Erkältung In der Schwangerschaft: Risiken

Erkältung in der Frühschwangerschaft gefährlich?

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Banale Erkältungen stellen in der Frühschwangerschaft in der Regel keine Gefährdung für das ungeborene Kind dar. Dennoch sollte bei auftretender Symptomatik ein Arzt aufgesucht werden, um Infektionen mit anderen Keimen, die Komplikationen verursachen können, differentialdiagnostisch auszuschließen.

Im folgenden Text werden die medizinischen Fakten, die biologischen Zusammenhänge und die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen dargelegt sowie mögliche Risiken beleuchtet.

Medizinische Fakten

Ausgelöst wird eine gemeine Erkältung z.B. durch Rhino-, Adeno- oder Coronaviren. Sie äußert sich durch Husten, Schnupfen, Abgeschlagenheit sowie einen moderaten Temperaturanstieg. Solch eine Erkrankung heilt binnen weniger Wochen auch in der Frühschwangerschaft in der Regel folgen- und komplikationslos aus. [1]

Biologische Zusammenhänge

Während der Schwangerschaft steht das mütterliche Immunsystem vor einer besonderen Herausforderung: Einerseits darf die kindliche DNA, die zu etwa 50% vom Vater stammt, nicht als fremd erkannt und abgestoßen werden, andererseits muss weiterhin die Abwehr von Umweltkeimen gewährleistet sein. Über Mechanismen, die noch nicht abschließend erforscht sind, kommt es daher zu einer Drosselung der Aktivität immunkompetenter Zellen (Leukozyten) der Mutter. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit. [2]

Besondere Risiken in der Frühschwangerschaft

Wichtig ist vor allem die Abgrenzung zu anderen Infekten, die immer durch einen Arzt vorgenommen werden muss. Aufgrund des eingeschränkten Immunstatus der schwangeren Frau können sich Keime ausbreiten, die eine der Erkältung ähnliche Symptomatik hervorrufen, die aber durchaus ein erhöhtes Risiko für Missbildungen oder Fehlgeburten (Abort) mit sich bringen.

Dazu zählt beispielsweise das Humane Cytomegalie-Virus (CMV). Infiziert sich die werdende Mutter in den ersten 20 Schwangerschaftswochen zum ersten Mal mit dem Erreger, ist die Wahrscheinlichkeit für kindliche Folgeschäden besonders hoch. Aber auch bei Frauen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit dem Virus in Kontakt gekommen sind und Immunität erworben haben, kann die Erkrankung erneut aufflammen (Reinfektion). Eine Impfung gegen CMV ist nicht möglich. [3]

Auch durch eine Infektion mit Ringelröteln (Erythema infectiosum; Parvovirus B19) kann das Kind im Mutterleib geschädigt werden. Gefährdet sind Frauen, die in ihrer Kindheit nicht an Ringelröteln erkrankt sind, also alle, deren Immunsystem bis dato keinen Kontakt zum Erreger (Antigen) hatte und so keine Abwehrstoffe (Antikörper) bilden konnte. Nach anfänglichen Symptomen, die schnell mit denen einer banalen Erkältung verwechselt werden können (Prodromalphase), folgt die Ausprägung charakteristischer rötlicher Flecken auf der Haut. Es werden vor allem die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im mütterlichen und kindlichen Kreislauf zerstört, sodass es zu einer schweren Blutarmut (Anämie) kommen kann. Eine weitere mögliche Komplikation sind Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) im Körper des Kindes (Hydrops fetalis). Frauen, die vor der 20. Schwangerschaftswoche erkranken, sind besonders gefährdet, eine Fehlgeburt zu erleiden. Auch gegen Ringelröteln existiert kein Impfstoff. Daher sollten Frauen in der Schwangerschaft den intensiven Kontakt zu Kindern, die häufig Überträger sind, meiden. [4]

Tritt als isoliertes Symptom über mindestens 2 Monate lediglich eine verstopfte Nase ohne Begleiterscheinungen auf, wird dieses Phänomen als Schwangerschaftsschnupfen bezeichnet. Das Anschwellen der Schleimhaut findet ohne virale oder bakterielle Beteiligung statt und ist ungefährlich. Hormonelle Ursachen sind wahrscheinlich, aber nicht belegt. [5]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung