Erkältung Verschleppt: Im Alltag

Verschleppte Erkältung und Sport

© PantherMedia / Antonio Guillem

In den meisten Fällen handelt es sich bei einer Erkältung (grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) um eine harmlose Erkrankung meist in Form eines gewöhnlichen Schnupfens (Rhinitis). Die Krankheitszeichen heilen hier binnen weniger Tage von selbst aus. Besonders bei immungeschwächten Personen, aber auch bei Menschen ohne bekannte Vorerkrankungen kann es in manchen Fällen jedoch zum Persistieren der typischen Symptome kommen. Sollten Husten (Tussis), Kopf- (Cephalgie) und Gliederschmerzen sowie eine erschwerte Nasenatmung (nasale Kongestion) deutlich länger als eine Woche bestehen bleiben, gilt es bis zur Abklärung der Beschwerden durch einen Arzt insbesondere auf Sport zu verzichten, weil eine verschleppte Erkältung das Herz und die Lunge ernsthaft gefährden kann.

Medizinische Fakten

Die Entzündung des Herzmuskels (akute Myokarditis) ist eine besonders gefürchtete Komplikation bei andauernden, chronischen Erkältungen. Besonders junge, sportliche Personen sind häufig betroffen, weil sie den latenten Erkältungssymptomen zu wenig Beachtung schenken. Viren zählen zu den häufigsten Verursachern einer Herzmuskelentzündung. In selteneren Fällen können auch Bakterien, Pilze oder Antikörper gegen körpereigene Gewebe die Erkrankung hervorrufen.[1]

Eine weitere schwerwiegende Komplikation bei verschleppter Erkältung ist die durch Viren und andere seltene Erreger verursachte atypische Lungenentzündung (interstitielle Pneumonie). Anders als bei bakteriellen Erregern sind die typischen Symptome wie Schüttelfrost, Herzrasen, atemabhängige Schmerzen und Husten hier wesentlich schwächer ausgeprägt und werden deshalb oft nicht frühzeitig erkannt. Auch das Fieber beginnt schleichend und bleibt meist unter 39°C.[2]

Biologischer Zusammenhang

Werden die Viren, die ursprünglich lediglich eine Erkältung verursacht haben, nicht vollständig durch das Immunsystem des Körpers beseitigt, können sie über das Blut zu den Zellen des Herzmuskels (Myokardzellen) gelangen. Dort verursachen sie durch ihre Vermehrung eine lokale Entzündung, die zur fortschreitenden Zerstörung der Muskelzellen (Myozytolyse) führt. Während dieser Prozess in der Frühphase noch keine bleibenden Schäden hinterlässt, kommt es im weiteren Verlauf zu dauerhaften, krankhaften Veränderungen, wie beispielsweise einer Erweiterung (Dilatation) der Herzkammern oder dem Verlust der elektrischen Leitfähigkeit, was zu Herzrhythmusstörungen (Arrythmie) führt.[3]

Bei einer atypischen Lungenentzündung passiert das Entzündungsgeschehen anders als bei typischen Verläufen nicht in den Lungenbläschen, sondern im Gewebe dazwischen, im sogenannten Interstitium. Die von Viren befallenen Lungenzellen werden von speziellen Abwehrzellen (Leukozyten) aufgenommen. Bei diesem Vorgang entsteht der für Lungenentzündungen typische Erguss, der sich in Falle der atypischen Pneumonie in der gesamten Lunge ausbilden kann, ohne sich klar auf einen bestimmten Lappen zu beschränken.[4]

Prognose

Bei frühzeitiger Erkennung besteht die Chance, dass eine Herzmuskelentzündung ohne bleibende Schäden ausheilt. Hat sich die Struktur des Herzmuskels jedoch durch die Entzündung bereits deutlich verändert, kann es zu Dauerschäden kommen, die einer lebenslangen medikamentösen Therapie bedürfen.

Die Prognose einer atypischen Pneumonie hängt wesentlich davon ab, ob es im Verlauf zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion (Superinfektion) kommt, oder nicht. Anders als Viren müssen Bakterien mit einem speziell gegen sie gerichteten Medikament, einem Antibiotikum, gezielt bekämpft werden. Sonst besteht die Gefahr, dass diese in die Blutbahn eindringen und dadurch eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Dabei handelt es sich um eine äußerst schwerwiegende Komplikation im Sinne einer schweren Entzündungsreaktion, die alle Organe des Körpers mit betrifft und trotz intensiver medizinischer Intervention tödlich verlaufen kann.

Diagnostik

Meist führt das Auftreten von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie), starkes Herzklopfen in Ruhe (Palpitationen), oder Kreislaufproblemen mit Kurzatmigkeit (Dyspnoe) die Betroffenen zum Arzt, der im Zuge der Anamnese unbedingt auf das dauerhafte Bestehen der Erkältungssymptome hingewiesen werden sollte. Auch abgelaufene Infekte des Magen- Darmtraktes sollten ggf. erwähnt werden. Im darauf zu veranlassenden EKG lässt sich neben unspezifischen Veränderungen in manchen Fällen eine fehlerhafte Überleitung der elektrischen Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern (AV-Block) beobachten. Besonders bei Patienten mit deutlicher Herzschwäche (Herzinsuffizienz) empfiehlt es sich, eine Kathederuntersuchung des Herzens durchzuführen, die in diesen Fällen meist durch Überlastung erweiterte Herzkammern (dilatative Kardiomyopathie) zeigt.[5]

Die klinische Erscheinung kann im Falle einer atypischen Pneumonie sehr unspezifisch ausfallen, weswegen es sich in jedem Fall empfiehlt, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs zu erstellen. Auch eine Untersuchung  des Blutserums auf Virus-DNA (Virus-PCR) kann in einigen Fällen die nötige Klarheit über die Erreger schaffen. Das Vorliegen einer möglichen bakteriellen Infektion wird nach einer Blutentnahme dadurch überprüft, indem man versucht, die Bakterien im Labor auf einer Agar-Platte zu züchten (Blutkultur). Beim Nachweis von Keimwachstum werden die Bakterien anschließend weiteren laborchemischen Tests unterzogen, um ihren exakten Stamm und ihre biologischen Eigenschaften näher zu bestimmen.[6]

Therapie

Die Therapie der Myokarditis richtet sich nach der auslösenden Ursache sowie nach dem Zustand des Herzmuskels. Bei viralen Herzmuskelentzündungen haben körperliche Schonung sowie engmaschige Verlaufskontrollen oberstes Gebot. Lediglich bei immungeschwächten Personen empfiehlt sich mitunter der Einsatz spezieller antiviraler Medikamente. Bei bakterieller Genese gilt es, neben der strikten Vermeidung körperlicher Anstrengung ein gegen den jeweiligen Erreger wirksames Antibiotikum einzusetzen, um das Ausheilen der Entzündung herbeizuführen. Besteht bereits eine Erweiterung der Herzkammern, müssen Medikamente gegen Herzschwäche zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel ACE-Hemmer oder Betablocker.[7]

Während rein viral bedingte Lungenentzündungen unter körperlicher Schonung und fiebersenkenden Maßnahmen in der Regel ohne Folgeschäden ausheilen, verkompliziert sich der Verlauf bei einer hinzutretenden Infektion mit Bakterien, sodass Antibiotika zum Einsatz kommen müssen. Das Ergebnis der Blutkultur dient neben der Bestimmung der Bakterienart vor allem der Auswahl eines wirksamen Antibiotikums (Antibiogramm), weil viele Bakterienstämme inzwischen gegen bestimmte Präparate  unempfindlich geworden sind, also Resistenzen gebildet haben.[8]

Zu beachten

Sportliche Betätigung trotz chronischer Erkältungssymptome kann aufgrund einer nicht erkannten Myokarditis sogar in seltenen Fällen einen plötzlichen Herztod zur Folge haben. Auch eine verkannte Lungenentzündung kann insbesondere bei zu viel körperlicher Belastung zu überschießenden Immunreaktionen führen, die mitunter tödlich enden können.[9] Aus diesem Grund ist es unerlässlich, das dauerhafte Fortbestehen der Symptome ärztlich abzuklären und die dringende Empfehlung körperlicher Schonung ernst zu nehmen.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung