Erkältung In der Schwangerschaft: FAQ

Starke Erkältung (in der Schwangerschaft) – was tun?

© PantherMedia / Sergejs Rahunoks

Eine Schwangerschaft ist ein schönes Ereignis im Leben einer Frau, bringt aber immer auch enorme Veränderungen mit sich. Für den Körper bedeutet dieser Zustand eine immense Umstellung, da sich das Immunsystem, der Hormonzyklus und auch das Herz-Kreislauf-System auf die Versorgung und den Schutz des Fötus einstellen müssen. Schwangere sind oft anfälliger für Infektionskrankheiten, da sich ihr Immunsystem nicht nur auf die Abwehr von schädlichen Keimen (Pathogenen) aus der Umwelt einstellen muss, sondern gleichzeitig die neue DNA des Embryos nicht abstoßen darf. Es kann daher in der Schwangerschaft häufiger zu Erkältungen (akute Bronchitis) oder Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen kommen. Eine einfache Erkältung ist für die Schwangere zwar unangenehm, stellt in der Regel jedoch kein Risiko für das ungeborene Kind dar. Bei stärkeren, langanhaltenden grippalen Infekten kann durch dauerhaft erhöhtes Fieber oder ständiges Husten jedoch das Risiko einer verfrühten Wehentätigkeit bestehen. Auch ernsthaftere Erkrankungen wie eine Infektion mit Ringelröteln oder dem Zytomegalievirus (CMV) können sich hinter banalen Erkältungssymptomen verstecken. Diese müssen dann unbedingt ärztlich behandelt werden, da hier Gefahr für das Wohl des Kindes im Mutterleib besteht.

Worauf man bei einer starken Erkältung in der Schwangerschaft achten sollte, wie sich die Symptome schonend zu Hause behandeln lassen und wie ernsthaftere Erkrankungen ausgeschlossen werden können, wird im Folgenden näher beleuchtet [1][2].

Behandlung bei starker Erkältung in der Schwangerschaft

Eine Erkältung (akute Bronchitis), auch „grippaler Infekt“ genannt (österreichisch: Verkühlung), ist eine Infektion der Atemwege, die durch Viren ausgelöst wird. Die häufigsten Erreger gehören zur Gruppe der Adenoviren, Coronaviren, Rhinoviren und ECHO-Viren und werden durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) übertragen. Über den Nasen-Rachen-Raum gelangen die Erreger in die Atemwege, wo sie die dortigen Schleimhäute infizieren. Nach einer Inkubationszeit von circa 3 Tagen macht sich die Erkältung zunächst durch trockenen Husten und Schnupfen bemerkbar. Sobald die Viren den Atemtrakt verlassen haben, breiten sie sich im restlichen Körper aus, was zu weiteren charakteristischen Symptomen führt:

  • Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen
  • Husten (bisweilen mit gelblich-grünlichem Auswurf)
  • Schnupfen
  • leichtes bis mäßiges Fieber
  • allgemeines Krankheitsgefühl und Schlappheit

Durch die Reizung der Schleimhäute in den Atemwegen können sich auch Bakterien leichter einnisten. Eine bakterielle Infektion (bakterielle Superinfektion) kann sich daher häufig im Rahmen einer Erkältung zusätzlich entwickeln und macht sich meist durch Husten mit grünlich-gelbem Auswurf (produktiver Husten) bemerkbar.
Ein grippaler Infekt ist je nach Schwere des Infekts nach etwas 3–8 Tagen überstanden und wird daher in der Regel rein symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass die Linderung der Symptome im Vordergrund der Behandlung steht und nicht etwa das Abtöten des Erregers selbst. Dies ist sowohl bei Schwangeren als auch bei nicht schwangeren Frauen die gängige Vorgehensweise.
Da die Viren, die eine Erkältung auslösen, die sogenannte Plazentaschranke nicht passieren können, sind sie für den Embryo in der Regel ungefährlich, da dieser im Uterus (Gebärmutter) gut gegen die Erreger abgeschirmt ist [2].
Es gibt jedoch Viren, welche die Plazentaschranke passieren und somit das ungeborene Kind schwer schädigen können. Hierzu zählt unter anderem das Humane Zytomegalievirus (CMV), das zur Familie der Herpesviren gehört. Eine Infektion mit CMV äußert sich meist in erkältungsähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen und geschwollenen Lymphknoten und ist für einen gesunden erwachsenen Menschen kein großes gesundheitliches Problem. Für ein ungeborenes Kind kann das Virus jedoch lebensgefährlich sein oder zu schweren Fehlbildungen führen. CMV ist der Erreger, der am häufigsten während der Schwangerschaft von der Mutter auf den Fötus übertragen wird. Um sicherzugehen, den Virus nicht in sich zu tragen oder an das ungeborene Kind weiterzugeben, kann die Schwangere beim Arzt frühzeitig einen Bluttest durchführen lassen. So kann bei einer bestehenden Infektion sofort eingeschritten und die Gesundheit des Kindes gewährleistet werden. Diese Untersuchung ist eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) und wird von der Krankenkasse leider nicht übernommen [3][4].
Auch der Erreger der Ringelröteln, das Parvovirus B19, verursacht zunächst erkältungsähnliche Symptome mit Fieber und Hautausschlägen. Eine Infektion in der Schwangerschaft hat häufig eine Blutbildungsstörung des Embryos zur Folge, die zur Blutarmut (Anämie) beim ungeborenen Kind führen kann. Wird die Infektion frühzeitig erkannt, so kann die Blutarmut des Kindes mit Bluttransfusionen effektiv behandelt werden. Häufig wird schon zu Beginn der Schwangerschaft durch einen Bluttest die Immunität der Mutter gegen das Parvovirus bestimmt. Dies ist eine Kassenleistung und gehört zu den Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft [3][4].

Allgemeine Maßnahmen

Da manche Medikamente Wirkstoffe enthalten, welche die Entwicklung des Embryos negativ beeinflussen oder ihm schaden können, ist es ratsam, auch bei stärkeren Erkältungen in der Schwangerschaft auf Hausmittel zurückzugreifen. Diese sind meist schonender, aber können ebenso effektiv sein. Um das Immunsystem zu stärken, kann mit gesunder und bewusster Ernährung schon vieles erreicht werden. Sowohl Vollkornprodukte als auch Obst und Gemüse sind beispielsweise wichtige Lieferanten für Mineralien und Vitamine, wie Vitamin C, was die Abwehrkräfte nachweislich stärken kann. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für den Organismus besonders in der Schwangerschaft sehr wichtig. So kann Austrocknung (Exsikkose) vorgebeugt und der Kreislauf in Schwung gehalten werden. Für Schwangere eigenen sich neben Wasser vor allem Getränke mit niedrigem Zuckergehalt, wie zum Beispiel Frucht- und Kräutertees oder Saftschorlen. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Schwarztee sollten nur in Maßen konsumiert werden. Des Weiteren ist es wichtig, sich ausreichend Ruhe zu gönnen und Stress zu vermeiden. Nur so kann sich der Körper erholen und wieder zu Kräften kommen. Auch Spaziergänge an der frischen Luft oder leichte Sportarten wie Yoga können helfen, den Kreislauf in Schwung zu halten, und kurbeln das Immunsystem an. Natürlich sollte bei einer Erkältung und vor allem in der Schwangerschaft generell auf Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten verzichtet werden. Die Schwangere schadet damit nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch der des ungeborenen Kindes! [5]

Hausmittel/Anwendungen

Dampfinhalation

Die Inhalation ist ein altbewährtes Hausmittel und kann bei verschleimten Atemwegen dazu beitragen, diese wieder zu öffnen. Die wohltuenden Dämpfe befeuchten die Atemwege und wirken sowohl krampflösend, durchblutungssteigernd als auch hustenstillend. Für die Inhalation sollte eine Schüssel oder ein Topf etwa bis zur Hälfte mit kochendem Wasser gefüllt werden. Danach hält der Schwangere das Gesicht über die Schüssel und bedeckt den Kopf mit einem Handtuch. Sie sollte den Wasserdampf 5–10 Minuten lang einatmen. Zur Verstärkung der Wirkung können dem Wasser folgende Substanzen zugesetzt werden:

  • Salzinhalation: 2 Esslöffel Speisesalz in das heiße Wasser geben. Der salzhaltige Wasserdampf regt schonend die Schleimbildung in den Atemwegen an, was helfen kann, die Erreger auszuwerfen. Der Schleim legt sich außerdem auf die angegriffenen Schleimhäute und schützt so vor Hustenattacken.
  • Kräuterinhalation: Thymian oder Salbei in das heiße Wasser geben. Diese Kräuter wirken desinfizierend und schleimlösend. Dies hilft, die Erkältung zu bekämpfen, und zähflüssiger Schleim kann, falls vorhanden, besser ausgeworfen werden.
  • Inhalation mit Eukalyptusöl: Ätherische Öle helfen besonders gut, festsitzenden Schleim aus den oberen Atemwegen zu lösen. Dies fördert den Auswurf der Erreger und kann die angegriffenen Schleimhäute beruhigen. Es können auch einige Öltropfen auf ein Taschentuch geträufelt werden. Durch Riechen an diesem Tuch, zum Beispiel in der Nacht, können die Atemwege befreit werden und es kann wieder besser durchgeatmet werden.

Die Inhalation stellt eine schonende Methode dar. Für Mutter und Kind sind die Dämpfe unbedenklich. Bei bestehenden Allergien ist beim Einsatz von ätherischen Ölen jedoch Vorsicht geboten, da diese einen Allergieschub auslösen können [5][6].

Heiße Zitrone mit Honig

Halsschmerzen können gut mit einer Getränkezubereitung aus Zitrone, Honig und heißem Wasser gelindert werden. Hierzu werden 2–3 Spritzer frischer Zitronensaft in einer Tasse heißem Wasser gelöst. Anschließend kann mit etwas Honig gesüßt werden.
Die Zubereitung wirkt beruhigend auf die entzündete Schleimhaut des Halses und enthält durch die Zitrone zusätzlich Vitamine, die das Immunsystem stärken. Als reines Naturprodukt ist dies besonders in der Schwangerschaft besser verträglich als handelsübliche Lutschpastillen [5].

Nasentropfen/Rachenspülung aus Salzwasser

Salzwasser kann bei einer verstopften Nase als guter Schleimlöser verwendet werden. Zur Herstellung einer isotonischen Kochsalzlösung (gleiche Salzkonzentration wie das Blut) werden 9 g Kochsalz in 1 L abgekochtem lauwarmem Wasser gelöst. Von dieser Lösung werden drei bis fünfmal täglich einige Tropfen vorsichtig mit einer Pipette in die Nase geträufelt. Die Lösung alle zwei Tage frisch zubereiten, um eine Verunreinigung von Bakterien zu vermeiden. Diese Lösung stellt eine gute und schonende Alternative zu käuflichen Nasensprays aus der Apotheke dar.
Bei Racheninfektionen empfiehlt es sich, mit Salzwasser mehrmals täglich zu gurgeln, um vorhandene Erreger zu bekämpfen [5][6].

Medikamente

Besonders bei einer starken Erkältung sind die Symptome häufig sehr stark ausgeprägt, weshalb herkömmliche Hausmittel nur bedingt Abhilfe leisten. Es wird daher gerne auf frei käufliche Medikamente aus der Apotheke zurückgegriffen. In der Schwangerschaft sollte die eigenmächtige Einnahme von Medikamenten jedoch mit äußerster Vorsicht oder am besten gar nicht erfolgen. Viele Medikamente enthalten Wirkstoffe, die in den Stoffwechsel des Embryos eingreifen und dessen Entwicklung beeinflussen oder gar stören können. Besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten kann dies zu erheblichen Komplikationen führen. Vor der Einnahme eines Medikaments sollte daher unbedingt ein Arzt zurate gezogen werden, um mögliche Nebenwirkungen für Mutter und Kind zu vermeiden.

Paracetamol

Beispielsweise bei Halsschmerzen oder Fieber kann dieser Wirkstoff eingesetzt werden, da er schmerzstillend und fiebersenkend wirkt. Meist wird Paracetamol in Tablettenform angeboten (z. B. Paracetamol von HEXAL, STADA oder ratiopharm). Bei gelegentlicher Einnahme gilt der Wirkstoff als unbedenklich für Schwangere. Die Langzeiteinnahme kann allerdings zu Entwicklungsverzögerungen im frühen Kindesalter führen, wie in Studien gezeigt wurde.
Beachtet werden müssen sowohl allergische Reaktionen als auch die Dosierungshinweise in der Packungsbeilage. Paracetamol kann bei Überdosierung stark lebertoxisch sein. Gerade bei Schwangeren kann dies größere Komplikationen verursachen [7].
In der Apotheke rezeptfrei erhältliche schmerzstillende Mittel wie beispielsweise Ibuprofen sind ungeeignet für Schwangere. Sie sollten daher, wenn überhaupt, nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.

Zu beachten

Die Erkältung selbst kann dem ungeborenen Kind zwar nicht schaden, starke, länger anhaltende Symptome können allerdings problematisch werden. Starker Husten und sehr hohes Fieber über mehrere Tage hinweg können unter Umständen zu frühzeitig einsetzenden Wehen und somit zu einer Frühgeburt führen. Bei starkem Krankheitsverlauf, der über mehrere Tage anhält, sollte deshalb immer ein Arzt konsultiert werden. Wie aktuelle Studien zeigten, können häufige Erkältungen der Mutter in der Schwangerschaft das Risiko des Kindes erhöhen, an Asthma bronchiale zu erkranken. Allgemeine Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, sind deshalb gerade in der Schwangerschaft essenziell und helfen, Mutter und Kind gesund zu halten.

Außerdem ist die Abgrenzung zu ernsthaften Infektionen, die dem ungeborenen Kind schaden können, äußerst wichtig. Infektionen mit dem Zytomegalievirus (CMV) oder Ringelröteln können zu schweren körperlichen und geistigen Schäden beim Ungeborenen führen und müssen deshalb unverzüglich medizinisch behandelt werden. Durch gezielte Untersuchungen kann der Arzt Infektionen identifizieren, die für den Embryo gefährlich sein können. Daher sollte im Zweifelsfall immer ärztlicher Rat eingeholt werden und die angebotenen Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft stets wahrgenommen werden. Auch Medikamente sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden, um die Entwicklung des Embryos nicht zu gefährden [3][8].


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung