Halsschmerzen Chronisch: Ursachen

Chronische Halsschmerzen (durch Stress)

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Als Stress wird gemeinhin alles bezeichnet, was belastet, stört, bedroht oder beeinträchtigt. Die Bandbreite ist somit recht groß. Zu unterscheiden ist er weiterhin in Eustress, einen kurzzeitigen Stress mit einer positiven Wirkung, und Distress, den als unangenehm empfundenen (chronischen) Stress oder durch Traumata bedingten Stress.[1]

Neben Auswirkungen auf Psyche, Verhalten und Sozialleben, wirkt sich Stress auch körperlich aus. Aufgrund verschiedener Wirkmechanismen stellen Betroffene oftmals eine erhöhte Infektanfälligkeit fest, die mit den klassischen Symptomen wie Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen einhergehen können.[2]

Im Folgenden werden die medizinischen Fakten, die biologischen Zusammenhänge und die Risiken in Verbindung mit chronischen Halsschmerzen durch Stress näher erläutert.

Medizinische Fakten

Chronische Halsschmerzen und Stress können im Rahmen einer gesteigerten Anfälligkeit für verschiedene Erkrankungen miteinander einhergehen. Chronisch gestresste Personen entwickeln häufig das Burnout Syndrom oder Depressionen und haben, neben möglichen psychischen Auswirkungen, oftmals unter körperlichen Manifestationen zu leiden. Weit verbreitet sind starke Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen und sexuelle Probleme. Es kommen aber auch Begleiterkrankungen vor, die direkt oder indirekt zu andauernden Halsschmerzen führen können. So sind Halsschmerzen als klassisches Symptom häufiger Erkältungen (wie z.B. Infektion der oberen Atemwege oder Pharyngitis) und Grippe zu betrachten. Auch Magen-und-Darm-Beschwerden treten gehäuft bei chronisch gestressten Personengruppen auf und können, z.B. über ständigen Reflux und die damit verbundene Reizung der Schleimhaut, zu Halsschmerzen führen. Es sollten auch weitere Faktoren wie trockene Büroluft, eine ständige Fehlbelastung der Stimme und das Rauchen mit einbezogen werden, da diese Umstände oftmals mit einer als stressig empfundenen Lebensweise einhergehen oder, wie im Falle des Rauchens, als vermeintlicher Kompensationsmechanismus verwendet werden.[3][4]

Als solitäres Symptom ohne ersichtliche Grunderkrankung kommen Halsschmerzen hingegen seltener vor und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Biologischer Zusammenhang

Führt Stress zu Halsschmerzen, dann steht oftmals ein komplexer Vorgang aus verschiedenen Faktoren dahinter, die sich gegenseitig ergänzen und die Beschwerden verursachen. Ein maßgebender Faktor ist der Einfluss von chronischem Stress auf das Immunsystem. Dieser beginnt im Gehirn und wirkt über ins Blut ausgeschüttete Signalstoffe auf den gesamten Organismus.

Betroffen sind beide Anteile des Immunsystems: das angeborene, unspezifische und das erworbene, spezifische Immunsystem. In der Regel, besonders bei Kontakt zu bislang unbekannten Antigenen, reagiert zunächst das angeborene Immunsystem. Antigen präsentierende Zellen nehmen den potenziellen Erreger in sich auf, zerteilen ihn und präsentieren kleine Anteile desselben auf ihrer Oberfläche. Diese wiederum werden durch Zellen des erworbenen Immunsystems erkannt, woraufhin sie eine spezifische Abwehr einleiten. T-Zellen sind in der Lage infizierte Körperzellen zu zerstören, B-Zellen produzieren nach ihrer Aktivierung zum Antigen passende Antikörper. Diese sind in der Lage, Erreger mit dem korrelierenden Antigen zu erkennen und ihre Neutralisierung oder Zerstörung zu vermitteln. Die Wirkung der B- und T-Zellen ist unter anderem aufgrund ihrer Fähigkeit sich schnell zu vermehren so effektiv. Sind sie aktiviert, so bilden sich zudem vereinzelt T- und B-Zellen zu Gedächtniszellen aus, die bei einem Befall durch bereits bekannte Erreger schneller reagieren können. Dieser Effekt wird auch bei Impfungen genutzt.

Tiefe Lebenseinschnitte, chronischer Stress oder Depressionen ändern grundsätzlich nichts an der tatsächlichen Anzahl der Immunzellen im Blut, doch können sie ihre Funktionalität einschränken. Trotz adäquater Stimulation durch Antigen präsentierende Zellen ist es dann möglich, dass nur eine verminderte Vermehrung von B- und T-Zellen stattfindet. Das zeigt sich unter anderem nach Impfungen, wenn sich der Antikörper-Titer nicht wie bei vergleichbaren Personengruppen ohne Stresseinfluss entwickelt. Auch eine generelle vermehrte Infektanfälligkeit ist möglich, da der Körper nun allen eindringenden Erregern weniger entgegenzusetzen hat. Denn auch die Aktivität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen), die im Rahmen der angeborenen Abwehr dafür zuständig sind, mit z.B. Viren infizierte Körperzellen (und Tumorzellen) zu erkennen und abzutöten, kann ebenfalls verringert sein.

Alle Zellen des Immunsystems kommunizieren über verschiedene Signalstoffgruppen miteinander, mit dem zentralen Nervensystem und anderen Organen. Diese Kommunikation beruht im Wesentlichen auf einer der jeweiligen Immunsituation angepassten Balance aus Aktivierung und Hemmung auf mehreren, einander übergeschalteten und ineinandergreifenden Prozessen. Chronischer Stress bringt dieses Gleichgewicht durcheinander, indem vermehrt Signalstoffe wie Cortisol ausgeschüttet werden, die in erhöhter Konzentration einzelne Signalwege des Immunsystems hemmen.[5]

Zu beachten

Aufgrund der engen Verzahnung der einzelnen immunologischen Prozesse untereinander und mit anderen Funktionen des Körpers, sollte sich körperlich manifestierender Stress grundsätzlich Ernst genommen werden. Die langfristigen Gesundheitsrisiken im Detail sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar und werden aufgrund ihrer scheinbar allumfassenden Auswirkungen untersucht. Nachgewiesen sind bislang Assoziationen einer stressbedingten Störung des Immunsystems mit einer verlängerten Wundheilung, erhöhter Infektanfälligkeit und der verstärkten Neigung Allergien zu entwickeln. Gelenkerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sind ebenso möglich wie Asthma oder eine chronisch obstruktive Bronchitis. Chronische Entzündungen, z.B. durch dauerhafte Reizungen im Magen-Darm-Trakt im Rahmen einer Gastritis oder einer entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn, können bei entsprechender Prädisposition sogar Krebs nach sich ziehen.[6]


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen