Erkältung Beim Baby: FAQ

Erkältung bei Baby mit 6 Wochen

© PantherMedia / Jozef Polc

Der häufigste Grund für den Besuch beim Kinderarzt wegen einer plötzlich (akut) einsetzenden Erkrankung sind Atemwegsinfekte [1]. Atemwegsinfekte, auch akute respiratorische Infekte (häufig ARI abgekürzt) [2] oder schlicht Erkältung genannt, sind Entzündungen der Schleimhäute der Luftwege. Diese Entzündung kann sich entweder auf die Region oberhalb des Kehlkopfs (Larynx) beschränken (oberer Atemwegsinfekt) oder auch tief hinunter bis in die Bronchien beziehungsweise das Lungengewebe reichen (tiefer Atemwegsinfekt). Ursache wiederum für die Entzündung bei einem Atemwegsinfekt ist der Eintritt eines Erregers, entweder Viren oder seltener Bakterien, in die Schleimhautzellen. Zu den häufigsten viralen Erregern von Infektionen der Atemwege zählen Rhino- oder Adenoviren. Besonders bei Babys sind die sogenannten respiratorischen Syncytialviren (RSV) eine sehr häufige Ursache von Atemwegsinfekten, die zumeist auch die Bronchien befallen [3]. Typische Krankheitszeichen bei Erkältungen im Babyalter können Schnupfen, Trinkunlust, ein quengeliges und zappeliges Verhalten (Agitation) sowie Giemen sein. Giemen ist ein pfeifendes Ausatemgeräusch, das durch verengte Bronchien entsteht. Fieber mit einer Körpertemperatur größer/gleich 38°C kann bei Neugeborenen als Krankheitszeichen häufig ausbleiben; ganz im Gegenteil kann sogar Untertemperatur (< 36°C) als Zeichen einer Infektion bestehen [4]. Atemwegsinfektionen im Kindesalter sind nahezu unvermeidbar und gehören zur normalen Reifung des Immunsystems eines Menschen. Jedoch können verschiedene allgemeine Maßnahmen, Hausmittel und auch für das Babyalter (0-1 Lebensjahr) zugelassene schulmedizinische Arzneiwirkstoffe den Krankheitsverlauf mildern und die Heilung gegebenenfalls etwas beschleunigen [5].

Behandlung einer Erkältung bei Babys mit 6 Wochen

Allgemeine Maßnahmen

Viel Flüssigkeitszufuhr und strikte Vermeidung reizender Einflüsse

In erster Linie sollte bei einer Erkältung im Babyalter darauf geachtet werden, dass die ohnehin schon durch die Atemwegsinfektion gereizten Schleimhäute nicht noch weiter angegriffen werden.

Eine sehr trockene Raumluft, wie sie in beheizten Räumen oft herrscht, kann z. B. Hustenreiz bis hin zum Erbrechen verursachen oder die Nase bei Schnupfen weiter reizen. Die normalerweise geschmeidig feuchten Atemwege reagieren abwehrend auf Trockenheit. Daher sollte auf eine Luftfeuchtigkeit um etwa 60%, messbar mit einem Hygrometer, geachtet werden. Ein kleines Schälchen voll Wasser auf einem Heizkörper oder ein automatischer Luftbefeuchter im Zimmer können die Luftfeuchtigkeit problemlos erhöhen und Beschwerden bei einer Erkältung lindern [6]. Ideal sind diese einfachen Maßnahmen speziell auch zur schnellen Linderung von Hustenbeschwerden in der Nacht.

Ebenso wie ein hoher Feuchtigkeitsgehalt in der Atemluft ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig zur Unterstützung des Babys im Kampf gegen die Erkältung. Ein Baby sollte ungefähr ein Sechstel seines eigenen Körpergewichts täglich in Form von Wasser oder etwa ungesüßten Tees zu sich nehmen. Zur Berechnung teilt man das Gewicht des Babys in Gramm durch sechs, sodass sich die tägliche Trinkmenge in Millilitern ergibt. Bei Fieber ist der Flüssigkeitsbedarf erhöht, sodass diese Faustregel als Minimum angesehen werden sollte [7].

Wenn nicht schon von jeher so gehandhabt, sollte zumindest in der Zeit einer Erkältung zu keinem Zeitpunkt in der Nähe des kranken Babys geraucht werden. Zigarettenrauch enthält zahlreiche Giftstoffe, die auch noch in einigen Metern Entfernung vom Baby eingeatmet werden können. Die zarten, entzündeten Atemwege eines erkälteten Babys können im schlimmsten Fall mit komplettem Verschluss und damit Erstickungsanfällen auf Zigarettenrauch reagieren [8].

Hausmittel

Erkältungstees

Die entzündete Schleimhaut eines erkälteten Babys kann in der Regel sehr gut mit Hilfe pflanzlicher Tees beruhigt werden. Hilfreiche, entzündungslindernde Wirkstoffe stammen unter anderem aus Eibisch (Althaea officinalis, auch Hibiskus genannt), der Glucane enthält[9], Efeu (Hedera helix) enthält alpha-Hederin zur Entkrampfung der Bronchialmuskulatur)[10] oder aus der traditionell angewendeten Flechte isländisch Moos (Cetraria islandica), die ebenfalls Glucaneenthält [11]. Wenn zäher, festsitzender Schleim als Problem im Vordergrund steht, können auch Erkältungstees mit Heilkräutern und Pflanzen wie Thymian (Thymus vulgaris), bitterem Fenchel (Foeniculum vulgare) oder Schlüsselblume (Primula vulgaris, Primel) zur Lösung des Schleims angeboten werden. Jedoch sollten Letztgenannte nur morgens gegeben werden, um eine Ansammlung lockeren Schleims zum Abend hin zu vermeiden[12][13].

Zwiebel

Bei hartnäckigem Hustenhaben sich besonders Zwiebeln in verschiedenen Anwendungsformen gut bewährt. Ene halbierte Zwiebel kann einfach an das Kopfende des Bettchens gelegt werden und das Baby kann die Zwiebeldämpfe beim Einschlafen einatmen. Auch kann aus einer kleingehackten Küchenzwiebel, ein wenig Wasser und Kandiszucker nach kurzem Aufkochen ein wirkstoffreicher Sirup gewonnen werden. Bei Bedarf diesen Sirup schließlich noch durch ein Passiertuch filtern und dann mehrmals täglich teelöffelweise einnehmen [14].

Inhalationen

Inhalationen sind ebenfalls ein bewährtes Hausmittel zur Linderung von Erkältungsbeschwerden. Speziell im Babyalter sollten Inhalationen jedoch unbedingt nur mit ausgewählten ätherischen Ölen erfolgen. In keinem Fall sollten kampferhaltige ätherische Öle wie Pfefferminzöl zum Einsatz kommen. Kampfer, ein chemischer Stoff, reizt die sehr empfindlichen Atemwege von Babys. Im schlimmsten Fall könnte es zu Erstickungsanfällen kommen. Stattdessen können Öle von Lavendel (Lavandula angustifolia), Fichte (Picea species), Thymian oder Rosmarin (Rosmarinus officinalis) verwendet werden. Diese fördern die Durchblutung und erzeugen somit ein wohltuendes Wärmegefühl auf der Haut. Je nach Gebrauchsanweisung käuflich erworbener Inhalationsmischungen können wenige Tropfen auf ungefähr 10-15 Liter maximal 37°C warmes Badewasser gegeben werden. Bei einem etwa fünf- bis zehnminütigen Bad inhaliert das Baby die aufsteigenden Dämpfe milder ätherischer Öle und die Atemwege können sich entspannen[15]. Ein warmes Bad sollte nicht bei Fieber erfolgen, da der Kreislauf des Babys aus dem Gleichgewicht geraten könnte (Bewusstlosigkeit).

Medikamente

Ibuprofen

Der Wirkstoff Ibuprofen gehört zur Klasse der fieber-, schmerz- und entzündungshemmenden Substanzen. Ibuprofen ist neben Paracetamol das fiebersenkende Medikament der Wahl in der Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrie). Ibuprofen wirkt durch die Hemmung der Bildung von Entzündungsbotenstoffen (Prostaglandine). In aller Regel entfaltet Ibuprofen seine Wirkung innerhalb von ungefähr einer halben Stunde. Der Wirkstoff ist entweder als Saft, Tablette oder auch Zäpfchen erhältlich. Die jeweilige Dosis von Ibuprofen muss in Absprache mit dem behandelnden Kinderarzt an das Gewicht des Kindes angepasst werden. Zwischen den Gaben des Wirkstoffes in gewichtsangepasster Menge sollten jeweils mindestens 4-6 Stunden liegen, um das Risiko für Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen zu verringern. Nur sehr selten treten bei der Einnahme von Ibuprofen Nebenwirkungen auf. Bei bekannten Nierenschäden oder Magenbeschwerden sowie eine bekannte Unverträglichkeit von Ibuprofen, sollte mit einem Arzt besprochen werden. Gegebenenfalls kann alternativ die Verwendung von Paracetamol in Betracht gezogen werden [16].

Markennamen von Ibuprofen sind unter anderem Aktren, Esprenit, Imbun, Nurofen, Pedea oder Tabalon.

Paracetamol

Der Wirkstoff Paracetamol, oder auch Acetaminophen genannt, gehört zur Klasse der fieber- und schmerzhemmenden Substanzen. Paracetamol gehört neben Ibuprofen zu den am meisten verwendeten Medikamente in der Kinder- und Jugendmedizin. Obwohl nicht abschließend geklärt ist, nimmt man an, dass der Wirkstoff Paracetamol direkt im Gehirn seine Wirkung entfaltet. Der Wirkstoff ist entweder als Saft, Tablette oder auch Zäpfchen erhältlich. Die jeweilige Dosis von Paracetamol muss in Absprache mit dem behandelnden Kinderarzt an das Gewicht des Kindes angepasst werden. Zwischen den Gaben des Wirkstoffes in gewichtsangepasster Menge sollten jeweils mindestens 4-6 Stunden liegen, um das Risiko für Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen oder Übelkeit zu verringern.
Die Gabe von Paracetamol empfiehlt sich nicht bei vorbekannten Nieren- oder Leberschäden sowie bekannter Unverträglichkeit gegenüber dem Arzneistoff Paracetamol [17].

Markennamen von Paracetamol sind unter anderem Apocetamol, benuron, Fensum, Mono Praecimed oder Paedialgon.

Xylometazolin

Der Wirkstoff Xylometazolin gehört zur Substanzklasse der sogenannten Dekongestiva. Diese Arzneistoffe lassen die geschwollenen Schleimhäute durch Verengung der darin liegenden Blutgefäße abschwellen. Xylometazolin ist sowohl als Nasentropfen als auch als Nasenspray erhältlich. Speziell für Babys und Kleinkinder ist eine sehr milde Dosiskonzentration von 0,025 % des Wirkstoffs verfügbar. Drei bis vier Mal täglich kann ein Tropfen beziehungsweise ein Sprühstoß in jedes Nasenloch verabreicht werden. Das Arzneimittelfläschchen sollte stets vor Gebrauch gut geschüttelt werden.

Mögliche Nebenwirkungen von Xylometazolin sind eine trockene Nase, Niesreiz, starkes Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe oder ein erhöhter Blutdruck. In Einzelfällen wurden bei Babys Atemstillstände nach Anwendung von Xylometazolin beobachtet. Daher ist die Anwendung des Wirkstoffs Xylometazolin bei Neugeborenen, Säuglingen, und Kindern bis zu einem Alter von zwölf Jahren umstritten. Jedoch sollte der praktische Nutzen zur Abschwellung der Schleimhäute gegen die sehr seltenen Nebenwirkungen abgewägt werden[18][19][20].

Markennamen von Xylometazolin sind unter anderem Olynth, Endrine, Nasic, Imidin N Nasenspray oder Otriven.

Zu beachten

Babys sind in ihrem ersten Lebensjahr zum ersten Mal mit einer Fülle von Krankheitserregern konfrontiert und erkranken dementsprechend häufig, etwa bis zu zehn Mal. Dieser Prozess ist notwendig für ein später gut funktionierendes „Gedächtnis“ des Immunsystems. Atemwegsinfekte sind in der Regel selbstlimitierend, das heißt sie klingen noch etwa zehn bis 14 Tagen ohne äußeres Zutun wieder ab.

Am wichtigsten bei der Behandlung von Erkältungserkrankungen bei Babys sind schonende Maßnahmen. Für schuldmedizinische Medikamentenwirkstoffe bedeutet dies, dass die Dosierung des Wirkstoffs unbedingt an das aktuelle Gewicht des Kindes angepasst werden muss. Somit lassen sich die Risiken für Nebenwirkungen minimieren. Nicht jeder Wirkstoff ist für das Babyalter zugelassen. Medikamentengaben sollten daher vorher mit einem Kinderarzt abgesprochen werden. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, am besten bekannt als Aspirin, ist bei Kindern unbedingt zu vermeiden. Acetylsalicylsäure kann bei fieberhaften Infektionen im Kindesalter zu einem schwerwiegenden Schaden von Leber und Gehirn führen (Reye-Syndrom) [21].

Kinder können ab einem bestimmten Alter von sechs Monaten gegen einzelne Erkältungserreger wie etwa die Influenzaviren (Grippeerreger) geimpft werden. Speziell gegen den Erreger RSV (s. Einleitung) steht die sogenannte RSV-Passivimmunisierung zur Verfügung. Diese Passivimmunisierung funktioniert im Endeffekt ähnlich wie eine Impfung, jedoch ist sie monatlich aufzufrischen.

Eltern erkältungskranker Babys sollten zunächst Ruhe bewahren und aufmerksam auf die Krankheitszeichen achten. Bei Unsicherheit oder hohem Fieber etwa über 38,5 – 39,0°C, einer Beeinträchtigung der Atmung, einer Verfärbung der Haut (bläulich oder marmoriert) oder nicht besser werdenden Symptomen nach etwa einer Woche Krankheitsdauer, sollte spätestens ein Arzt aufgesucht werden. 

Die gemachten Angaben sollen als Orientierungshilfe dienen, können jedoch den individuellen Rat eines Arztes nicht ersetzen.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung