Husten: Risiken

Husten vor OP

© PantherMedia / Gennadiy Poznyakov

Vor einer OP sind viele Dinge zu beachten. Es darf nichts gegessen, nur wenig getrunken werden und es erfolgt eine Befragung durch einen Arzt bezüglich Erkrankungen, Medikamenteneinahmen und Allergien.

Doch welche Maßnahmen sind notwendig, wenn kurz vor der OP Husten (Tussis) auftritt? Welche Risiken bestehen dadurch bei der Narkose? Muss die ganze Operation deshalb verschoben werden? Über diese Fragen soll im Folgenden genauer aufgeklärt werden.

Medizinische Fakten

Je nachdem, welche Ursache dem Husten zugrunde liegt, kann er das Narkoserisiko während einer Operation erheblich erhöhen.

Husten kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Sehr oft tritt er im Rahmen einer viralen Infektionskrankheit, einer Erkältung, auf. Hier sind die Schleimhäute des Hals-Nasen-Rachen-Raums (Laryngitis, Rhinitis, Pharyngitis), manchmal auch der Bronchien (Bronchitis), geschwollen und entzündet. Handelt es sich um einen einfachen grippalen Infekt ohne Fieber und mit unproduktivem Husten, ist dies heutzutage keine Kontraindikation mehr für eine Operation. Nur im Falle von Fieber und Husten mit Auswurf (produktiver Husten) wird der Eingriff ggf. verschoben. [1]

In selteneren Fällen kann Husten durch Sodbrennen entstehen, in diesen Fällen wachen die Betroffenen meist nachts hustend auf. Der Grund dafür ist zum Mund hin aufsteigende Magensäure, welche Hustenreiz auslöst. Wird der Anästhesist über diesen Fall nicht aufgeklärt, damit er entsprechende Maßnahmen ergreifen kann, kann dies während der Operation zu einer lebensgefährlichen Situation führen. [2]

Biologischer Zusammenhang

Husten mit Auswurf vor einer Operation kann aus verschiedenen Gründen zu Komplikationen während des Eingriffs unter Narkose führen:

  • Bei der Einatmung (Inspiration) wird ein subatmosphärischer Druck im Brustkorb (intrathorakal) erzeugt, wodurch die Luft in die Lungen gesaugt wird (Gasfluss). Bei der maschinellen Beatmung während einer Operation werden diese thorakalen Druckverhältnisse umgekehrt: Das Beatmungsgerät erzeugt einen Überdruck (supraatmosphärischer Druck), der zu einer druckpassiven Dehnung von Lunge und Thorax (Brustkorp) führt. Beim Einströmen der Atemgase muss immer ein sogenannter Strömungswiederstand (Resistance) in den Lungen überwunden werden. Liegt eine Erkältung mit produktivem Husten vor, wird dieser Wiederstand durch die Verengungen der Atemwege aufgrund von Schwellungen und Sekretstau (Ansammlung von Schleim) erhöht. [3]
  • Außerdem kann erkältungsbedingter Husten durch die Infektion der Atemwege im schlimmsten Fall zu Bronchospasmen während der Narkose führen. Dabei handelt es sich um eine plötzliche Verengung der Bronchien durch die glatte Muskulatur. Auch in diesem Fall sind erhöhte Beatmungsdrücke notwendig. [4]
  • Husten durch Sodbrennen kann lebensbedrohlich bei einer Operation sein, wenn diese Erkrankung nicht während des Aufklärungsgesprächs erwähnt wird. Während der Narkose kann saurer Magensaft in die Lunge hineinlaufen, was eine ernstzunehmende Schädigung des Lungengewebes zur Folge hat. Weiß der Arzt über das Sodbrennen vorher Bescheid, kann er entsprechende Maßnahmen ergreifen, um diesen Effekt zu verhindern.[2]

Zu beachten

Während bei einem Erwachsenen ohne Vorerkrankungen eine Erkältung ohne Fieber keine Gefahr bei einer Operation darstellt, muss bei Kindern jedoch Vorsicht geboten werden: Ihr Atemwegssystem ist unter dem 8. Lebensjahr noch sehr empfindlich. Liegt ein Atemwegsinfekt vor, kann dies bei einer Narkose zu ernsten Atemwegsproblemen und Erstickungsgefahr führen. Das Risiko eines sog. Laryngospamus ist in diesem Fall deutlich erhöht. Dabei verkampft plötzlich die Kehlkopfmuskulatur und die Stimmritze verschließt sich, so dass keine Luft mehr in die Lunge gelangt.

Generell sollte bei Husten vor einer Operation der Arzt konsultiert werden, um die genaue Ursache und das weitere Vorgehen zu besprechen.