Husten Beim Kleinkind: Im Alltag

Kleinkind hat Husten (nachts)

© PantherMedia / Richard Semik

Bisher sind über 200 Viren bekannt, die eine Erkältung (grippalen Infekt, österreichisch Verkühlung) bei Kleinkindern auslösen können. Da das kindliche Immunsystem noch nicht vollkommen ausgereift ist und sich in der „Ausbildung“ befindet, sind Kleinkinder sehr anfällig gegenüber Viren. Daher sind 6-8 Erkältungen pro Jahr der normale Durchschnitt. In der Eingewöhnungszeit im Kindergarten können sogar, durch engen sozialen Kontakt zu anderen Kindern, 10-12 Infekte normal sein. Abhängig von der Aggressivität des Virus und der Stärke des Immunsystems des Kinders kommt es zu starken oder weniger starken Erkältungen. Im Rahmen von diesen Infekten kann es zu einer Entzündung der Schleimhaut des Kehlkopfes (Laryngitis) oder der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) kommen. Dies führt oftmals zu nächtlichem Husten. Im Folgenden wird auf die genauen Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Risiken von nächtlichem Husten bei Kleinkindern eingegangen.[4][5]

Ursachen von nächtlichem Husten beim Kleinkind

Klassische Erkältung (grippaler Infekt)

Die Viren werden oftmals durch Tröpfcheninfektion von Kind zu Kind übertragen. Dabei gelangen diese in feinen Sekrettröpfchen durch Sprechen, Niesen und Husten auf die Schleimhäute von Mund und Nasenraum des Kindes und breiten sich von dort aus. Die Viren gelangen durch den Nasenrachenraum zur Schleimhaut der oberen Luftwege und verursachen dort eine Entzündung. Nach 2-5 Tagen Inkubationszeit beginnt die Erkältung meist mittrockenem (starken) Husten (Tussis) und Schnupfen (Rhinitis). Husten ist ein Schutzreflex, um fremde Partikel wie Viren, Bakterien, Pollen und Schleim auszuwerfen. Falls sich die Viren in den ganzen Körper ausbreiten können, kommen zusätzliche Symptome wie Fieber(Pyrexie), Kopf (Cephalgie)- und Gliederschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu. Gegen Ende der Erkältung tritt meist ein Husten mit zähflüssigem Auswurf auf. Falls die angegriffenen Schleimhäute zusätzlich durch Bakterien infiziert werden, kommt es zu einem gelblichen bis grünlichen Auswurf. Falls solche Erkältungen nicht richtig auskuriert werden und das Kind sich zu früh belastet, können die Erkältungssymptome wieder aufflammen. Darüber hinaus kommt es in der Eingewöhnungszeit im Kindergarten vor, dass Erkältungen kurz hintereinander auftreten, so dass die Schleimhäute der Luftwege immer wieder angegriffen werden. Dies kann dazu führen, dass die Schleimhaut der oberen Atemwege dauerhaft sehr gereizt ist und Hustenanfälle auch nachts auftreten können.[4][5]

Pseudo-Krupp (Laryngotracheitis)

Der Pseudokrupp ist eine Atemwegserkrankung, bei der die Schleimhaut des Kehlkopfes (Larynx) und der Stimmbänder entzündet und angeschwollen ist. Diese Entzündung kann im Rahmen einer Erkältung auftreten. Durch die Schwellung sind die Atemwege verengt, wo durch eine starke Atemnot entstehen kann, die einen anfallsartigen Husten (Krupphusten) verursacht. Unter solchen Anfällen leiden vorwiegend Kinder zwischen dem 18. Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr. Außerdem treten solche Anfälle häufiger in den Herbst und Wintermonaten auf. Meistens kommt es in den späten Abendstunden oder in derNacht ohne Vorwarnung zu einem Anfall. Tagsüber bleiben die Kinder meist beschwerdefrei. Symptome eines akuten Anfalles sind:

  • Trockener, bellender Husten
  • Heiserkeit (Dysphonie)
  • Atmenot (Dyspnoe)
  • Lautes Einziehen der Luft beim Einatmen (inspiratorischer Stridor), aufgrund der verengten Atemwege

Bei schweren Fällen kann die Luftnot lebensbedrohliche Zustände annehmen und es besteht Erstickungsgefahr. Aus Furcht vor dem Ersticken bekommen die Kinder meist Panikattacken. Darüber hinaus ist erwiesen, dass eine hohe Konzentration an Luftschadstoffen (Rauch) das Auftreten von Pseudokrupp-Anfällen begünstigt. Daher sind Kinder in „Raucherwohnungen“ stärker prädisponiert. Bei älteren Kindern sind die Atemwege weiter und daher treten solche Anfälle kaum mehr auf.[3]

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis)

Nasennebenhöhlen sind lufthaltige Hohlräume in den Knochen des Schädels, die mit dem Nasenraum verbunden sind. Man unterscheidet die Stirnhöhlen (Sinus frontalis), Kieferhöhlen(Sinus maxillaris), Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales) und Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales). Bei Geburt des Kindes sind die Nasennebenhöhlen noch nicht vollständig ausgebildet und entwickeln sich erst mit dem Wachstum des Kindes. Im Säuglingsalter sind nur die Kieferhöhlen und Siebbeinzellen vorhanden. Die Entzündung dieser beiden Höhlen tritt meist im Kleinkindalter auf, Entzündungen der Keilbeinhöhlen und Stirnhöhlen häufig erst im Schulalter. Oftmals entsteht eine Nasennebenhöhlenentzündung durch eine Fortleitung der Entzündung in den Nasenraum im Rahmen einer Erkältung. Andere Ursachen können unter anderem anatomische Besonderheiten, wie Engstellen, Verschlüsse, krumme Nasenscheidewand und Nasenpolypen sein. Die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen ist mit Flimmerhärchen besetzt. Diese sollen den dort gebildeten Schleim abtransportieren, der eine schützende und reinigende Wirkung hat. Bei einer Entzündung schwillt die Schleimhaut an und es wird vermehrt Schleim gebildet, um die Erreger zu beseitigen. Dadurch kann die Öffnung von Nasennebenhöhlen zum Nasenraum verschlossen werden. Die Höhle kann nun nicht mehr belüftet werden und das Sekret staut sich, wo durch ein schmerzhaftes Druckgefühl entsteht und sich Viren und auch Bakterien vermehren können. Meist sind dieKieferhöhlen und die Siebbeinzellen betroffen, seltener die Stirnhöhle und die Keilbeinhöhle. Symptome einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung sind: [1][2]

  • Behinderte Nasenatmung
  • (nächtliches) Husten, ausgelöst durch den Sekretfluss in den Rachenraum
  • Schleimige weißliche Absonderungen, bei einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien auch grünliche bis gelbliche Farbe
  • Kopfschmerzen (Cephalgie)
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Leichtes Druckgefühl im Kopf

Behandlung von nächtlichen Husten beim Kleinkind

Klassische Erkältung (akute Bronchitis)

Eine Erkältung klingt meist ohne besondere Therapie nach 2 Wochen wieder ab. Bei einer einfachen Erkältung gilt es besonders die Symptome zu lindern, den Schleim zu lösen und den (nächtlichen) Husten zu stillen. Im Allgemeinen sollte das KindBettruhe halten und am ausreichend trinken (3 bis 6 jährige Kindern ungefähr 1 Liter am Tag). Um ein wiederaufflammen der Erkältung zu verhindern, sollte das Kind sich erst wieder belasten und in die Gemeinschaftseinrichtung gehen, wenn der Infekt komplett ausgeheilt ist.

Milch mit Honig: Altbewährte Hausmittel sind Milch mit Honig oder Honigbonbons. Ihre Wirksamkeit beruht auf dem hohen Zuckeranteil und den Inhibinen, wie Wasserstoffperoxid, die durch die Aktivität des Bienenenzyms Glucoseoxidase entstehen. Durch diese Inhaltsstoffe wirkt Honig antibakteriell und desinfizierend.
? Bei Säuglingen und Kindern unter 12 Monaten ist die Anwendung von Honig zu unterlassen! Honig kann Spuren des Nervengiftes Botulinumtoxin enthalten. Dies ist für Erwachsene ungefährlich, da bei Säuglingen noch nicht genug Magensäure produziert wird, können sie auch kleinste Mengen dieses Stoffes nicht neutralisieren. Als Folge können schwerwiegende Krämpfe und Lähmungen (Säuglingsbotulismus) auftreten.[6]

Brustwickel: Brustwickel werden meist warm angewendet und wirkenkrampflösend und durchblutungssteigernd. Die Bronchien weiten sich, der Schleim kann besser gelöst werden und wird besser abgehustet. Oftmals werden Zusätze wie Quark, Schweineschmalz, Olivenöl oder Zitrone genommen.[6]

Inhalation: Inhalation mit heißem Wasser
Besonders bei starkem Husten und verschleimten Atemwegen kann die Inhalation von heißem Wasserdampf dazu beitragen, diese wieder zu öffnen. Ätherische Öle(Vorsicht bei Allergikern!) und Kräuterextrakte, wie beispielsweise Tannenöl, Salbei oder Kamille können das Lösen des Schleims ebenfalls begünstigen und dem Wasser zum Inhalieren beigefügt werden.
Um zu vermeiden, dass sich das Kind am heißen Wasserverbrüht, kann das Kind auf den Schoß genommen werden, während es den Kopf über die Schüssel mit warmem Wasser hält und den Wasserdampf inhaliert.[4][6]

Pseudo-Krupp (Laryngotracheitis)

Während einem Anfall sollte man selbst Ruhe bewahren und versuchen das Kind zu beruhigen. Denn Erstickungsangst und Unruhezustände können den Anfall verschlimmern. Folgende grundlegende Maßnahmen helfen, dass das Kind wieder ausreichend Luft bekommt.

  • Das Kind hochnehmen und aufrecht hinsetzen oder auf den Arm nehmen
  • Feuchte Luft erleichtert das Atmen. Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erhalten, kann warmes Wasser in die Badewanne gelassen. Zusammen mit dem Kind auf den Badewannenrand setzen und den warmen Wasserdampf inhalieren. Falls es bereits ein Inhalationsgerät im Haushalt gibt, Kochsalzlösung einfüllen und inhalieren lassen.
  • Alternativ vor den offenen Kühlschrank setzen. Die kühle feuchte Luft lindert die Atemnot. Sowie das Fenster öffnen, denn frische Luft verstärkt die Sauerstoffzufuhr.
  • Hat sich das Kind beruhigt, ein kühles Getränk in kleinen Schlucken verabreichen. Wasser oder Tee, keine Milch! Das Kind sollte erst mal nichts essen, da dies wieder einen Anfall auslösen kann.

Bei schwerer Atemnot oder wiederkehrenden Anfällen muss sofort der Notarzt gerufen werden. Besteht Erstickungsgefahr, kann dieser mit Medikamenten wie Cortisol oder Adrenalin helfen.[3]

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Falls der Verdacht einer chronischen Sinusitis besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Es muss eine Untersuchung des Nasenraumes und der Nasennebenhöhlen erfolgen, umanatomische Besonderheiten auszuschließen, die den Sekretabfluss behindern.
Die Behandlung zielt darauf ab, den Sekretabfluss wieder herzustellen oder anzukurbeln. Meist geschieht dies mit Nasentropfen oder Nasensprays, die eine Abschwellung der Schleimhäute bewirkt. Die Altersvorgaben und Dosierungsempfehlungen der Packungsbeilage sollten unbedingt beachtet werden. Hausmittel können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz kommen. Die oben bereits beschriebenen Inhalationen wirken wohltuend und schleimlösend und haben einen positiven Einfluss auf die Heilung.[1][2]

Zu beachten

Erkältungen sollten immer auskuriert werden. Besonders bei nächtlichem Husten können die Kinder sehr geschwächt sein. Falls die Symptome nach einer Woche nicht besser werden, sollte der Arzt aufgesucht werden.

Bei wiederkehrenden und schweren Pseudokruppanfällen sollte nicht gezögert werden den Notarzt zu rufen, da sonst Lebensgefahr besteht. Die wichtigste Grundregel ist: Selbst Ruhe bewahren, das Kind beruhigen und die allgemeinen Maßnahmen durchführen!

Gefahr bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung besteht, da sich die Entzündung auf umliegende Strukturen wie Augenhöhle, Knochenhaut und im schlimmsten Fall auf die Hirnhaut ausbreiten kann.

Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen zielen darauf ab, die Schleimhäute des Nasenraumes zu schonen. Daher sollte Rauchen in der Wohnung vermieden werden, Räume nicht zu trocken sein und Erkältungen immer vollständig auskuriert werden.