Schnupfen: Häufige Fragen

Nasenspray bei Schnupfen

© PantherMedia / Lars Zahner

Bei stark fließendem Schnupfen und einer ständig verstopften Nase (akute Rhinitis) können abschwellende Nasensprays zum Einsatz kommen. Der zugrunde liegende Wirkstoff dieser Gruppe ist Xylometazolin, der als Sympathomimetikum eine Kontraktion der Blutgefäße und somit ein Abschwellen der Nasenschleimhaut bewirkt.[1] Diese Mittel können rezeptfrei in der Apotheke erworben werden. Sie werden sowohl als Tropfen als auch als Spray angeboten. Diese Mittel sollten nicht länger als eine Woche angewendet werden, da sie zu einer Abhängigkeit führen können.[2] Im Folgenden werden die Mechanismen der Abhängigkeitsentwicklung erläutert und es wird auf Vor- und Nachteile von abschwellendem Nasenspray eingegangen.

Medizinische Fakten

Der Wirkstoff Xylometazolin gehört zur Gruppe der alpha-Sympathomimetika, welche die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut verengen (Vasokonstriktion) und so zum Abschwellen der Schleimhäute führen.[3] Alpha-Sympathomimetika ahmen die Wirkung des Sympathikus nach. Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems, der u.a. für Blutdruckanstieg, Herzschlagsteigerung und Leistungsanstieg verantwortlich ist. Dieses System wird unbewusst gesteuert und passt die Leistung des Körpers an die jeweiligen Anforderungen an.[4]

Nasensprays mit diesem Wirkstoff werden bei einem akuten Schnupfen eingesetzt. Sie bewirken eine schnelle Abschwellung der Schleimhäute und ermöglichen ein freies Atmen; das Sekret kann leichter abfließen. Allerdings hält ihre Wirkung nicht sehr lange an; das Spray wird erneut verwendet. Schwillt die Nasenschleimhaut nicht mehr von alleine ab tritt eine Gewöhnung auf und das Nasenspray wird immer wieder appliziert. Es entwickeln sich daraus ein Teufelskreis und eine Abhängigkeit (Rebound-Phänomen). Deshalb wird die Anwendung dieser Sprays kontrovers diskutiert.[5]

Es gibt eine Vielzahl weiterer abschwellender Nasensprays, die ebenfalls alpha-Sympathomimetika, z.B. Tetryzolin, Naphazolin oder Tramazolin, enthalten und eine Vasokonstriktion verursachen. Allerdings können auch sie zu einer Abhängigkeit führen.

Alternativ werden im Handel häufig physiologische (Salzkonzentration entspricht der des Blutes) oder höher konzentrierte Kochsalzlösungen angeboten. Sie sollen ebenfalls eine abschwellende Wirkung haben. In Studien konnte dies bei einem akuten Schnupfen nicht belegt werden. Allerdings werden sie bei einem chronischen Schnupfen empfohlen.[6] Auch der Einsatz einer Nasendusche mit Salzwasser kann einen ähnlichen Effekt haben. Bei Schnupfen ist es wichtig, die Schleimhäute feucht zu halten, was durch Inhalation z. B. mit Cineol oder Myrtol erreicht werden kann. Eukalyptusöl (Cineol) und Myrtol lösen zusätzlich das Sekret und fördern dessen Abfluss.[7] Ätherische Öle sollten allerdings bei Asthma und Kindern zurückhaltend eingesetzt werden, da sie eine Reizung des Atemtrakts verursachen können. Im Handel sind Dampfinhalatoren erhältlich. Diese werden mit heißem Wasser gefüllt, dem Kochsalz oder z.B. Myrtol zugesetzt wird. Die Mund-Nasen-Partie wird in den vorgesehenen Trichter gelegt und der entstehende Dampf tief ein- und ausgeatmet. Es kann aber auch eine Schüssel mit heißem Wasser verwendet und ein Handtuch über den Kopf gelegt werden. Allerdings besteht hier eine höhere Verbrühungsgefahr.[8] Akupunktur kann bei akutem Schnupfen ebenfalls eine Linderung verschaffen.[9]

Wirkungsweise bei Schnupfen

Bei einem Schnupfen ist oft durch einen viralen Infekt die Schleimhaut stark durchblutet und geschwollen. Dadurch wird verstärkt Sekret produziert und es entsteht vermehrter Ausfluss aus der Nase (Rhinorrhoe).[10] Bei der Anwendung von Xylometazolin greift dieser Wirkstoff an den alpha-Rezeptoren des Sympathikus an und führt so zu einer Kontraktion der Gefäßmuskulatur. Der Gefäßdurchmesser verringert sich und die Durchblutung nimmt ab. Somit schwillt die Schleimhaut ab und auch die verstärkte Sekretion nimmt ab. Der Schnupfen sistiert (hört auf). Durch den Einsatz von Sprays oder Tropfen tritt die Wirkung nur lokal auf, somit kommt es zu weniger Nebenwirkungen.[11]

Anwendung und Dosierung bei Schnupfen

Abschwellende Nasentropfen, z. B. 0,1% Xylometazolin, können 2- bis 3-mal täglich angewendet werden. Allerdings sollten sie wegen des beschriebenen Abhängigkeitspotenzials nicht länger als 1 Woche verwendet werden. Sie können bei allen Formen des Schnupfens eingesetzt werden.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Die meist diskutierte Nebenwirkung abschwellender Nasensprays ist das oben bereits beschriebene Rebound-Phänomen.[12] Erfolgt die Anwendung über den vorgegebenen Zeitraum hinaus, besteht durch An- und Abschwellen ein ständiger Reiz und es kommt zu einem Abbau der Schleimhaut, einem chronischem Schnupfen und einem Austrocknen der Nase (Rhinitis medicamentosa).[13]

Durch die lokale Anwendung des Medikamentes hat es wenige Nebenwirkungen. Es kann die Wirkungen des Sympathikus verstärken und somit zu Bluthochdruck und erhöhtem Augeninnendruck führen. Bei Patienten, die Blutdruck steigernde Medikamente einnehmen, z. B. Monoaminooxidase-Hemmer, sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.[14] Selten kann es zu Schwitzen, Hitzegefühl, Geruchsverlust, Schwindel und Nervosität kommen.[15]

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Abschwellende Nasensprays dürfen nicht bei einer speziellen Unterform der Rhinitis, dem trockenen, chronischen Schnupfen (Rhinitis sicca), angewendet werden. Bei dieser Variante kommt es zu einem Verlust der schleimbildenden Drüsen und der Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut.[16] Nasenspray verstärken die Symptomatik.

Menschen mit vorbestehenden Erkrankungen, wie erhöhtem Augeninnendruck oder Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion, Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom), Diabetes mellitus, Prostatavergrößerung und der Stoffwechselerkrankung Porphyrie, sollten das Arzneimittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden.[17]

Bei Kindern unter 6 Jahren sollten abschwellende Nasensprays zurückhaltend und mit verminderter Dosierung angewendet werden. Das Medikament kann bei Kleinkindern verstärkt eine systemische (den ganzen Körper betreffend) Wirkung entfalten und zu einer verminderten Atmung bis hin zu einem Komaführen.[17]

Auch in der Schwangerschaft und während der Stillzeit sollte eine Anwendung nur auf Anraten und nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Die empfohlene Dosierung sollte nicht überschritten werden, da durch die Verengung der Gefäße eine ausreichende Blutversorgung des Kindes nicht immer gewährleistet ist.[18]


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen