Schnupfen Verstopfte Nase, beim Baby: Anwendungen

Kochsalzlösung gegen verstopfte Nase (Baby)

© PantherMedia / komdet chanakittidecha

Eine verstopfte Nase tritt häufig im Rahmen einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) auf, die gegebenenfalls mit einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) einhergehen kann und meist durch eine virale Infektion mit Rhinoviren verursacht wird. Durch Sekretstau kommt es hierbei klassischerweise zu Schnupfen (Rhinorrhoe) und behinderter Nasenatmung. Besonders bei Säuglingen kann eine behinderte Nasenatmung zu einem starken Leidensdruck führen, weshalb eine symptomatische Therapie essenziell ist. Eine Besserung der Beschwerden kann durch die lokale Anwendung von Kochsalzlösung erreicht werden. Studien zeigen darüber hinaus, dass lokal angewendete Kochsalzlösung einen protektiven Effekt auf die Nasenschleimhaut ausüben kann.

Wirkungsweise (biologischer Prozess)

Zur lokalen Anwendung von medizinischer Kochsalzlösung wird destilliertes Wasser verwendet, dem Natrium und Chlorid zugesetzt werden. In der Regel wird bei akuten und viral bedingten Nasenschleimhautentzündungen isotone Kochsalzlösung verwendet. Das ist eine Kochsalzlösung mit der gleichen Konzentration an Natriumchlorid-Ionen, wie sie physiologischerweise im Blutplasma vorliegt.

Reinigungsmechanismus

Die Nasenschleimhaut ist aus sogenanntem Flimmerepithel aufgebaut. Dieses Epithel besteht hauptsächlich aus Zellen, die mit 200 bis 300 kleinen Härchen (Zilien) ausgestattet sind. Die Härchen sind in der Lage, koordinierte, peitschenartige Schlagbewegungen auszuführen. Dadurch wird ein Flüssigkeitsfilm auf dem Epithel fortbewegt. In diesem Flüssigkeitsfilm sind Schadstoffe, Krankheitserreger und abgestorbene Zellen enthalten, die dadurch abtransportiert werden. Dieser Reinigungsmechanismus wird als mukoziliäre Clearancebezeichnet.
Kommt es zu einer Ablagerung von Schmutzpartikeln auf dem Epithel, kann sich der Flüssigkeitsfilm aufstauen. In dem Sekret enthaltene Bakterien oder Viren erhalten dadurch die Möglichkeit, sich an das Epithel zu heften (adhärieren) und schließlich einzudringen. Durch das Spülen der Nase mit Kochsalzlösungkönnen die am Epithel haftenden Erreger und Schmutzpartikel ausgespült werden.Dadurch wird sowohl das Eindringen weiterer Schadstoffe (Noxen) verhindert als auch der Sekretstau aufgehoben.

Schleimhautbefeuchtung

Gerade in den kalten Jahreszeiten werden die Schleimhäute durch die trockene Heizungsluft besonders strapaziert. Das Flimmerepithel reagiert dabei sehr empfindlich auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen. Die optimale Luftfeuchtigkeit beträgt 90%. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Zilien bei trockenen Schleimhäuten nur eingeschränkt funktionieren. Dies begünstigt die Entstehung eines Sekretstaus und damit verbundener Beschwerden wie einer verstopften Nase. Die Kochsalzlösung befeuchtet die Schleimhäute und führt somit zur Regeneration des Epithels.[1]

Wasseranziehender (osmotischer) Effekt bei hypertoner Kochsalzlösung

Bei allergisch bedingter verstopfter Nase durch ständigen Kontakt mit Allergenen, wie beispielsweise Baumpollen, kommen hingegen eher hypertone Kochsalzlösungen zum Einsatz. Die hypertone Lösung enthält eine höhere Konzentration an Natriumchlorid-Ionen, als sie im Blutplasma physiologischerweise vorliegt. Die Ionen wirken osmotisch und ziehen Wasser an. Das zusätzliche Wasser führt zu einer Verdünnung des Nasensekrets und somit zu einem erleichterten Abtransport. Hypertone Lösungen sollten jedoch besonders bei Kindern nur unter ärztlicher Aufsicht angewandt werden.[2]

pH-regulierender Effekt

Der pH-Wert der Nasenschleimhaut ist ein weiterer Faktor, der die Bewegungsfunktion der Flimmerhärchen beeinflusst. Die beste Schlagfrequenz zeigen die Härchen bei einem eher alkalischen pH-Wert von 7–9. Im Rahmen von Entzündung fällt der pH-Wert häufig ab, sodass die Bewegung der Härchen eingeschränkt ist. Besonders Lösungen mit zusätzlich hinzugefügten Elektrolyten (gelöste Salze), wie z. B. Natrium, Chlorid, Kalium, Lithium, Calcium, Magnesium, Carbonat, Hydrogencarbonat, Sulfat, Fluorid oder Iodid, erhöhen den pH-Wert und verbessern somit die Selbstreinigungsmechanismen des Epithels. [3]
Darüber hinaus lösen sich bei alkalischem pH-Wert die Brückenverbindungen zwischen den Schleimmolekülen (Mucopolysacchariden) auf, wodurch das Sekret ebenfalls dünnflüssiger wird.[4]

Empfehlung zur Anwendung & Dosierung

Anwendung bei Babys

Besonders Kleinkinder oder Babys leiden verstärkt unter einer behinderten Nasenatmung bei verstopfter Nase, da sie ausschließlich über die Nasenatmung Luft bekommen. Eine verstopfte Nase kann sogar zu Nahrungsverweigerung und erheblichem Schlafmangel führen und sollte daher unbedingt therapiert werden. Außerdem kann es bei Babys im Rahmen einer Rhinitis leichter zu einer Mittelohrentzündung kommen als beim Erwachsenen, Bei ihnen ist die Eustachi-Röhre, eine Verbindung zwischen Nasen-Rachenraum und Mittelohr, noch nicht voll entwickelt und kann dadurch bei entzündlicher Verlegung (Verschluss) der Gänge schneller verstopfen (obstruieren).

Zur Therapie empfiehlt es sich, einen Tropfen isotoner Kochsalzlösung in jedes Nasenloch zu geben und die Nase gegebenenfalls mit einem Schleimsaugeranschließend zu säubern. Die Anwendung kann mehrmals täglich wiederholt werden. Eine Überdosierung oder Schädigung der Schleimhäute ist bei derVerwendung von isotonen Nasentropfen in der Regel selten.
Sehr hilfreich kann auch das Eintropfen von einem Tropfen Muttermilch in jedes Nasenloch sein, da diese wichtige Abwehrstoffe enthält.[5]

Eine erfolgreiche und schnelle Therapie ist bei Babys besonders wichtig. Wenn die Kochsalzlösung nur unzureichend wirkt, können zusätzlich auch Medikamente gegeben werden. Dazu eignen sich besonders abschwellende Nasentropfen, wie Oxymetazolin. Dieser Wirkstoff bindet an die sogenannten Alpha-Rezeptoren an den Blutgefäßen der Nasenschleimhaut unf führen zu einem Zusammenziehen der Gefäße (Vasokonstriktion). Dadurch schwillt die Schleimhaut ab und die Nase ist wieder frei. Studien zeigten, dass Oxymetazolin im Vergleich zu isotoner Kochsalzlösung die Krankheitsdauer von durchschnittlich sechs Tagen auf vier Tage reduzieren kann. Für Babys eignen sich hierbei Dosiertropfen, die zweimal täglich in die Nase gegeben werden. Kinder ab einem Jahr können bereits entsprechende Nasensprays verwenden. Die Anwendung sollte insgesamt sieben Tage nicht überschreiten.[6]

Anwendung für Kinder und Erwachsene

Nasenspülung

Prinzipiell kann eine Nasenspülung mehrmals täglich angewendet und sogar vorbeugend (präventiv) eingesetzt werden.

Utensilien

  • Nasendusche oder Nasenkännchen
  • Kochsalzmixtur (erhältlich in der Apotheke)

Anwendung

Trinkwasser oder besser destilliertes Wasser auf eine lauwarme Temperaturerwärmen und anschließend die Kochsalzmixtur unterrühren. Die Lösung in das Aufbewahrungsbehältnis füllen. Durch Anhalten der Nasendusche bzw. des Nasenkännchens wird ein Nasenloch verschlossen. Bei geöffnetem Mund wird die Spülflüssigkeit über das offene Nasenloch durch leichte Seitwärtsneigung des Kopfes ausgespült. Die Flüssigkeit soll dabei über den Nasenhauptgang entlang der Nasenscheidewand (Septum nasi) fließen und hinter dem Septum über den anderen Nasenhauptgang wieder abfließen. Dies funktioniert besonders gut bei weit geöffnetem Mund. Sollte trotzdem Spülflüssigkeit den Rachen hinunterlaufen, muss sie ausgespuckt und sollte nicht verschluckt werden. Anschließend wird die Anwendung auf der anderen Nasenlochseite wiederholt.[1]

Selbsthergestellte Kochsalzlösung

Es empfiehlt sich, die Kochsalzlösung fertig in der Apotheke zu kaufen, um die medizinisch korrekte Konzentration an Natriumchlorid gewährleisten zu können. Eine selbsthergestellte Kochsalzlösung kann bei erhöhter Konzentration zu einer zusätzlichen Reizung der Atemwege führen und sollte daher sehr genauangesetzt werden. Hierzu wird ein gestrichener Teelöffel (4,5 g) Meersalz in500 ml kochendem Trinkwasser oder destilliertem Wasser aufgelöst. Nach Abkühlen der Lösung auf eine lauwarme Temperatur kann mit der Anwendung begonnen werden. [5]

Anwendungshinweise

Beim Spülen der Nase mit Kochsalz sollte auf die richtige Temperatur der Spüllösung geachtet werden, da die Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut bei Temperaturen über 40 °C dauerhaft (irreversibel) geschädigt werden, was zu einem vollständigen Funktionsverlust führen würde. [3]
Die Anwendung von hypertoner Kochsalzlösung sollte nur nach ärztlicher Rücksprache durchgeführt werden, da es hierbei zu einer zusätzlichen Austrocknung der Schleimhäute durch den Wasserentzug kommen kann.

Zu beachten

Bei allergisch bedingtem Schnupfen sollte, wenn möglich, prinzipiell das Allergen(Allergie auslösender Stoff) weitestgehend gemieden werden (Allergenkarenz), um Spätkomplikationen wie allergischem Asthma vorzubeugen. Darüber hinaus sollte bei Verdacht auf eine Allergie ein Arzt aufgesucht werden, um gegebenenfalls eine spezifische Therapie einleiten zu können (z.B.Hyposensibilisierung).

Des Weiteren sollte bei über längere Zeit bestehendem blutigem Schnupfen ärztlicher Rat eingeholt werden. Vor allem Personen, die ständig in Kontakt mit Holzstaub kommen, leiden unter einem erhöhten Risiko für Nasenschleimhautgeschwulste, die unter Umständen durch Nasenbluten oder chronisch verstopfte Nase symptomatisch werden können.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen