Husten Reizhusten: Klassische Arzneimittel

Mittel gegen Reizhusten "Capval"

© PantherMedia / Stefan Dahl Langstrup
  • Hersteller: InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH
  • Wirkstoff: Noscapin
  • Darreichungsform: Saft, Tropfen oder Dragees
  • Rezeptfrei? Nein
  • Indikation: Reizhusten

Einleitung

Capval ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, dass zur symptomatischen Behandlung von Reizhusten eingesetzt wird. Als Arzneiformen sind Dragees, Saft und Tropfen erhältlich. Der wirksame Bestandteil ist Noscapin, ein Stoff, der aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen wird.

Der folgende Text liefert einen Überblick über die medizinischen Fakten, die Wirkungsweise von Noscapin, die Anwendung und Dosierung von Capval, Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen (früher: Nebenwirkungen) sowie Gegenanzeigen und Warnhinweise.

Medizinische Fakten

Aufgrund des relativ günstigen Nebenwirkungsprofils ist Noscapin eine gängige Alternative zu anderen hustenstillenden Mitteln (Antitussiva). Viele (halb-)synthetische Hustenstiller bringen – im Gegensatz zu Noscapin – durch mögliche euphorisierende Begleiteffekte ein nicht unerhebliches Abhängigkeitspotential mit sich (z.B. Codein, Dihydrocodein, Dextrometorphan). Auch die Dämpfung des Atemreflexes (Atemdepression) durch diese Substanzen ist als kritisch zu bewerten. Aus diesem Grund dürfen sie bei Kleinkindern und Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen (Asthma, COPD) nicht angewendet werden.

[6] Wichtig: Husten ist keine eigenständige Erkrankung, sondern immer nur ein Symptom. Die Ursache des Reizhustens sollte daher gründlich abgeklärt werden. Häufig tritt er zu Beginn einer Erkältung auf und geht nach 2-3 Tagen in einen verschleimten Husten über. Dann dürfen Hustenstiller lediglich noch zur Nacht verwendet werden, über den Tag sollte das nötige Abhusten des Bronchialsekrets jedoch auf keinen Fall unterdrückt werden. Hält der Reizhusten über mehrere Tage und Wochen an, ohne dass sich weitere Erkältungssymptome bemerkbar machen, ist ärztlicher Rat gefragt, um mögliche Grunderkrankungen wie Asthma bronchiale, COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), Allergien oder Säurerückfluss (gastroösophageale Refluxerkrankung) auszuschließen.

Wirkungsweise

Hustenstillende Mittel (Antitussiva) setzen durch Unterdrückung des Hustenreflexes die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen herab. Dabei kann die Wirkung entweder am Hustenzentrum im Stammhirn und/oder durch Blockade von sog. Hustenrezeptoren (Nervenendigungen) im Bronchialtrakt erfolgen.

Im Falle von Noscapin, das genau wie Opiate (z.B. Codein, Morphin) aus dem Schlafmohn gewonnen wird, ist der Wirkmechanismus bisher nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass bestimmte charakteristische Begleiterscheinungen, die beim Gebrauch von Opiaten auftreten, von Noscapin nicht hervor gerufen werden. Dazu zählen u.a. Verstopfungen (Obstipation), Müdigkeit (Sedierung) sowie Unterdrückung des Atemreflexes (Atemdepression). Gleichzeitig fehlt allerdings auch der schmerzstillende (analgetische) Effekt der Opiate. Für Noscapin werden lediglich hustenstillende (antitussive), bronchienerweiternde (bronchodilatatorische) sowie atemstimulierende Wirkqualitäten genannt. [1] [2]

Anwendung und Dosierung

Verschreibungspflichtige Arzneimittel sollten stets genau nach Anweisung des Arztes angewendet werden. Falls nicht anders verordnet, gelten in Abhängigkeit des Alters folgende Regeldosierungen:

Säuglinge über 6 Monate und Kleinkinder bis 3 Jahre nehmen höchstens 2 mal täglich 2,5 ml Saft bzw. bis zu 6 mal täglich 8 Tropfen ein. Die Dragees sind für Kinder unter 6 Jahren nicht geeignet.

Kinder von 3 bis 12 Jahren verwenden maximal 3 mal täglich 5 ml Saft bzw. bis zu 6 mal täglich 15 Tropfen.

Kinder zwischen 6 und 12 Jahren dürfen bis zu 3 mal täglich 1 Dragee einnehmen.

Für Erwachsene und Kinder über 12 Jahren ist eine Dosierung von 3 mal täglich 10 ml Saft, 6 mal täglich 30 Tropfen bzw. 3 mal täglich 2 Dragees vorgesehen.

Der Saft wird zunächst geschüttelt und anschließend unverdünnt eingenommen, die Tropfen in etwas Wasser gegeben. Die Dragees sollten unzerkaut geschluckt und ein Glas Wasser nachgetrunken werden.

Alle Darreichungsformen von Capval sind etwa eine Stunde vor dem Essen einzunehmen. Ohne erneute ärztliche Rücksprache sollte die Anwendungsdauer 14 Tage nicht übersteigen. [3] [4] [5]

Diese Angaben können keinesfalls die Dosierungsanweisungen eines Artzes ersetzen.

Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen

Die gleichzeitige Anwendung aller Darreichungsformen von Capval mit blutgerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulazien) kann deren Wirkung verstärken. Daher sollten regelmäßige Kontrollen der Gerinnungswerte durch den Arzt erfolgen.

Zentral dämpfende Stoffe wie Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol u.a. können die unerwünschten anderen Wirkungen von Noscapin verstärken.

Zu den unerwünschten anderen Wirkungen zählen:

Häufig (1 bis 10 Behandelte von 100): Kopfschmerzen, Benommenheit

Gelegentlich (1 bis 10 Behandelte von 1000): Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Nesselausschlag mit Juckreiz (Urticaria), Schwellungen im Gesicht und Halsbereich (Quincke-Ödem)

Selten (1 bis 10 Behandelte von 10000): Luftnot, Brustschmerzen, Trugwahrnehmungen (Halluzinationen)

Sehr selten (weniger als 1 Behandelter von 10000): Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Hautausschlag)[3][4][5]

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Alle Darreichungsformen von Capval dürfen nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe sowie bei Husten mit Auswurf (produktiver Husten). Kann der produzierte Schleim durch Unterdrücken des Hustenreizes nicht abgehustet werden, verbleibt er im Bronchialtrakt und kann zu Atembeschwerden führen (Sekretstau). Außerdem bietet er Bakterien einen idealen Nährboden, sodass der Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst werden kann. [6]

Des Weiteren sollte Capval aufgrund fehlender Erfahrungswerte nicht bei Kindern unter 6 Monaten sowie in der Schwangerschaft angewendet werden.

Da Noscapin nur in sehr geringen Teilen in die Muttermilch übergeht, wird eine Gefährdung für den Säugling bei einer Einnahme während der Stillzeit vom Hersteller als unwahrscheinlich eingestuft. Dennoch sollte die Einnahme auf 2-3 Tage beschränkt bleiben. Bei Kindern mit Neigung zu Atemaussetzern (Apnoe) ist Vorsicht geboten, da atemdepressive Effekte nicht vollständig ausgeschlossen werden können. [7]

Aufgrund der möglicherweise verlängerten Reaktionszeit sollten Anwender von Capval während der Dauer der Einnahme nicht Auto fahren oder schwere Maschinen bedienen.[3][4][5]


Alternativen

Alternative mittel gegen Reizhusten sind zum einen Sedotussion® sowie die rein pflanzlichen Präparate von Prospan®.