Husten In der Schwangerschaft: Begleiterscheinungen

Husten u. Schnupfen (in der Schwangerschaft)

© PantherMedia / Sergejs Rahunoks

Husten und Schnupfen sind typische Erscheinungen während einer Schwangerschaft, da das Immunsystem von Schwangeren durch die Einnistung eines Embryos großen Herausforderungen gegenübergestellt ist. Meist sind diese Erkältungsbeschwerden harmlos, allerdings gibt es einige virale Erkrankungen, die die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und zu bleibenden Schäden führen können. Nachfolgend werden die medizinischen Fakten, der Biologische Zusammenhang und mögliche Risiken von Husten und Schnupfen während der Schwangerschaft erläutert.

Medizinische Fakten

Das Immunsystem sorgt im Allgemeinen dafür, dass ungefährliche körpereigene (z.B. Blutzellen, Nervenzellen), und körperfremde Stoffe (z.B. Nahrungsmittel) toleriert werden und im Gegenzug schädliche körpereigene (z.B. Tumorzellen) oder körperfremde (z.B. Schadstoffe, Allergene) Stoffe bekämpft werden. Dieses Verhalten muss vom Immunsystem gelernt werden und variiert von Mensch zu Mensch.

Während einer Schwangerschaft steht die mütterliche Immunabwehr vor einer großen Herausforderung, da sich inmitten des Körpers der Schwangeren neues Leben einnistet und vom Immunsystem folglich als „unbekannt“ wahrgenommen wird. Damit der Embryo nicht vom mütterlichen Immunsystem attackiert wird, wird dieses während einer Schwangerschaft in gewisser Weise reguliert. Dies geschieht beispielweise durch die Expression von bestimmten Zytokinen und Molekülen (wie HLA-G) oder durch die Anpassung der Aktivität bestimmter Zellen (wie beispielsweise der T-Zellen)[1].

Im Rahmen dieser Anpassungsprozesse kann das Immunsystem während einer Schwangerschaft etwas anfälliger für Infekte und Erkältungen sein. Im Normallfall sind dies allerdings – sowohl für die Mutter, als auch für das Kind – harmlose Infektionen, die den Schwangerschaftsverlauf nicht beeinflussen. Kurze fieberhafte Episoden sind unbedenklich, mehrere Tage anhaltende Phasen mit hohem Fieber sollten allerdings ärztlich abgeklärt werden, da sie unter Umständen zu frühzeitigem Beginn der Wehen führen können.

Neben den beschriebenen, milden Infekten sind allerdings einige, vor allem durch Viren hervorgerufene Infektionen bekannt, die eine regelrechte Entwicklung des Kindes behindern und zu teils irreversiblen Schädigungen führen können:

Das humane Cytomegalievirus (CMV), das zu den Herpesviren zählt, ist für immungesunde Erwachsene normalerweise nicht gefährlich, kann bei ungeborenen Kindern jedoch schwere Schäden verursachen[2]. Eine CMV- Infektion ist mit 0,2 – 0,4 Prozent die häufigste angeborene Infektion bei Neugeborenen. Bei einer CMV-Primärinfektion (die Mutter erkrankt zum ersten Mal) während der Schwangerschaft kommt es bei 7 – 10 % der Kinder zu Symptomen von Hörstörungen bis hin zu schweren Gehirnschäden. Wird die Infektion allerdings zum wiederholten Mal während der Schwangerschaft durchgemacht, ist die Chance für eine Infektion des Neugeborenen äußerst gering[3].

Eine Infektion mit dem Parvovirus B19, auch „Ringelröteln“ genannt, kann ebenfalls schwere Fehlbildungen beim Embryo auslösen. Die Ringelröteln sind eine an sich harmlose Kinderkrankheit, infizieren sich Schwangere allerdings zum ersten Mal mit dem Virus, kann dies die Blutbildung des Feten massiv beeinträchtigen und so bereits im Mutterleib zu Blutarmut führen2. Infektionen zu Beginn der Schwangerschaft bis in die 20. Woche können zu Spontanaborten oder Totgeburten führen, weshalb eine rasche Therapie bei einer Primärinfektion der Mutter angezeigt ist.

Eine gefürchtete Infektion während der Schwangerschaft sind die Röteln. Während bei der ersterkrankten Mutter milde Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, stark geschwollene Lymphknoten und ein nach rund 5 Tagen auftretender Ausschlag an Hals und Brust auftreten, kann es beim Ungeborenen, vor allem wenn die Infektion vor der 12. SSW stattgefunden hat, zur „Rötelnembryopathie“ kommen. Die Kombination aus Innenohrschwerhörigkeit, Herzfehler und grauem Star (Katarakt) wird auch als „Gregg-Trias“ bezeichnet[4].

Biologischer Zusammenhang

Eine Schwangerschaft stellt eine besondere und äußerst heikle Aufgabe für das Immunsystem dar. Einerseits muss das körperfremde Gewebe des Feten toleriert werden, andererseits muss sein Wachstum gefördert, geschützt und überwacht werden. An der fetomaternalen Grenzzone, dem Bereich der Gebärmutter (Uterus), der Mutter und Kind voneinander trennt, läuft eine Vielzahl von immunologischen Prozessen ab. Die größte Gruppe der beteiligten Zellen sind dabei die uterinen natürlichen Killerzellen (uNK – Zellen), die eine wichtige Rolle für die Einnistung des Embryos spielen[5]. Es konnte nachgewiesen werden, dass bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten eine erhöhte Konzentration dieser Zellen vorliegt.

Durch eine Vielzahl von Zytokinen wie Interleukin (IL-) 2, 3, 6, 12, 13, Tumornekrosefaktor (TNF-) α und β oder Interferon (IFN-) γ wird die Aktivität des Immunsystems beeinflusst. Dieses Zytokinnetzwerk wird im Laufe der Schwangerschaft moduliert, was die regelrechte Entwicklung des Kindes ermöglicht.
Allerdings kann durch diese und weitere immunologische Mechanismen nicht immer adäquat auf das Eindringen banaler Erreger reagiert werden, weshalb es leichter zu Infekten kommen kann. In der Regel ist das Immunsystem dennoch in der Lage, die Erreger zu eliminieren und eine Erkrankung zu begrenzen.

Zu beachten

Schwangere Frauen sind meist etwas anfälliger für Erkältungskrankheiten mit Schnupfen oder Husten, im Normalfall sind dies allerdings harmlose Infekte, die sich nicht negativ auf die Schwangerschaft auswirken.

Es sind einige Viren bekannt, die bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft bleibende Schäden beim Feten auslösen können. Dazu zählen das Rötelnvirus, das Parvovirus B19, das Cytomegalievirus (CMV) oder auch Windpocken (VZV – Varicella zoster Virus) und das HI-Virus (HIV).
Bei einer Infektion mit einem der obigen Viren steht eine rasche Therapie des ungeborenen Kindes an oberster Stelle. Durch die richtige und rechtzeitig einsetzende Behandlung können bleibende Schäden meist vermieden werden.
Um einer Infektion vorzubeugen sollte vor Beginn der Schwangerschaft bestimmt werden, ob die obigen Erkrankungen von der Mutter durchgemacht wurden und Antikörper im Blut nachzuweisen sind. Andernfalls empfiehlt sich eine Schutzimpfung, die für Röteln und Windpocken verfügbar ist. Regelmäßige Untersuchungen können hilfreich sein, um bei einer Infektion eine rasche Therapie einleiten zu können.