Husten Beim Baby: Anwendungen

Inhalieren bei Husten (Baby)

© PantherMedia / Alexander Jahnke

In den ersten Lebensjahren erkranken Kinder häufig an Atemwegsinfekten, speziell nicht nur der oberen, sondern auch der unteren Atemwege. Ein charakteristisches Symptom solcher zumeist viral oder bakteriell bedingter Entzündungen der Bronchien (Bronchitis, Plural: Bronchitiden) oder der Lungenbläschen (Alveoli pulmonis, dann Pneumonie) kann quälender Husten sein. [1] Bronchitiden zeichnen sich typischerweise durch trockenen Husten aus, der bei verlängerten, sogenannten prolongierten Verläufen in chronischen oder Reizhusten übergehen kann. Als bewährtes Hausmittel zur Linderung der Beschwerden und Verkürzung der Krankheitsdauer kann das Inhalieren von Kochsalzlösung helfen. [1] Die empfindlichen Schleimhäute von Babys profitieren dabei besonders von den wohltuenden Eigenschaften warmen Wasserdampfs ohne Zugabe reizender Stoffe. [2]

Wirkungsweise (biologischer Prozess)

Eine Bronchitis ist eine Entzündung der Schleimhaut, welche die Bronchien auskleidet, zumeist in Verbindung mit Schnupfen bis hin zu Luftröhren- und Kehlkopfentzündungen (Tracheitis und Laryngitis). Die betroffene Schleimhaut produziert dabei als Reaktion auf die Infektion mit Krankheitserregern zunächst weißlichen, später gelblichen (granulozytären) zähen Schleim, der die Atemwege verstopfen kann. [1] Unter der zähen Schleimschicht quellen die Zellen der Bronchien auf (submukosales Ödem) und sterben zum Teil ab. [2] Eine wichtige Aufgabe dieser Zellen ist es jedoch, mithilfe feiner Flimmerhärchen den Schleim mitsamt Zelltrümmern und Krankheitserregern in Richtung Mund und Nase zu transportieren (mukoziliäre Clearance). [1] Inhalierte Kochsalzlösung kann dabei helfen, die geschädigten Zellen der Bronchien beim Transport des zähen Schleims zu unterstützen. Zum einen wird davon ausgegangen, dass höherkonzentrierte Kochsalzlösung (3 % NaCl, hyperton) osmotisch aktiv wirkt und Wasser aus den aufgequollenen Zellen der Bronchien herauszieht. Dieses Wasser aus den Zellen trägt dann dazu bei, den zähen Schleim auf den Zellen zu verflüssigen und fließfähiger zu machen. Zudem kann 3%ige Kochsalzlösung die Zellen der Bronchien über Botenstoffe (Prostaglandine) gezielt zum Abtransport des Schleims über die mukoziliäre Clearance anregen. Schließlich löst die Inhalation von Kochsalzlösung in der Regel einen Hustenreiz aus, sodass der verflüssigte Schleim durch schlagartiges Zusammenziehen des Zwerchfells (Diaphragma) aus den Bronchien hinauskatapultiert wird. [2] In gewissem Maße kann auch die Temperatur des ungefähr 42–47 °C warmen Wasserdampfes bei der Inhalationdesinfizierend wirken. [3]

Empfehlungen zur Anwendung & Dosierung

Kochsalzlösung ist in verschiedenen Konzentrationen erhältlich. Isotone Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) entspricht der Salzkonzentration in unseren Körperzellen. Hypertone Kochsalzlösung (i.d.R. 3 % NaCl oder höher) dagegenhat einen höheren Salzgehalt als unsere Körperzellen. Klinische Studien konnten keinen aussagekräftigen Unterschied im Behandlungserfolg zwischen isotoner und hypertoner Kochsalzlösung feststellen. [2] Beide Konzentrationen können fertig angesetzt erworben und verwendet werden. Alternativ können beide Lösungen auch selbst hergestellt werden, indem man 0,9 g bzw. 3 g handelsübliches Tafelsalz in 100 ml Trinkwasser auflöst und unmittelbar nach Herstellung zur Inhalation verwendet. Bei zu langer Lagerung der selbst hergestellten Inhalationslösung erhöht sich allerdings das Risiko einer Keimvermehrung in der Lösung. Für Babys eignet sich am besten die Inhalation über spezielleInhalationsgeräte, welche die Kochsalzlösung möglichst fein vernebeln (z.B. auf Ultraschallbasis) und so bis in die feinen Bronchien gelangen lassen. Im Idealfall wird das Mundstück des Inhalationsgeräts direkt über Mund und Nase des Kindes gehalten. Sollte das Kind dies nicht zulassen, kann der Abstand zwischen Mund/Nase und Inhalationsgerät vergrößert werden. Das Kind sollte bei der Inhalation möglichst entspannen, sodass sich die Atemwege nicht durch zu großen Stress weiter verengen. Inhaliert werden kann zwei bis drei Mal am Tag für fünf bis zehn Minuten. [2]

Vorbeugend kann man Kinder bei trockener Raumluft, v.a. im Winter, regelmäßig inhalieren lassen, um die Atemwege feucht und abwehrstark zu erhalten.

Zu beachten

Die traditionelle Form des Inhalierens von Kochsalzlösung – über einer Schüssel mit heißer Flüssigkeit und einem Handtuch über dem Kopf – ist für Kinder und speziell Babys nicht geeignet, da es zu schweren Verbrühungen kommen kann! Die käuflich zu erwerbenden Inhalationsgeräte sind nach Anweisung des Herstellers zu bedienen. Zudem ist streng auf Sauberkeit und Hygiene im Umgang mit den Inhalatoren zu achten. Regelmäßiges Spülen mit heißem Wasser und gutes Abtrocknen der Geräte beugt Keimbesiedlungen vor. Alternativ zu reiner Kochsalzlösung kann auf Anraten eines Arztes bei bestimmten Erkrankungen ein weiterer Arzneiwirkstoff (sogenannte Bronchodilatatoren) inhaliert werden. Darüber hinaus können rein pflanzliche Zusätze wie Kamillensud oderZwiebelsaft schleimlösend und beruhigend wirken. Ein feuchtes Raumklima bei nicht zu hohen Temperaturen ist ebenfalls der Gesundheit zuträglich und wirkt hustenlindernd. [3] Prinzipiell sind ätherische Öle (Pfefferminzöl etc.) aufgrund ihrer reizenden Wirkung auf die kindlichen Atemwege nicht zur Inhalation im frühen Kindesalter geeignet, da sie starke Hustenanfälle provozieren können. [3] Generell gilt, dass bei länger andauerndem Husten und anderen suspekten Krankheitszeichen immer ein Kinderarzt zu Rate gezogen werden sollte.