Husten Hustenreiz: Im Alltag

Hustenreiz beim Einatmen

© PantherMedia / Leung Cho Pan

Egal ob bei einem Infekt, einer allergischen Reaktion, Staub in der Atemluft oder durch einen sonstigen Auslöser verursacht – der Hustenvorgang läuft immer nach demselben Schema ab:

Rezeptoren (Sensoren) auf den Schleimhäuten der Atemwege werden durch Berührung (Dehnung) oder auf chemischem Weg gereizt, der Reiz wird im Gehirn weiterverarbeitet und der Hustenreflex (Fremdreflex) über die Aktivierung bestimmter Muskeln (u. a. an der Stimmritze, im Kehlkopf und am Zwerchfell) ausgelöst.

Wenn der Hustenreiz beim Einatmen auftritt, kommen als Verursacher demnach vor allem Stoffe in Betracht, die von außen über die Atemwege an die Rezeptoren gelangen – aber auch im Rahmen eines Infekts oder einer Allergie kann beim Einatmen durch den Reiz ein Husten ausgelöst werden [1].

Im Folgenden werden mögliche Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten von Hustenreiz beim Einatmen vorgestellt.

Ursachen von Hustenreiz beim Einatmen

Bei gesunder Schleimhaut (kein vorliegender Infekt) können vor allem Fremdstoffe in der Atemluft den Hustenreiz an den Rezeptoren auslösen, z. B. staubige Luft, Zigarettenrauch, Raumdüfte mit ätherischen Ölen, Pollen und Blütenstaub, Gase aus z. B. Putzmittel oder Farben und Lacken, aber auch Verkehrsabgase. Auch schwankende Temperaturunterschiede können eine Ursache sein und neben dem Hustenreiz auch ein Kratzen im Hals verursachen – vor allem im Winter beim Betreten geheizter Räume nach dem Aufenthalt im Freien bei Minusgraden oder generell durch zu trockene Heizungsluft. Im Sommer hingegen kann derselbe Effekt auch bei warmen Außentemperaturen und stark klimatisierter, gekühlter Raumluft auftreten. Diese Vorgänge werden noch verstärkt, wenn dabei durch den Mund geatmetwird. Bei der Nasenatmung werden normalerweise Fremdstoffe durch die Härchen in der Nase überwiegend herausgefiltert und die Atemluft mit dem Durchströmen der Nasennebenhöhlen temperiert und befeuchtet [2].

Hustenreiz beim Einatmen kann ebenfalls auftreten, wenn die Schleimhäute bei einer vorangegangenen grippalen Infektiongeschädigt oder beeinträchtigt wurden. Hals- und Rachenentzündungen oder auch tiefer liegende Infektionen in den Bronchien (Bronchitis) oder Lungenflügeln (Pneumonie) können die sensorische Fähigkeit der Rezeptoren dahingehen beeinflussen, dass durch die Entzündung die Reizschwelle herabgesetzt wird, also die Rezeptoren „empfindlicher“ werden. Dann kann schon alleiniges Einatmen, also die Berührung der Rezeptoren durch die Luft, einen Hustenreiz verursachen, auch wenn keine spezifischen Auslöser (Staub, Rauch etc.) enthalten sind [1].

Auch Allergien oder leichte Formen von Asthma können die Ursache sein. Hierbei handelt es sich meist um bisher unerkannte, leichte Prozesse, welche eher „im Hintergrund“ stattfinden und sich nicht durch das typische Erscheinungsbild mit Schwellungen und Atemnot darstellen. Ebenso verhält es sich beim „leichten“ Asthma; hier fehlen ebenfalls die typischen Begleiterscheinungen wie plötzliche Atemnot, die Bildung von zähglasigem Schleim und Atemgeräuschen beim Einatmen (inspiratorischer Stridor). Stattdessen kommt es eher zu einem „Kratzen“ im Hals und leichtem Husten [3].

Eine bestehende Refluxerkrankung kann außerdem einen Hustenreiz beim Einatmen verursachen. Begleitend treten hier Sodbrennen und saures Aufstoßen kurz nach dem Essen auf. Bei einem Reflux gelangt Magensäure über die Speiseröhre in den Rachenbereich und kann dort die Hustenrezeptoren schädigen. Die Folge ist ebenfalls eine Herabsetzung der Reizschwelle und eine Steigerung der Empfindlichkeit der Rezeptoren. In den meisten Fällen wird der Reflux durch Übergewicht, Bewegungsmangel, Arbeiten im Sitzen, fettreiche Ernährung und übermäßigen Alkoholkonsum verursacht. Bei Übergewicht und sitzender Tätigkeit (z. B. Büroarbeit) kommt es zur Druckerhöhung auf den Magen; dieser wird sozusagen „zusammengedrückt“. Alkohol und fettreiche Nahrung begünstigen die Bildung von Magensäure. Die Folge ist ein Zurücklaufen der überschüssigen Säure in die Speiseröhre [4].

Ein Hustenreiz beim Einatmen kann auch durch eineÜberbelastung der Stimmbänder auftreten. Personen, die beruflich viel sprechen müssen (z. B. Lehrer), aber auch Profi-Sprecher oder Sänger, sind besonders anfällig für eine Stimmbandreizung. Auch zeitweises Schreien (z. B. bei einem Konzert) kann ein Auslöser sein. Hier kommt es neben dem Husten meist zu einer zunehmenden Heiserkeit und evtl. auch zum völligen Stimmverlust. Sollte auch noch eine massive Atemnot auftreten, liegt der Verdacht einer Vocal-Cord-Dysfunktion (engl. etwa „Stimmbandlähmung“) nahe. Diese noch relativ wenig erforschte Erkrankung kann ein Krankheitsbild ähnlich des Asthmas hervorrufen und entsteht nach den neuesten Kenntnissen durch ein unverhältnismäßiges Schließen der Stimmbänder bzw. der Stimmbandritze [5].

Behandlung von Hustenreiz beim Einatmen

Wird der Hustenreiz durch die oben genannten Umweltfaktoren ausgelöst, empfiehlt es sich, diese Faktoren auszuschalten. Luftbefeuchter können bei trockener Heizungs- oder Klimaanlagenluft helfen, die Schleimhäute durch Befeuchtung zu beruhigen und so den Hustenreiz beim Einatmen abzumildern.Werden alle möglichen Umweltfaktoren, die im Verdacht stehen, den Hustenreiz auszulösen, entfernt, sollte dieser nach einiger Zeit abklingen. Auch empfiehlt es sich, darauf zu achten, möglichst durch die Nase zu atmen, vor allem bei sportlichen Aktivitäten im Winter (draußen).

Durch eine Infektion gereizte Schleimhäute können ähnlich wie beim Asthma (s. u.) mit einem cortisonhaltigen Inhalationsspraybehandelt werden, bis sich die Reizung wieder beruhigt und die Rezeptoren erholt haben. Auch gereizte Stimmbänder können so behandelt werden; hier empfiehlt es sich aber erst einmal, die Stimmbänder durch konsequentes Schweigen zu schonen.
Da der Einsatz von Cortison auch in Form eines InhalationsspraysNebenwirkungen wie die Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression) hervorrufen kann, sollte die Anwendung sorgsam erwogen und hier als letztes Mittel der Wahl eingesetzt werden [6]. Zuvor können pflanzliche Präparate und Teezubereitungen aus folgenden Kräutern positiv auf die Regeneration der Schleimhäute und auch der Stimmbänder einwirken: Thymian, Efeu, Sonnentaukraut, Eibisch, Spitzwegerich, Ingwer, Fichte oder Königskerze [7]. Diese wirken entzündungshemmend, reizmildernd und beruhigend auf die Schleimhäute.
Asthma-Inhalationssprays enthalten, wie oben bereits erwähnt, meist Cortison (z. B. Seretide®, Avamys®, flutiform®) oder Beta-2-Sympathomimetika (z. B. Salbutamol AL®, Symbicort®, Aerodur Turbohaler®). Letztere werden allerdings meist nur bei akuten, fulminanten Asthma-Anfällen eingesetzt. Liegt eine allergische Reaktion vor, kann nach der Feststellung des Auslösers mit Antihistaminika (hemmen das Histamin, einen Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen freigesetzt wird) behandelt werden, im Falle eines allergischen Asthmas zusätzlich zum Inhalationsspray [3].

Bei Refluxerkrankungen empfiehlt sich vor allem eine Überprüfung von Lebenswandel, Gewicht und Ernährungsgewohnheiten. Um die Magensäure zu reduzieren können eine gewisse Zeit lang zur Linderung Protonenpumpenhemmer (kurz PPI, z. B. Pantoprazol, Omeprazol) eingesetzt werden. Sollten diese allerdings wenig Wirkung zeigen, liegt der Verdacht nahe, dass die Schädigungen der Schleimhaut bereits fortgeschritten ist. Eine endoskopische Untersuchung wird dann zur genaueren Diagnose eingesetzt – auch um festzustellen, ob eventuell ein operativer Eingriff an der Speiseröhre oder am Mageneingang notwendig ist [8].

Zu beachten

Husten kommt als Symptom sehr häufig vor und kann daher auch sehr viele Ursachen haben. Jeder Husten oder Hustenreiz, der länger andauert (3–4 Wochen), sollte ärztlich untersucht werden, vor allem wenn kein Infekt dem Husten vorangegangen ist. Hinter einem Hustenreiz oder Halskratzen können sich durchaus auch bösartige (maligne) Erkrankungen verbergen [9].