Grippe: Diagnose

Erkältung oder Grippe

© PantherMedia / Lev Dolgachov

Wenn in den Wintermonaten gehäuft Halsschmerzen (Pharyngitis), Husten (Tussis) oder verstopfte Nasen auftreten, sprechen die meisten von einer „Erkältung“ oder einem „grippalen Infekt“. In der Umgangssprache heißt es dann auch schnell, man habe eine „Grippe“. Erkältung und grippaler Infekt werden synonym für die häufig mild verlaufende Infektion der oberen Atemwege verwendet, bezeichnen dabei aber ein anderes Krankheitsbild als die echte Grippe (Influenza). Im Folgenden soll auf die wichtigsten Unterschiede eingegangen werden.

Ursachen und Erreger

Die Erreger einer echten Grippe sind Influenzaviren. Die Influenzaviren A-C gehören zur Gruppe der sogenannten Orthomyxoviren und sind besonders durch ihre in der Hülle verankerten Proteine Hämagglutinin und Neuraminidase infektiös. Hämagglutinin (HA) bindet an die Zellen und vermittelt das Eindringen des Erregers in die Wirtszelle. Die Neuraminidase (NA) hingegen ist für die Freisetzung der Influenzaviren nach deren intrazellulärer Vermehrung zuständig. Die Bezeichnung des Erregers nach diesen Oberflächenproteinen (z.B. H1N1) wurde bereits öfter in der Öffentlichkeit thematisiert. Die unterschiedliche Nummerierung bezeichnet die verschiedenen Kombinationen der beiden Oberflächenproteine, welche durch deren genetische Vielfalt (sog. Antigenshifting) zustande kommt. Diese genetische Variabilität ist auch dafür verantwortlich, dass jährlich eine neue Impfung gegen den aktuellen epidemischen Stamm nötig ist [1].

Ein grippaler Infekt bzw. eine Erkältung kann von einer Reihe von Erregern ausgelöst werden. Bei Kleinkindern und Säuglingen stellt die Gruppe der Paramyxoviren mit demParainfluenzavirus, Humanen Metapneuvirus sowie demRespiratory-Syncytial-Virus die häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen dar. Gerade bei Säuglingen besteht aufgrund des unreifen Immunsystems hier die Gefahr eines schweren Verlaufs. Bei Erwachsenen sind meistens Adeno- und Coronaviren für eine Infektion verantwortlich [2].

Verlauf

Eine echte Grippe verläuft weitaus schwerer als eine einfache Erkältung. Die Zeit zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome, die sogenannte Inkubationszeit, liegt zwischen 1 und 3 Tagen. Neben dem schlagartig auftretenden, hohen Fieber über 39° kann es zu einer Entzündung der oberen Atemwege, der Nase (Rhinitis), Luftröhre (Tracheitis) und Bronchien (Bronchitis) kommen. Die Infektion wird begleitet von einem starken Krankheitsgefühl, Kopf- Glieder und Gelenkschmerzen sowie zum Teil heftigen Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit (Nausea), Durchfall (Diarrhoe) und Bauchschmerzen. Die Grippe verläuft meist selbstlimitierend, die Symptome lassen also nach 7-10 Tagen nach. Besonders schwere Verläufe können allerdings zu einer Zweitinfektion mit Bakterien und dadurch zu einer gefährlichen Lungenentzündung (Pneumonie), Mittelorentzündung (Otitis media) oder gar Hirnhautentzündung (Meningitis) führen [3].

Der Verlauf einer Erkältung beziehungsweise eines grippalen Infekts ist meistens langsamer und deutlich milder. Neben einer Rachenentzündung (Pharyngitis) mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden (Dysphagie) kann es auch hier zu leichtem Fieber (Pyrexie) und einer, wenn auch weitaus weniger gefährlichen, Bronchitis mit Husten (Tussis) kommen. Die für eine Grippe z.T. typische Magen-Darm-Symptomatik fehlt zumeist. Natürlich können auch bei einer Erkältung Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit auftreten, allerdings besteht kein so schweres Krankheitsgefühl wie bei einer echten Grippe.

Behandlung

Schwere Grippeverläufe können mit Oseltamivir oder Zanamivir, Medikamenten, die das Hüllprotein Neuraminidase hemmen, behandelt werden. Eine Behandlung ist dabei besonders effektiv, wenn sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach Auftreten der Symptome eingeleitet wird [4]. Eine Erkältung bedarf keiner antiviralen Medikamente und kann meist symptomatisch beispielsweise mit Hustenstillern, Halstabletten und evtl. fiebersenkenden Mitteln unterstützend behandelt werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe