Husten Beim Baby: Im Alltag

Baby hat Husten (nachts schlimmer)

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Über 200 Viren sind bekannt, die eine Entzündung der oberen Atemwege auslösen können. Gerade Babys sind besonders anfällig für Erkältungen, da sich ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befindet. Während der Stillzeit werden Abwehrstoffe mit der Muttermilch übertragen, die dem Baby einen „Nestschutz“ bieten, jedoch keine komplette Immunität gegen die Erreger im neuen Umfeld. Nächtlicher Husten wird nicht in jedem Fall von Erregern wie Viren oder Bakterien ausgelöst, sondern kann auch durch anatomische Besonderheiten der Atemwege bedingt sein, beispielsweise wenn die Nasennebenhöhlen durch Engstellen verschlossen sind und nicht richtig belüftet werden können. Ein- und Durchschlafstörungen, bedingt durch das nächtliche Husten, können für das Baby sehr belastend sein und eine Genesung verzögern. Schlimmer nächtlicher Husten kann im Rahmen einer Erkältung, eines Pseudokrupp-Anfalls oder durch eine Nasennebenhöhlenentzündung ausgelöst werden. Im Folgen wird auf die Ursachen, die Behandlung und die Risiken eingegangen [4][5].

Ursachen von Husten beim Baby (nachts schlimmer)

Erkältung (akute Bronchitis, grippaler Infekt, österreichisch: Verkühlung)

Eine Erkältung wird in 90% der Fälle durch Viren ausgelöst. Übertragen werden die Erreger durch kleine infektiöseSekrettröpfchen, die durch Niesen, Husten oder Sprechen in die Luft oder auf Gegenstände gelangen. Das Baby atmet die Tröpfchen ein und die Viren gelangen so in den Nasenrachenraum (Tröpfcheninfektion). Dort können sich die Viren vermehren und ausbreiten. Die Übertragung erfolgt vor allem durch enge soziale Kontakte (Eltern, Verwandte). Oftmals wird die Erkältung auch vom älteren auf das jüngere Geschwisterkind übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 5 Tagen kommt es meist zu einer Entzündung desNasenraumes und der großen luftleitenden Wege (Bronchien).

Husten ist ein Schutzreflex des menschlichen Körpers, um die Schleimhaut der Atemwege frei von gefährlichen Partikeln wie Viren, Bakterien, Staub und Pollen zu halten. Während der Erkältung ist die Schleimhaut der Atemwege entzündet und produziert vermehrt Schleim. Diese vermehre Schleimproduktion soll die angegriffenen Atemwege schützen und die Erreger auswerfen. In der Hälfte aller Fälle können sich Bakterien in die bereits entzündete Schleimhaut einnisten und es kommt zu einer zusätzlichen Infektion (bakterielle Superinfektion). Die hat zur Folge, dass vermehrt Schleim gebildet wird. Gerade in der Nacht kann dieser schlechter ausgeworfen werden und der Körper reagiert mit einem starken nächtlichen Hustenreiz. Besonders bei lang anhaltenden oder kurz aufeinander folgenden Erkältungen können die Atemwege stark gereizt sein, sodass bereits kleinste Reize in der Nacht einen starken Husten auslösen können. Die Symptome auf einen Blick [4][5]:

  • Husten, anfangs zähflüssiger Auswurf, später Husten mit Auswurf. Im Falle einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien entstehen gelblicher bis grünlicher Auswurf und starker nächtlicher Husten.
  • verstopfte oder laufende Nase
  • geschwollene Lymphknoten im Hals- und Nackenbereich
  • leichtes Fieber
  • häufiges Weinen und Abgeschlagenheit

Pseudokrupp (akute Laryngotracheitis)

Der Pseudokrupp tritt meist im Rahmen einer Erkältung auf. Hierbei erfolgte eine Infektion der Schleimhaut des Kehlkopfes (Larynx) mit den Erkältungsviren. Am häufigsten tritt dies bei Kleinkindern zwischen dem 18. Lebensmonat und 5. Lebensjahr im Herbst oder Winter auf. Die Entzündung der Kehlkopfschleimhaut hat eine starke Schwellung und Einengung der Atemwege zur Folge. Besonders in den späten Abendstunden und in der Nacht kann die Schwellung plötzlich schlimmer werden und die Atemwege stark reizen und verlegen. Symptome des akuten Anfalls äußern sich wie folgt [3]:

  • anfallartiger, trockener, bellender Husten
  • Heiserkeit
  • Atemnot
  • lautes Geräusch beim Einatmen der Luft, durch die verengten Atemwege

Tagsüber kann das Kind Symptome einer Erkältung zeigen oder sogar beschwerdefrei sein. Schwere Anfälle können lebensbedrohlich sein, da Erstickungsgefahr besteht. Im Falle einer schweren Luftnot verfärben sich die Lippen, Fingernägel und der Gaumen des Kindes blau. Dies wirdBlausucht (Zyanose) genannt und ist bedingt durch eine zu niedrige Sauerstoffkonzentration im Blut.

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis)

Die Nasennebenhöhlen dienen zur Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft. Ein erwachsener Mensch besitzt insgesamt 4 Nasenebenhöhlen. Diese entstehen und wachsen erst im Laufe des Lebens. Ein Baby besitzt nur die Kieferhöhle (Sinus maxillares) und die Siebbeinzellen(Sinus ethmoidales). Eine akute Entzündung entsteht meist durch die Fortleitung der Viren in die Nasennebenhöhlen, eine chronische Entzündung hingegen durch anatomische Besonderheiten, wie Engstellen, Verschlüsse, krumme Nasenscheidewand oder Polypen. Die Nasenschleimhaut ist mit Flimmerhärchen besetzt, die den schützenden Schleim kontinuierlich abtransportieren. Wenn ein Verschluss einer Nasennebenhöhle besteht, dann staut sich der Schleim und verursacht eine Entzündung. Weiterhin kann die Höhle nicht mehr richtig belüftet werden und Viren und Bakterien können sich leichter einnisten. Die Symptome sind sehr variabel aber äußern sich meist wie folgt [1][2]:

  • behinderte Nasenatmung
  • Druckgefühl am Kopf, Baby weint bei Berührung
  • (nächtlicher) Husten, ausgelöst durch den Sekretflussin den Rachenraum in der Nacht; schleimiger weißer Auswurf; bei zusätzlicher Infektion mit Bakterien kann dieser auch eine grünliche bis gelbliche Farbe haben.
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen

Äußere Faktoren

Besonders im Winter kann durch ständiges Heizen die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sehr niedrig sein. Dies hat zur Folge, dass der Schleim in den Atemwegen sehr trocken und zähflüssig wird. Dadurch kann starker nächtlicher Husten hervorgerufen werden. Passivrauch trocknet die Schleimhaut der Atemwege nicht nur aus, sondern kann sie auch stark reizen. Dies hat ebenfalls einen nächtlichen (Reiz-)Husten zur Folge.

Behandlung von Husten beim Baby (nachts schlimmer)

Erkältung

Der nächtliche Husten ist eine Folge der Erkältung. Am besten wird dieser behandelt, wenn die Erkältung bekämpftund die Schleimhaut bei der Genesung unterstützt wird. Im Allgemeinen muss das Baby ausreichend trinken, damit sich der Schleim stets ausreichend verflüssigen kann. Darüber hinaus soll für eine ruhige Umgebung gesorgt werden, damit Bettruhe gehalten werden kann [6].

Inhalation

Die Inhalation wirkt durch die warmen und feuchten Dämpfe sehr wohltuend, krampflösend und durchblutungssteigernd auf die angegriffenen Atemwege. Die gereizten Atemwege werden befeuchtet und der Schleim kann besser abgehustet werden. Natürlich kann das Baby nicht alleine inhalieren. Am besten auf den Arm nehmen und das Wasser in der Badewanne oder Dusche heiß aufdrehen. Zusammen die warmen Dämpfe am Rand der Badewanne oder Dusche für 10 Minuten inhalieren. Dies kann mehrmals am Tag wiederholt werden; besonders vorm Schlafen wirkt eine Inhalation beruhigend auf die Atemwege [6].

Feuchte Handtücher mit Zwiebeln

Ein feuchtes Handtuch ins Zimmer des Kindes legen. Eine große Gemüsezwiebel in 4 bis 5 große Scheiben schneiden und diese auf das Handtuch legen. Das verdunstende Wasser nimmt die Wirkstoffe der Zwiebel auf. Die Inhaltsstoffe der Zwiebel wirken desinfizierend und keimtötend. Das Baby atmet diese Dämpfe ein und die Atemwege werden befeuchtet und die Infektion bekämpft. Jeden Tag sollte dies erneuert werden [6].

Erkältungsbalsam

Erkältungsbalsam kann frei verkäuflich in der Drogerie oder der Apotheke erworben werden. Vor der Anwendung sollte die Packungsbeilage studiert werden, ab welchem Alter und in welcher Menge die Anwendung bei Babys zugelassen ist. Oftmals sind Eukalyptus oder Thymian enthalten. Wenn der Rücken oder die Brust eingerieben werden, dann entfaltet sich eine durchblutungssteigernde, schleimlösende und krampflösende Wirkung [6].

Pseudokrupp

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und das Kind zu beruhigen. Andernfalls kann sich der Anfall verschlimmern. Bei einem starken oder ständig wiederkehrenden Anfall muss ein Notarzt gerufen werden, damit das Kind nicht zu ersticken droht. Die folgenden grundlegenden Maßnahmen können helfen, den Anfall zu durchbrechen [3]:

  • Das Kind vorsichtig hochnehmen oder aufrecht hinsetzen.
  • Mit dem Kind zusammen die warmen Dämpfe der Dusche oder Badewanne inhalieren (wie bei Erkältung beschrieben). Feuchtwarme Luft erleichtert das Atmen.
  • Alternativ das Fenster öffnen, denn frische Luft erleichtert das Atmen und kann die Atemnot lindern.Kühle Luft vom offenen Kühlschrank kann ebenfalls Abhilfe verschaffen.
  • Wenn sich das Baby beruhigt hat, ein kühles Getränk in kleinen Schlucken servieren. Wasser oder Tee, keine Milch! Die nächsten Stunden sollte das Baby erst einmal nichts essen.

Chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Bei dem Verdacht einer chronischen Sinusitis sollte ein Arzt aufgesucht werden. Meistens ist diese durch anatomische Besonderheiten bedingt und bedarf einer ärztlichen Abklärung. Die Behandlung zielt darauf ab, den Sekretabfluss wiederherzustellen. Andernfalls können sich benachbarte Strukturen wie die Augenhöhle, Knochenhaut oder Hirnhaut entzünden [1][2].

Äußere Faktoren

Die Aufenthaltsräume des Babys sollten regelmäßig gelüftet werden und immer mit frischer Luft gefüllt sein. Wenn im Winter viel geheizt werden muss, kann ein feuchtes Handtuch über die Heizung gelegt werden. Die Wärme der Heizung lässt das Wasser verdampfen und die Luftfeuchtigkeit des Raumes steigt. (Zigaretten-)Rauch hat in der Nähe des Babys nicht zu suchen. Dieser kann Asthmaanfälle, einen Pseudokrupp oder Reizhusten auslösen.

Zu beachten

Bei der Behandlung eines Babys müssen bestimmte Dinge beachtet werden, da nicht alles angewendet werden kann. Da das Baby noch nicht kontrolliert lutschen und schluckenkann, sollte auf Bonbons oder Lutschpastillen verzichtet werden, damit diese nicht versehentlich die Atemwege verlegen. Auch auf eine Inhalation mit ätherischen Ölenmuss verzichtet werden, da diese die Schleimhaut der Atemwege reizen und eine Schwellung und Luftnot verursachen können. Hausmittel mit Honig sollten ebenfalls nicht eingesetzt werden, da im Honig Toxine (Botulinumtoxin) enthalten sein können, die für das Baby schädlich sind.

Bei ständig wiederkehrenden oder starken Pseudokrupp-Anfällen sollte ein Arzt hinzugezogen werden, um Gefahr für das Baby abzuwenden.
Bei hohem Fieber, Reizhusten, Husten mit gelblichen bisgrünlichen Auswurf und Husten, der länger als eine Wocheanhält, sollte ein Kinderarzt hinzugezogen werden.