- Kaum zu glauben: Sind Veganer wirklich seltener erkältet?

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Vegan © panthermedia.net / zoomteam

Geringere Krankheitshäufigkeit bei veganer Ernährung?
Tauschen Veganer den Verzicht auf tierische Produkte gegen ein gesünderes, längeres Leben ein? Der vegane Lifestyle hat großen Anklang gefunden: In Deutschland leben rund 6 Millionen Vegetarier, jeder zehnte davon ernährt sich rein vegan. Neben ethischen Prinzipien sprechen häufig auch gesundheitliche Gründe, wie Laktoseintoleranz, Übergewicht und erhöhte Blutfettwerte für den Verzicht auf tierische Produkte [1].
Das Motto „an apple each day keeps the doctor away“ suggeriert darüber hinaus ein arzt-, und damit womöglich auch ein krankheitsfreieres Leben bei pflanzlicher, obstreicher Ernährung. Aber ob Veganer tatsächlich seltener erkältet sind, ist fraglich – zumal sich keine aussagekräftigen, wissenschaftlichen Studien zu dieser Thematik äußern.

Allerdings zeigen zahlreiche, großangelegte Studien die positiven Auswirkungen einer vegan-vegetarischen Ernährung auf die Gesundheit. Veganer und Vegetarier weisen demnach ein deutlich niedrigeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen auf. Bestimmte Krebserkrankungen sind neben den bekannten Wohlstandskrankheiten Übergewicht, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislaufkrankheiten bei Vegetariern und Veganern deutlich seltener anzutreffen. Sogar die Lebenserwartung ist bei vegetarisch-veganer Ernährung höher, während die Sterblichkeitsrate im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nur halb so hoch ist [2]. Neben der geringeren Fettaufnahme wird auch die höhere Zufuhr bioaktiver Substanzen für das geringere Auftreten von ernährungsabhängigen Erkrankungen verantwortlich gemacht. Außerdem wirkt sich eine rein pflanzliche Kost durch eine höhere Aufnahme von Vitamin C, B1, E, Beta-Carotin und Folsäure, sowie ein Plus an den  Mineralstoffen Magnesium, Kalium und Mangan positiv auf die Gesundheit aus [3].

Veganer Lifestyle

Allerdings sollte bei allen diesen Studien der gesamte Lifestyle berücksichtigt werden, der mit dem Veganertum verbunden ist. Kaum jemand wird zum Veganer, indem er von heute auf morgen einfach das Schnitzel gegen Kohlrabi eintauscht und beim Einkaufen die Abteilung mit tierischen Produkten weitläufig umgeht. Meistens beschäftigen sich Veganer und Vegetarier intensiv mit dem Thema Ernährung und achten generell auf eine gesunde Lebensweise. Im Durchschnitt ist der Konsum von Genussmitteln, Drogen und Alkohol niedriger und Vegetarier und Veganern sind häufiger Nichtraucher. Auch das Freizeitverhalten ist bei ihnen meist gesünder, da sie häufiger Sport treiben und durch Yoga und autogenes Training aktiv entspannen und entstressen [1][3].

Risiken des Veganertums Trotz aller Vorteile warnen Ernährungswissenschaftler vor den Gefahren einer rein pflanzlichen Ernährung. Besonders in Lebensphasen mit einem erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen können sich durch eine ungünstige Lebensmittelauswahl ein Mangel und eine Unterversorgung von Vitaminen, Spurenelementen, Proteinen und Energie einstellen. Daher wird eine vegane Ernährung für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche von der deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht empfohlen [4].

Als kritischster Nährstoff wird Vitamin B12 angesehen. Es ist nur in Produkten tierischer Herkunft enthalten, kann aber auch von Mikroorganismen, Bakterien und Pilzen produziert werden.
Weitere potenziell kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung sind weitere Vitamine wie Vitamin D und Riboflavin, Mineralstoffe (Eisen, Jod, Selen, Zink, Calcium) sowie langkettige n-3 Fettsäuren und Proteine. Mangelerscheinungen sind vielfältig, teilweise unspezifisch und zeigen sich oft erst nach einer langjährigen Unterversorgung [2].

 

Potenziell kritischer Nährstoff

 Mangelerscheinungen

Proteine

Wachstumsverzögerung, Abbau körpereigener Proteine, Störungen von Darmschleimhaut und Immunsystem → gesteigerte Infektanfälligkeit, Wundheilungsstörungen

Langkettige n-3 Fettsäuren

Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche und Zittern, Sehstörungen

Vitamin B12

Blutarmut (Reifungsstörung der Blutbildung), Schädigung des Rückenmarks, neurologische und psychische Störungen und Auffälligkeiten

Riboflavin (Vitamin B2)

Blutarmut, Wundheilungsstörungen, Symptome an Haut und Schleimhaut

Vitamin D

gestörte Knochenbildung und Mineralisierung, Skelettdeformierung, Knochenerweichung

Jod

Jodmangelstruma (Kropf)

Calcium

Knochenentkalkung, Minderwuchs

Eisen

Blutarmut, Mundwinkelrhagaden, Nagel-, und Haarveränderungen, beeinträchtigte körperliche Leistungsfähigkeit

Zink

Wundheilungsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit, gestörtes Geschmacksempfinden, Veränderungen von Haut und Haar, neuropsychische Störungen

Selen

Beeinträchtigung von Muskelfunktion, Spermienbildung und Immunsystem

Tabelle modifiziert nach [5]

Fazit:

Nur durch den Verzicht auf tierische Produkte kommt keiner schnupfen-, und hustenfrei über den Winter. Bei einer unzureichenden Nährstoffzufuhr kann durch Mangelerscheinungen das Risiko für Infektionskrankheiten durch eine Beeinträchtigung des Immunsystems sogar erhöht sein. Aber der achtsame Umgang mit Ernährung, Gesundheit und mit sich selbst leistet sicher einen wertvollen Beitrag bei der Prävention von Erkältungskrankheiten.

Quellenangaben:

[1] https://www.ugb.de/vegan-ernaehren/vegane-ernaehrung/ 14.08.16
[2] https://vebu.de/fitness-gesundheit/studien/ 14.08.16
[3] https://www.fairberaten.net/vegetarismus/gesund-leben-ohne-fleisch-vegetarismus-gruende-vorteile/ 14.08.16
[4] https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/dge-position/vegane-ernaehrung/ 14.08.16
[5] https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-veganer-ernaehrung/#c2893 14.08.16