Husten Reizhusten: Klassische Arzneimittel

"Wick" (Pastillen) gegen Reizhusten

© PantherMedia / Kasia Bialasiewicz
  • Hersteller: Procter & Gamble Manufacturing GmbH
  • Wirkstoff: Dextromethorphan-Hydrobromid
  • Darreichungsform: Lutschpastillen
  • Rezeptfrei? Ja
  • Indikation: Reizhusten

Einleitung

Wick Hustenpastillen gegen Reizhusten mit Honig enthalten als Wirkstoff Dextromethorphan und werden häufig zur symptomatischen Behandlung von trockenem Reizhusten eingesetzt. Aufgrund des ungünstigen Neben- und Wechselwirkungspotentials sowie zunehmenden Meldungen über missbräuchliche Verwendung ist der Einsatz von Dextromethorphan kritisch zu beurteilen und sollte nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. [1] [2]

Der folgende Text liefert einen Überblick über die medizinischen Fakten, die Wirkungsweise von Dextromethorphan, Anwendung und Dosierung, Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen (früher: Nebenwirkungen) sowie Gegenanzeigen und Warnhinweise.

Medizinische Fakten

Dextromethorphan ist ein frei verkäuflicher Hustenstiller (Antitussivum), der ohne Rezept in Apotheken erhältlich ist. Aufgrund des erheblichen Abhängigkeitspotentials sollte die Anwendung stets kritisch hinterfragt werden. Bei unsachgemäßem Gebrauch können Symptome wie verlangsamte Atmung (Atemdepression), Bewusstseinsstörungen (Halluzinationen), Blutdruckabfall (Hypotonie) und beschleunigter Herzschlag (Tachykardie) auftreten.

Achtung: Da Reizhusten immer als ein Symptom betrachtet werden muss und keine eigenständige Erkrankung darstellt, sollte die Ursache stets gründlich durch einen Arzt abgeklärt werden. Reizhusten tritt oft zu Beginn einer gewöhnlichen Erkältung auf und kann durch den Einsatz von Hustenstillern (Antitussiva) wie Dextromethorphan gelindert werden. Stellt sich jedoch nach etwa 2 bis 3 Tagen ein produktiver Husten mit Schleimbildung ein, sollte der Hustenstiller abgesetzt oder höchstens noch zur Nacht verwendet werden. Tagsüber sollte das nötige Abhusten des Bronchialsekrets nicht unterdrückt werden, um nicht etwa einen Sekretstaus in der Lunge zu provozieren.

Reizhusten, der ohne weitere Erkältungssymptome auftritt und über Tage und Wochen bestehen bleibt, gehört unbedingt in ärztliche Hände. Es müssen mögliche Grunderkrankungen wie Asthma bronchiale, COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), Allergien oder Säurerückfluss (gastroösophageale Refluxerkrankung) ausgeschlossen werden.[3]

Wirkungsweise von Dextromethorphan

Dextromethorphan unterdrückt durch seine Wirkung an bestimmten Rezeptoren (σ1- und NMDA-Rezeptoren; Andockstellen an einer Zelle für Medikamente) im Gehirn den Hustenreflex und setzt sowohl die Hustenintensität als auch die Häufigkeit der Hustenanfälle herab. In hohen Dosen, wie sie bei missbräuchlicher Verwendung eingenommen werden, kann die Substanz rauschähnliche Zustände (psychotrope Effekte) auslösen. Über das Suchtpotential von Dextromethorphan ist in den letzten Jahren – vor allem in Fachkreisen – regelmäßig berichtet worden. [4] [5]

Anwendung und Dosierung

Bei der Anwendung des Arzneimittels aufgrund ärztlicher Empfehlung sind die Dosierhinweise des Arztes stets genauestens zu befolgen. Falls nicht anders verordnet, gelten folgende Regeldosen:

Kinder von 6 bis 12 Jahren lutschen höchstens 6-mal täglich 1 Wick Hustenpastille (entsprechend 7,33 mg Dextromethorphan-Hydrobromid). Die maximale Tagesdosis von 44 mg Dextromethorphan-Hydrobromid darf nicht überschritten werden.

Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene wenden bei Bedarf zwei Wick Hustenpastillen an (entsprechend 14,66 mg Dextromethorphan-Hydrobromid). Die Tageshöchstmenge liegt bei 88 mg Dextromethorphan-Hydrobromid (12 Pastillen).

Für Kinder unter 6 Jahren sind Wick Hustenpastillen nicht geeignet.

[7] Die Pastillen sollten langsam im Mund zergehen und dürfen nicht geschluckt werden. Die Anwendungsdauer sollte 3 bis 5 Tage ohne erneute Rücksprache mit dem behandelnden Arzt nicht übersteigen.

Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen

Dextromethorphan wird in der Leber durch ein bestimmtes Enzym (CYP2D6) verstoffwechselt (metabolisiert). Dieses Enzym ist jedoch individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt (genetischer Polymorphismus). Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme weiterer Medikamente, die die Aktivität dieses Enzyms hemmen (inhibieren), steigern (induzieren) oder ebenfalls über CYP2D6 abgebaut werden (kompetitive Hemmung). [6]

Medikamente, die den Serotonin-Haushalt (ein Botenstoff des Nervensystems) im Körper beeinflussen, sollten nicht mit Dextromethorphan-haltigen Mitteln kombiniert werden, da ein sogenanntes Serotonin-Syndrom (Symptomkomplex bei erhöhter Serotonin-Freisetzung) auftreten kann. Anzeichen sind u. a. vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis), Anstieg der Körpertemperatur (Hyperthermie), Herzrasen (Tachykardie), Zittern (Tremor) und Verwirrtheit (Delir).

Bei Einnahme von Dextromethorphan mit anderen zentral dämpfenden Stoffen (z. B. Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Allergien) sowie bestimmter Antidepressiva werden die unerwünschten anderen Wirkungen von Dextromethorphan verstärkt. Dies sind u. a. folgende:

gelegentlich (1 bis 10 von 1000 Behandelten): Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Schwindel

sehr selten (weniger als 1 von 10000 Behandelten): Überempfindlichkeitsreaktionen, Benommenheit, Halluzinationen, Entwicklung einer Abhängigkeit [7]

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Dextromethorphan darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile des Medikaments, bei Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung), Atemdepression (verminderte Atemtätigkeit), Pneumonie(Lungenentzündung), chronischen Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale, COPD, chronische Entzündung der Bronchien), während der Stillzeit, bei gleichzeitiger Anwendung bestimmter stimmungsaufhellender Mittel (MAO-Hemmer) oder wenn deren Einnahme weniger als 14 Tage zurück liegt sowie bei Kindern unter 6 Jahren.

Dextromethorphan darf nur nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung angewendet werden bei Medikamentenabhängigkeit, eingeschränkter Leberfunktion undSchwangeren.

Die Einnahme von Dextromethorphan kann die Reaktionsfähigkeit deutlich vermindern. Die Teilnahme am Straßenverkehr sowie das Bedienen schwerer Maschinen sind zu vermeiden.[7]

Alternativen

Lutschpastillen gegen Husten auf rein pflanzlicher Basis werden von ISLA® sowie von Prospan® angeboten. Dextromethorphan ist der Wirkstoff der Sedotussin®-Präparate gegen Husten.