Husten Reizhusten: Anwendungen

Wickel gegen Reizhusten

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Äußerlich angewendete Wickel sind ein uraltes Rezept gegen Reizhusten. Sie können vielfältig eingesetzt werden und dienen je nach Anwendung vor allem der Linderung von Schmerzen und Verspannungen oder zur Fiebersenkung. Dabei fördern warme Wickel die Durchblutung und sind besonders bei trockenem Reizhusten wirksam. Die erkrankten Atemwege werden durch die gesteigerte Blutzufuhr vermehrt mit Sauerstoff, Nährstoffen und Abwehrzellen versorgt. Es empfiehlt sich, dem Wickel hustenreizlindernde Zusatzstoffe hinzuzufügen. Im Folgenden wird eine Auswahl möglicher Wickel vorgestellt.

Wirkungsweise

Während die Wirkung durchblutungsfördernder Wickel wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, ist der Effekt von Zusatzstoffen nicht eindeutig beschrieben. Daher sind insbesondere solche Wickel empfohlen, die die Wärme speichern können und kontinuierlich abgeben. Ätherische Öle können vermutlich über die Inhalation ihre Wirkung entfalten.

Warme Brust-/Halswickel dienen vor allem der Entkrampfung der Muskulatur der oberen Atemwege (sog. Bronchien), der Schleimlösung und fördern den Auswurf.

Kalte Brust-/Halswickel können durch die Reaktion des Körpers ebenfalls die Durchblutung steigern und somit die gleichen Effekte wie ein warmer Wickel erzielen. Die Blutgefäße vor Ort ziehen sich durch den Kältereiz zusammen (Vasokonstriktion), erhöhen damit den Blutdruck und aktivieren den Stoffwechsel. Gleichzeitig kann über die Verdunstung des Wassers, Wärme abgeleitet und Fieber gesenkt werden. Nach 5-10 Minuten sollte die umwickelte Körperstelle warm werden. Kommt es zu keinem Wärmegefühl, sollten warme Wickeln bevorzugt werden, um eine Auskühlung zu vermeiden. Soll ein beruhigender, abschwellender oder fiebersenkender Effekt erzielt werden, wird der Wickel, sobald er warm geworden ist, gewechselt und erneut kühl aufgelegt.

Kartoffelwickel: Die heilende Wirkung des Kartoffelwickels wird der kontinuierlichen, langsamen Wärmeabgabe zugeschrieben.[1] Durch die geförderte Durchblutung kann es zum erleichterten Abhusten von Schleim (sekretomotisch) und einer Beruhigung der Atemmuskulatur (broncholytisch) kommen. Hierfür am besten ungeschälte Kartoffeln kochen und in ein Leinentuch drücken. Dann wie unter „Empfehlungen zu Anwendung und Dosierung“ anlegen. Anwendungsdauer: ca. 1 Stunde.

Leinsamen-Wickel: Leinsamen dienen wie Quark- bzw. Kartoffelwickel als Wärmespeicher. Für die Herstellung eines Leinsamenwickels werden 1 ½ Tassen geschrotete Leinsamen mit ½ Liter kochendem Wasser vermengt. Die Leinsamen müssen unter Rühren ausquellen bis ein zäher Brei entsteht.[2] Anwendungsdauer: ca. 30 Minuten.

Quarkwickel: Quark ist ein guter Wärme- und Kältespeicher und kann somit die Wirkdauer eines Wickels verlängern. Ein Quarkwickel sollte zur Behandlung von Reizhusten am besten körperwarm angewendet werden. Dazu kann die Quarkpackung in Folie eingeschlagen mit einer Wärmflasche aufgewärmt werden. Die Verwendung von je einer Quarkpackung für Rücken und Brust ist zu empfehlen.[3] Anwendungsdauer: ca. 15-30 Minuten.

Brustwickel mit ätherischen Ölen:

  • Thymianöl wirkt schleimlösend (sekretolytisch), entzündungshemmend (antiinflammatorisch) und krampflösend (broncholytisch). Für diesen Wickel 3 Teelöffel Thymiankraut in 750 ml Wasser kochen und 10 Minuten ziehen lassen[4]. Dann abgekühlt (maximal 45°C) wie unter „Empfehlungen zu Anwendung und Dosierung“ beschrieben anwenden. Anwendungsdauer: ca. 30 Minuten.
  • Eukalyptusöl kann das Abhusten von Schleim (sekretomotorisch) erleichtern und den Hustenreiz (antitussive Wirkung) lindern.[3] Für diesen Wickel werden 40-50 Tropfen des Öls auf ein Tuch gegeben. Danach wie unter „Empfehlungen zu Anwendung und Dosierung“  fortfahren. Anwendungsdauer: beliebig, auch über Nacht möglich.
  • Zwiebelwickel wirken schleimlösend (sekretolytisch) und auswurffördernd (expektorant). 1-2 Zwiebeln in kleine Würfel hacken und in ein Tuch einschlagen. Zwiebeln können sowohl als kalte, als auch warme Wickel verwendet werden. Für warme Wickel, diesen z. B. mit einem Wärmekissen aufheizen. Anwendungsdauer: ca. 1-2 Stunden oder über Nacht.[2]

Empfehlungen zu Anwendung und Dosierung

Gut präparierte Wickel nässen nicht. Mit etwas Übung ist ein guter und sauberer Halswickel bzw. Brustwickel also schnell zubereitet. Bei Wickeln gilt generell eine individuelle angenehme Anwendungsform zu finden, die der ganzheitlichen Genesung zuträglich ist. Warme Wickel sollten nie wärmer als 45°C sein, da diese Temperatur völlig ausreicht, um die Durchblutung zu fördern.

Nach Kneipp werden 3 Tücher für einen Wickel benötigt. Diese werden wie folgt angelegt[3]:

  • Die innere Lage: Hierzu ein grobes (z.B. Leinen-) Tuch in warmes Wasser bzw. Tee tauchen und auswringen bis es nicht mehr tropft. Danach um den Brustkorb (beim Einatmen) oder Hals legen und gut darauf achten, dass das Tuch an der Haut anliegt und sich keine Luftblasen gebildet haben.
    • ODER soll ein Kartoffel-, Leinsamen- oder Quarkwickel hergestellt werden, wird dieses innere Tuch trocken um die betreffende Körperpartie gewickelt.
  • Die mittlere Lage: Ein trockenes (z. B. Baumwoll-)Tuch über das erste Tuch legen, dabei darauf achten, dass die Ränder des feuchten Tuches bis zu 4 cm überragt werden.
    • ODER für die Herstellung von Kartoffel-, Leinsamen- oder Quarkwickeln die Produkte ins mittlere Tuch einschlagen und mit Sicherheitsnadeln verschließen.
  • Die äußere Lage: Ein trockenes (z. B. Woll-) Tuch abschließend darum wickeln.

Ein Brustwickel wird um den Rumpf gewickelt und reicht von Achselhöhle bis Rippenbogen. Dieser wird bevorzugt bei Bronchitis (Erkrankung der oberen Atemwege, Hauptsymptom: Husten), Asthma bronchiale, Pneumonie (Lungenentzündung) oder Karditis (Herzmuskelentzündung) angewendet.[5]

Der Halswickel wird hingegen wie ein Schal um den Hals geschlagen und ist vor allem bei Rachen- (Pharyngitis) oder Kehlkopfentzündungen (Laryngitis) hilfreich.

Zu beachten

Bei Unwohlsein sollte die Anwendung sofort unterbrochen werden. Kommt es bei der Anwendung von kalten Wickeln innerhalb von 10 Minuten nicht zu einem Wärmegefühl, sollte zunächst eine Erwärmung des Körpers z. B. mit Tee oder einer Wärmflasche versucht werden. Bleibt dies ohne Erfolg oder kommt gar Schüttelfrost hinzu, ist der Wickel ebenfalls abzunehmen. Zum Schutz vor Verbrühungen sollte ein Wickel nie heißer als 45° sein, dies ist insbesondere bei der Verwendung von kochendem Sud zu beachten.

Hält der Husten länger als 1 Woche an bzw. kommen Schmerzen, akute Luftnot oder Fieber hinzu, sollte immer ein Arzt konsultiert werden.