Erkältung Verschleppt: Im Alltag

Verschleppe Erkältung auskurieren

© PantherMedia / Andriy Popov

Eine Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, ist eine viral bedingte Infektionskrankheit, welche in der Regel innerhalb von 10 Tagen ausheilt. Klassischerweise präsentiert sich eine solche Erkältungskrankheit mit Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, leicht erhöhter Körpertemperatur und allgemeiner Abgeschlagenheit. Während die Erkältung selbst ein eher harmloses Krankheitsbild darstellt, muss bei Verschleppen eines solchen grippalen Infekts mit ernstzunehmenden Komplikationen gerechnet werden. Wie eine verschleppte Erkältung erkannt werden kann, welche Gefahren von ihr ausgehen können und was bei komplizierten Krankheitsverläufen ratsam ist, soll im folgenden Artikel genauer erläutert werden.

Medizinische Fakten

Die Erkältung zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen. Während Erwachsene zwei- bis fünfmal im Jahr an einem solchen grippalen Infekt erkranken, sind Kinder wesentlich häufiger betroffen. Aufgrund ihres noch nicht voll entwickelten Immunsystems erkranken sie durchschnittlich bis zu zehnmal im Jahr. Ähnlich ist es bei älteren Menschen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem aufgrund langjährigen Erkrankungen (chronischer Erkrankungen). Ausgelöst wird die Erkältung in 40% der Fälle von sogenannte Rhinoviren. Nach Eindringen des Virus in den Körper lösen sie bereits nach 12 Stunden erste Symptome aus. Zu Beginn wird meist eine allgemeine Verschlechterung des Wohlbefindens bemerkt. In jener ersten Krankheitsphase entwickelt sich in der Regel nach wenige Tagen trockener Husten (unproduktiver Husten), Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden (Dysphagie) und dünnflüssiger Schnupfen (Rhinorrhoe). Nach weiteren zwei bis drei Tagen setzt typischerweise die zweite Krankheitsphase ein, welche durch eine vermehrte Schleimproduktion gekennzeichnet ist. Hierbei werden Husten mit Auswurf von zähflüssigem Schleim (produktiver Husten) und eitrigem Schnupfen beobachtet. Diese Phase kann bis zu 7 Tagen anhalten, wobei eine deutliche Besserung von Tag zu Tag bemerkbar ist [1]. Nach insgesamt 10 Tagen ist in der Regel eine Erkältung folgenlos ausgeheilt. Dauern die Erkältungssymptome länger an, wird von einer verschleppten Erkältung gesprochen.

Ursachen einer verschleppten Erkältung

In den meisten Fällen ist eine unzureichende körperliche Schonung Grund für das Persistieren der Beschwerden. Während das Immunsystem den Krankheitserreger versucht zu eliminieren, besteht eine vermehrte Beanspruchung des Körpers. Wird der Organismus zusätzlich durch Sport, gesteigerte Aktivität oder Stress belastet,werden Stresshormone, beispielsweise Cortisol, ausgeschüttet. Cortisol wirkt auf das Immunsystem unterdrückend (immunsuppresive Wirkung), wodurch die Elimination des Virus eingeschränkt oder sogar verhindert wird. Hierdurch dauern die Beschwerden länger an und Komplikationen treten häufiger auf [2].

An dieser Stelle soll auch darauf hingewiesen werden, dass Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wesentlich häufiger dazu neigen Erkältungssymptome zu verschleppen. Insbesondere Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke (Menschen mit einem langjährigen Grundleiden) und Personen, welche Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppresiva) sind hiervon betroffen. Typisch ist das Verschleppen einer Erkältung außerdem für Menschen, die bereits an einer Vorerkrankung der Atmungsorgane leiden, wie beispielsweise Asthmatiker. Ihre Atemwege reagieren sensibler auf äußere Reize, wodurch sie nicht nur häufiger an einer Erkältung erkranken, sondern meist auch länger als der Durchschnitt (prolongierter Krankheitsverlauf)[1][3].

Risiken

Im Rahmen einer verschleppten Erkältung können ernstzunehmende Komplikationen entstehen. Wird der Krankheitserreger nicht adäquat durch das Immunsystem eliminiert, breitet dieser sich weiter im Körper aus und infiltriert Nachbarorgane. Darüber hinaus, sind die Atemwege im Rahmen einer viralen Entzündung anfällig für Zweitinfektionen, wie beispielsweise durch Bakterien (bakterielle Superinfektion). Hierdurch können folgende Erkrankungen auftreten:

Mittelohrzündung (Otits media)

Typischerweise tritt bei Kindern im Zusammenhang mit Schnupfen häufiger auch eine Mittelohrentzündung auf. Diese präsentiert sich in der Regel mit stechenden Ohrenschmerzen, Fieber und allgemeiner Reizbarkeit. Die Kinder fassen sich auffallend häufig zum Ohr, weinen vermehrt und schlafen aufgrund der Schmerzen vermindert.

Lungenentzündung (Pneumonie)

Eine Lungenentzündung tritt im Vergleich zur Mittelohrentzündung wesentlich seltener als Komplikation einer verschleppten Erkältung auf. Meist wird sie bei Menschen mit stark abgeschwächtem Immunsystem beobachtet. Typische Symptome können produktiver Husten, Fieber über 38°C, starke Abgeschlagenheit, schnelles Atmen (Tachypnoe) mit atemabhängigen Schmerzen sein.

Anhaltender Asthmaanfall (Status asthmaticus)

Bei Asthmatikern, welche an einer Erkältung erkranken, kann es zu einer akuten Verschlechterung der Beschwerden kommen (akute Exazerbation). Hierbei treten plötzlicher, starker Reizhusten mit schwerer Atemnot (Dyspnoe) auf. Bei einem solchen Asthmaanfall sollte der Notarzt alarmiert werden, da es bei Persistieren der Beschwerden zum Ersticken kommen kann [3].

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Wird eine kindliche Mittelohrentzündung nicht therapiert, können weitere Komplikationen entstehen. Hierzu zählt vor allem eine Entzündung des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins (Mastioiditis). Dabei handelt es sich um eine lokale knöcherne Entzündung, welche sich durch Rötung, Schwellung und Schmerzen hinter dem Ohr bemerkbar macht. Klassischerweise wird eine abstehende Ohrmuschel auf der entzündeten Seite beobachtet. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt kann der Krankheitserreger bis zu den Gehirnhäuten vordringen und dort eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen, welche sich durch Fieber, Schläfrigkeit des Kindes, Übelkeit und Erbrechen, sowie Nackenschmerzen bemerkbar machen kann[4].

Zu beachten

Eine verschleppte Erkältung kann gefährlich sein, da diese mit ernstzunehmenden Komplikationen einhergehen kann. Aus diesem Grund sollte bei Erkältungsbeschwerden, welche länger als 10 Tage andauern, eine weitere Selbstmedikation unterlassen werden und stattdessen ein Arzt aufgesucht werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung