Halsschmerzen: Sonstige Getränke

Jägermeister gegen Halsschmerzen?

© PantherMedia / Christoph Stauche

Laut einer Umfrage trinkt jeder siebte Mann in Deutschland hochprozentigen Alkohol, um einer Erkältung vorzubeugen. Treten erste Anzeichen eines Infekts auf, wird häufig zu Grog, Glühwein oder einem Kräuterschnaps wie Jägermeister gegriffen. Warum es aber ein Irrglaube ist, dass Alkohol bei Erkältung und Halsschmerzen (Laryngitis, Pharyngitis) effektiv helfen kann, zu welchen Risiken es beim Anwenden des umstrittenen Hausmittels kommen kann und worin gesündere Alternativen bestehen, soll im Folgenden dargelegt werden.[1]

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Für die weit verbreitete Annahme, dass ein Gläschen Jägermeister bei einem beginnenden grippalen Infekt hilft, gibt es verschiedenen Erklärungen:

a) Zunächst einmal ist Jägermeister bekannt dafür, dass er viele verschiedene Kräuter enthält wie zum BeispielIngwer. Tatsächlich ist es auch so, dass einige dieser Kräuter gut bei Erkältung sind und das Immunsystem stärken können, weshalb dieser Kräuterlikör folglich eine gute Wirkung haben könnte. Was viele aber nicht wissen ist, dass die meisten der gesunden Inhaltsstoffe bei der Herstellung des Schnapses verloren gehen und nur die Aromen erhalten bleiben.[2]

b) Eine Schwitzkur zu Beginn einer Erkältung kann häufig das Schlimmste abwenden. Da Alkohol bekanntermaßenzu vermehrtem Schwitzen (Hyperhidrose) führt, soll gerade ein kleiner Schlummertrunk vor dem Schlafengehen den Körper über Nacht wieder heilen.

c) Hochprozentiger Alkohol desinfiziert. Daraus wird der Rückschluss gezogen, dass beim Konsum von Hochprozentigem alle Krankheitserreger abgetötet werden und die Halsschmerzen verschwinden.

Tatsächlich ist es aber so, dass der Abbau der im Alkohol enthaltenen Giftstoffe in der Leber den Körper sehr viel Energie kostet, die im Krankheitsgeschehen eigentlich das Immunsystem benötigt. Dieses wird also beim Konsum von Jägermeister geschwächt und nicht gestärkt.

Des Weiteren unterdrückt Alkohol sogar direkt die Immunabwehr. Um die Krankheitserreger zu bekämpfen, sind bestimmte Immunzellen (Monozyten) nötig, die die Eindringlinge fressen und dann Botenstoffe (Zytokine) ausschütten, um weitere Immunzellen zu alarmieren. [3] Ein besonders wichtiger Botenstoff bei viralen Infekten, die die Hauptursache von Halsschmerzen darstellen, ist Interferon-gamma (IFN- ϒ). Forscher haben herausgefunden, dass gerade dieser Botenstoff unter Alkoholeinfluss weniger stark produziert wird. Daneben wird auch der sogenannte Toll-like-Rezeptor 4 (TLR-4) blockiert, der für die Erkennung der Krankheitserreger unbedingt notwendig ist. [4]

Anwendung und Dosierung

Aber: Es gibt tatsächlich einige wenige Ausnahmen und Anwendungen, wie Alkohol im Rahmen einer Erkältung konsumiert werden kann und dabei sogar hilft.

Gerade bei Halsschmerzen kann die desinfizierende Wirkung von Jägermeister und anderen Spirituosen von Nutzen sein: und zwar durch Gurgeln. Dafür wird ein Teelöffel des Kräuterschnapses mit etwas lauwarmem Wasser vermischt und einige Sekunden lang gegurgelt. Dieses Verfahren ist mehrmals am Tag zu wiederholen.

Jedoch teilen sich auch hier die Meinungen, da manche Ärzte kritisieren, dass Schnaps nicht stark genug sei, um die Viren und Bakterien auf diese Weise wirksam abzutöten, und dass die alkoholhaltige Flüssigkeit eher schaden würde, wenn sie heruntergeschluckt wird.[5]

Wer nicht gerade etwas Hochprozentiges wie Jägermeister möchte, sondern sich auch mit einem Bier zufrieden gibt, hat Glück: Bier enthält Bitterstoffe und ätherische Öle, die im Hopfen enthalten sind. Diese sollen zum einen den Schlaf fördern und zum anderen gegen Bakterien wirken. Dafür wird ein Glas Bier auf maximal 40 Grad erhitzt und mit einem Löffel Honig zusammen in kleinen Schlucken getrunken. Ein bis zwei Gläser (entspricht einer Flasche Bier) am Tag reichen dabei völlig aus.[6]

Eine andere Alternative zu Jägermeister besteht in Kräutertees. Diese bestehen oft aus denselben Kräutern, die auch in dem Likör enthalten sind (z.B. Ingwer), in Form eines Tees aber wesentlich effektiver wirken und keinen schädigenden Alkohol enthalten.

Zu beachten:

Wird mit hochprozentigem Alkohol gegurgelt oder warmes Bier gegen Halsschmerzen zu sich genommen, ist immer darauf zu achten, dass es sich, obwohl es hier aus gesundheitlichen Gründen konsumiert wird, dennoch um Alkohol handelt. Auf Aktivitäten wie zum Beispiel Autofahren sollte verzichtet werden, besonders wenn nach dem Gurgeln das alkoholhaltige Gemisch herunterschluckt wird.

Auch ist es wichtig diese Verfahren nicht bei Kindern anzuwenden, da Alkohol für diese besonders schädlich ist.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen