- Jede Minute zählt: Hirnhautentzündung

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Kopfschmerzen © panthermedia.net / Wavebreakmedia

Weltweit erkranken jährlich etwa 0,5 bis 1,2 Millionen Menschen an einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Jeder vierte erkrankte Erwachsene verstirbt im Verlauf der Krankheit. Besonders gefährdet sind kleine Kinder und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer Meningitis, zählt jede Minute [1][2].

Was ist eine Hirnhautentzündung?

Das menschliche Gehirn ist von drei Hirnhäuten umgeben, der äußeren Dura mater, der Arachnoidea und der Pia mater, die direkt auf dem Hirngewebe aufliegt. Zwischen Pia mater und Arachnoidea befindet sich der Subarachnoidalraum. Er ist mit einer Flüssigkeit namens Liquor cerebrospinalis gefüllt, die man umgangssprachlich auch Hirn- oder Nervenwasser nennt. Dringen Krankheitserreger zu den Hirnhäuten vor und sammeln sich im Subarachnoidalraum an, entzündet sich das umliegende Gewebe. Es entsteht eine Meningitis oder Hirnhautentzündung. Verschiedene Erreger können eine solche schmerzhafte und gefährliche Entzündung verursachen. Am häufigsten liegt eine Infektion mit Meningokokken vor. Aber auch Pneumokokken, Listerien oder das Bakterium Haemophilius influenzae können Auslöser der Erkrankung sein. Etwas seltener wird eine Meningitis durch Viren wie das Mumpsvirus oder das Herpesvirus hervorgerufen. Parasitäre Hirnhautentzündungen kommen nur im Einzelfall vor. Allerdings kann ein Zeckenbiss Ursache einer sogenannten Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) sein [3].

Für Krankheitserreger ist es aber gar nicht so einfach, bis zum Hirn vorzudringen. Der menschliche Organismus ist darauf ausgelegt, das Gehirn so gut es geht vor körperfremden Keimen zu schützen. Deshalb sind besonders kleine Kinder und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren von Meningitis betroffen. Ihr Immunsystem kann die gefährlichen Erreger häufig nicht effektiv genug bekämpfen. Aber auch Erwachsene und ältere Menschen können betroffen sein. Bei einer Mittelohrentzündung oder einer Nasennebenhöhlenentzündung wird die natürliche Schleimhautbarriere geschwächt. Viren und Bakterien können ungehindert ins Blut und schließlich ins Hirn wandern. Aber auch bei medizinischen Eingriffen am Gehirn oder bei einem Schädelbruch kann es zu einer Meningitis kommen. Die Erreger werden dann direkt über die Haut übertragen. Außerdem kann eine bereits vorliegende Tuberkulose-Infektion auf die Hirnhäute übergreifen [2][3].

Woran erkennt man eine Hirnhautentzündung und was ist dann zu tun?

Je nachdem, in welchem Alter die Infektion auftritt und welcher Erreger der Auslöser ist, können verschiedene Symptome auf eine Meningitis hinweisen. Bei etwa 45 % der Patienten kommt es zur klassischen Trias: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Fieber. Es können außerdem Bewusstseinstrübungen und in einigen Fällen auch Krampfanfälle oder Psychosen auftreten [3]. Bei erkrankten Säuglingen kommt es meist nicht zur Nackensteifigkeit und auch bei älteren Patienten tritt häufig weder ein steifer Nacken noch Fieber auf. Bei komatösen Zuständen oder Bewusstseinstrübungen ohne erkennbaren Grund sollte ebenfalls an Meningitis gedacht werden. Patienten mit Verdacht auf eine Entzündung der Hirnhäute sollten sofort einen Arzt bzw. ein Krankenhaus aufsuchen. Dort wird Rückenmarksflüssigkeit zur Sicherung der Diagnose entnommen und danach sofort mit einer antibiotischen bzw. antiviralen Therapie begonnen. Eine sofort eingeleitete Medikamentierung verhindert im besten Fall eine Hirnschwellung, an der viele Patienten schon in den ersten Tagen nach Beginn der Erkrankung versterben. Trotz erfolgreicher Behandlung können bleibende Schäden wie Taubheit, Blindheit oder sonstige neurologische Defizite zurückbleiben [2][3].

Hirnhautentzündung trotz Impfung?

In Deutschland werden Kinder mit Einverständnis der Eltern im ersten Lebensjahr gegen Haemophilius influenzae und Pneumokokken geimpft. Im zweiten Lebensjahr empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) eine Impfung gegen Meningokokken. Wer in FSME-Risikogebieten lebt oder eine Reise in ein solches Gebiet plant, sollte sich auch gegen diesen Erreger impfen lassen. Es kann aber trotz gewissenhafter Immunisierung zu einer Hirnhautentzündung kommen. Das kann beispielsweise daran liegen, dass üblicherweise nur gegen Meningokokken vom Typ C geimpft wird, weil diese am häufigsten auftreten und schwere Krankheitsverläufe produzieren. Allerdings kann eine Meningitis auch durch Meingokokken vom Typ B oder A verursacht werden. Gegen den B-Typ existiert zwar bereits eine Impfung. Diese wird aber nur für Risikogruppen empfohlen. Dazu gehören Patienten mit Immunschwäche, gefährdete Labormitarbeiter oder Personen, die planen, sich in Risikogebieten aufzuhalten. Wer aber gegen die häufigsten Erreger geimpft ist, minimiert die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bereits enorm [4][5].

Quellenangaben:

[1] R. Nau, „Bakterielle Meningitis – Schon bei Verdacht sofort einweisen!“, http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1562763, 20.08.2016
[2] „Was sind Meningkokken-Erkrankungen?“, http://www.internisten-im-netz.de/de_h-ufigkeit-altersverteilung-der-meningokokken-erkrankungen_1789.html, 20.08.2016
[3] W. Hacke (Hrsg.): Neurologie. Springer, 2016, S. 484ff.
[4] „Meningokokken-Impfung bei Kindern“, http://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/meningokokken/infektion/, 20.08.2016
[5] „Meningitis: Impfung“, http://www.apotheken-umschau.de/Gehirn/Meningitis-Impfung-11502_6.html, 20.08.2016