Erkältung Beim Baby: Im Alltag

Baby hat Erkältung – trotzdem Impfen?

© PantherMedia / Chalermchai Chamnanyon

Unmittelbar nach der Geburt verfügen Neugeborene über den so genanntenNestschutz[1]. Bereits im Mutterleib treten, bei den als Leihimmunitätbezeichneten Prozessen, Abwehrzellen (Antikörper) der Mutter durch das Nabelschnurblut in den Körper des ungeborenen Kindes über. Auch beim Stillen nehmen Säuglinge bestimmte Abwehrzellen (IgA-Antikörper) durch die Muttermilch auf. Die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorgesehene Grundimmunisierung soll diese unmittelbar nach der Geburt verliehene Abwehr (passive Immunität) ablösen. Wie aber sollen Eltern sich verhalten, wenn das Baby zum Impftermin erkältet ist? Im Folgenden wird nicht nur geklärt werden, worum es sich bei einer Erkältung eigentlich handelt, sondern auch, ob sich eine Impfung in diesem Fall verbietet.

Medizinische Fakten

In den meisten Fällen von Erkältungen (grippaler Infekt) gehen diese auf eine Infektion mit dem Rhinovirus zurück. Die klassischen Symptome wie Husten, Kopfschmerz, vermehrte Nasensekretion (Rhinorrhoe), erschwerte Nasenatmung (nasale Kongestion) durch geschwollene Schleimhäute sowie ein allgemeines Schwächegefühl treten allmählich in Erscheinung und sind nach etwa einer Woche selbstlimitierend. Fieber tritt selten auf. Typischerweise wird eine Erkältung im Zuge einer Tröpfcheninfektion beim Anniesen, Anhusten oder bei einem Händedruck übertragen.

Biologischer Zusammenhang

Dass es besonders in der kalten Jahreszeit zu Infektionen mit dem Rhinovirus kommt, hängt damit zusammen, dass Viren bei kühlen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit, wie sie gewöhnlich in geheizten Räumen vorherrscht, besonders lange überleben können. [2] Die Schleimhäute des Atemtraktes, die normalerweise eine natürliche Barriere gegen die Viren darstellen, erfüllen die Schutzfunktion unter diesen Bedingungen unzureichend, da diese austrocknen. Die Erreger dringen auf diesem Weg in den Körper ein und befallen lokal Körperzellen, die dazu veranlasst werden, weitere Viren zu produzieren. Das Abwehrsystem (Immunsystem) des Körpers erkennt die befallenen Zellen und veranlasst eine als Entzündung bezeichneten Reaktion. Die dabei frei werdenden Botenstoffe der Abwehrzellen (Leukozyten) verursachen die spezifischen Symptome. So geht die Schwellung der Nasenschleimhäute beispielsweise auf Botenstoffe namens Leukotriene zurück, welche eine Weitstellung der Gefäße bewirken und dadurch eine erschwerte Nasenatmung verursachen. [3]

Impfung trotz Erkältung?

Zumal es, wie bereits erwähnt, im Rahmen einer Erkältung selten zu Fieber kommt, handelt es sich um einen so genannten banalen Infekt. Von einer Impfung muss deshalb kein Abstand genommen werden. [1] Von einer Impfung sollte man lediglich dann absehen, wenn zum Impftermin Fieber >38,5°C besteht. Auch bei Kindern mit einem dauerhaft geschwächten Immunsystem sowie unter der Einnahme bestimmter Medikamenten, welche die Immunabwehr herabsetzen, muss die Sinnhaftigkeit einer Impfung kritisch hinterfragt werden. [2] Darüber hinaus gilt es im Falle einer stattgehabten Operation, bei Totimpfstoffen einen Impfabstand von drei Tagen einzuhalten. Lebensimpfstoffe, wie zum Beispiel gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR-Impfung), sollten erst vierzehn Tage nach der Operation verabreicht werden. [3]

Zu beachten

Gelegentlich werden harmlose lokale Impfreaktionen beobachtet, wie zum Beispiel eine leichte Rötung sowie eine schmerzhafte Schwellung um die Einstichstelle. Auch unbedenkliche allgemeine Impfreaktionen wie Fieber über 38,5°C, sowie Kopf- und Gliederschmerzen können binnen 72 Stunden auftreten. Im Falle der Kombinations-Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR-Impfung) kann es in den nächsten 1-4 Wochen zu einer unkomplizierten Impfkrankheit kommen, die mit einem masern-ähnlichen Ausschlag (Exanthem) sowie einer leichten Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotis) imponiert. In diesen Fällen ist eine symptomatische Therapie ausreichend. [5]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung