Husten: Naturheilkunde

Hustenlöser (pflanzlich)

© PantherMedia / Leung Cho Pan

Ein Erkältungshusten läuft meistens in zwei Phasen ab. Während der ersten Phase werden Krankheitserreger durch den Mund, oder die Nase aufgenommen und greifen die Schleimhäute des oberen Atemtraktes an. Das führt zu einer Reizung und damit zum Auslösen von Husten. Die Art des Hustens wird als Reizhusten oder trockener Husten bezeichnet.

Schleim zum Binden und Abtransportieren der Krankheitserreger wird erst in der zweiten Phase produziert. Der Husten ist dann „produktiv“. Mithilfe von Hustenlösern wird der Körper beim Abhusten des keimbeladenen Schleims unterstützt. Ihr Einsatz ist daher in dieser zweiten Phase sinnvoll [1].

Medikamente zum Lösen von Husten

Anis (Pimpinella anisum)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Wirksam ist das ätherische Öl der Früchte. Es beinhaltet zu 80–90% trans-Athenol sowie Methychavicol (Estragol), Anisaldehyd, Anisketon und Terpineol. Diese Stoffe erleichtern das Abhusten von Schleim (expektorierend), indem sie die Zähigkeit des Schleims reduzieren (mukolytisch). Weiterhin besitzen sie einen muskelkrampflösenden Effekt im Bereich des Atemtraktes (spasmolytisch) und tragen durch antibakterielle Eigenschaften zur Verminderung der Krankheitserreger bei [2].

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

Es kann zu Störungen des Gastrointestinaltrakts (Verdauungstrakts) und zu allergischen Reaktionen der Haut und Luftwege kommen.

Kontraindikationen:

Anis sollte nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden. Das ätherische Öl wirkt menstruationsauslösend(emmenagog) und gebärmutterstärkend (uterotonisch). Diese Eigenschaften können sogar bis hin zum Auslösen von Wehen führen [3].

Eine Anwendung bei Brustkrebserkrankungen sollte aufgrund des östrogenähnlichen Wirkstoffs Methychavicol (Estragol) ebenfalls vermieden werden.
Be Allergie gegen Anis sollte auf die Einnahme von Produkten mit Anis verzichtet werden.

Beispielpräparate:

Beispielhaft sind Sinuforton Weichgelatinekapseln mit Anis, Anis Bio Öl von TAOASIS GmbH Natur Duft Manufaktur oder als Teemischung Fenchel-Anis-Kümmel von H&S zu nennen.

Besonders geeignet:

Zur Behandlung von produktivem, festsitzendem Husten.

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Je nach Präparat kann Anis als Tee oder Kapseln eingenommen werden. Bei der Inhalation mit verdünntem Öl bei einerAsthmaerkrankung sollte die Anwendung vorher mit dem Hausarzt abgesprochen werden [4].

Efeu (Hedera helix)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Die Extrakte aus Efeublättern enthalten Saponine (Triterpensaponine), Flavonglykoside und Phenolkarbonsäuren. Insbesondere die Saponine alpha-Hederin und Hederacosid C (nach Umwandlung in alpha-Hederin) sind pharmakologisch aktiv. Sie besitzen eine schleimverflüssigende (sekretolytische) und hustendämpfende (antitussive) Wirkung.

In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass alpha-Hederin die Produktion einer oberflächenaktiven Substanz, demSurfactant, steigert. Surfactant besteht zu etwa 90% aus Lipiden. Es verringert die Oberflächenspannung des Schleims und bewirkt damit seine Verflüssigung. Infolgedessen kann der Schleim besser abgehustet werden [5] [6].

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

In hohen Dosierungen können Magenschmerzen bis hin zu Brechreiz und Erbrechen auftreten.

Kontraindikationen:

Bei Magengeschwüren, Magenschleimhautentzündungen und bei Überempfindlichkeit gegenüber Efeu sollten Efeupräparate nicht eingenommen werden.Schwangere und Kinder sollten vor der Einnahme von Medikamenten mit Efeu Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Beispielpräparate:

Efeuextrakt ist beispielsweise in Bronchoforton Saft der Firma Winthrop oder im Efeu Hustensirup von Madaus enthalten. Als Tabletten ist es von der Firma Engelhard als Prospan Hustentabletten erhältlich.

Besonders geeignet bei:

festsitzendem produktivem Husten

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Als Tee wird ein halber Teelöffel Efeublätter mit heißem Wasser aufgegossen. Dieser sollte 10–15 Minuten ziehen und kann bis zu 3-mal täglich mit Honig gesüßt eingenommen werden. Tee empfiehlt sich jedoch eher bei leichteren Symptomen. Sind die Symptome stärker, sollten Extrakte wie Sirup oder Saft eingenommen werden.

Eukalyptus (Eucalyptus globulus)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Beim Eukalyptus findet sich der Wirkstoff im ätherischen Öl der frischen Blätter und Zweigspitzen. Das Öl beinhaltet zu ungefähr 70% Cineol (Eucalyptol). Dieses fördert das Abhusten durch die Steigerung der Aktivität des Flimmerepithels der Atemschleimhaut. Die Schleimhaut des Atemtraktes besteht aus Zellen, die kleine, sich bewegende Fäden auf der Oberfläche besitzen. Diese bewegen sich so, dass ein Transport von Schleim in Richtung des Mundes stattfindet. Die Bewegung dieser Härchen kann mit der Fortbewegung eines Tausendfüßlers verglichen werden. Durch Cineol wird diese Bewegung verstärkt und der Schleim kann schneller abtransportiert werden (sekretomotorisch).

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

In zu hoch konzentrierter Form kann Eukalyptusöl zu Schleimhautreizungen führen. Weiterhin kann es Magenschmerzenauslösen.

Kontraindikationen:

Eukalyptusöl darf nicht bei Säuglingen und Kleinkindern im Bereich von Nase und Mund angewendet werden, da es bei den Kleinen Atemnot auslösen kann.

Beispielpräparate:

Eukalyptusöl kann in Form von Kapseln wie zum Beispiel Exeu Eukalyptusöl von Hexal, als Eukalyptus-Erkältungs-Balsam-S der Firma Bio-GARTEN GMBH & Co. KG oder als Badezusatz, wie beispielsweise das Ölbad Eucalyptus von SCHUPP, angewendet werden.

Besonders geeignet bei:

festsitzendem Schleim bei produktivem Husten

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Eukalyptusöl kann in den verschiedensten Formen angewendet werden. Insbesondere bei Ölen zum Einnehmen, Inhalieren oder einreiben sollte auf die richtige Dosierung geachtet werden. Es kann sonst zu Schleimhautirritationen kommen.Bei einer asthmatischen Erkrankung sollte vor der Anwendung mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden.

Fenchel (Foeniculum vulgare)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Medizinisch wird vor allem der bittere Fenchel verwendet, da er die arzneirelevanten Inhaltsstoffe konzentrierter enthält. Diese finden sich im ätherischen Öl der Fenchelfrüchte. Sie beinhalten zu 50–70% die Substanz trans-Anethol, zu 12–25% Fenchon und zu 2–8% Estragol. Die Substanzen trans-Anethol und Fenchon lösen festsitzenden Schleim aus den Bronchien und fördern gleichzeitig dessen Abtransport aus den Atemwegen [9][10].

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

Selten kommt es zu einer allergischen Haut- oder Magenreaktion.

Kontraindikationen:

Reines Fenchelöl sollte nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden. Bei Überempfindlichkeit gegen Fenchel sollte ebenfalls auf die Anwendung verzichtet werden.

Beispielpräparate:

Als Beispiele für Fenchelpräparate kann der Fencheltee von Aurica Naturheilmittel sowie Fenchelöl der Hersteller Bombastus-Werke oder Bahnhof-Apotheke genannt werden.

Besonders geeignet bei:

festsitzendem Schleim bei produktivem Husten

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Fenchelfrüchte ähneln den giftigen Schierlingsfrüchten. Sollte Fenchel wild gesammelt werden, besteht Verwechslungsgefahr!Zur Anwendung wird ein Teelöffel frisch gequetschte Früchte in eine Tasse mit heißem Wasser aufgegossen und 5 Minuten abgedeckt ziehen gelassen. Davon kann mehrfach am Tag eine Tasse getrunken werden.
Von Fenchelöl werden 3–4 Tropfen mit Wasser verdünnt. Auch hiervon kann mehrfach täglich eine Tasse getrunken werden.

Primel (Primula veris, Primula eliator)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Von der Primel können sowohl die Wurzeln als auch die Blüten verwendet werden. Die Wurzel enthält Triterpensaponineaus der Familie der Saponine und den Gerbstoff Primulaverin. Triterpensaponine besitzen eine schleimverflüssigende(sekretolytische) und hustendämpfende (antitussive) Wirkung [11].

Die Blüten besitzen einen geringen Gehalt an Saponinen in den Kelchblättern, wenig ätherisches Öl und Flavonoide. Vor allem beim Flavonoid Gossypetin konnte in Studien ein entzündungshemmender Effekt nachgewiesen werden. Generell bewirken Flavonoide Wasserfreisetzung aus der Schleimhaut des Atemtraktes und dadurch eine Verflüssigung des Schleims(mukolytisch).

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

Vereinzelt kann es zu Magenbeschwerden und Übelkeit kommen.

Kontraindikationen:

Bei Allergie auf Primel sollte die Anwendung vermieden werden.

Beispielpräparate:

Als Beispielpräparate sind Bronchicum Tropfen, Bronchipret TP Filmtabletten oder Sinupret Dragees von Bionorica zu nennen.

Besonders geeignet bei:

festsitzendem Schleim bei produktivem Husten

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Je nach Darreichungsform variieren die Dosierung und Anwendung und sollten dem jeweiligen Beipackzettel entnommen werden.

Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) [12][13]

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Der süße Geschmack und die medikamentösen Eigenschaften der Süßholzwurzel gehen auf den Bestandteil Glycyrrhizin zurück. Dieser hemmt die Enzymfamilie der Cyclooxygenasen und Lipooxygenasen, die bei der Entwicklung einer Entzündungsreaktion eine wichtige Rolle spielen. Beim Husten entzünden sich die Schleimhäute der Atemwege. Durch die Hemmung der Cyclooxygenasen kann die Entzündungsreaktion verringert werden.
Weiterhin entspannt Süßholz die glatte Muskulatur der Atemwege (spasmolytisch) und wirkt schleimverflüssigend (sekretolytisch). Dadurch kann festsitzender Schleim besser abgehustet werden. Schleim ist für die Heilung (Genesung) des Hustens von besonderer Bedeutung, da durch ihn die Krankheitserreger gebunden und aus den Atemwegen transportiert werden [12][13].

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

In hohen Dosen wirkt Süßholz auf die Nieren. Es kann zur Natrium- und Wasserretention (Verhinderung der Ausscheidung) sowie Kaliumverlust mit Bluthochdruck und Wassereinlagerungen (Ödemen) kommen. Die Tagesdosis von 15 Gramm Süßholzwurzel beziehungsweise 600 Milligramm Glycyrrhizin darf daher nicht überschritten werden [14].

Kontraindikationen:

Aus den Nebenwirkungen ergibt sich ein Verzicht der Einnahme bei Lebererkrankungen, Hypertonie (Bluthochdruck),Hypokaliämie, Niereninsuffizienz und in der Schwangerschaft.

Beispielpräparate:

Süßholz ist meistens nur in Kombinationspräparaten wie Broncholitan Sirup, MUC Sabona Sirup oder HEUMANN Bronchial-Tee SOLUBIFIX enthalten.

Besonders geeignet bei:

festsitzendem Schleim bei produktivem Husten

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Als Aufguss kann Süßholz mit einer Tagesdosis von 5–15 g eingenommen werden.Von Süßholz in Form von Lakritz sollten nicht mehr als 50 Gramm pro Tag verzehrt werden.

Thymian (Thymus vulgaris, Thymus zygis)

Wirkungsweise des Wirkstoffs:

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind im ätherischen Öl der Pflanze zu finden. Die Hauptwirkstoffe heißen Thymol und Carvacrol. Sie besitzen vor allem einen antibakteriellen Effekt, der sogar in sehr geringen Konzentrationen (1:3000) noch besteht. Weiterhin wirkten sie muskelentspannend (spasmolytisch) und auswurffördernd (expektorativ).

Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

In hohen Dosierungen kann Thymian schleimhautreizend wirken und zu Magenschmerzen und Übelkeit führen.

Kontraindikationen:

Thymian kann uterusstimulierend wirken. Aus diesem Grund sollte die Einnahme während der Schwangerschaft vermieden werden.

Beispielpräparate:

Zum Beispiel Thymian Curarina Tropfen, Tussiflorin Thymian Flüssigkeit oder Broncholitan Sirup enthalten Thymian.

Besonders geeignet bei:

produktivem Husten mit festsitzendem Schleim

Tipps zur Anwendung und Dosierung:

Thymianpräparate sollten nur verdünnt eingenommen werden. Die Beachtung der richtigen Dosierung, je nach Präparat, beugt Nebenwirkungen vor.

Zu beachten

Bei einem Erkältungshusten kommt es im Normalfall nach ca. einer Woche zur Besserung der Begleitsymptome wie Schnupfen und Halsschmerzen. Der Husten selbst kann jedoch noch bis zu 3 Wochen andauern. Stellt sich eine Verringerung der Symptomatik im Verlauf der Erkrankung nicht ein, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Kommen hohes Fieber, Ohrenschmerzen, Genickstarre oder bellender Husten hinzu, sollte zum Ausschluss einer schwerwiegenderen Erkrankung ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden.
Insbesondere Rauchern ist ein Rauchverzicht während der Erkrankung zu empfehlen. Die Atemwege werden so vor zusätzlichen Schadstoffen (Noxen) geschützt und können sich dadurch schneller regenerieren.