Schnupfen Verstopfte Nase, chronisch: Ursachen

Chronisch verstopfte Nase durch Nasenspray?

© PantherMedia / Ashok Tholpady

Nasensprays gehören in Deutschland zu den am häufigsten verkauften Medikamenten. So werden allein über das Medizinportal medifuchs.de jährlich 63.000 Packungen Nasenspray verkauft, womit Nasensprays auf Platz 3 der rezeptfreien Top-Seller nach Diät- und Schmerzmitteln liegen. Nasensprays können bei einem akuten Schnupfen nicht nur die subjektiven Beschwerden lindern, sondern senken auch das Risiko für eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media), indem sie einen besseren Sekretabfluss aus der Nase ermöglichen.[2][1]

Medizinische Fakten

In Deutschland gibt es laut dem Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) an der Universität Bremen ca. 120.000 Patienten, die nach Nasensprays süchtig sind. Michael Damm, Oberarzt an der HNO-Uniklinik Köln, schätzt die Zahl sogar auf eine Million. Daten über die tatsächliche Zahl sind schwer zu ermitteln und liegen daher nicht vor. Fest steht, eine Abhängigkeit ist keine Seltenheit. [3]

Biologischer Zusammenhang

Die genaue Funktionsweise der jeweiligen Wirkstoffe auf die Nasenschleimhaut wird im Folgenden erklärt.

Herkömmliche abschwellende Nasensprays enthalten als Wirkstoff ein sogenanntes α1-Sympathomimetikum (meist Xylometazolin, Oxymetazolin oder Phenylephrin). Diese Substanzen bewirken eine Verengung der Gefäße der Nasenschleimhaut (Vasokonstriktion), was in der Folge zu einer reduzierten Schleimsekretion und somit zu einer offenen Nase führt.

Soweit die erwünschte Wirkung des Nasensprays, doch bereits schon nach kurzem Gebrauch schädigen die Wirkstoffe die Nasenschleimhaut, welche unter anderem sogenannte Flimmerepithelien enthält. Dies sind Zellen mit mikroskopisch kleinen Härchen, die durch eine gerichtete Bewegung dieser Härchen einen Abtransport von Schleim und eingeatmeten Schmutzpartikeln garantieren. [5] [4]

Nasensprays senken erwiesenermaßen die Beweglichkeit des Flimmerepithels. Dieser zunächst umkehrbare Effekt hat bei kurzem Gebrauch keine relevanten Auswirkungen. Bei langfristigem Gebrauch werden jedoch Infektionen, insbesondere Nasenebenhöhlenentzündungen begünstigt. Eingeatmete Mikropartikel, die nicht mehr durch das Flimmerepithel abtransportiert werden, führen außerdem zu einem erneuten Anschwellen der Schleimhaut, was dann zu neuen Schnupfensymptomen führt und so einen erneuten Gebrauch provoziert. [6]

Die Nasenschleimhaut gewöhnt sich bei längerem Gebrauch an die Wirkstoffe und reagiert bei deren Fehlen mit einer übermäßig starken Schwellung und Sekretproduktion. [7]

Diese starke Gegenreaktion beim plötzlichem Absetzen des Sprays wird als Rebound bezeichnet. Dieser verführt dann zum erneuten Gebrauch und kann so in eine Art Teufelskreislauf münden, der dann zur Abhängigkeit führt. [8]

Zu beachten

Was tun bei einer bereits bestehenden Abhängigkeit? Sollte bereits eine Abhängigkeit vorhanden sein, ist ein plötzliches Absetzen keine geeignete Lösung, da dies, wie beschrieben, zu einem starken Rebound führt. Zu empfehlen ist eine langsame Dosisreduktion, bis zum vollkommenden Absetzen. [9]

Eine andere Möglichkeit ist ein Wechsel auf cortisonhaltige Nasensprays. Diese sind vom Nebenwirkungsprofil bei langfristigem Gebrauch allerdings nicht unbedenklich und können ebenfalls eine Abhängigkeit erzeugen. Sie müssen daher von einem Arzt verschrieben werden. Sie eignen sich zum kurzfristigen Ersatz für herkömmliche Nasensprays bei fortbestehendem, insbesondere allergisch bedingtem Schnupfen. [10]

Weitere Möglichkeiten sind das Umsteigen auf meersalzhaltige oder pflanzliche Nasensprays, die auch zu einer Abschwellung der Nasenschleimhaut führen, allerdings nicht so wirkungsstark sind.

Sollten die beschrieben Methoden nicht die gewünschte Wirkung zeigen, ist es in jedem Fall erforderlich einen Arzt aufzusuchen.

Sind Nasensprays also folglich gefährlich und sollten vermieden werden?

Die eindeutige Antwort lautet Nein. Beachtet man die Verwendungshinweise und benutzt das Nasenspray verantwortungsbewusst, ist es durchaus geeignet nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Wie genau ein richtiger Gebrauch aussieht, steht in jeder Packungsbeilage und soll daher hier nur kurz skizziert werden.

So sollten abschwellende Nasensprays nicht länger als 7 Tage am Stück verwendet werden. Die Wirkdauer herkömmlicher Sprays beträgt ca. 12 Stunden, weshalb sich ein Gebrauch zweimal täglich empfiehlt. Diese Angaben ersetzen keinesfalls die Dosierungsanweisung eines Arztes. [11]

Sollten die Symptome nach einer Woche weiterhin bestehen, so empfiehlt es sich ohnehin einen Arzt aufzusuchen oder das Nasenspray zu wechseln.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen