Husten Beim Baby: Krankheitstypen

Starker Husten (Baby)

© PantherMedia / Walter J. Pilsak

Das Immunsystem entwickelt sich erst im Laufe des Lebens. Nach jeder überstandener Erkältung oder Infektion entwickelt der Körper Abwehrkräfte, die den Erreger bei erneutem Kontakt effektiv bekämpfen können. Ein Baby hat noch keine Abwehrkräfte, da es noch nicht mit vielen Erregern in Kontakt kam. Die Muttermilch enthält zwar Stoffe, die das Baby während der Stillzeit mit Abwehrkräften versorgen, jedoch befindet sich das Immunsystem eines Neugeborenen noch in der „Lernphase“ und ist sehr anfällig gegenüber Erregern wie Viren und Bakterien. Diese lösen Erkrankungen wie einfache Erkältungen, jedoch auch Lungenentzündungen und Kinderkrankheiten wie Keuchhusten aus. Auch können ein bis dato unentdecktes allergisches Asthma oder verunreinigte Luft Ursache für ein starkes Husten beim Baby sein. Im Folgenden wird auf die konkreten Ursachen, Behandlungen und Risiken von starken Husten beim Baby eingegangen [1][2][3].

Ursachen von starkem Husten beim Baby

Erkältung (akute Bronchitis, grippaler Infekt, österreichisch: Verkühlung)

Erkältungen werden häufig durch Viren ausgelöst, die durchengen sozialen Kontakt zu anderen Personen übertragen werden. Dabei gelangen durch Niesen, Husten und Sprechen winzig kleine Tröpfchen mit infektiösem Sekret in die Schleimhäute des Mund- oder Nasenraums des Babys. Dies nennt man Tröpfcheninfektion. Die Viren breiten sich daraufhin in den oberen Atemwegen aus und nach einer Inkubationszeit von 2–5 Tagen bricht die Erkältung aus. Meistens beginnt der grippale Infekt mit einem trockenen (Reiz-)Husten durch die Entzündung der Schleimhaut der Atemwege. Danach kommt es meist zu einem zähflüssigen Auswurf, begleitet von Schnupfen. Je nach Aggressivität des Virus leidet das Baby unter einer Erkältung mit starkem Husten oder einer leichten Erkältung. Der Husten ist ein Schutzreflex, um die Atemwege frei von Schleim, Bakterien, Viren, Pollen und Staub zu halten. Durch das unausgereifte Immunsystem treten häufig mehrere Erkältungen kurzzeitig hintereinander auf, sodass die Schleimhaut der Atemwege meist noch nicht völlig erholt ist. Dies hat zur Folge, dass die vorgeschädigten Schleimhäute bei erneuten Befall heftig reagieren und dies einen sehr starken Husten zur Folge hat. Falls sich die Erreger in den ganzen Körper ausbreiten können, treten zusätzlich Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit auf. Kommt es bei den entzündeten Atemwegen zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien, dann hat das Baby einen gelblichen bis grünlichen Auswurf beim Husten (produktiven Husten). Die Symptome beim Baby auf einen Blick [1][2][3]:

  • Husten, anfangs trocken, zum Ende mit zähflüssigem Auswurf
  • Schnupfen
  • geschwollene Lymphknoten im Hals- und Nackenbereich
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • häufiges Weinen

Lungenentzündung (Pneumonie)

Bei sehr schweren oder wiederholten Erkältungen können die Erreger, meist Viren, die Atemwege hinabsteigen und in die Lunge gelangen. Dort kommt es zu einer Entzündung der Lungenbläschen (Alveolen), des Lungengewebes und der luftleitenden Wege (Bronchien). Babys sind durch das noch unausgereifte Immunsystem besonders anfällig gegenüber einer Ausbreitung der Viren in die Lunge. Allein in Deutschland erkranken tausende von Babys jährlich an einer Lungenentzündung und müssen im Krankenhaus behandelt werden. Folgende Symptome treten meist auf [6]:

  • hohes Fieber, auch Schüttelfrost
  • (starker) Husten. Husten tritt häufig auf, aber nicht immer. Anfangs ist er meist trocken und schmerzhaft, später kommt ein gelblich bis rötlicher Auswurf hinzu. Neugeborene und Säuglinge sind teilweise nicht in der Lage, den festsitzenden Schleim abzuhusten. Der Schleim wird verschluckt und später erbrochen.
  • Atemnot, bei starkem Sauerstoffmangel können sich die Lippen und Schleimhäute im Mundbereich bläulich verfärben (Blausucht, Zyanose).
  • Aufstellen der Nasenflügel beim Einatmen („Nasenflügeln“)
  • schnelle falsche Atmung und beschleunigter Puls

Allergisches Asthma

Etwa 10% aller Kinder in Deutschland entwickeln ein allergisches Asthma. In der Hälfte aller Fälle verschwindet dieses im Laufe des Lebens wieder. Das allergische Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung der Atemwege bei Kindern. Es wird meist durch kleine Partikel (Allergene) ausgelöst, die eingeatmet oder gegessen werden und bei Kontakt mit der Schleimhaut eine allergische Reaktion auslösen. Die Allergene sind bei jedem Menschen individuell sehr unterschiedlich. Zu den häufigsten gehören [5]:

  • saisonal: Baum-, Gräser-, Getreide-, Kräuterpollen; Schimmelpilzsporen
  • andauernd (perennial): Hausstaub-, Mehl-, Vorratsmilben, Schimmelpilzsporen, Tierhaare
  • über die Nahrung (nutritiv): Ei, Milch, Nüsse, Sellerie, Kern- und Steinobst

Sobald das auslösende Partikel auf die Schleimhaut der oberen Atemwege gelangt, wird es von bestimmten Zellen erkannt (Mastzellen). Daraufhin werden Stoffe freigesetzt, die eine Schwellung und vermehrte Schleimproduktion zur Folge haben. Dies bewirkt einen anfallartigen, starken Hustenanfall. Weiterhin locken solche Stoffe Entzündungszellen an, was eine Entzündung als Spätreaktion als Folge hat. Wichtige Symptome sind:

  • anfallartiger Husten
  • Luftnot, pfeifende Atmung
  • dauerhaft geschwächter Allgemeinzustand
  • Abgeschlagenheit

Bei einmaligem Kontakt (z.B. Katzenhaare bei Verwandten) tritt das allergische Asthma anfallartig mit starkem Husten auf. Bei dauerhaftem und wiederholtem Kontakt können die Symptome über einen langen Zeitraum bestehen (z.B. Pollen im Frühling).

Keuchhusten (Pertussis)

Impfmüdigkeit und Impfskepsis nehmen in der deutschen Bevölkerung immer weiter zu. Obwohl im ersten Lebensjahr eine Sechsfachimpfung gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ B und Hepatitis B ärztlich empfohlen wird, haben 10% aller Kindern keinen oder nur einen ungenügenden Impfschutz gegen Keuchhusten. Die Krankheit ist hochansteckend und wird durch Tröpfchen übertragen. Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Bordetella pertussis und kann sich über Wochen und sogar Monate hinziehen. Keuchhusten beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Schnupfen, Heiserkeit, leichtem Husten und Fieber, die 2 Wochen andauern können. Darauf folgend treten starke quälende Hustenanfälle auf, die 4–6 Wochen anhalten können. Nachts können die Hustenattacken so stark sein, dass sich die Kinderübergeben. Die charakteristische keuchende Atmung hat der Krankheit ihren Namen gegeben [4].


Äußere Faktoren

Wenn im Winter viel geheizt wird, können die Wohnräume stark austrocknen. Dies trocknet auch die Schleimhäute der Atemwege aus, die dazu dienen, die Atemluft anzuwärmen und anzufeuchten, bevor diese in die Lunge weitergeleitet wird. Das führt zu einer Reizung und einem starken Husten und begünstigt Erkältungen. Mit Zigarettenrauch verunreinigte Luft hat einen ähnlichen Effekt und beeinträchtigt die Entwicklung des Kindes [2][3].

Behandlung von starkem Husten beim Baby

Starker Husten ist nie die Erkrankung selbst, sondern nur ein Symptom einer Erkrankung. Daher ist es wichtig, die Ursache zu behandeln. Im Allgemeinen sollte ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden. Außerdem sollte für eine ruhige Umgebung gesorgt werden, damit die Kinder Bettruhe halten können. Von Lutschpastillen oder Bonbons muss abgesehen werden, da Babys noch nicht in der Lage sind, kontrolliert zu lutschen, und die Pastillen versehentlich verschlucken können.

Erkältung

Inhalation:Die warmen, feuchten Dämpfe wirken wohltuend auf die Atemwege und lösen den Schleim. Darüber hinaus entfalten sie eine krampflösende und durchblutungssteigernde Wirkung. Das Baby auf den Schoß nehmen, sich vor die Dusche stellen und das Wasser heiß aufdrehen. Zusammen mit dem Baby die warmen Dämpfe über 10 Minuten inhalieren. Die Inhalation über einer Schüssel ist nicht geeignet, da die Gefahr besteht, dass sich das Baby verbrüht. Darüber hinaus sollen Kinder unter 3 Jahren nicht mit ätherischen Ölen in Kontakt kommen, da diese eine allergische Reaktion provozieren können und die Gefahr einer Schwellung der Atemwege besteht.

Zwiebelringe: Ein Handtuch wird angefeuchtet und auf die Heizung gelegt. Eine große Gemüsezwiebel wird in Ringe geschnitten und 4–5 Scheiben davon auf das Handtuch gelegt. Das verdunstende Wasser nimmt die Stoffe aus den Zwiebelringen auf und wird vom Baby eingeatmet. Zum einen werden die Atemwege befeuchtet, zum anderen wirken die Inhaltsstoffe der Zwiebel bakterientötend und desinfizierend.

Erkältungsbalsam: Brust und Rücken können mehrmals täglich mit einem Erkältungsbalsam aus Eukalyptus oder Thymian eingerieben werden. Die enthaltenen Öle fördern die Durchblutung in diesem Bereich und wirken daher schleimlösend, wohltuend und krampflösend.

Lungenentzündung

Wenn das Baby Symptome einer Lungenentzündung zeigt, darf nicht gezögert werden, einen Arzt zu kontaktieren. Da das Baby zu einer Risikogruppe gehört, muss er entscheiden, ob eine Behandlung im Krankenhaus notwendig ist. Meistens wird ein Antibiotikum verschrieben, um eine zusätzliche Infektion mit Bakterien zu verhindern. Bei der ärztlichen Entscheidung, dass die Lungenentzündung zu Hause auskuriert wird, muss auf die genaue Einnahme der verschriebenen Medikamente geachtet werden. Auch wenn die Symptome der Entzündung abgeklungen sind, müssen die Medikamente wie verordnet zu Ende genommen werden. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt können auch die oben genannten Hausmittel zur Linderung der Symptome um Einsatz kommen [6].

Allergisches Asthma

Die Symptome einer Allergie sollten ernst genommen werden und der behandelnde Arzt muss informiert werden. Unbehandelte Allergien werden mit zunehmendem Alter des Kindes meist schlimmer. Wichtig ist, den Auslöser (Allergen) zu meiden und allgemein Maßnahmen zu beachten. Bei schlimmeren Verläufen müssen vom Arzt Medikamente verordnet werden [5].

  • Untypische Reize wie Tabakrauch und verschmutzte Luft können einen allergischen Schub auslösen und haben daher in der Nähe eines Babys nichts zu suchen
  • Der Körper braucht Sonnenlicht (UV-Licht), um Vitamin D zu produzieren. Dieses kann das Immunsystem unterstützen und wirkt sich positiv auf den Verlauf von allergischem Asthma aus. Daher sollte sich das Baby viel an der frischen Luft aufhalten.
  • In den Wohnräumen sollte für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit gesorgt werden und das Kind sollte genug trinken.
  • Klimaanlagen verbreiten trockene Luft und Keime und sollten daher nicht benutzt werden.

Keuchhusten

Bei Symptomen von Keuchhusten muss ein Arzt hinzugezogen werden. Dieser entscheidet, ob das Baby ins Krankenhaus aufgenommen wird, was meist notwendig ist. Dem Kind wird ein Antibiotikum verabreicht, um die Bakterien zu bekämpfen. Dieses lindert meist nur leicht die starken Hustenanfälle, führt jedoch zu einer schnelleren Heilung und senkt die Ansteckungsgefahr. Eine rechtzeitige Behandlung senkt das Risiko schwerer Komplikationen wie Lungen-, Mittelohr- oder Hirnhautentzündungen [4].

Äußere Faktoren

Die Umgebung des Babys sollte stets reinlich gehalten werden. Wenn im Winter viel geheizt wird, können feuchte Handtücher über die Heizung gehängt werden, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Darüber hinaus sollte regelmäßig gelüftet werden. Zigarettenrauch hat in der Nähe des Babys nicht zu suchen, da er die Atemwege und die Entwicklung des Kindes negativ beeinflusst.

Zu beachten

Grundsätzlich sollte ein starker Husten beim Baby immer durch einen Arzt abgeklärt werden. Bei sehr starkem Husten können sich Babys erbrechen und unter Luftnot leiden. Dies ist für das Wohl des Kindes gefährlich und sollte ebenfalls von einem Arzt behandelt werden. Medikamente sollten prinzipiell nur nach Absprache mit dem Arzt verabreicht werden, da Babys bereits auf geringe Dosen sehr empfindlich reagieren können. Diese Aufzählung besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, geht aber auf die häufigsten Ursachen für den starken Husten bei Babys ein.