Husten Beim Baby: Ursachen

Husten beim Zahnen (Baby)

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Die Bezeichnung „Zahnen“ oder „Durchbrechen“ (erste Dentition) beschreibt dieHerausbildung der ersten sogenannten Garnitur von Zähnen, nämlich derMilchzähne (Dentes decidui). Im Alter von ungefähr sechs Monaten bis zur Mitte des zweiten Lebensjahres eines Babys beziehungsweise eines Kleinkindes brechen insgesamt 20 Milchzähne aus der Zahnleiste (Dentalleiste) hervor. Das tatsächliche Alter des Zahnens kann sehr variabel sein und es gibt Früh- undSpätzahner. [1] In jedem Fall ist das Zahnen für die meisten Babys und Kleinkinder schmerzhaft und mit verschiedenen Symptomen wie z. B. Fieber, vermehrtem Speichelfluss oder auch erkältungsähnlichen Symptomen verbunden.

Medizinische Fakten

Das Zahnen kann potenziell mit unterschiedlichen Nebenerscheinungen einhergehen und ist Gegenstand vieler medizinischer Studien. Häufig beobachtet werden Schmerzen (v. a. im Bereich des Mundes), Appetitlosigkeit(möglicherweise in Verbindung mit bzw. ausgelöst durch Schmerzen), Fieber, Durchfall, Schlafprobleme oder Schläfrigkeit, Übellaunigkeit und Unruhe(Agitiertheit), strenger Uringeruch, gerötete Wangen, Gesichts- und/oder Ganzkörperausschlag (Exanthem) sowie vermehrter Speichelfluss(Hypersalivation). In Einzelfällen werden im Zusammenhang mit dem Durchbruch der ersten Zähne auch Ohrenentzündungen (Otitis) oder beispielsweise Husten (Tussis) berichtet. Am stärksten sind diese Symptome meist am Tag des Zahnens sowie am Tag darauf ausgeprägt und klingen dann ab. [2]

Studien haben jedoch gezeigt, dass zwischen dem Durchbrechen der ersten Zähne und den erwähnten Symptomen keine ursächliche Verbindung besteht. Eher wird diskutiert, ob nicht zeitgleiche, im Kindesalter häufige Infektionen der Atemwege beziehungsweise des Harnwegssystems oder des Magen-Darm-Trakts für die Beschwerden verantwortlich sind. [3] Insbesondere für körperlich-ganzheitliche (systemische) Symptome wie Fieber oder Husten (im Gegensatz zu lokalen Zeichen wie z. B. einer Rötung des Rachens) ist es sehrunwahrscheinlich, dass sie durch Zahnen ausgelöst werden. [4]

Biologischer Zusammenhang

Menschliche Zahnfollikel, die Ursprungsorte oder Keimnester der ersten Zähne,enthalten viele Abkömmlinge (Derivaten) bestimmter langkettiger Fettsäuren. Diese Stoffe nennen sich Eicosanoide (Abkömmlinge der Eicosatetraensäure oder Arachidonsäure) und sind wiederum Ausgangsstoffe für zahlreiche chemische Substanzen und Gewebshormone, die Entzündungen verursachen und aufrechterhalten können (Prostaglandine und Leukotriene). Darüber hinaus enthalten die Zahnfollikel eiweißartige Substanzen (Proteine) wie Zytokine und Wachstumsfaktoren, die ebenso entzündungsfördernd (proinflammatorisch) wirken können. Beim Durchbruch der ersten Zähne werden die entzündungsfördernden chemischen Substanzen aus den Zahnfollikeln hinaus in das umgebende Gewebe freigesetzt und können – zumindest theoretisch– reizende Reaktionen auslösen. In der nächsten Umgebung des Zahndurchbruches kann das Zahnfleisch (Gingiva) schmerzhaft, gerötet und geschwollen (Gingivitis) erscheinen (sog. Kardinalzeichen einer Entzündung). Diese Reaktion kann dann auf weiter entfernt liegendes Gewebe übergreifen, sodass es zu einer schmerzhaften Entzündung der Rachenschleimhaut(Pharyngitis) sowie beispielsweise einer Reizung der Speicheldrüsen (speziell Glandula sublingualis) mit vermehrter Bildung von Speichel (Saliva) kommt. [5]

Husten ist ein Phänomen, das in der Regel in den tieferen Atemwegenausgelöst wird (ab Kehlkopf abwärts). Die beim Zahnen freigesetztenBotenstoffe für Entzündungen reichen für gewöhnlich nicht bis in diese Tiefe. Somit ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass das Durchbrechen der ersten Zähne beim Baby oder Kleinkind Husten auslöst. Eher könnte ein Husten dadurch erklärt werden, dass das Kind womöglich zeitgleich einen fieberhaften oder auch nicht fieberhaften Infekt der Atemwege (am ehesten durch Viren oder Bakterien ausgelöst) durchmacht. Dieser wiederum muss nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Zahnen stehen. Kinder im ersten Lebensjahr und auch in den folgenden Lebensjahren, wenn sie den Kindergarten und die Grundschulebesuchen, erkranken häufig an Atemwegsinfekten, die mit Husten einhergehen können. [6]

Zu beachten

Babys und Kleinkinder haben Husten am häufigsten im Zusammenhang mit viralen oder bakteriellen Infekten der oberen oder unteren Atemwege (z. B. bei Bronchitis). Diese Atemwegsinfekte im frühen Kindesalter kommen in der Regel mehrmals im Jahr vor. Zumeist sind die Atemwegsinfekte selbstlimitierend, das heißt, sie klingen nach einigen Tagen oder Wochen von selbst wieder ab. Bei Unsicherheit oder Anzeichen wie hohem Fieber, stark beeinträchtigendem Husten, keiner Symptomverbesserung nach ein bis zwei Wochen oder beispielsweise bei bestehenden Vorerkrankungen des Kindes sollte generell immer ein Arztaufgesucht werden. Eine eigenmächtige medikamentöse Therapie des Symptoms Husten sollte stets mit Vorsicht, in Anpassung an das Alter des Kindes, erfolgen (Vorsicht z. B. mit reizenden ätherischen Ölen oder der Anwendung des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure bei Kindern). Idealerweise wird vor der Gabe von Medikamenten ein Arzt befragt.

Das Zahnen selbst ist ein natürlicher Vorgang und benötigt in der Mehrzahl der Fälle keinen Arztbesuch oder eine Therapie. Dennoch kann bei Unsicherheit natürlich ein Arzt befragt werden.