- Der Medizinnobelpreis 2015 geht an drei Parasiten-Forscher

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© panthermedia.net / vladislavgajic

Am 10. Dezember 2015 ist es wieder soweit – der Nobelpreis für Medizin wird in Stockholm verliehen. Die diesjährigen Preisträger sind drei Forscher, die Wirkstoffe gegen durch Parasiten verursachte Krankheiten entdeckt haben. Jährlich werden viele Millionen Menschen in den ärmsten Regionen der Welt mit Flussblindheit, Elephantiasis oder Malaria infiziert. Dank der Medikamente, die der Amerikaner William C. Campbell, der Japaner Satoshi Ōmura und die Chinesin Tu Youyou entwickelt haben, können diese Erkrankungen inzwischen effektiv behandelt werden.

Die Preisträger

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin gebührt demjenigen, der die wichtigste Entdeckung auf diesem Gebiet gemacht hat. Das schwedische Karolinska-Institut entschied sich in diesem Jahr, den Preis an gleich drei Wissenschaftler zu verleihen. Eine Hälfte des Preisgeldes teilen sich der gebürtige Ire William C. Campbell und sein japanischer Kollege Satoshi Ōmura. Gemeinsam entdeckten die beiden Forscher ein Mittel gegen Erkrankungen, die durch den im tropischen Raum verbreiteten Fadenwurm verursacht werden, Avermectin. Die andere Hälfte des Preisgeldes geht an die chinesische Forscherin To Youyou. Sie fand heraus, dass Malaria sich durch den im Einjährigen Beifuß enthaltenen Wirkstoff Artemisinin therapieren lässt. Mit ihren Entdeckungen haben die Preisträger bereits das Leben vieler Millionen Menschen gerettet [1][2][3].

Der 1930 geborene Campbell studierte zunächst an der University of Dublin und erhielt dort 1952 seinen Bachelor. Ein Stipendium ermöglichte es ihm, zwei Jahre später seinen Master an der University of Wisconsin-Madions in den USA zu machen. Anschließend promovierte er mit einer Arbeit über den Saugwurm. Bis 1990 war er am Merck Institut of therapeutic reaserch tätig und entwickelte dort unter anderem auch den Wirkstoff Avermectin. Inzwischen ist Campbell emeritiert, lehrt aber noch immer an der Drew University in Madison. 2002 wurde der Biochemiker und Parasitologe zum Mitglied der National Academie of Sciences der Vereinigten Staaten berufen [1][4].

Der japanische Biochemiker Satoshi Ōmura, der sich mit Campbell eine Hälfte des Preisgeldes teilt, wurde 1935 geboren. Er studierte Chemie an der Naturwissenschaftlichen Universität Tokio. Dort erhielt er 1963 sein Diplom, promovierte 1968 in Pharmazie und 1970 in Chemie. Seit 1965 forscht er am Kitasato-Institut Tokio, dessen Präsident er von 1990 bis 2008 war. Dort begann er auch, nach einem Wirkstoff gegen von Fadenwürmern verursachte Erkrankungen zu suchen. Heute ist er außerdem Professor an der amerikanischen Wesleyan University [1][5].

To Youyou, die 1930 geboren wurde, studierte vier Jahre lang bis 1955 an der Fakultät für Pharmazie der Medizinischen Universität Peking. Seither arbeitet sie an der Chinesischen Akademie für traditionelle chinesische Medizin. Zuletzt war sie dort auch als Professorin tätig. Im Rahmen des von der Regierung in Auftrag gegebenen „Projekts 523“ fand sie 1971 den Malaria-Wirkstoff Artemisinin [1][6][7].

Auf Parasitenjagd

Elephantiasis und Onchozerkose sind Erkrankungen, die vor allem in Entwicklungsländern verbreitet sind. Ausgelöst werden sie durch eine Infektion mit dem sogenannten Fadenwurm. Dieser wird durch Kriebelmücken übertragen und verursacht verschiedene Krankheitsbilder. Bei einer Elephantiasis tropica entsteht ein Lymphstau durch eine durch den Parasiten hervorgerufene chronische Entzündung. Die Haut der betroffenen Region vergrößert und verhärtet sich. Es kommt zu Entstellungen vor allem an den unteren Extremitäten und den äußeren Geschlechtsorganen. Pflanzt der Fadenwurm sich im Wirtskörper fort, entstehen sogenannte Mikrofilarien. Wenn sie die Augen befallen, verursachen sie eine Entzündung der Hornhaut, die zur völligen Erblindung führen kann. Man nennt diese Erkrankung Onchozerkose oder Flussblindheit. Denn die Kriebelmücke lebt hauptsächlich an fließenden Gewässern. Gegen beide Krankheiten fanden Campbell und Omura ein Gegenmittel [1][8][9].

Die Stoffwechselprodukte des Bodenbakteriums Streptomyces waren bereits dafür bekannt, andere Bakterien abzutöten. Ōmura legte unzählige Kulturen, sogenannte Bakterienstränge an, um deren Wirkungsweise erforschen zu können. Der Amerikaner Campbell kaufte einige dieser Bakterienstränge auf und testete sie an Parasiten. Dabei fand er den Wirkstoff Avermectin, der Fadenwürmer und andere Ektoparasiten paralysiert und schließlich abtötet. Die chemische Weiterentwicklung des Avermectins, Ivermectin, ist ein für Mensch und Tier gut verträgliches Arzneimittel, das heute auf dem Markt erhältlich ist [2][10][11].

Übertragung durch Moskitos © panthermedia.net / websubstance

Weltweit gibt es 500 Millionen Menschen, die mit der Tropenkrankheit Malaria infiziert sind. Malaria wird durch Plasmodien verursacht: einzellige Parasiten. Sie dringen in die roten Blutkörperchen ein und bringen sie zum Platzen. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch Moskitos. Typische Symptome sind Wechselfieber, d.h. Fieberschübe mit fieberfreien Tagen zwischendurch, Schüttelfrost, Magen-Darm-Beschwerden und Krämpfe. Aufgrund der Tatsache, dass Malaria hauptsächlich Menschen in den ärmsten Regionen der Erde betrifft, fließt nur wenig Geld in die Erforschung von Therapiemöglichkeiten [7][12].

Während des Vietnamkrieges (1964 bis 1975) erkrankten unzählige Soldaten des Vietcong an Malaria, sodass die Kampfkraft der Truppen gefährdet war. Die vietnamesische Regierung wandte sich daraufhin hilfesuchend an ihre Verbündeten in China. Das geheime „Projekt 523“ wurde ins Leben gerufen. Mithilfe der Methoden der traditionellen chinesischen Medizin sollte ein Heilmittel gegen Malaria gefunden werden. Im Rahmen dieses Projektes entdeckte die Pharmakologin To Youyou 1971 den im Einjährigen Beifuß enthaltenen Wirkstoff Artemisinin, der durch Auspressen der Pflanze gewonnen werden konnte. Der Wirkstoff rettet jährlich 100.000 Menschenleben und senkt die Sterblichkeitsrate bei Malariainfizierten. Da das für die Erkrankung verantwortliche Plasmodium sich jedoch rasend schnell weiterentwickelt, sind bereits Erreger gefunden worden, die gegen Artemisinin Resistenzen aufweisen [2][7][13].

Ein Preis für Verdienste an der Menschheit

Der Nobelpreis wird jedes Jahr am 10. Dezember, am Todestag seines Stifters Alfred Nobel, verliehen. Die Höhe des Preisgeldes beträgt etwa 850.000 Euro. In seinem Testament legte der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel fest, dass mit einem Teil seines Erbes eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Zinsen seines so angelegten Vermögens sollten als Preisgelder für diejenigen dienen, „die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Seit 1901 wird der Nobelpreis jährlich in den Gebieten Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Berühmte Preisträger des Nobelpreises für Medizin waren beispielsweise der russische Verhaltensforscher Iwan Petrowitsch Pawlow, der deutsche Immunologe Robert Koch und der englische Entdecker des Penicillins Alexander Flemming. In die Liste dieser bekannten Vorgänger reihen sich 2015 aufgrund ihrer Verdineste an der Menschheit auch William C. Campbell, Satoshi Ōmura und To Youyou ein [3][14].

Quellenangaben:

[1] „The Nobel Prize in Physiology or Medicine 2015“, http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/press.html, 22.10.2015
[2] Heike Le Ker, „Medizinnobelpreis 2015: Kampf den Parasiten“, http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/nobelpreis-medizin-2015-medikamente-gegen-malaria-und-fadenwuermer-a-1056209.html, 22.10.2015
[3] „Liste der Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin“, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nobelpreistr%C3%A4ger_f%C3%BCr_Physiologie_oder_Medizin, 22.10.2015
[4] „William C. Campbell“, https://de.wikipedia.org/wiki/William_C._Campbell, 22.10.2015
[5] „Satoshi Ōmura“, https://de.wikipedia.org/wiki/Satoshi_%C5%8Cmura, 22.10.2015
[6] „Tu Youyou“, https://de.wikipedia.org/wiki/Tu_Youyou, 22.10.2015
[7] Rolf Bökemeier, „Ein Kraut wirkt Wunder“, http://www.geo.de/GEO/natur/ein-kraut-wirkt-wunder-50716.html?t=print, 22.10.2015
[8] „Onchozerkose“, https://de.wikipedia.org/wiki/Onchozerkose, 22.10.2015
[9] „Elephantiasis“, https://de.wikipedia.org/wiki/Elephantiasis, 22.10.2015
[10] „Avermectine“, https://de.wikipedia.org/wiki/Avermectine, 22.10.2015
[11] „Ivermection“, https://de.wikipedia.org/wiki/Ivermectin, 22.10.2015
[12] „Malaria“, https://de.wikipedia.org/wiki/Malaria, 22.10.2015
[13] „Artemisinin“, https://de.wikipedia.org/wiki/Artemisinin, 22.10.2015
[14] „Nobelpreis“, https://de.wikipedia.org/wiki/Nobelpreis, 22. 10.2015