglicherweise auf Reste von Psychopharmaka zurückgeführt werden kann. Auch die Verweiblichung und mangelnde Fruchtbarkeit einiger Wassertiere könnte durch Hormone verursacht worden sein und Schmerzmittel schädigen vielleicht Leber und Nieren von Karpfen und Forellen [1][2].

Und nun?

Die Rückstände lassen sich prinzipiell mit modernen Methoden durchaus aus dem Trinkwasser filtern. Jede Kläranlage besitzt drei Reinigungsstufen. Durch den Ausbau einer vierten Reinigungsstufe könnte das Wasser mithilfe von Aktivkohle und Ozon von schädlichen Wirkstoffen weitestgehend befreit werden. Viele deutsche Städte, u.a. Berlin, haben sich bereits für die Erweiterung ihrer Kläranlagen entschieden, was aber auch zu einer Erhöhung der Wasserpreise führt. Wissenschaftler arbeiten außerdem an Filtern, die bereits im Privathaushalt die entstehenden Abwässer reinigen sollen. Auch umweltfreundlichere Präparate, die von vornherein besser abbaubar sind, sind in Planung. Darüber hinaus sollten Patienten darauf achten, ihre abgelaufenen Medikamente ordnungsgemäß zu entsorgen. So könnte unser Trinkwasser bald wieder frei von schädlichen Rückständen sein [3][4].

Quellenangaben:

[1] Anja Garms, „Wasseranalysen zeigen, was Ärzte verschreiben“, http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article121881755/Wasseranalysen-zeigen-was-Aerzte-verschreiben.html, 11.02.2016
[2] „Unsichtbare Gefahr: Medikamenten-Mix im Trinkwasser“, http://www.lifeline.de/news/ernaehrung-und-fitness/unsichtbare-gefahr-medikamenten-mix-im-trinkwasser-id137082.html, 11.02.2016
[3] „Berlins Trinkwasserqualität hat ihren Preis“, https://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2015/09/forschungsprojekt-berlin-arzneimittel-rueckstaende-abwasser.html, 11.02.2016
[3] Benjamin Reuter, „Medikamenten-Rückstände: Neuer Filter soll Trinkwasser sauber halten“, http://green.wiwo.de/medikamenten-rueckstaende-neuer-filter-soll-trinkwasser-sauber-halten/, 11.02.2016