Erkältung: Naturheilkunde

Naturheilmittel gegen Erkältung

© PantherMedia / Karel Miragaya

Eine Erkältung ist eine meist viral bedingte Infektionskrankheit der Atemwege, welche innerhalb weniger Tage von selbst ausheilt, weshalb es häufig nicht notwendig ist, mit der Chemiekeule gegen sie anzukämpfen. Wesentlich sinnvoller kann hingegen die gezielte Anwendung verschiedener Naturheilmittel sein. Hierdurch lassen sich die Symptome der Erkältung, zu welchen Husten, Halsschmerzen, Schnupfen und gelegentlich Fieber zählen, in der Regel gut lindern. Welche pflanzlichen Wirkstoffe bei welchen Beschwerden zum Einsatz kommen, wie sie wirken und wo die Grenzen einer Selbstbehandlung mittels Naturheilmittel liegen, soll im folgenden Text genauer erläutert werden.

Medizinische Fakten

Eine Erkältungskrankheit wird zu mehr als 90% durch eine virale Infektion verursacht. In den meisten Fällen lösen Rhinoviren oder Adenoviren eine Reizung der Atemwegsschleimhaut aus, wodurch die typischen Beschwerden jenes Krankheitsbildes entstehen:

Husten (Tussis)

Anfänglich tritt klassischerweise ein trockener Reizhusten (unproduktiver Husten) auf, der im Verlauf der Erkrankung zu einem Husten mit Auswurf von Schleim (produktiver Husten) übergeht.

Halsschmerzen und Schluckbeschwerden (Dysphagie)

In der Regel kündigt sich eine Erkältung mit Halsschmerzen an. Der Rachen (Pharynx) erscheint gerötet als Zeichen einer akuten Entzündungsreaktion. In diesem Zusammenhang treten typischerweise Halskratzen, Fremdkörpergefühl, Räusperzwang und Schmerzen beim Schlucken auf.

Schnupfen (Rhinorrhoe)

Schnupfen manifestiert sich als verminderte Nasenatmung aufgrund verstopfter Nasenhöhlen (Obstruktion) mit Abgang von vermehrtem Nasensekret. Staut sich das Nasensekret bis in die Nasennebenhöhlen, kann dies zu drückendem Kopf- und Gesichtsschmerz führen. Zudem ist der Geruchs- und Geschmackssinn stark beeinträchtigt.

Erhöhte (subfebrile) Temperaturen bis mäßiges Fieber (Pyrexie)

Gelegentlich kann im Rahmen einer Erkältung geringes Fieber mit Werten unter 39°C Körpertemperatur auftreten [2].

Jene Beschwerden klingen innerhalb von 10 Tagen ohne jegliche Therapiemaßnahmen vollständig ab. Der Körper benötigt lediglich viel Flüssigkeit von 2 bis 3 Litern pro Tag sowie körperliche Schonung. Folglich kann auf die Einnahme von Medikamenten verzichtet werden [1][2]. Studien konnten in mehreren Untersuchungen nachweisen, dass die Anwendung von entzündungshemmenden Mitteln wie Ibuprofen® oder Paracetamol® keine Auswirkung auf die Krankheitsdauer hat [3]. Ebenso raten Experten strengstens von Antibiotikatherapien bei Erkältungen ab. Antibiotika sind nicht nur nutzlos bei einer viralen Infektion, sie lösen auch viele Nebenwirkungen aus und führen immer mehr zur Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterienstämme gegen welche die Medizin kaum noch Mittel hat [2].

Wesentlich sinnvoller kann daher die Anwendung verschiedener Naturheilmittel sein. Die pflanzlichen Wirkstoffe haben zwar ebenfalls keinen nachweislichen Einfluss auf die Dauer der Erkrankung, sie eignen sich jedoch gut zur Symptomlinderung, wodurch der Krankheitsverlauf erträglicher gestaltet werden kann.

Naturheilmittel gegen Husten

Thymian

Thymian (Thymus vulgaris) gehört zur Familie der Lippenblütler. Das Kraut duftet stark aromatisch nach dem in ihm enthaltenen ätherischen Öl Thymol. Dieses wirkt vor allem krampflösend (relaxierend) und entzündungshemmend (antiinflammatorisch). Das Thymol entfaltet seine Wirkung über Sensoren (Rezeptoren) in den Bronchien (ß-Rezeptoren). Durch Aktivierung jener Sensoren wird die Entspannung (Relaxation) der Bronchialmuskulatur ausgelöst. Thymian eignet sich aus diesem Grund bestens zur Therapie von krampfendem, trockenem Reizhusten.

Anwendung als Thymianbad:
Das ätherische Öl lässt sich optimal während eines Vollbads mit Thymiankraut inhalieren. Hierdurch können die Wirkstoffe bis tief in die Bronchien gelangen. Vorbereitend werden 100 g Kraut mit 1 Liter kochendem Wasser vermischt und für 20 Minuten abgedeckt ziehen gelassen. Danach den abgeseihten Aufguss zum Badewasser hinzugeben[4].

Pflanzliche Mittel mit Thymian (Beispiele)

  • Husten- und Bronchialtee von altapharma® der Firma Rossmann®
  • Husten- und Bronchialtee von Bad Heilbrunner®
  • Bronchipret® Hustensaft
  • Aspecton® Hustensaft

Efeu

Efeu (Hedera helix) ist eine giftige Kletterpflanze, welche weit verbreitet wächst. In den Blättern der Pflanze sind Saponine enthalten, welche bekannt sind für ihre vielseitige Wirksamkeit. Hierzu zählt eine entzündungshemmende, immunstärkende, bakterienabtötende (antibakterielle) und virenabtötende (antivirale) Wirkung. Das im Efeu enthaltene Hederasapnonin C wirkt darüber hinausschleimverflüssigend (sekretolytisch), schleimlösend (expektorierend) und schmerzlindernd (analgetisch). Die Anwendung von Efeublättern kann folglich hilfreich bei Husten mit Auswurf von Schleim sein [5][6].

Anwendung als Efeu-Tee:
Der Efeu-Tee wird durch Zufügen von einem gehäuften Teelöffel Efeublätter zu einem ¼ Liter kochendem Wasser zubereitet. Den Tee 10 Minuten ziehen lassen, bevor er getrunken werden kann. Es empfiehlt sich, das Getränk mit etwas Honig zu versüßen [6].

Pflanzliche Mittel mit Efeu (Beispiele)

  • Bronchipret® Hustensaft
  • Prospan® Hustensaft
  • Bronchofit Efeu-Hustensaft®

Eukalyptus

Der Eukalyptusbaum (Eukalyptus globulus labill.) wächst vorrangig in Australien. Aus seinen Blättern wird mittels Wasserdampfdestillation das Eukalyptusöl gewonnen. Dessen Hauptbestandteile sind Cineol und Myrtol. Beide Wirkstoffe fördern die Aktivität der Bronchialdrüsen, wodurch der Bronchialschleim verflüssigt wird, was dessen Abtransport erleichtert. Eukalyptus eignet sich demnach zur Therapie bei Husten mit Auswurf von Schleim. Darüber hinaus bewirken jene Substanzen eine Regeneration der Schleimhaut, welches die Atemwege auskleidet (Flimmerepithel). In Studien konnte durch Inhalation von Eukalyptusöl ein deutlicher Therapieeffekt nachgewiesen werden [7][8].

Anwendung als Inhalation:
Die Inhalation von Eukalyptusöl gilt als besonders hilfreich bei Hustenbeschwerden. Hierzu wenige Tropfen des Öls in ein Gefäß mit dampfend, heißem Wasser geben. Anschließend mit einem Tuch über dem Kopf die Dämpfe abwechselnd durch Nase und Mund einatmen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Augen geschlossen bleiben, da ätherische Öle zu Schleimhautreizungen der Augen führen können.

Pflanzliche Mittel mit Eukalyptus (Beispiele)

  • Exeu® Kapseln
  • Gelomyrtol® Kapseln
  • Soledum Balsam® Inhalationslösung

Naturheilmittel gegen Halsschmerzen

Salbei

Die Salbeipflanze (Salvia officinalis l.) gehört ebenfalls zur Familie der Lippenblütengewächse. Die Blätter werden vor der Blütezeit geerntet und anschließend getrocknet. In ihnen befinden sich ätherische Öle, Bitterstoffe, Triterpene und Flavonoide. Die Kombination jener Wirkstoffe ermöglicht eine erregerabtötende (antibakterielle und antivirale) sowie entzündungshemmende Wirkung, weshalb sich Salbei gut zur Therapie bei entzündlicher Rachenschleimhaut eignet [9].

Anwendung als Gurgelösung:
2 bis 3 Tropfen des Salbeiöls in 100 ml Wasser geben und die Lösung anschließend mit nach hinten geneigtem Kopf gurgeln [9].

Pflanzliche Mittel mit Salbei (Beispiele)

  • Dallmann’s® Salbei Bonbons
  • Salbei Tee Bad Heilbrunner®
  • Kneipp Salbeiblätter-Tee®

Isländisch Moos

Isländisch Moos (Cetraria islandica) ist eigentlich kein Moos, sondern ein Flechtengewächs. Es enthält bis zu 70% Schleim, weshalb die Heilpflanze gern als reizlinderndes Mittel bei Halsschmerzen eingesetzt wird. Die Schleimpolysaccharide legen sich auf die gereizte Schleimhaut und bilden eine Art puffernde Schicht. Darüber hinaus ist die Pflanze reich an Vitamin A, B1 und B12, weshalb eine immunmodulierende Wirkung angenommen wird [10][11].

Anwendung als Isländisch-Moos-Tee:
2 gehäufte Teelöffel des Krauts mit einem ¼ Liter Wasser übergießen und die Mischung langsam zum Sieden bringen. Direkt nach dem Erhitzen abseihen. Von dem Tee 2-bis 3-mal täglich eine Tasse trinken [10].

Pflanzliche Mittel mit Isländisch Moos (Beispiele)

  • Isla moos® Lutschpastillen
  • Dallmann‘s® Isländisch-Moos Bonbons
  • Isländisch Moos Halstabletten von Klosterfrau®

Naturheilmittel gegen Schnupfen

Schlüsselblume

Die Schlüsselblume (Primula veris), auch bekannt als Primel, ist eine Frühlingsblume von welcher die Wurzel zur Gewinnung der Wirkstoffe verwendet wird. Sie ist reich an Saponinen, wodurch sie eine entzündungshemmende, fiebersenkende (antipyretische), aber auch schmerzlindernde Wirkung besitzt. Besonders geschätzt wird die Pflanze jedoch für ihre schleimlösende Wirkung. Hierdurch kann festsitzender Schleim aus den Nasenhöhlen gelockert werden und leichter abfließen.

Anwendung als Schlüsselblumensirup:
Hierzu die Schlüsselblumenwurzel zerkleinern. Ein Teelöffel zerkleinerte Wurzel anschließend mit wenig Wasser für 5 Minuten kochen und dann abgeseihen. Die Flüssigkeit mit viel Honig vermengen, bis eine Art Sirup entsteht. Diesen Sirup löffelweise einnehmen [12].

Pflanzliche Mittel mit Schlüsselblume (Beispiele)

  • Sinupret® TropfenSinuforton Saft
  • Schlüsselblumen Tee von Alexander Weltecke

Kamille

Die Kamillenpflanze (Chamomilla recutita) gehört der Familie der Korbblütengewächse an und gilt als eine der bedeutendsten Heilpflanzen. Die Wirkstoffe der Kamille befinden sich hauptsächlich in den Kamillenblüten. Das in ihnen enthaltene ätherische Öl sowie weitere Wirkstoffe werden durch Wasserdampfdestillation gewonnen.
Die vielseitige Wirkung der Kamille wird zum einen durch die in ihr enthaltenen Cumarine vermittelt. Diese wirken vor allem stärkend auf das Abwehrsystem (immunmodulierend). Des Weiteren enthält die Pflanze viele Flavonoide, welche die Ausschüttung von Botenstoffen, die bei Entzündungsprozessen eine zentrale Rolles spielen, regulieren. Hierdurch wird das Entzündungsgeschehen eingedämmt.

Anwendung als Kamillendampfbad:
Eine Handvoll Kamillenblüten mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und die Dämpfe für 5 bis 10 Minuten einatmen [13].

Pflanzliche Mittel mit Kamille (Beispiele)

  • Kamillenkonzentrat (Tropfen) von altapharma® der Firma Rossmann®
  • Kamillenkonzentrat (Tropfen) von Abtei®
  • Kamillin Extern Robugen Lösung

​Naturheilmittel gegen Fieber

Holunder

Die Holunderpflanze (Sambucus nigra) wächst als Strauch, der von Mai bis Juni weißliche Blüten ausbildet, die sich im Herbst zu schwarzvioletten Beeren weiterentwickeln. Die Blüten enthalten wertvolle ätherische Öle und Glykoside, welche bekannt für ihre schweißtreibende Wirkung sind. Aus diesem Grund wird die Pflanze gern zur Therapie von fieberhaften Erkrankungen eingesetzt.

Anwendung als Holunder-Schwitztee: 4 Teelöffel Holunderblüten mit ½ Liter Wasser aufkochen und für 10 Minuten ziehen lassen. Der Aufguss muss direkt anschließend getrunken werden [14].

Pflanzliche Mittel mit Holunder (Beispiele)

  • Heißer Holunder von Klosterfrau®
  • Heißer Holunder von ADDITIVA®
  • HERMESCevittHeißerHolunderGranulat®

Zu beachten

Nicht immer werden die zuvor benannten Symptome durch eine Erkältung verursacht. In seltenen Fällen können sich auch andere Krankheitsbilder dahinter verbergen, bei denen eine Selbstmedikation mittels Naturheilmittel nicht empfehlenswert ist. Folgende Symptome stellen in diesem Zusammenhang Warnsignale dar:

  • sehr plötzlicher Krankheitsbeginn
  • ausgesprochen starke Beschwerden
  • Fieber über 39°C
  • begleitende Übelkeit und Erbrechen
  • Symptome, welche länger als 7 Tage persistieren

In diesen Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung