Husten Reizhusten: Klassische Arzneimittel

Antibiotika gegen Reizhusten

© PantherMedia / Claudio  Ventrella 
  • Wirkstoff: Verschiedenste Antibiotika
  • Darreichform: Tabletten
  • Wirkt bei Husten: Nein (nur bei bakteriellen Superinfektionen)
  • Rezeptpflichtig: Ja

Einleitung

Unter Reizhusten versteht man einen trockenen, unproduktiven Husten (ohne Schleimbildung und Auswurf), welcher vor allem im Rahmen einer beginnenden oder abklingenden Erkältung auftritt. Auch nach einer Grippe (Influenza) kann es über mehrere Wochen zu einem postinfektiösen Reizhusten kommen. In beiden Fällen werden diese Krankheitsbilder durch Viren ausgelöst (Rhinoviren, Coronaviren, Influenzaviren), weshalb die Einnahme von Antibiotika, welche ausschließlich gegen Bakterien wirken, in diesen Situationen nicht sinnvoll ist.

In seltenen Fällen kann sich eine bakterielle Superinfektion, d.h eine zusätzliche Infektion mit Bakterien, auf dem Boden einer viralen Entzündung manifestieren, weshalb eine Antibiotikatherapie zu empfehlen ist.[1]

In diesem Text soll über die Anwendung von Antibiotika bei Reizhusten aufgeklärt werden, sowie sinnvolle Alternativen erläutert werden.

Medizinische Fakten

Bei Infektionen des Atemtrakts (Respirationstrakt) sind Viren in der Mehrzahl der Fälle auslösend, sehr selten sind Bakterien erstauslösend. Virale Entzündungen des Respirationstraktes treten vermehrt in den Wintermonaten auf und äußern sich häufig durch einen trockenen Reizhusten, welcher über mehrere Tage andauert.[2] Zusätzlich können auch eine erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen oder Kopfschmerzen auftreten. Bei den daraus entstehenden Erkrankungen handelt es sich in der Regel um eine Erkältung, Influenza oder akute Bronchitis.

Antibiotika sind Substanzen, welche sich spezifisch gegen Bakterien richten,indem sie diese entweder in ihrer Vermehrung hemmen (bakteriostatische Wirkung) oder abtöten (bakterizide Wirkung). Es gibt eine Vielzahl an verschiedensten antibiotischen Substanzen, welche durch unterschiedliche Mechanismen bakterielle Infektionen bekämpfen können:

Einerseits durch Zerstörung der bakteriellen Zellwand, durch Hemmung der lebenswichtigen Proteinneubildung (Proteinsynthese) der Bakterien oder auch durch Störung verschiedenster Schritte des Zellstoffwechsels der Bakterien, wie etwa der Synthese von DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA (Ribonukleinsäure), welche zur Bakterienvermehrung notwendig sind.

Viren bleiben von diesen Mechanismen unbeeinflusst, weshalb Antibiotika bei viralen Entzündungen keine Wirkung zeigen und ihr Einsatz nicht sinnvoll ist.

Zusätzlich fördert ein unnötiger Gebrauch von Antibiotika die zunehmende Widerstandsfähigkeit der Bakterien gegenüber dieser Medikamente (Resistenzentwicklung). Auch kann die Einnahme von Antibiotika zum Auftreten von unangenehmen Nebenwirkungen wie etwa Magen-Darm-Beschwerden, wie z.B. Durchfall führen.[3]

In manchen Fällen kann es im Zuge einer viralen Atemwegsinfektion zu einer sekundären Besiedelung der Schleimhäute durch Bakterien (Haemophilus influenzae, Pneumokokken, Staphylokken) kommen, man spricht von einer bakteriellen Superinfektion.

Durch die virale Entzündung kommt es zur Schädigung der Flimmerhärchen in den Atemwegen (respiratorischen Epithelien) sowie zur Schwächung des Immunsystems, wodurch der Körper anfälliger gegenüber Bakterien wird. Eine solche Superinfektion äußert sich häufig durch eine Verschlechterung der Hustensymptomatik sowie einem eitrigen, gelb-grünlichen Auswurf.[4]

Bei Verdacht auf eine bakterielle Sekundärinfektion sollte nur bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren eine Antibiotikatherapie gestartet werden. Dazu zählen:

Höheres Alter, vorbestehende chronische Lungenerkrankungen (COPD, chronische Bronchitis), andere chronische Erkrankungen des Herzens, der Leber oder Nieren, zusätzliche Infektionen des HNO-Bereichs sowie das Vorliegen einer Immunsuppression (d.h. die Unterdrückung der Immunabwehr durch Medikamente) oder Immundefekte.

Bei Vorhandensein eines Risikofaktors eigenen sich vorwiegend die Wirkstoffklassen der Aminopenicilline, Cephalosporine, Makrolide oder Doxycyclin zur antibiotischen Therapie.[5]

Zur Sicherheit sollte ein ärztlicher Rat hinzugezogen werden!

Alternativen

Bei einem viral bedingten Reizhusten beschränkt sich die Therapie vorwiegend auf die symptomatische Besserung des Patienten.

Es stehen medikamentöse sowie physiotherapeutische Therapien zur Verfügung.

Bei den medikamentösen Präparaten unterscheidet man im Wesentlichen drei Wirkstoffgruppen:

Hustenblocker (Antitussiva), Schleimlöser (Sekretolytika) und pflanzliche Medikamente (Phytopharmaka).

Sekretolytika führen zu einer Verdünnung des zähen Schleims, wodurch die bronchiale Reinigung erleichtert wird. Die Folge ist ein vermehrtes „Abhusten“ des Schleims, wodurch die Patienten häufig eine subjektive Symptombesserung empfinden. Sekretolytika eignen sich jedoch nur bei produktivem Husten mit Schleimbildung, ein trockener Reizhusten kann damit schlecht therapiert werden.

Antitussiva sind hustenreizstillende Arzneimittel. Ein klassischer Vertreter ist das Codein, das zu der Gruppe der Opiate gehört. Codein bindet an eine „Andockstelle“ auf der Zelloberfläche, den Codein-Rezeptor, und wirkt hustendämpfend auf das Hustenzentrum im Stammhirn. Bei diesen Präparaten sind jedoch einerseits die Nebenwirkungen zu beachten wie z. B. Suchtgefahr,Verstopfung (Obstipation), beruhigende Wirkung (Sedierung), andererseits konnte eine eindeutige Wirkung bei Reizhusten gegenüber Placebo(Scheinmedikament) nicht nachgewiesen werden.

Bei den Phytopharmaka hat sich eine Kombinationstherapie mit Thymian und Efeu bzw. Thymian und Primel als wirksam herausgestellt und wird daher zur Therapie von Reizhusten angewendet.[1]

Zudem steht auch eine Atemphysiotherapie bei unproduktivem Husten zur Verfügung, mit dem Ziel die Hustenreize zu unterdrücken und dadurch Hustenanfälle zu reduzieren. Die Techniken sind im Allgemeinen jedoch schwer zu erlernen und erfordern eine deutliche Hustendisziplin.

Trotzdem wird eine solche Therapie bei lang andauerndem Reizhustenprobeweise empfohlen.[1]