Husten Trockener Husten: Krankheitstypen

Starker trockener Husten

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Husten ist mit circa 8 % der häufigste Beratungsanlass in der Hausarztpraxis [1]. Der trockene Reizhusten ist dadurch charakterisiert, dass der Patient keinen Schleim beim Husten aus der Lunge herausbefördert (unproduktiver Husten). Er klingt wesentlich härter als der produktive Husten und wird von den Patienten auch schmerzhafter empfunden [2]. Dieser Husten kennzeichnet viele Krankheiten, wie z. B. den Beginn einer Grippe, aber auch eine Bronchitis (v. a. akut), Asthma bronchiale oder das Postnasal-drip-Syndrom (PDS) werden oft von ihm begleitet. Zudem können bestimmte Medikamente und die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) zu einem trockenen Husten führen, Ursachen, an die in Verbindung mit diesem Symptom vielleicht nicht als Erstes gedacht wird.

Im Folgenden werden eine grobe Übersicht über die genannten Krankheiten gegeben sowie einige Tipps und Behandlungsmöglichkeiten des Hustens vorgestellt.

​Ursachen von starkem, trockenen Husten

Es gibt verschiedene Einteilungsmöglichkeiten für Husten; hier wird auf die Einteilung in akuten(Dauer von unter 8 Wochen) und chronischen Husten (über 8 Wochen) verwiesen.

Akuter trockener Husten

Nahezu jede Grippe (Influenza) beginnt mit einem trockenen Husten, der sich dann oft zum festsitzenden und letztendlich schleimigen Husten mit Auswurf weiterentwickelt. Die Influenza ist eine Virusinfektion der Atemwege, meist hervorgerufen durch die Influenzaviren A und B. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem grippalen Infekt, üblicherweise ausgelöst durch RS-Viren, der zwar symptomähnlich ist, aber meist schwächer verläuft. Vor allem ihr plötzlich eintretender Beginnunterscheidet sie vom grippalen Infekt. Der bekannte Symptomkomplex aus Husten, Schnupfen,Kopf- und Gliederschmerzen kennzeichnet die Influenza. [3]

Aus einer Grippe heraus kann sich manchmal eine Bronchitis entwickeln. Hierbei handelt es sich um eine meist viral bedingte Entzündung der kleinen Bronchien der Lunge, wodurch deren Schleimhaut anschwillt, es also zum erhöhten Widerstand und somit zum Husten kommt. Auch hier findet sich meist zunächst trockener, dann produktiver Husten, teilweise begleitet von Fieberund Rasselgeräuschen beim Ausatmen. In zwei Dritteln der Fälle ist eine Erkältung innerhalb von zwei Wochen selbstlimitierend, bei Bronchitis kann der Husten über mehrere Wochen anhalten. [4]

Chronischer trockener Husten

Die wichtigsten pneumologischen (die Lunge betreffend) Ursachen für chronischen Husten sind die sogenannte „Hustenvariante“ des Asthma bronchiale, die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD; meist allerdings mit produktivem Husten), das Postnasal-drip-Syndrom und dergastroösophageale Reflux. [5]

Asthma bronchiale ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, die etwa bei 10 % der kindlichen und bei 5 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland vorkommt. [6] Es ist einechronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege, wobei es zu einer bronchialen Überempfindlichkeit und einer damit verbundenen Atemwegsverengung (Obstruktion) kommt. Die Schleimhäute der Bronchien schwellen an, zusätzlich kommt es zu deren Anspannung (Spasmus). Es gibt eine Form, die sich vorwiegend durch Husten äußert (Hustenvariante des Asthmas). [7] Vor allem dieser Asthmatyp ist durch den starken trockenen Hustengekennzeichnet, wobei er ebenso bei einem allergischen Asthma vorkommen kann, gerade wenn es sich um einen Asthmaanfall handelt.

Ein Postnasal-drip-Syndrom (PDS) ist häufig die Folge einer Erkältung, einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder einer allergischen bzw. nichtallergischen Nasenentzündung (Rhinitis). Dabei läuft chronisch Sekret aus dem Nasenraum die Rachenhinterwand hinunter in die Luftröhre und reizt dort und in den oberen Bronchien dieHustenrezeptoren [8]. Dies hat einen hartnäckigen Reizhusten und ständiges Räuspern zur Folge.

Ca. 20 % der Bevölkerung der westlichen Industrieländer sind von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) betroffen [9]. Aus dem Magen zurückfließendes Magensekret, darunter auch Magensäure, gelangt vor allem in die Speiseröhre, kann aber auch teilweise die Luftröhreerreichen. Dort reizt es die Schleimhäute und bedingt somit einen Reizhusten. Weitere Symptome sind ein Brennen im Brustbereich („Sodbrennen“), Räusperzwang, Übelkeit, Erbrechen und ein„Kloß im Hals“. Meist treten die Symptome inklusive Husten eher nachts auf, da das Liegen das Zurückfließen (Reflux) begünstigt.

Des Weiteren kann der Reizhusten eine Nebenwirkung bestimmter Medikamentengruppendarstellen. Dazu zählen vor allem die ACE-Hemmer (blutdrucksenkende Medikamente), Zytostatika (hemmen das Zellwachstum) und Beta-Blocker (Herzmedikament). ACE-Hemmer inhibieren die Kininase-ll, wodurch Bradykinin nicht mehr abgebaut wird und sich somit anstaut. Vermutlich wird dadurch der Hustenreiz ausgelöst. [10]

Behandlung des trockenen Hustens

Gegen Influenza oder einen grippalen Infekt verursachende Viren existieren derzeit keine wirksamen Medikamente. Allerdings besteht die Möglichkeit einer Schutzimpfung gegen Influenza. Ein Husten im Rahmen einer Erkältung oder akuten Bronchitis heilt auch ohne spezifische medikamentöse Therapie in der Regel folgenlos aus. [11] Deswegen können oftBettruhe und viel Schlaf schon hilfreich sein. Dennoch gibt es bei Bedarf einige Hilfsmittel und Wirkstoffe, die vor allem den Reizhusten etwas lindern können.

Mögliche Hausmittel/Heilmittel:

Warme Milch mit Honig

Dazu wird warme Milch mit einem Löffel Honig versetzt. Vermutlich beruht die heilsame Wirkung des Honigs auf seinen antioxidativen und antimikrobiellen (bakteriziden) Eigenschaften. Zudem wird eine zentral hustenstillende (antitussive) Wirkung vermutet. [12] Wenn es zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien kommt (Superinfektion), kann er somit seine Wirkung besonders gut entfalten. Ebenso beruhigend kann die Wärme der Milch auf den Husten wirken.

Zwiebelsaft

Die Zutaten für einen Zwiebelsaft sollten sich in jedem Haushalt finden, er ist sehr einfach herzustellen. Es muss lediglich eine Zwiebel geschält, klein geschnitten und mit Zucker versetzt aufgekocht werden. Das sich daraus bildende Konzentrat kann durch ein Sieb oder Ähnliches gefiltert und mehrmals am Tag eingenommen werden. Zwiebeln enthalten unter anderem viele schwefelhaltige Verbindungen und Flavonoide, die keimtötend und leicht antientzündlich wirken. [13]

Inhalieren

Ebenso wie beim Zwiebelsaft finden sich die dafür nötigen Utensilien in fast jedem Haushalt: eine Schüssel voll heißem Wasser und ein Handtuch. Vor allem für von trockenem Husten gereizte Schleimhäute kann ein Salbeiaufguss besonders lindernd wirken. Salbei hat deine reizlindernde und entzündungshemmende Wirkung.

Homöopathische Mittel

Homöopathische Mittel in Form von Globuli oder Tropfen können ein gutes Hilfsmittel gegen den Husten darstellen. Bei der Auswahl des richtigen Mittels kann die Apotheke oder ein homöopathischer Arzt weiter helfen.

viel trinken

(in angemessenen Mengen), um das Festsetzen von Keimen zu erschweren

Mögliche Wirkstoffe:

Acetylcystein

(z. B. ACC akut, NAC Sandoz Hustenlöser, NAC-ratiopharm akut), Ambroxol(z. B. Ambrohexal Hustensaft, Ambroxol-Ratiopharm Hustensaft, Mucosolvan Saft) oder Bromhexan (Bromhexin 12 Bc Tropfen, Bromhexin Krewel Meuselbach Tropfen, Bromhexin 8 Berlin Chemie) wirken hustenlösend. Sie sind vor allem hilfreich, wenn sich aus dem trockenen Husten bereits Auswurf gebildet hat.

Pflanzliche Wirkstoffe:

Eibischwurzel

(z. B. Imupret N Dragees, Phytohustil Hustenreizstiller, Bronchostop Thymian Eibisch Hustensaft) ist besonders geeignet für trockenen Husten, da die enthaltenen Schleimstoffe wie Galacturonorhamnane und Arabinogalactane sowie Flavonoide die gereizte Schleimhaut mit einem Schutzfilm überziehen und die Schleimproduktion anregen. [14]

Thymian

(z. B. Hustagil Thymian Hustensaft, Bronchicum, Bronchipret Saft) enthältätherische Öle, die bronchienentkrampfend, auswurffördernd und bakterizid wirken. [15]

Bei einem sehr stark ausgeprägten und quälenden Reizhusten, sowohl akut als auch chronisch, können bestimmte Hustenstopper mit Wirkstoffen wie Codein (z. B. Azur compositum SC, Bronchicum Mono Codeintropfen, Codeintropfen Hexal) oderDextromethorphan (z. B. Basoplex Erkältungskapseln, Wick Hustensirup, Hustenstiller-ratiopharm Dextromethorphan) genutzt werden. [16]

Chronischer trockener Husten:

Bei einem länger andauernden trockenen Husten gilt es, die dafür verantwortliche Grunderkrankung auszumachen und zu bekämpfen. Dafür ist es meistens besser, den Rat eines Arztes zu suchen.
Die Hustenvariante des Asthmas kann ebenso wie die anderen Formen des Asthmas bronchiale mit einer Basistherapie aus inhalierbaren Glucocorticoiden (z. B. Pulmicort, Symbicort, Axotide) oder einer antientzündlichen Therapie mit Leukotrienantagonisten (z. B. Singulair, Montelukast Hormosan, Montelair Hexal) behandelt werden. [17]

Bei dem PND ist es Ziel der Therapie, die nasale Schleimproduktion zurückzufahren, vor allem durch nasal applizierbare Glucocorticoide (z. B. Nasonex, Rhinocort, Beconase). Vor allem sollte die vorliegende Grunderkrankung wie z. B. eine Sinusitis oder Rhinitis durch einen Arztbehandelt werden.

Für die GERD gibt es sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Hilfsmittel.

Hilfreiche Allgemeinmaßnahmen bei einer GERD [18]:

  • leichte Oberkörperhochlagerung beim Schlafen (dadurch Erschweren des Reflux)
  • kein Alkohol, Nikotin (beide reizen den Magen zusätzlich und regen zur vermehrten Magensäureproduktion an)
  • Nicht sofort nach dem Essen schlafen gehen, da es durch die Verdauung zur gesteigerten Magensäureproduktion kommt.
  • Vermeiden von Stress (kann zu erhöhter Produktion führen)

Als medikamentöse Hilfsmittel werden häufig Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Pantoprazol, Omeprazol oder Lansoprazol eingesetzt. Diese unterdrücken die Magensäureproduktion.
Tritt der Reizhusten als Folge einer Einnahme der oben genannten Medikamente ein, kann dem durch einen (wenn möglich) Medikamentenwechsel entgegengewirkt werden. Dies ist z. B. oft bei einem Wechsel von ACE-Hemmern zu Angiotensin-2-Antagonisten der Fall.

Zu beachten

Besonders anfällig für eine Grippe oder Bronchitis sind Kinder und ältere Menschen, da deren Immunsystem noch nicht oder nicht mehr so stark ist wie das eines gesunden jüngeren Erwachsenen. Sollten die akuten Symptome nicht mit der Zeit nachlassen oder sich evtl. sogar steigern, wie das Entwickeln eines eitrigen Auswurfs oder starkem Fiebers, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine nicht auskurierte Grippe oder Bronchitis kann zu einem Asthma bronchiale oder einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, sollte während dieser Zeit in die Armbeuge gehustet und auf häufigeres Händewaschen geachtet werden. [1]

In jedem Fall sollte bei länger anhaltendem, chronisch werdendem Husten ein Arzt hinzugezogen werden, um mögliche Ursachen zu klären. Bei starken Asthmatikern empfiehlt es sich meist, ein mit dem behandelnden Arzt vereinbartes Notfallmedikament (z. B. ein Glucocortikoidinhalationsspray) griffbereit zu haben, falls es zu einem Anfall kommt. Zudem können, um dem vorzubeugen, viel frische Luft und eine angemessene sportliche Betätigung hilfreich sein. Ebenso verhält es sich bei einer langanhaltend verstopften Nase, die zu einem Postnasal-drip-Syndrom führen kann. [6]

Bei einem GERD sind besonders adipöse oder gestresste Menschen sowie Alkoholiker und Raucher gefährdet. Wenn es dauerhaft zu einer erhöhten Magensäureproduktion kommt, kann dies erhebliche Schäden mit sich führen, wie die Bildung eines Geschwürs, eine Schleimhautentzündung in der Speiseröhre (Ösophagus) und daraus folgend ein Barret-Ösophagus. Dabei handelt es sich um ein durch Schleimhautveränderungen entstandenes Vorstadium eines bösartigen Tumors (Präkanzerose). [18]