- Virus oder Bakterien? Unterschiede zwischen Grippe und Erkältung


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Achtung Keime © panthermedia.net / rbhavana


„Ich hab Grippe!“
 – dies hört man oft in der kalten Jahreszeit, wenn sich Schnupfen und Husten wieder vermehrt in der Umgebung bemerkbar machen. Aber ist es dann tatsächlich eine echte Grippe oder eher eine Erkältung? Und vor allem: Was ist der Unterschied?

Grippe oder grippaler Infekt?

Wenn von einer „echten“ Grippe die Rede ist, dann handelt es sich ausschließlich um eine Erkrankung mit dem Influenza-Virus. Man unterscheidet hier die Typen A, B und C, wobei für den Menschen nur die Typen A und B relevant sind.[1]
 Erkrankungen durch andere Erreger, welche eine ähnliche Symptomatik hervorrufen, werden daher als „grippaler Infekt“ bezeichnet, welcher auch mit dem geläufigeren Begriff „Erkältung“ gleichzusetzen ist. Zu den Erregern hier gehören meist ebenfalls Viren, zum Beispiel handelt es sich um Adenoviren, Rhinoviren oder Coxsackieviren.[2] 

In der Symptomatik gibt es einige Anhaltspunkte, anhand derer man eine Influenza- Grippe von einem grippalen Infekt unterscheiden kann. Dies gilt allerdings auch nur für den „klassischen“ Verlauf einer Influenza-Erkrankung, welcher nicht automatisch bei jeder Influenza-Infektion in Erscheinung tritt. Laut dem Robert-Koch-Institut gilt hier die Drittel-Regel: Ein Drittel der Infizierten erkranken mit hohem Fieber und voller Symptomatik, ein Drittel mit leichtem Fieber und leichten Symptomen und das letzte Drittel – auch dies ist möglich – erkrankt überhaupt nicht.[1] 
Zum Fieber kommen noch die typischen „Erkältungs“-Symptome hinzu, wie trockener Husten, Schnupfen, Kopfschmerz, Gliederschmerzen, Schwäche und Abgeschlagenheit.
Halsschmerzen und eine Halsentzündung gehören eigentlich nicht zu den klassischen Grippe-Symptomen, können aber bei einer Erkrankung durch eine bakterielle Zweitinfektion, z.B. durch Streptokokken, zusätzlich hervorgerufen werden. [1]



Grippevirus© panthermedia.net / Subbotina

Besonders kennzeichnend für den klassischen Verlauf einer Influenza-Grippe ist das plötzliche Auftreten, die Patienten erkranken sozusagen „aus dem Stand“ innerhalb weniger Stunden. Typisch ist ebenfalls das dann hohe Fieber bis ca. 40 Grad, welches einige Tage anhalten kann. Wenn dieses dann vorüber ist, folgt in der Regel eine relativ lange Rekonvaleszenzzeit, in der sich der Patient noch lange abgeschlagen und müde fühlt, auch wenn die restlichen Symptome wie Husten, Schnupfen und Kopfschmerz abgeklungen sind.[1][3] 
Ein grippaler Infekt hingegen kündigt sich meist im Vorfeld an, oft mit Abgeschlagenheit, Kratzen im Hals und leichtem Husten. Auch hier kann Fieber auftreten, dieses erreicht aber selten die 40-Grad-Marke. Auch ist die Erkrankung meist nach wenigen Tagen vorüber, bzw. stellt sich relativ schnell eine Besserung der Symptome ein.[3]

Die wichtigsten Unterschiede noch einmal im Überblick zusammengefasst:

Influenza-Grippe

Grippaler Infekt

Beginn innerhalb weniger Stunden ohne Vorzeichen meist über Tage mit Vorzeichen
Symptome hohes Fieber bis 40 Grad möglich
schweres Krankheitsgefühl 
Kopfschmerz, Gliederschmerz
 trockener Husten oft nur erhöhte Temperatur
Schnupfen
Kopf und Gliederschmerz
Husten und verschleimte Atemwege
Halsschmerzen
Dauer einige Wochen mit langer Rekonvaleszenz möglich meist einige Tage

Wer, wann, wie oft? – Ein kleiner Blick in die Statistik

Ob es sich bei einem erkrankten Patienten tatsächlich um eine Grippe handelt, kann der behandelnde Arzt auch anhand der aktuellen Erkrankungszahlen einschätzen. Also je mehr Menschen erkrankt sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient mit grippaler Symptomatik ebenfalls an der Grippe erkrankt ist.
Die aktuellen Zahlen können Ärzte und Interessierte jederzeit in den Berichten des „Arbeitskreises Influenza“ des Robert-Koch-Instituts einsehen. Während der Wintermonate erscheint der Bericht wöchentlich, im Sommer monatlich. [4]
Die Grippe-Wellen begannen in den letzten Jahren meist im Januar und dauerten um die 3-4 Monate an, dies kann sich natürlich von Jahr zu Jahr ändern. Auch die Zahl der Erkrankten pro Jahr lässt sich schwer vorhersagen, das Robert-Koch Institut gibt hier eine wage Zahl von zwei bis 10 Millionen pro Epidemiezeitraum an. [4] 

Grippeimpfung

Grippeimpfung© panthermedia.net / Périg MORISSE

Die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) gibt für bestimmte Personenkreise eine Impfempfehlung gegen die Influenza-Grippe. Zu den Personen gehören vor allem gesundheitlich geschwächte oder anders belastete Personen: Ältere über 60, Personen mit chronischen Erkrankungen (wie z.B. chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Niere- oder Leberschäden, HIV-Infektion) oder Schwangere mit gesundheitlichen Problemen aufgrund der Schwangerschaft.
Aber auch medizinischem Personal, Bewohnern und Pflegepersonal von Altenheimen und auch Personen, welche Kontakt mit Geflügel und Wildvögeln haben (Vogelgrippe), wird eine Impfung angeraten. [1]

Einen 100%igen Schutz vor einer Influenza-Erkrankung bietet die Impfung nicht, aber zumindest werden die bis dato bekannten Virenstämme weitgehend abgedeckt. Die STIKO gibt an, dass Personen unter 60 Jahren durch die jährliche Impfung bis zu 90% geschützt sind. Bei älteren Personen über 60 Jahre ist dies leider nicht der Fall, jedoch können durch die Impfung Komplikationen vermieden werden. [1]

Wer sich für eine Impfung entscheidet, sollte bedenken, dass der Impfschutz erst ca. 2 Wochen nach der Impfung vollständig aufgebaut ist. Daher ist auch der Herbst die empfohlene Jahreszeit, eine Impfung durchzuführen. [1]

Wann zum Arzt?

Eine leichte Erkältung kann durchaus mit Hausmitteln auskuriert werden, bei hohem Fieber empfiehlt sich aber auf jeden Fall der Arztbesuch – vor allem um Komplikationen wie z.B. eine Lungenentzündung zu vermeiden.
Ob es sich dann bei der Erkrankung tatsächlich um eine Influenza-Grippe handelt, kann im Grunde nur durch einen Labortest sicher festgestellt werden. [1]



Quellenangaben:

[1] Robert-Koch-Institut, Ratgeber für Ärzte: Influenza http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Influenza.html
01.11.2015
[2] G. Klöppel, H.H.Kreipe,W.Remmele, Pathologie, Springer Verlag 2009, S. 49

[3] Robert-Koch-Institut, FAQ zur Grippe http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html#FAQId6941656
01.11.2015

[4] Robert-Koch-Institut, Arbeitskreis Influenza
https://influenza.rki.de/ , 02.11.2015