Schnupfen Beim Kleinkind: Im Alltag

Schnupfen bei Kleinkind (Nachts)

© PantherMedia / Jaren Wicklund

Schnupfen, akute Rhinitis, ist die häufigste Infektion bei Kleinkindern. Im Durchschnitt tritt der Schnupfen zehnmal pro Jahr bei Kindern im Vorschulalter auf. Besonders in der kalten Jahreszeit oder in der Eingewöhnungszeit in Gemeinschaftseinrichtungen steckt sich das Kind an. Meistens sind Viren Auslöser für die laufende Nase. Allerdings kann auch eine bis dato unentdeckte Allergie, eine Entzündung der Nasennebenhöhlen sowie verschmutze Luft in der Wohnung einen nächtlichen Schnupfen bei Kleinkindern auslösen. Im Allgemeinen ist Schnupfen ein wichtiger Reinigungs- und Abwehrprozess unseres Körpers. Falls Partikel wie Viren, Bakterien, Staub oder Pollen auf die Schleimhaut im Nasenraum gelangen, werden diese mit dem sich dort befindenden schützenden Schleim abtransportiert. Im Folgenden wird auf die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von nächtlichem Schnupfen bei Kleinkindern eingegangen [1][9][10].

Ursachen von Schnupfen bei Kleinkindern (nachts)

Schnupfen (akute Rhinitis, infektiöse Rhinitis)

Heutzutage sind über 200 verschiedene Viren bekannt, die einen Schnupfen bei Kleinkindern hervorrufen können. Die Infektion erfolgt über Tröpfchen. Hierbei werden winzig kleine Partikel mit Viren beim Niesen, Husten und Sprechen von Kind zu Kind übertragen. Diese gelangen in den Nasenraum und können dort verbleiben oder sich weiter in die oberen Atemwege (Rachen, Kehlkopf) ausbreiten. Wenn das Kind unter Schnupfen leidet, sind die Erreger nur auf der Schleimhaut des Nasenraumes verblieben und rufen dort eine lokale Entzündung hervor, welche die Ursache für den Schnupfen ist. Falls sich die Viren weiter in die Atemwege ausgebreitet haben, kommt es zu einer klassischen Erkältung(akute Bronchitis, grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung). Nicht jeder Kontakt zu Erregern führt automatisch zu einem Schnupfen. Dies ist anhängig von der Aggressivität des Virus und der Stärke des Immunsystems des Kindes. Kleinkinder sind besonders anfällig für einen Schnupfen, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist und sich noch in der „Lernphase“ befindet. Nach fast jedem überstandenen Schnupfen besitzt der Körper neue Abwehrkräfte gegen das auslösende Virus.

Wenn ein Erreger die Schleimhäute im Nasenraum angreift, dann kommt es zu einer Entzündung, Schwellung sowie einer erhöhten Schleimproduktion. Diese verdickte Schleimschicht liegt schützend über den entzündeten Schleimhäuten und ermöglicht den besseren Abtransport von Krankheitserregern und Entzündungszellen. Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen können die folgenden zwei Stadien beobachtet werden [1][4][9][10]:

  • Vorstadium: Niesreiz, Brennen im Nasenraum, Wundgefühl der Nase, allgemeine Abgeschlagenheit
  • flüssiges Stadium (katarrhalisches Stadium): wässriger Fließschnupfen, teilweise verstopfte gerötete Nase, eingeschränktes Geruchsvermögen

Falls es zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien kommt, entsteht einschleimig-eitriger Auswurf mit gelblichem bis grünlichem Nasensekret.

Vor allem in der kalten Jahreszeit können Erkältungen kurz aufeinander folgen, sodass die Schleimhäute des Nasenraumes sehr gereizt sind und viel Sekret produziert wird. Dieser Schleim verursacht nächtlichen Schnupfen oder läuft in den Rachenraum und macht sich als Husten bemerkbar. Bei laufender Nase in der Nacht befinden sich die Kinder meist in Stadium 2.

Allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis)

Etwa 20 % aller Kinder in Deutschland entwickeln bis zum 10. Lebensjahr eine allergische Rhinitis. Damit ist der allergische Schnupfen die häufigste chronische Erkrankung bei Kleinkindern. Kleine Partikel, die eingeatmet werden und bei Kontakt mit der Schleimhaut vom Nasenraum eineallergische Reaktion auslösen, werden Allergene genannt. Allergene sindindividuell sehr unterschiedlich und können wie folgt grob unterteilt werden.

  • saisonal: Baum-, Gräser-, Getreide-, Kräuterpollen; Schimmelpilzsporen
  • andauernd (perennial): Hausstaub-, Mehl-, Vorratsmilben, Schimmelpilzsporen, Tierhaare
  • durch das Essen (nutritiv): Ei, Milch, Nüsse, Sellerie, Kern- und Steinobst

Natürlich gibt es noch viel mehr Allergene. Diese Aufzählung nennt nur einige der häufigsten Vertreter. Sobald ein Allergen auf die Schleimhaut des Nasenraumes gelangt, wird es von bestimmten Zellen (Mastzellen) erkannt. Diese setzen daraufhin Stoffe frei, die eine Schwellung und vermehrte Sekretproduktion verursachen. Diese Stoffe locken Entzündungszellen an, wodurch als Spätreaktion eine Entzündung auftritt. Die wichtigsten Symptome sind:

  • Niesreiz und Juckreiz
  • (nächtlicher) Fließschnupfen
  • verminderte Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit
  • teilweise verstopfte Nase durch die Schwellung

Der allergische Schnupfen kann somit anfallartig und bei einmaligem Kontakt (z.B. Tierhaare bei Verwandten) nur von kurzer Dauer sein. Er kann jedoch bei wiederholtem oder andauerndem Allergenkontakt (z. B. Pollen im Frühling, Hausstaubmilben) über eine lange Zeit bestehen bleiben[3][6][9].

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Durchschnittlich wird bei Kindern jeder zehnte Infekt der oberen Luftwege von einer Sinusitis begleitet. Nasennebenhöhlen sind lufthaltige Hohlräume in den Knochen des Schädels. Hierbei wird zwischen Stirnhöhle (Sinus frontalis), Siebbeinhöhle (Sinus ethmoidalis), Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidales) und Kieferhöhle (Sinus maxillaris) unterschieden. Bei Kleinkindern entzünden sich jedoch nur die Kieferhöhle und die Siebbeinhöhle, da sich die Stirn- und die Keilbeinhöhle im ersten Lebensjahrzehnt noch in der Entwicklung befinden. Über kleine Öffnungen stehen die Höhlen mit dem Nasenraum in Verbindung und dienen zum Anwärmen und Anfeuchten der eingeatmeten Luft. Oftmals entsteht die Nasennebenhöhlenentzündung durch die Fortleitung einer Entzündung aus dem Nasenrachenraum (Erkältung, Schnupfen). Manchmal sind auch anatomische Besonderheiten wie Nasenpolypen und Engstellen ursächlich, welche die Nasennebenhöhlen verschließen. Da die Sinusitis häufig Folge einer Erkältung ist, können noch typische Erkältungssymptome auftreten [2][7][8]:

  • hohes Fieber (bis 40 °C)
  • Husten, da viel Sekret in den Rachenraum fließt
  • (nächtlicher) Schnupfen, je nach Erreger schleimig-eitrig (Bakterien) oder weißer, flüssiger Schleim (Viren)
  • Kopfschmerzen und Druckgefühl im Kopf

Behandlung von Schnupfen bei Kleinkindern (nachts)

Schnupfen

Das Kind sollte unbedingt Bettruhe halten und ausreichend trinken. Richtwert bei 3- bis 6-jährigen Kindern ist 1 Liter pro Tag. Wenn die tägliche Trinkmenge eingehalten wird, dann bleibt der Schleim flüssig und kann leichter ausgeschieden werden. Im Allgemeinen sollen die Atemwege die eingeatmete Luft anfeuchten und anwärmen. Trockene Atemwege sind meist gereizt und Viren und Bakterien können sich leichter verbreiten oder einnisten. Daher sollte die Raumluft feucht gehalten werden und die Raumtemperatur 20 °C nicht überschreiten.

Ansteigendes Fußbad

Der Effekt eines Fußbades bleibt nie auf die Füße beschränkt, sondern hat Auswirkungen auf den ganzen Körper und fördert die Lymphzirkulation und den Stoffwechsel. Darüber hinaus trägt das warme Wasser durch die Durchblutungssteigerung zur Entspannung und Entkrampfung bei.
Es wird ein kleiner Eimer oder eine Fußwanne benötigt, damit die Beine bis zu den Knien in das Wasser tauchen können. Angefangen sollte mit angenehm warmem Wasser von etwa Körpertemperatur (ca. 37 °C). Alle 2 Minuten sollte ein Schub warmes (circa 65 °C) Wasser hinzugegeben werden, sodass die Temperatur um jeweils 0,5 °C ansteigt. Die Endtemperatur liegt je nach Verträglichkeit zwischen 40 °C und 42 °C. Danach die Beine kühl abspülen und 45 Minuten Bettruhe halten. Zusätze wie Salz, Kräuter oder ätherische Öle können die Wirkung verstärken. Die Anwendung sollte höchstens 15 Minuten dauern und ein-, zweimal täglich durchgeführt werden. Kinder dürfen diese Anwendung niemals unbeaufsichtigt machen! Bei Fieber sollte auf die Anwendung verzichtet werden, da sonst das Herz-Kreislauf-System zu sehr belastet wird. Bei Kindern unter 6 Monaten sollte ebenfalls darauf verzichtet werden [11].

Inhalation mit Salz

Die Inhalation mit Salz ist ein altbewährtes und schonendes Hausmittel. Die warmen Dämpfe mit Salz wirken krampflösend,schleimlösend und entzündungshemmend in den verstopften Atemwegen. Hierfür 1,5 bis 2 Liter Wasser zum Kochen bringen und danach etwas abkühlen lassen. Bei der Inhalation mit Salz werden 2 Esslöffel Speisesalz hinzugefügt. Das Kind unter Aufsicht 15 Minuten lang inhalieren lassen. Dabei beachten, dass der Kopf des Kindes mit der Schüssel und dem Handtuch abgedeckt sind und einen geschlossenen Raum bilden. Das Wasser sollte nicht zu heiß sein, damit sich das Kind nicht verbrüht. Bei sehr kleinen Kindern kann man diese auch einfach auf den Arm nehmen, die Dusche heiß aufdrehen und zusammen die warmen wohltuenden Dämpfe des heißen Duschwasser inhalieren.
Bei Kindern unter 3 Jahren sollte nicht mit ätherischen Öl inhaliert werden, da dies Allergien auslösen kann und die Atemwege anschwellen können, was im schlimmsten Fall zu Atemnot führen kann.
Globuli
Die Homöopathie bietet ein breites Spektrum an Globuli, um einen Schnupfen in verschiedenen Stadien zu behandeln. Für die Wirksamkeit ist entscheidend, die Arzneimitteleigenschaften genau dem Krankheitsbild anzupassen. Im Folgenden werden einige Mittel genannt [1].

Nux vomica (Brechnuss):
Wird bei lästigem Stockschnupfen in der Nacht verwendet. Darüber hinaus soll es bei starkem Fließschnupfen tagsüber mit Juckreiz in der Nase hilfreich sein [1].

Hydrastis canadensis (Wurzelstock der Kanadischen Orangenwurzel):
Wird unter anderem bei schon länger anhaltendem Fließschnupfen angewendet. Auch als Akutmittel bei Atemwegsinfektion mit Auswurf wird es empfohlen [1].

Befeuchtung

Die Atemwege müssen während der Entzündung feucht gehalten werden, insbesondere damit das Sekret flüssig bleibt und ausgeworfen werden kann. Hierfür ein feuchtes Handtuch auf die warme Heizung legen. Eine große Gemüsezwiebel in Scheiben schneiden und diese auf das Handtuch legen. Die feuchten Zwiebeldämpfe wirken schützend auf die angegriffene Schleimhaut,desinfizierend und keimtötend. Verantwortlich dafür sind die in der Zwiebel enthaltenen Antioxidantien und Schwefelverbindungen(Sulfide) [1].

Allergischer Schnupfen

Das Voranschreiten der Erkrankung ist individuell unterschiedlich. Nicht selten kann es im Rahmen des Alterns und Wachstums des Kindes zu einem vollständigen Verschwinden der Symptome kommen. Nichtsdestotrotz sollen die Symptome ernstgenommen und ein Allergologe informiert werden. Unbehandelte Allergien verschlimmern sich meist und Kinder können zusätzlich ein Asthma entwickeln [3][4].

In erster Linie muss der Auslöser (Allergen) gemieden und allgemeine Maßnahmen müssen beachtet werden. Bei schlimmeren Allergien muss der Arzt medikamentös behandeln [3][6].

  • Untypische Reize wie Tabakrauch und verschmutzte Luft können einen allergischen Schub auslösen, daher die Umgebung immer reinlich halten.
  • Besonders im Winter wird in der Wohnung viel geheizt. Trockene Luft trocknet die Atemwege aus und es kann leichter zu einer Infektion kommen, welche eine allergische Rhinitis verstärken kann. Daher sollte für ausreichend Luftfeuchtigkeit gesorgt werden und das Kind immer genug trinken.
  • Klimaanlagen sollten gemieden werden, da diese meist nicht nur trockene Luft, sondern auch Keime verbreiten können.
  • Besonders Vitamin D kann das Immunsystem unterstützen. Der Körper braucht Sonnenlicht (UV-Licht), um dieses zu produzieren. Das Kind sollte sich daher viel an der frischen Luft bewegen(salzhaltige Luft am Meer) [3][4].

Nasennebenhöhlenentzündung

Oftmals geht einer Nasennebenhöhlenentzündung eine akute Rhinitis voraus. Die Symptome dauern jedoch meist länger als 10 Tage oder sind stärker als üblich. Bei Verdacht sollte ein Arzt aufgesucht werden, da die Gefahr besteht, dass sich die Entzündung auf umliegende Strukturen ausbreitet (Augen, Hirnhaut). Darüber hinaus muss ausgeschlossen werden, dass beim Kind keine anatomischen Besonderheiten bestehen, welche die Nasennebenhöhlen verschließen und Entzündungen begünstigen.
Im Allgemeinen soll der Sekretabfluss gefördert oder wiederhergestellt werden. Die oben bereits beschriebenen Hausmittel können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz kommen.

Weiterhin können Nasentropfen oder Nasensprays (Dekongestiva) verabreicht werden, die eine abschwellende Wirkung haben. Die Abschwellung setzt sofort ein, bewirkt eine bessere Nasenatmung und einen lässt das Kind besser schlafen. Diese abschwellenden Stoffe wirken meist nur kurzzeitig und nach wenigen Stunden kann die Schleimhautwieder stark zuschwellen (Rebound-Phänomen). Daher wird abgeraten, diese Sprays oder Tropfen länger als einige Tage zu verabreichen. Übliche Handelsnamen sind: nasic ® für Kinder, NasenSpray ratiopharm®, Otosan® Baby Nasenspray.

Die Altersvorgaben und Dosierungsempfehlungen der Packungsbeilage sollten unbedingt beachtet werden [2][7][8].

Zu beachten

Das Kind sollte sich bei einem Schnupfen immer vollständig auskurieren. Andernfalls kann es zu einem Wiederaufflammen der Infektion kommen oder es können andere Kinder in der Gemeinschaftseinrichtung angesteckt werden. Bei hartnäckigen Schnupfen über mehr als 10 Tage sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Nasennebenhöhlenentzündung auszuschließen. Bei schweren Verläufen muss manchmal ein Antibiotikum verschrieben werden, damit sich die Infektion nicht auf umliegende Strukturen wie Augenhöhle oder Hirnhaut ausbreitet.

Der allergische Schnupfen bedarf immer eine Abklärung durch den Arzt, um den auslösenden Partikel zu bestimmen. Das Kind sollte von diesem Allergen ferngehalten werden. Ständiger Kontakt erhöht die Gefahr, dass sich die Allergie verschlimmert oder weitere Symptome auftreten.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen