Husten Beim Baby: Im Alltag

Baby hat Husten (im Schlaf)

© PantherMedia / Leung Cho Pan

Husten (Tussis) gehört zu den wichtigsten Schutzfunktionen der Atemwege. Krankheitserreger und Schleim werden durch einen kräftigen, willkürlichen oder durch einen Hustenreflex ausgelösten Luftstoß in Richtung Mundhöhle geschleudert. Vereinzeltes Husten oder Räuspern hat in den meisten Fällen keinen eigenen Krankheitswert, sondern ist als normal (physiologisch) anzusehen. Erst wenn weitere Erscheinungen (Symptome) wie Schleimbeimengungen (Auswurf), Fieber oder Schmerzen bei der Atmung hinzukommen, kann eine grundlegende Erkrankung vorliegen. Am häufigsten handelt es sich dabei um Erkältungskrankheiten [1].

Wenn kleine Kinder oder Babys erkranken, stellt sich die Diagnostik oft als schwierig dar. Symptome der Grunderkrankung können nicht eindeutig beschrieben werden. Gleichzeitig können Hustenanfälle, die im Schlaf auftreten, besonders quälend erscheinen. Ein besonderes Augenmerk für den behandelnden Arzt gilt daher den Beobachtungen der Eltern. Diese sollten das erkrankte Kind besonders genau beobachten.

Nachfolgend werden Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Symptome dargestellt, bei denen Eltern ärztliche Hilfe hinzuziehen sollten.

Ursachen für Husten bei Babys

Wichtig ist es zunächst, den Husten richtig zu beschreiben. Es wird unterschieden zwischen einem akuten Husten, der bis zu acht Wochen anhalten kann, und einem chronischen Husten, der länger als acht Wochen andauert. Wenn beim Husten Schleim oder Sekret abgehustet werden, wird von einemproduktiven Husten gesprochen. Auch die Farbe des Auswurfs, z. B. klar, gelb, gelblich-grünlich, kann dem Arzt helfen, die Ursache des Hustens einzugrenzen. Wenn der Husten ohne Auswurf auftritt, wird er als Reizhusten oder trockener Husten bezeichnet. Diese Art des Hustens ist besonders quälend, weil die Schleimhäute stark gereizt sind. Dies ist gerade für Babys sehr anstrengend. Auch der Charakter des Hustens kann wichtig sein: Teilweise kann ein Stakkato-Husten auftreten; es handelt sich hierbei um laute und abgehackte Hustenstöße. Auch bellender Husten kommt bei einigen Erkrankungen vor [2].

Am häufigsten tritt Husten im Rahmen von Erkältungskrankheiten auf, d. h. bei Infektionen der Atemwege. Sie stellen den häufigsten Grund dar, warum Kinder bei einem Kinderarzt vorgestellt werden. Die Ursache sind hauptsächlich Viren, im Säuglingsalter v. a. RS-Viren, Parainfluenza- und Adenoviren. Insgesamt werden bis zu 200 verschiedene Erreger beschrieben; daher können Kinder sehr häufig erkranken. Drei bis acht unkomplizierte Atemwegsinfektionen im Jahr gelten als normal [3]. Infektionen mit dem RS-Virus (Respiratory-Syncytial-Virus) sind in der ersten zwei Lebensjahren die häufigste Ursache für Atemwegsinfektionen. Die Übertragung der Viren geschieht über die Luft als Tröpfcheninfektion oder durch Kontakt mit Sekreten, in denen sich Viren befinden, sog.Schmierinfektion. Kinder mit Herzfehlern und Frühgeborene sollten genauestens beobachtet und im Zweifelsfall ärztliche Hilfe hinzugezogen werden [4].

Treten die Hustenanfälle vor allem in der Nacht auf und sind weitere Symptome wie Fieber oder eine Entzündung der Augenbindehäute (Konjunktivitis) vorhanden, so kann eine Keuchhusten-Infektion (Pertussis) vorliegen. Bei jungen Säuglingen kann das typische anfallsartige Husten, teilweise sogar mit begleitendem Erbrechen, fehlen. Stattdessen können piepsende Laute vernommen werden. Teilweise hören die Babys für kurze Zeit auf zu atmen, diese Phase wird auch Apnoephase genannt. Besonders gefährdet sind Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten. Gegen viele Erkrankungen besteht ein sog. Nestschutz, d. h., schützende Antikörper werden über die Muttermilch auf das Kind übertragen. Durch den Nestschutz erhält das Kind in den ersten Lebensmonaten Schutz gegen bestimmte Erkrankungen und das kindliche Immunsystem hat Zeit, zu reifen und eine eigene Abwehr aufzubauen. Beim Keuchhusten besteht dieser Nestschutz jedoch nicht. Da eineImpfung frühestens im Alter von drei Monaten erfolgt, besteht in diesen Monaten eine erhöhte Infektionsgefahr. Keuchhusten wird durch ein Bakterium (Bordetella pertussis) verursacht. Die Übertragung erfolgt über die Luft als Tröpfcheninfektion. Keuchhusten ist stark ansteckend. Wenn in der Familie Fälle von Keuchhusten auftreten und Kontakt zwischen Erkranktem und Baby bestand, so liegt das Erkrankungsrisiko bei nahezu 100% [5].

Nächtlicher Husten, bei dem das Baby aus dem Schlaf aufwacht, kann auf ein Krupp-Syndrom hindeuten. Unter dem Begriff Krupp-Syndrom wird eine ganze Gruppe von Erkrankungen zusammengefasst. Typisch für Babys ab zwei Monaten ist der sog. Pseudokrupp. Ausgelöst wird dieser z. B. durch Viren(meist Parainfluenzaviren). Es handelt sich um eine häufige Erkrankung, die neben dem Husten vor allem durch eine erschwerte Einatmung (Inspiration) auffällt [6].

Therapie von Husten bei Babys

Bei der häufigsten Ursache für nächtlichen Husten, den Atemwegsinfektionen, handelt es sich um virale Erkrankungen. Daher kann die grundlegende Erkrankung nicht kausal, d. h. mit Medikamenten, die den Erreger bekämpfen, behandelt werden. Antibiotika richten sich gezielt gegen verschiedene Bausteine innerhalb einer Bakterienzelle und sind somit nicht oder in seltensten Fällen, wenn gleichzeitig eine virale und bakterielle Infektion vorliegt,angebracht. Bei Infektionen mit dem RS-Virus kann in schwersten Erkrankungsfällen eine Behandlung mit Ribavirin angedacht werden, ein Medikament, welches das Erbgut des Virus verändert [7]. In der Regel heilen virale Atemwegsinfektionen jedoch rasch und ohne Komplikationen aus. Die Therapie erfolgt daher symptomatisch, d. h., dem Baby soll das Husten und das Abhusten von Schleim erleichtert werden [2]. Die wichtigste Maßnahme ist die ausreichende Versorgung mitFlüssigkeit. Dadurch wird festes Sekret in den tieferen Abschnitten der Atemwege verflüssigt und kann dann leichter abgehustet werden. Typischerweise ist der Husten zu Beginn einer Erkältungskrankheit eher trocken und nimmt erst im späteren Verlauf einen produktiven Charakter an [8]. Während Inhalationen in der Therapie von Erkältungskrankheiten bei Erwachsenen mittlerweile zur Standardtherapie gehören, stellen sie sich bei Kindern und Babys als schwierig dar. Um einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen, sollte der Wasserdampf in ruhigen, tiefen Atemzügen eingeatmet werden. Kinder empfinden den heißen Dampf jedoch häufig als unangenehm. So gelangen die Dämpfe gar nicht erst bis in die betroffenen Bereiche. Auch die häufig zugesetzten ätherischen Öle sollten bei Kindern nicht angewendet werden, da sie in einzelnen Fällen Allergien hervorrufen können. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, kann die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöht werden, indem feuchte Handtücher auf die Heizung gelegt werden. Auch durch diese Methode kann festsitzendens Sekret verflüssigt werden [9].

Der meist viral bedingte Pseudokrupp kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Am wichtigsten ist es zunächst, beruhigend auf das Kind einzuwirken. Als Hausmittel wird oft das Einatmen von feuchter und kalter Luft empfohlen; allerdings sind der Nutzen und die Wirksamkeit dieser Methode nicht wissenschaftlich erwiesen. Schwere Verläufe können mit Medikamenten behandelt werden. Eingesetzt werden Wirkstoffe, die an den Blutgefäßen der Schleimhäute innerhalb der Atemwege wirken und somit eine Abschwellung bewirken, z. B. d-Epinephrin. Auch Glukokortikoide, welche die Entzündungsreaktion abdämpfen sollen, werden genutzt. Bei entsprechend schwerer Symptomatik sollten Kinder stationär im Krankenhaus behandelt werden. Obwohl es häufig zu erneuten Erkrankungen (Rezidiven) kommt, ist die Prognose gut [10].

Keuchhusten kann gerade bei Kleinkindern schwer verlaufen; daher sollten Säuglinge stationär im Krankenhaus behandelt werden. Typischerweise werdendrei Stadien der Erkrankung durchlaufen. Die Gesamtdauer der Erkrankung wird mit Zeiträumen zwischen drei und zwölf Wochen angegeben. Wird die Erkrankung früh erkannt, kann der Verlauf der Erkrankung durch Medikamente abgeschwächt werden. Das Mittel der Wahl ist Erythromycin, ein Antibiotikum, das die Bildung von Eiweißen (Proteine) innerhalb des Bakteriums hemmt. Weiterhin können sogenannte Makrolide, z. B. Clarithromycin oder Azithromycin, eingesetzt werden. Auch diese Antibiotika wirken auf die Eiweißproduktion der Bakterien [11].

Zu beachten

Die Prognose der Atemwegsinfektionen ist ausgesprochen gut, auch wenn Kinder häufig erkranken. In den meisten Fällen wird keine medikamentöse Therapie durchgeführt. Hausmittel, Ruhe und Flüssigkeit reichen in den meisten Fällen aus. Da viele der im Handel erhältlichen freiverkäuflichen Medikamente verschiedene Zusätze enthalten können, sollte ihr Einsatz mit einem Kinderarzt abgesprochen werden. Am wichtigsten bei der Diagnostik ist die Beobachtung des Kindes durch die Eltern. Hält der Husten länger als sieben Tage an oder leidet das Kind an hohem Fieber, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dasselbe gilt, wenn die Atmung von Geräuschen, z. B. einem Pfeifen, begleitet wird oder wenn sich das Kind beim Atmen stark anstrengen muss [12].