Erkältung Chronisch: Ursachen

Ständig Erkältet – HIV als Ursache?

© PantherMedia / Mykhaylo Palinchak

Eine HIV-Infektion kann durch rezidivierende Infekte auffällig werden. Gerade im Anfangsstadium fehlen oft weitere Symptome. Allerdings sind zur Diagnose einer HIV-Erkrankung noch weitere Merkmale notwendig.

Der folgende Text gibt diagnostische Kriterien einer HIV-Infektion, erklärt die wichtigsten Mechanismen des Virus und weist auf wichtige Informationen zu diesem Thema hin.

Medizinische Fakten

In Deutschland leben schätzungsweise 78 000 Menschen (Stand 2012) mit dem HI-Virus (Humanes Immundefizienz Virus) und jährlich kommt es hierzulande zu ca. 3000 Neuinfektionen. Übertragen wird das Virus parenteral, in den meisten Fällen sexuell, aber auch über infiziertes Blut (z.B. bei intravenöser Drogengabe mit „needle sharing“) oder während einer Schwangerschaft/Geburt von der Mutter auf das Kind (in Deutschland selten, aber weltweit häufig).[1]

Eine HIV-Infektion führt zu einem stetigen Nachlassen des Immunsystems bis hin zum Ausbruch der AIDS- (Aquired immunodeficiency syndrome=Erworbenes Immundefizienzsyndrom) Erkrankung, die über das Vorhandensein von AIDS-definierenden Erkrankungen definiert ist. Zu diesen zählen Infektionen mit ungewöhnlichen (opportunistischen) Erregern, die für einen Menschen mit intaktem Immunsystem nicht gefährlich sind und dort keine Infektion auslösen. Aber auch die Entwicklung bestimmter Tumoren (z.B. Kaposi-Sarkom) und das sogenannte Wasting Syndrom (massive Gewichtsabnahme von mehr als 10% des Ausgangsgewichts mit chronischen Durchfällen und/oder Fieber ohne Erregernachweis) zählen zu den AIDS-definierenden Erkrankungen.[2]

Die HIV-Erkrankung verläuft schrittweise in Stadien ab, wobei sich das Initialstadium (auch akutes retrovirales Syndrom genannt) nach einer Inkubationszeit von einigen Wochen mit Symptomen eines grippalen Infektes wie Fieber, Lymphknotenschwellungen (Lymphadenopathie), Pharyngitis, allgemeiner Abgeschlagenheit und vereinzelt auch neurologischen Symptomen äußert. Es folgt für Jahrenzehnte eine klinische Latenz ohne Symptomatik (asymptomatisches Stadium) mit anschließendem symptomatischem Stadium, das mit einer hohen Anfälligkeit für Infektionen, so auch Erkältungen, einhergeht.

[3] Es können aufgrund des geschwächten Immunsystems unter anderem folgende Erkrankungen (noch nicht AIDS-definierend) auftreten: 2

  • Gürtelrose (Herpes Zoster)
  • Pilzerkrankungen im Mund-Rachenbereich (Soormykose) und vaginal (vaginale Kandidose)
  • nicht wegwischbare, weiße Veränderungen der Mund- und Zungenschleimhaut (orale Haarleukoplakie)
  • Veränderungen des Gebärmutterhalses durch HP-Viren (zervikale HPV-induzierte Dysplasie)

Eine HIV-Infektion wird nach der CDC-Klassifikation (Center of disease control and prevention) zusätzlich zu den klinischen Stadien nach der Anzahl der vorhandenen Immunzellen (CD4-positive T-Lymphozyten) eingeteilt. Ein positiver HIV-Test (durch direkten=Virus-RNA oder indirekten=Virus-Antikörper Nachweis von HIV-Viren) muss immer durch einen zweiten Bestätigungstest verifiziert werden.

Biologischer Zusammenhang

Das HI-Virus ist ein RNA Virus und gehört zu der Gruppe der humanen Retroviren, wobei das HIV-1 und HIV-2 zu einer Infektion beim Menschen führen können. Die Viren befallen CD4-positive Abwehrzellen des Immunsystems (vor allem T-Lymphozyten, aber auch Makrophagen, Monozyten, dendritische Zellen). Dabei docken sie mit ihrem Hüllprotein zunächst an den CD4-Rezeptoren der Zellen an und schleusen sich mit Hilfe von verschiedenen Faktoren in das Zellinnere. Ihre Erbinformation „übersetzen“ sie in das richtige Format und bauen sie anschließend in die DNA der Immunzelle ein, sodass bei jeder Übersetzung der Immunzellen-DNA in Proteine auch virale Bestandteile produziert werden. Auf diesem Weise kann sich das Virus mit Hilfe des Stoffwechsels der Wirtszelle vermehren (Virusreplikation) und durch „Ausknospen“ (Budding) wieder in die Körpersekrete gelangen und weitere Immunzellen befallen. Dies führt zum Untergang des infizierten T-Lymphozyten. Da die Replikation im Inneren einer körpereigenen Zelle stattfindet, ist sie nicht zugänglich für die Immunabwehr. Der CD4-Rezeptor vermittelt grob gesagt die Information „körpereigene = ungefährliche Zelle“. Durch Befall und Untergang von immer mehr Zellen der Immunabwehr, kommt es zu einem langsamen aber stetigen Abfall der T-Lymphozyten bei gleichzeitigem Anstieg der Viruslast und damit zur Erschöpfung des Immunsystems. Der Körper kann sich immer weniger gegen Keime wehren, sodass es z.B. schnell zu einer Erkältung kommen kann. HIV-Patienten sind daher nicht selten ständig von grippalen Infekten geplagt oder leiden an anderen viral oder bakteriell bedingten Erkrankungen. Bei Unterschreiten einer gewissen Anzahl an noch vorhandenen Zellen der CD-4 Reihe (ca. 200/µl Blut) kommt es meist zum Ausbruch der AIDS-Erkrankung mit AIDS-definierenden Erkrankungen.23

Zu beachten

Die HIV-Erkrankung ist nicht zu heilen, jedoch kann die Virusreplikation und damit die Abnahme der Immunabwehrfähigkeit verzögert werden. Die HAART (=Hoch aktive antiretrovirale Therapie) greift an verschiedene Stellen des Vermehrungszyklus der Viren ein und versucht so das Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Sie führt selbst aber auch zu für den Patienten belastenden Nebenwirkungen. Im fortgeschrittenem Stadium können sonst für die nicht erkrankte Person harmlose Infekte zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, sodass eine effektive Therapie dennoch indiziert ist. Ein direktes Bekämpfen des Virus gelingt bislang aufgrund der hohen Mutationsrate des Virus und der Lokalisation seiner Erbinformation nicht.

Die Infektiösität ist insbesondere bei einer frischen Infektion und im fortgeschrittenem Stadium hoch und direkt abhängig von der Menge der HI-Viren in den Körperflüssigkeiten (Viruslast). Jedoch kann eine Übertragung zu jeder Phase der Erkrankung stattfinden, sodass auf das Minimieren des Ansteckungsrisikos durch ausreichende Verhütung (mit einem Kondom) und risikoarmen Sexualverhalten und zu achten ist.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung