Grippe: Lebensmittel

Zwiebel bei Grippe

© PantherMedia / Robert Stranka

Erkältungen, also Infektionen der oberen oder auch der unteren Atemwege (ab Kehlkopf abwärts), können durch eine Vielzahl verschiedener Krankheitserreger ausgelöst werden. Nur selten sind Bakterien die Auslöser des Atemwegsinfektes, rund zwei Drittel aller Erkältungen dagegen entstehen durch virale Infektionen.[1] Häufig infizieren Viren wie humane Rhinoviren, Adenoviren oder speziell bei kleinen Kindern im Alter unter zwei Lebensjahren RS-Viren (respiratorische Syncytialviren) die Atemwege. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um banale, das heißt komplikationslose oder komplikationsarme Atemwegsinfekte. In Abgrenzung hiervon muss die ernstzunehmende Infektion mit dem Influenzavirus verstanden werden, welches die echte Virusgrippe (kurz Grippe) verursacht. Sind die Atemwege mit dem Influenzavirus infiziert, stellt sich neben Atemwegssymptomen wie Halsschmerzen und Husten (Tussis) in der Regel schnell ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise) ein. Diesen Beschwerden kann zum Beispiel mit Hausmitteln wie Zwiebeln begegnet werden.

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Die Influenzaviren gehören zur Gruppe der sogenannten Orthomyxoviren und werden in die Typen A, B und C unterteilt. Eine nennenswerte Zirkulation von Influenza C unter Menschen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die Typen Influenza A und B zirkulieren in unterschiedlichem Ausmaß auf der Nordhalbkugel saisonal gehäuft von Oktober bis April. Obwohl verstärkt in den letzten Jahren auch große und schwere Ausbrüche von Influenza B berichtet wurden, sind Influenza A Viren (v. a. die Subtypen H3N2 und H1N1) mengenmäßig hauptverantwortlich für Influenza-Erkrankungen (Spanische Grippe, Hongkong-Grippe, sogenannte Schweinegrippe).[2] Speziell gegen die Influenza Typ A scheinen Wirkstoffe der Zwiebel einen therapeutischen Effekt zu haben. Die grünen Blätter der Lauch-, Frühlings- oder Winterzwiebel (Allium fistulosum) enthalten viele sogenannte Fructane. Diese gehören zur Gruppe der Polysaccharide (langkettiger Zuckerstoffe) und sind Gegenstand der Forschung zur Bekämpfung von Erkältungskrankheiten. In Laboruntersuchungen an Zellkulturen (in vitro) zeigten isolierte Fructane keinen Effekt gegen Influenzaviren. In Mausexperimenten (in vivo) zeigten die Fructane aus der Frühlingszwiebel jedoch tatsächlich eine virenbekämpfende Wirkung und konnten die Vermehrung des Influenza A Virus (Virusreplikation) stoppen. Aufgrund der unterschiedlichen Beobachtungen in Zellkultur und Mausexperimenten ist davon auszugehen, dass die Wirkstoffe der Zwiebel nicht selbst direkt antiviral wirken, sondern den Körper indirekt im Kampf gegen das Influenzavirus unterstützen. Vermutlich stimulierendie Wirkstoffe der Frühlingszwiebel bestimmte Immunzellen (Makrophagen) zur Produktion antiviral wirksamer chemischer Substanzen (Stickstoffmonoxid). Mit steigender Dosis der Fructane aus Zwiebeln verbesserte sich auch der virenbekämpfende Effekt.[3] Ähnliche Wirkungen gegen die Influenza Typ B wurden bislang nicht berichtet.

Neben diesem ursächlichen Wirkprinzip direkt gegen die Influenzaviren können Zwiebeln zudem auch symptomatisch (d. h. auf die Krankheitszeichen fokussiert) Linderung verschaffen. Zwiebeln enthalten zahlreiche schwefelhaltige Verbindungen, die zähflüssigen Schleim in den Bronchien bei Grippe (und anderen Krankheiten mit festsitzendem Schleim) lockern und verflüssigen können. So kann der Schleim zur Reinigung der Atemwege leichter abgehustet werden.[4]

Empfehlungen zur Anwendung und Dosierung

Zwiebeln können zur Symptomlinderung bei einer Influenzainfektion auf verschiedene Arten eingenommen beziehungsweise angewendet werden. Beispielsweise kann man Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und zusammen mit einer kleinen Menge Wasser und Kandiszucker kurz aufkochen. Der entstandene Sud kann durch ein Passiertuch gefiltert werden und das gewonnene Extrakt aus der Zwiebel teelöffelweise eingenommen werden. Ebenso kann die kleingeschnittene Zwiebel mit Honig vermengt und ungekocht eingenommen werden.[5] Es ist darauf zu achten, Kindern unter einem Lebensjahr aufgrund der Gefahr des Botulismus durch möglicherweise enthaltene Clostridium-Sporen keinen Honig zu geben.[6] Diese setzen das Botulinumtoxin frei, welches zu Lähmungserscheinungen führen kann (sog. Säuglingsbotulismus).

Zum Einatmen von Zwiebeldämpfen, um den zähen Schleim zu lösen, kann im einfachsten Fall einfach nachts eine halbierte Zwiebel neben das Kopfende des Bettes gelegt werden.

Bei der Vielzahl von Hausrezepten zur Anwendung von Zwiebeln bei Grippe ist prinzipiell darauf zu achten, die Zwiebel – wenn nötig – nicht zu lange zu erhitzen, um den beschleunigten Abbau der nützlichen chemischen Wirkstoffe aus der Zwiebel zu verhindern. Neben Zwiebeln enthalten auch andere Vertreter der Gattung Allium (Lauch), wie beispielsweise Knoblauch, erregerbekämpfende Wirkstoffe.

Zu beachten

Die echte Virusgrippe ist prinzipiell, in Abgrenzung zur banalen Erkältung, eine ernstzunehmende Infektionskrankheit mit Meldepflicht an das Gesundheitsamt (Aufgabe des diagnostizierenden Arztes). Bei komplizierten Verläufen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine medikamentöse antivirale Therapie, beispielsweise mit Wirkstoffen aus der Wirkgruppe der Neuraminidasehemmer (Oseltamivir) über standardmäßig fünf oder ausgeweitet zehn Tage. Diese Therapieentscheidung muss, möglichst früh, von einem Arzt getroffen werden.

Hausmittel wie Zwiebeln können nur unterstützen. Allein stellen sie keine ausreichende Therapieform für die echte Grippe dar.

Auf starke körperliche Aktivität ist bei einer Influenzainfektion zu verzichten, um Komplikationen zu vermeiden. Zudem ist auf eine großzügige Flüssigkeitszufuhr zu achten, da die Grippe häufig zu einem starken Flüssigkeitsverlust führen kann.

Bei Unsicherheit, sich verschlechterndem Gesundheitszustand oder ausbleibender Symptombesserung innerhalb von ein bis zwei Wochen sowie bei Vorerkrankungen, hohem Alter etc. sollte prinzipiell immer ein Arzt aufgesucht werden.

Einen relativen Schutz (100% sind biologisch unmöglich) vor bestimmten Influenza Typen (richtet sich nach Impfstoffzusammensetzung gemäß WHO Empfehlung) bietet einzig eine Grippeschutzimpfung. Diese muss in jeder Grippesaison aufgrund der großen Wandelbarkeit des Influenzavirus wiederholt werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe