Halsschmerzen Beim Kind: Begleiterscheinungen

Halsschmerzen und Heiserkeit (bei Kindern)

© PantherMedia / Sergey Nivens

Halsschmerzen und Heiserkeit sind sehr häufige Symptome bei Kindern und können verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen werden solche Beschwerden durch grippale Infekte oder die echte Grippe (Influenza) ausgelöst und verlaufen klinisch mild. Nachfolgend werden die medizinischen Fakten, der biologische Zusammenhang und mögliche Risiken von Halsschmerzen und Heiserkeit bei Kindern beschrieben.

Medizinische Fakten

Beschwerden wie Halsschmerzen und Heiserkeit sind typisch für Erkältungskrankheiten wie Schnupfen oder grippale Infekte und treten vor allem während der Wintermonate gehäuft auf. Diese Infekte werden meist durch banale Viren wie Parainfluenza-, Rhino- oder Coronaviren verursacht und verlaufen in der Regel sehr mild. [1] Die typischen Symptome eines grippalen Infektes sind körperliche Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber und Halsschmerzen. Sie sind nach einigen Tagen zumeist selbstlimitierend und bedürfen daher auch keiner speziellen Therapie. Mit körperlicher Schonung, Heißgetränken und Lutschtabletten kann der Heilungsprozess der Kinder aber unterstützt werden. Ein viral verursachter grippaler Infekt kann per Tröpfcheninfektion über die Luft durch Niesen, Husten und Sprechen (feuchte Infektion) oder aber durch Händeschütteln und Berühren von Türklinken und ähnlichen Gegenständen (trockene Infektion) übertragen werden. [2]

Gelegentlich können auch bakterielle Infekte Halsschmerzen verursachen. Meist sind die Auslöser β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes). Typischerweise klagen die Kinder hier über starke Halsschmerzen mit einer hochroten Rachenwand, oft auch mit eitrigen Stippchen. Von Scharlach wird gesprochen, wenn zusätzlich ein charakteristischer diffus verteilter, feinfleckiger roter Ausschlag auftritt. Bei einer Entzündung des Rachens (Pharyngitis) sollte eine antibiotische Therapie (vorzugsweise mit Penicillin V) über 7–10 Tage erfolgen, um Komplikationen zu verhindern. [3]

Wesentlich seltener werden erkältungstypische Beschwerden durch die echte Grippe, also durch Influenzaviren, hervorgerufen. Die Influenza unterscheidet sich von einer Erkältung oder einem grippalen Infekt vor allem durch die charakteristische Symptomatik. Dazu zählen der plötzliche, „von einer auf die andere Minute“ einsetzende Erkrankungsbeginn mit hohem Fieber (≥ 38,5 °C), ein trockener Reizhusten mit Halsschmerzen sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Eine spezifische Therapie mit antiviralen Medikamenten macht nur dann Sinn, wenn die Erkrankung in den ersten 48 Stunden diagnostiziert wird, da sich das Virus ansonsten bereits derart vervielfacht hat, dass nur noch eine symptomatische (die Symptome behandelnde) Therapie angewandt werden kann. Körperliche Schonung, warme Getränke und Lutschtabletten sowie schmerzstillende Medikamente können auch hier unterstützend eingesetzt werden. [1] Die Influenza wird ebenfalls per Tröpfcheninfektion übertragen und dauert rund 7 Tage; allerdings kann sie in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren auch deutlich länger sein. Im Gegensatz zu dem meist sehr mild verlaufenden grippalen Infekt kann eine Influenza schwerere Verlaufsformen zeigen. Davon sindaber meist Risikogruppen wie chronisch kranke oder ältere Menschen betroffen. [4]

Im Rahmen der genannten Erkrankungen kann es nicht nur zur Entzündung des Rachens, sondern durch herabfließendes Sekret auch zu einer Kehlkopfentzündung (Laryngitis) kommen. Hierbei klagen die Patienten überHeiserkeit, Kitzeln und Brennen im Hals mit Trockenheitsgefühl, Hustenreiz und Schmerzen. [1] Bei Atemproblemen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. [5]

Bei einer starken Schwellung der Schleimhaut im Bereich der Stimmbänder kann es zu einer Einengung der kindlichen Atemwege kommen, die auch als stenosierende Laryngotracheitis (Pseudokrupp) bezeichnet wird. [3] DerPseudokrupp tritt wegen der besonders engen Atemwegsverhältnisse vor allem bei Kleinkindern auf und zeichnet sich durch die klassische Symptomkombinationaus bellendem Husten, Heiserkeit und einem typischen zischenden oder pfeifenden Atemgeräusch (inspiratorischer Stridor) aus. Begleitend kann Fieberauftreten. In schweren Fällen kann es durch die Einengung der Atemwege zurAtemnot kommen, was wiederum eine ärztliche Behandlung erforderlich macht.

Biologischer Zusammenhang

Halsschmerzen werden in den allermeisten Fällen durch Viren verursacht, wesentlich seltener sind bakterielle Infektionen des Rachenraumes. Da in der kalten Jahreszeit die Durchblutung der Schleimhäute durch die niedrigen Temperaturen reduziert ist, sind dort auch die Zellen der Immunabwehr weniger aktiv. Die Folge ist, dass Erreger leichter in den Respirationstrakt eindringen und dort eine Entzündung auslösen können.

Setzen sich Keime in der Schleimhaut fest, werden durch eine Vielzahl von Signalen Immunzellen wie Granulozyten, Monozyten oder Lymphozyten dorthin geleitet. Nachfolgend werden Entzündungsmediatoren (Substanzen, die eine Entzündung hervorrufen) ausgeschüttet, die zur Rötung und Schwellung der Schleimhaut führen. Durch die Schwellung und die im Rahmen der Entzündung beeinträchtigte Zellfunktion kommt es zu Schmerzen im Halsbereich. Diese Beschwerden treten oft im Rahmen einer Erkältung oder eines grippalen Infekts auf und haben auch bei Kindern in den meisten Fällen einen selbstlimitierenden(von allein endenden) Verlauf.

Kommt es zu einer Entzündung im Bereich des Kehlkopfes (Laryngitis) mit einer Schwellung der Schleimhaut rund um die Stimmlippen, kann dies zur Heiserkeitführen. Bei Kindern sind die Atemwege noch nicht ausgereift und haben einen geringeren Durchmesser als die von Erwachsenen, weshalb eine Laryngitis zur Einengung der Atemwege mit inspiratorischem Stridor (zischendes oder pfeifendes Atemgeräusch) bis hin zur Atemnot führen kann.

Zu beachten

In der Regel sind Halsschmerzen und Heiserkeit bei Kindern Ausdruck harmloser, meist viraler Infekte und nach einigen Tagen selbstlimitierend. Körperliche Schonung, viel Schlaf und eine unterstützende Therapie mit Lutschtabletten und Heißgetränken können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und Beschwerden lindern.

Bei Verdacht auf eine Influenza-Infektion sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden, da eine antivirale Therapie nur im Anfangsstadium (in den ersten 48 Stunden) wirksam ist.

Tritt nach 7 Tagen noch keine Besserung auf oder besteht Atemnot, eine hochrote, eitrige Rachenwand oder eine schwere Symptomatik mit hohem Fieber, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um behandlungsbedürftige Ursachen wie eine bakterielle Infektion oder einen Pseudokrupp abzuklären.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen