Schnupfen Chronisch: Therapie & OP

Chronische Rhinitis – Operation

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Die Nasenhöhle ist in drei Nasengänge unterteilt (oberer, mittlerer, unterer Nasengang). In diese münden die Zugänge der Nasennebenhöhlen und der Tränengang (Canalis nasolacrimalis), der in Verbindung zum Auge steht. Der Mensch hat folgende paarig angelegte Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales): Stirnhöhle (Sinus frontalis), Kiefernhöhle (Sinus maxillaris), Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) und Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis). Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume des knöchernen Schädels. Durch die Knochenaussparung wird das Gewicht des Schädels verringert. Außerdem wirken sie bei der Klangbildung mit.

Bei Entzündungen der Nasenschleimhaut (Rhinitis) kann es aufgrund der Verbindung über die o. g. Gänge zu einem Übergreifen auf die Nasennebenhöhlen kommen (Rhinosinusitis, oft auch Sinusitis genannt). Dieses verursacht häufig bei den Betroffenen ein unangenehmes Druckgefühl und Schmerzen in der Region der Nasennebenhöhlen. Zahnschmerzen und tränende Augen (Epiphora) sind wegen der Nähe der Nasennebenhöhlen bzw. der Verbindung der Nase zum Auge über den Tränengang dabei nicht unüblich.

Wirkungsweise (Biologischer Zusammenhang)

Von einer chronischen Rhinitis wird gesprochen, wenn die Symptome 12 Wochen oder länger anhalten oder dauerhaft immer wiederkehren. Dabei kommt es zu einer vermehrten Gewebebildung, die zu einer Verengung des Atemweges durch die Nase führt. Es treten Kopfschmerzen, Riechstörungen, Druckgefühl und Infektanfälligkeiten auf. 5% der Bevölkerung leidet unter chronischer Rhinitis [1]. Differentialdiagnosen können die HNO-Ärzte mit Hilfe von Endoskopen, Ultraschall und CT-Aufnahmen machen.

Es wird zwischen einer allergisch-chronischen Rhinitis und einer nicht-allergisch-chronischen Rhinitis unterschieden.
Bei einer allergisch-chronischen Rhinitis löst das Allergen (Pollen, Tierhaare,…) die Symptome aus. Eine sog. perenniale allergische Rhinitis ist saisonunabhängig und kann das ganze Jahr über auftreten [2]. Das Allergen wird in Form eines Antigen-Antikörper-Komplexes über die Schleimhaut aufgenommen. Der beteiligte Antikörper IgE wird von den Plasmazellen, welche aus einer Untergruppe der weißen Blutkörper (Lymphozyten) entstehen, frei gesetzt. Dieser Komplex wird von dem Immunsystem, speziell den Mastzellen, erkannt und bewirkt eine Ausschüttung von Botenstoffen Histamin, Prostaglandinen und Leukotrinen aus den Mastzellen. Als Folge treten Laufen der Nase (Hypersekretion), Anschwellen der Nasenschleimhaut mit Verengung der Nasengänge (Obstruktion), Niesreiz und Jucken auf.
Bei einer nicht-allergisch-chronischen Rhinitis wird nochmals zwischen einer infektiösen und nicht-infektiösen Form unterschieden [2].

Bei der nicht-infektiösen Rhinitis reagiert die Nasenschleimhaut auf einen Reiz von innen (intrinsisch) oder von außen (extrinsisch). Zu einer durch Reize von außen ausgelösten chronischen Rhinitis gehört auch die medikamentöse Rhinitis, bei der die Nasenschleimhaut auf ein bestimmtes Medikament eine abnorme Reaktion zeigt. Hier sei die Nasentropfensucht erwähnt [2]. Viele Nasentropfen beinhalten sog. Sympathomimetika, die eine Verengung der Gefäße bewirken und somit ein Abschwellen der Nasenschleimhaut ermöglichen. Diese Inhaltsstoffe wirken an den α-Rezeptoren der Muskelzellen der Gefäßwände. Bei längerfristiger Anwendung jener Nasentropfen kommt es zu einer ‚Erschöpfung‘ dieser Rezeptoren, sodass die Wirkung der Inhaltsstoffe nachlässt und die Schwellungen zunehmen bis hin zu einer kompletten Verschließung des Atemweges durch die Nase. Eine Regeneration kann lange dauern [2].
Zu einer durch Reize von innen ausgelösten Rhinitis zählt die Schwangerschaftsrhinitis, die bei etwa 30% der Schwangeren auftreten kann [2].

Bei einer infektiösen Rhinitis verursachen Erreger (Viren oder Bakterien) eine Entzündung der Nasenschleimhaut.
In einigen Fällen entwickelt sich aus einer Rhinitis eine Rhinosinusitis (oder auch Sinusitis). Dabei breitet sich die Infektion über die Nasennebenhöhlengänge bis zur Schleimhaut der Nasennebenhöhlen aus. Wenn die Abflusswege über die Gänge in die Nase aufgrund von Schwellungen verstopfen, ist keine ausreichende Belüftung der Nasennebenhöhlen mehr gewährleistet, das produzierte Sekret kann nicht abfließen und es entsteht ein Nährboden für Bakterien. Eiterbildung und Druckgefühl können Folgen sein [3].

Vorerst wird bei einer chronischen Rhinitis symptomatisch behandelt. Dabei werden abschwellende Maßnahmen angewendet, Rotlicht-Therapie oder Nasenspülungen mit Kochsalz bzw. Inhalation werden empfohlen [5].
Eine Therapie mit Antibiotikum ist nur bei einer bakteriellen Infektion sinnvoll. Außerdem ist eine Gabe von Kortikoiden(Kortison) möglich. Sie bewirken u.a. eine Linderung der Schwellung bzw. der Entzündungsreaktion [5].

Bei einer allergischen Rhinitis ist eine Vermeidung des Kontaktes mit dem Allergen am effizientesten, welche sich allerdings oft schwer realisieren lässt. Alternativ können, nach Rücksprache mit einem Arzt, Antihistaminika eingenommen werden. Sie blockieren die Rezeptoren an die Histamin bindet und vermindern die durch das Histamin ausgelösten Symptome, wie z.B. die Schleimhautschwellung. In einigen Fällen ist eine Hyposensibilisierung sinnvoll, bei der in einem bestimmten zeitlichen Abstand das Allergen unter die Haut gegeben wird [5], wodurch eine Abschwächung der allergischen Reaktion bei Allergenkontakt erfolgen soll.

In einigen Fälle können Medikamente kaum oder keine Linderung verschaffen. Dann schlägt der Arzt eine Operationvor. Bei der Operation wird ein Endoskop (eine kleine Kamera) durch die Nase eingeführt. Somit ist kein Schnitt von außen nötig. Es werden die Gänge, die als Verbindung zwischen der Nasenhöhle und den Nasennebenhöhlen dienen, wieder eröffnet. Dieses geschieht entweder durch ein Ausräumen der Nebenhöhlen und Gänge oder durch eine Ballon-Dilatation, bei der ein kleiner Ballon in den Gängen mit Luft befüllt wird und somit der Druck die Gänge wieder aufdehnt [6]. Dadurch kann das Sekret aus den Nasennebenhöhlen abfließen. Nach der Operation werden für 2-3 Tage die Gänge durch eine Tamponade offen gehalten, um ein vorschnelles Zusammenwachsen zu verhindern[3]. Die Operation ist wenig schmerzhaft und meist ist lediglich ein kurzer Krankenhausaufenthalt [7].

Eine andere Möglichkeit ist, eine der drei Nasenmuscheln (häufig die untere) zu verkleinern. Dadurch wird der Luftweg durch die Nase vergrößert. Dies wird beispielsweise bei der medikamentösen Rhinitis vorgenommen [2]. Hierbei werden bei einer Op-Methode durch eine elektrische Nadel überschüssige Schleimhäute eingeschrumpft oder chirurgisch abgetragen[6].

Bei 80% der Betroffenen verbessert sich der Gesundheitszustand nach einer Operation. In einigen Fällen kehren die Symptome jedoch trotz einer Operation wieder [7]. Jeder operative Eingriff birgt Risiken: Es können benachbarte Strukturen verletzt werden, die u.a. zu einem Riechausfall oder Blutungen führen können [6]. Die Operation findet in der Regel unter Vollnarkose statt. Über Risiken jeglicher Art klären die Ärzte vor einer anstehenden Operation auf.

Zu beachten

Entzündungen der Nase oder Nasennebenhöhlen können die knöcherne Schädelwand durchbrechen und sich auf anliegendes Gewebe ausbreiten. Als Folge kann die Entzündung auf die Augen übergreifen. Es kann von einem einfachen Befall des Augenslides mit Schwellung und Rötung bis hin zu einer Entzündung des Augapfels kommen [4]. Zudem können die Erreger auch die Hirnhäute befallen und eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen oder in das Gehirn eindringen und dort Eiteransammlungen oder Entzündungen (Enzephalitis) hervorrufen [2].

Komplikationen dieser Art sind selten, dennoch sollte bei langanhaltenden Entzündungen unbedingt ein Arzt kontaktiert werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen