Erkältung: Häufige Fragen

Erkältung (chinesische Medizin)

© PantherMedia / Lev Dolgachov

Nach den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) existiert im menschlichen Körper eine Lebensenergie, genannt Qi. Diese Energie fließt in den Organen und auf der Körperoberfläche. Ist viel Qi vorhanden, ist der Körper widerstandsfähiger und robust. Ist zu wenig Qi vorhanden, können Krankheiten und Erkältungen leichter entstehen. Jeder Mensch kommt mit einer bestimmten Menge Qi auf die Welt, dies entspricht praktisch seiner Konstitution. Später kann das Qi durch gesunde Ernährung und durch Atemluft beeinflusst werden. Die Kanäle, in denen die Energie fließt, werden Meridiane genannt.[3]

Phasen der Erkältung nach TCM

In der TCM werden 6 Stadien der Erkältung unterschieden. Die ersten 4 Stadien sind normal (physiologisch), die zwei letzten sind krankhaft (pathologisch).[1]

Im Frühstadium bis zum Stadium I kann durch Stimulation der Punkte Di 4, Di 11, Lu10, die an wichtigen Meridianstellen liegen, ein Schweißausbruch bewirkt und dadurch die Krankheit vertrieben werden. Hierbei sind eine leicht verstopfte Nase, schwache Gliederschmerzen und Fiebergefühl vorhanden.[1]

I. Stadium der immunologischen Abwehr. Hier sind nun Oberflächensymptome wie Schüttelfrost oder Schleimhautreizungen vorhanden und keine Organsymptome wie Husten oder Übelkeit. Dieses Stadium kann einige Minuten bis Stunden dauern. Wenn sofort behandelt wird, kann die Erkältung nach 2 Stunden wieder verschwunden sein.[1]

II. Stadium der Mobilisierung. In dieser Phase wird das Immunsystem mobilisiert und Beschwerden wie Fieber, Husten, Druck auf Nasenhöhlen können auftreten.[1]

III. Stadium der Sekretion. Diese Phase dient zur Ausleitung des Infekts. So wird Schleim abtransportiert und der Körper von Reaktionsprodukten (verschiedene Abbauprodukte des Körpers) und Altlasten (von nicht auskurierten Infekten) befreit.[1]

IV. Stadium der Beruhigung und Regeneration. Nur wenn Phase III beendet oder fortgeschritten ist, beginnt dieses Stadium. Der immunologische Prozessdruck (Immunabwehr hat Infektion bereits limitiert) erlöscht, der Prozess kann jedoch durch Stress und Antibiotika gestört werden und so Reste der Infektion erhalten bleiben.[1]

V. Stadium der Chronifizierung. Nun holt der Organismus fehlende Entzündungsschritte nach, es treten wiederkehrende Infekte auf und das Immunsystem ist dauerhaft geschwächt und kann die unerledigten Prozesse (vollständige Regeneration) nicht nachholen.[1]

VI. Stadium der Generalisierung. Jahrelang kann der Verlauf beschwerdefrei sein, die Immunreaktion entgleist (chronische Infekte) jedoch und kann immer wieder verschieden Gewebe (z. B Atemwege) befallen und schädigen.[1]

Erkältungsablauf in TCM

In der TCM treten Erkältungen durch Kälte, Wind und Feuchtigkeit über die Haut oder die Atemwege in den Körper. Wenn die Abwehr geschwächt ist, können in unterschiedlichen Schichten des Körpers verschiedene komplizierte Krankheitsbilder entsteht. Tritt nun Kälte in den Körper, kommt es zur Stagnation des Qi-Flusses der Haut. Dadurch kommt es zu Schüttelfrost in der ersten Phase der Erkältung. Danach dringt Kälte weiter zu den Meridianen (Lungenmeridian und Dünndarm/Blasenmeridian). Da der Blasenmeridian über den Kopf zieht, kommt es zu Nacken- und Kopfschmerzen. Des weiteren kontrolliert die Lunge die Verteilung des Qi, daher kommt es bei betroffenem Lungenmeridian zu einer verstopften Nase, Husten und Halskratzen. Als Therapie wird die Oberfläche befreit, indem die Poren mit scharfen, schweißtreibenden und heißen Substanzen geöffnet werden (siehe Anwendung und Dosierung) und Kälte über Schweißsekretion (da davon ausgegangen wird, eingedrungene Kälte verursacht die Infektion) wieder entfernt wird.[5]

Ernährungsvorschläge der TCM bei Erkältung

Als Schutz in der TCM herrscht auf der Haut das Wei-Qi, welches vor Wind, Kälte und Feuchtigkeit schützt. Wenn zu wenig davon vorhanden ist, kann der Körper kälte- und windempfindlicher sein. Wärmende Lebensmittel können das Wei-Qi verstärken. Die Wirkung verstärkt sich, wenn die Nahrungsmittel lange gekocht werden.[3]

Nach der TCM kann man wärmende (Yang-Qi, Rindfleisch, Ingwer, Bohnen, Hirse, Haferflocken, Forelle, Barsch, Huhn, alle Wurzelgemüse, alle Küchenkräuter, Erbsen, Suppen, Getreidekaffee Walnüsse, Mandeln, Trockenfrüchte) und kühlende Lebensmittel (Yin-Qi, Milch, Zucker, Bananen, Gurken, Zitrusfrüchte) unterscheiden.[3] Um den Körper widerstandsfähig gegen Erkältungen zu halten, sollte nach der TCM täglich 2- bis 3- mal warm gegessen werden. Das Frühstück sollte am üppigsten ausfallen und zwischen 7 Uhr und 9 Uhr stattfinden, da zu dieser Zeit die Verdauungskraft am größten ist. In den kühlen Jahreszeiten sollten viele warme und heiße Getränke (Ingwertee, ungesüßte Kräutertees) getrunken werden, um die Verdauungsfunktion (in TCM „Verdauungsfeuer“) zu unterstützen und Erkältungen zu vermeiden.[3] Der Konsum von Milch und Milchprodukten sowie tiefgekühlte Nahrungsmittel kann die Zirkulation des Qi abschwächen und so anfälliger für Erkältungen machen.[3]

Medizinische Faktenlage

Der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit ist oft sehr schwierig und langwierig. Die meisten relevanten Studien erscheinen in chinesischen Datenbanken, die oft schwer zugänglich sind. Über 50% der westlichen Studien, die die Wirksamkeit von TCM überprüfen sollten, greifen nicht auf chinesische Datenbanken zu, daher können die Ergebnisse dementsprechend verfälscht sein, weil zu wenige Daten vorhanden sind. Außerdem sind viele chinesischen Publikationen oft fehlerhaft und nicht vollständig, was die Beurteilung noch mehr erschwert. Es gibt also eine Vielzahl von Studien, einige belegen die Wirksamkeit der TCM bei bestimmten Krankheitsbildern, wieder andere widerlegen die Wirkung bei anderen Krankheiten. Wie bereits erwähnt, sollten daher alle diese Ergebnisse mit Vorsicht genossen werden. Ein wissenschaftlicher Beleg ist daher noch ausständig.[1][2][5][6]

Anwendung und Dosierung

Um eine individuelle Behandlung und eine richtige Dosierung bei Erkältung zu erhalten, muss ein Spezialist für TCM aufgesucht werden. Generell können die 5 Behandlungstechniken der TCM kombiniert gegen Erkältung eingesetzt werden.[2]

Am wichtigsten ist die Arzneimitteltherapie. Hier kann es Pflanzen-, Tier- und Mineralpräparaten geben. Die Zusammensetzung und Dosierung ist immer verschieden und richtet sich nach 4 Qualitäten:

  • Das auslösende Witterungs-Ursache: Entweder Kälte, Hitze, Wind oder Feuchtigkeit.
  • Das betroffene Organ: Auge, Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Hals, Bronchien, Blase.
  • Die Intensität der körperlichen Abwehr: Schwach (anerg) bis überschießend.
  • Die Zeitachse: Hier gibt es 4 normale (physiologische) und 2 krankhafte (pathologische) Zeitachsen.[2]

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Diätik: Wie bereits erwähnt, können nach der TCM bestimmte wärmende Lebensmittel die Heilung bei Erkältungen unterstützen[1].

Auch Bewegungsübungen wie Qigong oder innere Kampfkünste (Taijiquan) können den Fluss des Qi verbessern und daher die Heilung beschleunigen.[1]

Bei der Akupunktur und Moxibustion (kleine Beifußfasern werden mittels Stahlnadeln auf oder über bestimmten Meridianen abgebrannt und sanft stimuliert) werden bestimmte Punkte, die entlang von Meridianen (wichtig für Qi-Zirkulation) entweder mit Nadeln oder mit Moxa gereizt. Um so z. B eine akut auftretende Erkältung imitieren zu können, werden oben erwähnte Punkte Di 4, Di 11, Lu10 mit Hilfe dieser Techniken stimuliert.[1]

Außerdem sind Massagen sehr gebräuchlich, um die Beschwerden von Erkältungen zu lindern. So kann z. B. bei einer verstopften Nase ein wirksamer Punkt, der zwei bis drei Millimeter neben des Nasenflügels auf Höhe des Nasenöffnung ist, recht und links abwechselnd mit dem Fingernagel gedrückt werden. Dies kann so lange wiederholt werden, bis die Nase kribbelt und Besserung eintritt. Wenn die Augen tränen, ist der richtige Punkt erreicht. Dieses Verfahren wird Akupressur oder Shiatsu genannt.[4]

Diagnose

Die Diagnosen in der TCM involvieren ein ausführliches Gespräch mit Anamnese und eine körperliche Untersuchung. So werden Puls und Zunge inspiziert, nach Schlafgewohnheiten, Träumen und Essgewohnheiten gefragt. Am wichtigsten ist die Beurteilung des Pulses, bis zu 6 Pulse werden an jedem Handgelenk ertastet.[6]

Risiken

Bei falscher Dosierung der TCM-Arznei oder bei Akupunktur an falschen Punkten, kann es nach Angaben von TCM-Experten zu schweren Nebenwirkungen kommen.[5]

Außerdem können Vergiftungen bei bestimmten Arzneien (z. B Aristolochiasäure, Acontium, Arsensulfid) auftreten. Auch eine Verunreinigung von Arzneimitteln durch Pestizide, Schwermetalle lässt sich nur vermeiden, wenn die Produkte in einer Apotheke eingekauft werden. Wie bei Medikamenten der Schulmedizin, können auch bei chinesischen Medikamenten bei sachgemäßer Anwendung Nebenwirkungen auftreten.[5]

Bei Abkochungen von bestimmten Pflanzenteilen können schwere Störungen auftreten, wenn sie vom falschen Patienten zur falschen Zeit eingenommen werden.[5]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung