Husten Hustenreiz: Ursachen

Hustenreiz durch Medikamente

© PantherMedia / David Stuart

Bei chronischem Hustenreiz, der definitionsgemäß länger als 8 Wochen dauert, sollten nach Ausschluss anderer Ursachen Medikamente als mögliche Auslöser in Betracht gezogen werden. Von besonderem Stellenwert sind dabei ACE-Hemmer, Cortison, Beta-Blocker und inhalative Glucocorticoide. [1]

Der medizinische Hintergrund zu diesem Thema, die Wirkprinzipien sowie Beachtenswertes sollen im Folgenden erläutert werden.

Medizinische Fakten

Chronischer Husten (Tussis) kann von verschiedenen Faktoren verursacht werden. Neben schweren vorangegangenen Atemwegsinfekten und dem dauerhaften, unwillkürlichen Aufstoßen von Magensäure in die Speiseröhre (Gastroösophagealer Reflux) können auch Medikamente zu den Auslösern gezählt werden. [2]

Medikamentöse Hauptverursacher des Reizhustens sind ACE-Hemmer. Es handelt sich dabei um blutdrucksenkende Substanzen, die bei Herzinsuffizienz oder zur Prophylaxe von Herzinfarkt (Myokardinfarkt) und Schlaganfall (Apoplexia cerebi) eingesetzt werden. Bei etwa 15 Prozent der Personen, die mit diesem Arzneimittel behandelt werden, kommt es etwa eine Woche nach Therapiebeginn zum Auftreten von Reizhusten, selten erst Monate danach. Es sind größtenteils Frauen davon betroffen. Meist spricht der Husten nicht auf die Behandlung mit üblichen Medikamenten an und ist im Regelfall unabhängig von der Dosis des ACE-Hemmers. [3]

Inhalative Glucocorticoide, die hauptsächlich zur Behandlung des Asthma Bronchiale eingesetzt werden, [4] aber auch Zytostatika wie Methotrexat sowie Betablocker und Amiodaron können Reizhusten als Nebenwirkung mit sich bringen. [5]

Biologischer Zusammenhang

Das Wirkprinzip von ACE-Hemmern basiert auf der Hemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms (ACE). Über eine Reihe von Mechanismen wird die Freisetzung des Nebennierenhormons Aldosteron vermindert, das Einfluss auf den Wasserhaushalt des Körpers hat, und so der Blutdruck senkt. Gleichzeitig wird damit jedoch auch der Abbau des Gewebshormons Bradykinin, das für die Schmerz- und Entzündungsentstehung verantwortlich ist, blockiert. Es kommt zu einer Anhäufung dieses Stoffes im Gewebe. Einerseits werden dadurch direkt Nervenfasern in der Lunge stimuliert, die ein Zusammenziehen der Bronchialmuskulatur mit Einengung der Atemwege bewirken. Andererseits kommt es indirekt über die Freisetzung von weiteren Entzündungsmediatoren zum Hustenreiz. [6][7][8]

Inhalative Glucocorticoide können sich im Bereich des Kehlkopfs ablagern, was Heiserkeit (Dysphonie) und gehäufte Hustenattacken zur Folge hat. [9]

Zu beachten

Reizhusten durch ACE-Hemmer kann in seltenen Fällen einem lebensbedrohlichen Angioödem vorausgehen. Dabei kommt es zum Anschwellen der Schleimhäute in Mund und Rachen kommen, was unmittelbare Erstickungsgefahr nach sich zieht. [10]

Medikamente sollten bei Auftreten von Reizhusten keinesfalls eigenmächtig abgesetzt werden, sondern erst nach Konsultieren eines Arztes. ACE-Hemmer können beispielsweise durch Angiotensin-II-Blocker ersetzt werden. Die Hustensymptomatik verschwindet für gewöhnlich 1 bis 4 Wochen nach Therapieende. [11]