Schnupfen Beim Kleinkind: Krankheitstypen

Verstopfte Nase (Kleinkind)

© PantherMedia / Leung Cho Pan

Die Funktionen der Nase sind vielfältig: Neben der Regulation des Luftstroms sowie dem Anwärmen und Anfeuchten der Atemluft dient sie unter anderem als Riechorgan und erfüllt immunologische Aufgaben. Eine Einschränkung dieser Funktionen, wie sie bei einer verstopften Nase(Nasenatmungsbehinderung) auftritt, führt zu einem subjektiven Gefühl eines unzureichenden Luftflusses durch die Nase. Diese Behinderung kann temporär (zeitlich begrenzt) oder permanent (andauernd) auftreten und ein oder beide Nasenlöcher betreffen.

Im Kindesalter ist die Nasenatmungsbehinderung ein häufiges Symptom, das typischerweise von einer vermehrten Mundatmung begleitet wird.

Symptome und Verlauf

Nasenatmungsbehinderungen treten besonders im Alter zwischen 4 und 7 Jahren auf und gehören zu den häufigsten Krankheitssymptomen des Kindesalters. Je nach Ursache können sie nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden: Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens, Dauer der Beschwerden, Lokalisation oder nach bestehenden Begleitsymptomen [1].

Zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr besteht die mit Abstand häufigste Ursache in einer Hyperplasie (Vergrößerung eines Organs durch Zunahme der Zellzahl) der Rachenmandel durch wiederkehrende Infekte. Die Symptomatik der Nasenatmungsbehinderung entwickelt sich beidseitig über einen Zeitraum von mehreren Monaten (chronisch) durch Verlegung der hinteren Öffnung der Nasenhöhle in den Rachen (Choanen) [1]. Als Folge der Obstruktion (Verschluss eines Hohlorgans) des Nasopharynx (oberer Teil des Rachens) kann es im weiteren Verlauf zu einem Verschluss der Ohrtrompete (Eustachi-Röhre) kommen, die den oberen Rachenabschnitt mit dem Mittelohr verbindet und seiner Belüftung dient. Unbehandelt kann dies beim Kleinkind zum Seromukotympanon, einer Sekretansammlung in der Paukenhöhle des Mittelohrs, führen [2]. Im akuten Fall mit einseitiger Behinderung der Nasenatmung muss besonders in diesem Alter auch an Fremdkörper gedacht werden.[3]

Durch die Rückbildung des lymphatischen Gewebes im Rachen verliert die Hyperplasie der Rachenmandel (auch Adenoid genannt) ab dem 6. – 8. Lebensjahr deutlich an Bedeutung. Ab dem 10. Lebensjahr treten eher entzündliche Erkrankungen als Ursache einer nasalen Verstopfung in den Vordergrund. Hierbei verursacht das eitrige Sekret kombiniert mit einer geschwollenen Nasenschleimhaut aufgrund einer erhöhten Durchblutung meist die behinderte Nasenatmung [1]. Bei einer akuten, beidseitigen Entwicklung über einige Tage sind in über 95% der Fälle Viren, insbesondere Rhinoviren und Influenzaviren, verantwortlich, die eine akute Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) auslösen [3]. Schätzungsweise 50% der akuten viralen Erkrankungen der oberen Atemwege werden durch Rhinoviren verursacht. Diese Viren treten ganzjährig mit einer Häufung im Herbst und Frühling auf. Übertragen werden sie häufig durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit beträgt 1–3 Tage, die Erkrankung dauert durchschnittlich etwa eine Woche [4]. Grund für die verstopfte Nase ist hier die vermehrte Sekretion von Schleim und die Schwellung der Nasenschleimhaut in der Nasenhöhle.

Doch nicht immer sind Viren oder Bakterien der Grund für die verstopfte Nase. Insbesondere wenn die Obstruktion zu bestimmten Jahreszeiten auftritt, ist an eine saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen) zu denken. Findet sich eine ganzjährige über Antikörper der Klasse IgE vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut, kommen auch Hausstaubmilben als Auslöser infrage. Binden zwei IgE-Antikörper auf der Oberfläche einer sogenannten Mastzelle (weißes Blutkörperchen), dann schüttet diese Histamin (Gewebshormon) aus. Das Histamin wiederum bindet an spezielle Rezeptoren (Fühler) der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut, was zu einer erhöhten Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit der Blutgefäße) führt. Dadurch können mehr Immunzellen und Flüssigkeit in das Gewebe gelangen, was zu einem Anschwellen der Schleimhaut führt [2]. Hinzu kommt eine maulbeerartige Hypertrophie (Vergrößerung eines Organs durch Zunahme des Zellvolumens) der Nasenmuscheln in der Nasenhaupthöhle [3].

Behandlung

Die Behandlung erfolgt je nach Ursache. Bei der adenoiden Hyperplasie ist meist eine Adenotomie (Entfernung der Rachenmandel) indiziert. Um die oben erwähnten Komplikationen wie einen Paukenerguss im Mittelohr zu verhindern, sollte diese nicht zu spät erfolgen. Wird der Schall bei Kindern von außen über das Mittelohr nicht zum Innenohr weitergeleitet, kann es schon nach ca. 3 Monaten zu einer Sprachentwicklungsverzögerung kommen [3]. Leider schließt auch eine frühe Entfernung der Rachenmandel eine erneute Hyperplasie (Rezidiv) nicht aus; besonders Kinder mit allergischen Atemwegserkrankungen sind häufiger und schwerer von diesen Rezidiven betroffen [1].

Im Falle eines Fremdkörpers in der Nasenhöhle als Ursache für die Nasenatmungsbehinderung bietet sich ein endoskopisches Verfahren an, bei dem der Fremdkörper durch eine Kamera gesichtet und entfernt werden kann [1].

Liegt eine akute Rhinitis vor, ist eine symptomatische Therapie(Behandlung der Symptome) angezeigt, eine kausale antivirale Therapie (Behandlung der krankheitsauslösenden Viren) steht nicht zur Verfügung [4]. Symptomatisch kommen abschwellende Nasentropfen für 7–10 Tage, Nasenspülungen mit Kochsalz,Schmerzmittel sowie eine entsprechende Flüssigkeitszufuhr infrage. Liegt eine Allergie als Ursache für die verstopfte Nase vor, bietet zuerst eine Allergenkarenz (Meidung des allergieauslösenden Stoffes) an. Diese erfolgt z. B. durch eine häufige Reinigung und Lüftung des Schlafraums, Waschen der Haare, Wechseln der Kleidung und Aufenthalte am Meer oder im Hochgebirge [2]. Greifen diese Maßnahmen nicht, kann auf Antihistaminika und Kortikosteroide zurückgegriffen werden. Eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, langsame Gewöhnung des Körpers an das Allergen) kann sinnvoll sein, wenn das Allergen bekannt ist. Diese kann durch subkutane Injektionen (Spritzen in das Unterfettgewebe der Haut) oder durch sublinguale Applikation (Kapseln werden unter die Zunge gelegt) erfolgen [3].

Zu beachten

Eine verstopfte Nase ist kurzfristig nicht als gefährlich einzustufen. Liegt die nasale Obstruktion im Kindesalter jedoch über einen längeren Zeitraum vor, sollten Komplikationen wie eine Sprachentwicklungsstörung aufgrund einer Schallleitungsstörung unbedingt vermieden werden. Bei Beteiligung des Mittelohrs sollte daher ein Arzt aufgesucht werden [3].

Bei einer akuten, virusbedingten Rhinitis ist vor allem hygienisches Verhalten, in erster Linie sorgfältiges Händewaschen, angeraten, um eine Übertragung auf andere zu vermeiden [4].


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen