Schnupfen: Krankheitstypen

Bakterieller Schnupfen

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Die Nase (Nasus) ist Bestandteil der oberen Atemwege des Menschen. Sie setzt sich zusammen aus dem äußeren, sichtbaren und knorpeligen Anteil der Nase im Mittelgesicht sowie einem komplexen Nasengang- und Höhlensystem im Inneren des Schädelknochens. Hinter der äußeren Nase liegen im Schädelknochen die Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis) sowie die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales). Auf Höhe der Stirn findet sich die Stirnhöhle (Sinus frontalis), auf Höhe des Oberkiefers die Kieferhöhle (Sinus maxillaris). Diese vier Höhlen im Schädelknochen bilden die Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales). Die Nasennebenhöhlen unterscheiden sich in Größe und Form von Mensch zu Mensch und auch bei ein und demselben Menschen können sie in der linken Schädelhälfte deutlich anders geformt sein als in der rechten Schädelhälfte. Ebenso wie die äußere Nase sind die Nasengänge und Nasennebenhöhlen von Schleimhaut ausgekleidet. Diese dient zur Befeuchtung der eingeatmeten Luft. Außerdem hat sie eine immunologische Funktion als erste abwehrende Barriere gegen Krankheitserreger. Die Schleimhaut der Nase ist reich mit Blutgefäßen und Nerven versorgt. Daher kann die Schleimhaut rasch anschwellen und auch schmerzen. Die Nasennebenhöhlen liegen in direkter Nachbarschaft zu den Augen(-höhlen), zur Mundhöhle und zum Gehirn.[1] [2]

Ursachen eines bakteriellen Schnupfens

Die Schleimhaut der äußeren und inneren Anteile der Nase ist die erste Kontaktstelle mit eingeatmeter Luft. Die Atemluft kann feine Wassertröpfchen mit Krankheitserregern enthalten. Am häufigsten infizieren Viren wie humane Rhino- oder Adenoviren die Zellen der Nasenschleimhaut und verursachen klassischerweise einen Erkältungsinfekt mit Schnupfen (Rhinitis). Neben Viren können aber auch Bakterien Verursacher von Schnupfen und weiteren Krankheitssymptomen sein. Zu den häufigen bakteriellen Schnupfenerregern zählen z. B. Haemophilus influenzae (nicht Typ B, da gegen diesen meistens geimpft wird), Streptokokken oder Moraxella catharralis. Einige Bakterien fühlen sich besonders in sauerstoffarmen Umgebungen ohne Frischluftzufuhr wohl (anaerobe Bakterien). Diese anaeroben Bakterien können sich besonders gut in Nasennebenhöhlen mit fest zugeschwollenen Schleimhäuten einnisten. Als Reaktion auf die eingedrungenen  Bakterien wandern zahlreiche Zellen des Immunsystems, weiße Blutkörperchen (Leukozyten), über die Blutgefäße zum Ort der sich nun einstellenden Entzündung. Im Laufe ihres Kampfes gegen die Bakterien lagern sie sich massenhaft als gelblich-weißer Eiter (Pus) ab. Die Nasennebenhöhlen können durch eine angeschwollene Schleimhaut und zusätzliche Eiterablagerungen komplett verstopfen. Häufig merken Betroffene dies an einem veränderten Stimmklang (Rhinophonie) oder z. B. Kopfschmerzen (Cephalgie), besonders beim Vornüberbeugen des Oberkörpers. [3] [4]

Behandlung eines bakteriellen Schnupfens

Allgemeine Maßnahmen


Viel trinken

Wie bei allen Erkältungsinfekten ist auch bei einem bakteriellen Schnupfen die über den Tag verteilte Aufnahme von mindestens zwei bis drei Litern Wasser (oder anderer Flüssigkeit) die schonendste Therapie zur Unterstützung der Heilung. Wasser befeuchtet die Schleimhäute der Atemwege. Die so geschmeidig gehaltene Schleimhaut reagiert weniger sensibel und gereizt auf äußere Einflüsse wie beispielsweise eingedrungene Krankheitserreger. Darüber hinaus hält ein ausgeglichener Wasserhaushalt bei einem Schnupfen den Schleim der Atemwege dünnflüssig, sodass Abwehrstoffe im Schleim effizienter transportiert werden können als in trockenem, zähem Schleim.
Unterstützend sollte auch auf eine relative Luftfeuchtigkeit in Räumen von ungefähr 60 % geachtet werden, um die beschriebenen Effekte zu erzielen. Ein feuchtes Handtuch über einer Heizung oder ein automatischer Luftbefeuchter können eine zu trockene Raumluft mit feinem Wasserdampf anreichern. [5]

Hausmittel

Tees

Im Sinne einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr ist das regelmäßige Trinken von Tees bei bakteriellem Schnupfen generell zu empfehlen. Des Weiteren enthalten viele spezielle Erkältungsteemischungen aus Supermärkten oder Apotheken Kräuter, welche die Entzündung im Bereich der oberen Atemwege lindern können. Zahlreiche Pflanzen wie etwa Eibisch (Althaea officinalis) oder Schlüsselblume (Primula vulgaris) enthalten Schleimstoffe(Mucilaginosa). Diese Schleimstoffe sind langkettige Zucker, die Wasser anziehen und binden können. Schleimstoffe bilden eine Art reizlindernden Schutzfilm auf den Atemwegsschleimhäuten. Andere pflanzliche Wirkstoffe, wie sie etwa in Thymian (Thymus vulgaris) oder bitterem Fenchel(Foeniculum vulgare) enthalten sind, können zähen Schleim in den Atemwegen auflockern und so zu dessen Abtransport beitragen. [6] [7]Erkältungstees können prinzipiell nach Belieben häufig getrunken werden.

Ätherische Öle als Einreibungen oder Inhalationen

Einreibungen mit ätherischen Ölen können ein wohltuendes Gefühl der Wärme durch die Erweiterung von Blutgefäßen auf der Haut hervorrufen. Inhalationen ätherischer Öle können zudem die Atemwege befreien und ein Durchatmen bei sonst zugeschwollenen Nasenschleimhäuten erleichtern.
Für Einreibungen oder Inhalationen geeignete ätherische Öle stammen zum Beispiel von Thymian, Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosmarin(Rosmarinus officinalis), Pfefferminze (Mentha piperita), Fichte (Picea spec.) oder auch Eukalyptus (Eucalyptus regnans).
Einreibungen mit ätherischen Ölen können mehrfach am Tag auf Dekolleté und/oder Rücken aufgetragen werden. Inhalationen mit ätherischen Ölen können ebenfalls je nach Beipackzettel mehrmals täglich durchgeführt werden.
Bei der Anwendung ätherischer Öle speziell als Inhalation z. B. über einem warmen Wasserbad sei drauf hingewiesen, dass die pflanzlichen Öle die Atemwege stark reizen können. Bei bekannten Unverträglichkeitsreaktionen, speziell gegen kampferhaltige ätherische Öle wie Pfefferminzöl, sollte eher auf weniger reizende Öle wie beispielsweise Lavendelöl oder Rosmarinöl zurückgegriffen werden.[8]

Medikamente

Abschwellende Nasentropfen/-sprays (Xylometazolin, Oxymetazolin)

Xylometazolin und seine Schwestersubstanz Oxymetazolin gehören beide zur Medikamentengruppe der abschwellenden Arzneimittel(Dekongestiva). Diese Wirkstoffe können an den stark erweiterten, gereizten Blutgefäßen der Nasenschleimhaut bei Schnupfen eine Verengung der Gefäße bewirken (Vasokonstriktion). In der Folge schwillt die Schleimhaut ab und erleichtert die Einatmung. Des Weiteren hemmen die beiden Wirkstoffe auch die Schleimbildung.[9]

Diese abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut hält einige Stunden an. Das heißt zugleich aber auch, dass die Schleimhaut ungefähr nach vier bis sechs Stunden unweigerlich wieder anschwillt. Daher ist eine Gabe der Wirkstoffe entweder als Tropfen oder Spray etwa 3-mal am Tag notwendig. Vor jedem Gebrauch sollte das Arzneimittelfläschchen gut geschüttelt werden. Häufig kann es als Nebenwirkung zu einer trockenen Nase, Brennen oder Niesreiz kommen. Selten bis sehr selten können starkes Herzklopfen, Herzstolpern, Krämpfe oder ein hoher Blutdruck auftreten. Bei Säuglingen und Neugeborenen kann es in Einzelfällen zu Erstickungsanfällen kommen, da die Wirkstoffe in das Zentralnervensystem übergehen können. Aus diesem Grund ist der Einsatz von Xylometazolin und Oxymetazolin bei Neugeborenen, Säuglingen, und Kindern bis zu einem Alter von zwölf Jahren umstritten. [10] Extra für Säuglinge und Kleinkinder stehen Präparate mit schonenden, niedrigeren Wirkstoffkonzentrationen von 0,025 % zur Verfügung, für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren mit einer Konzentration von 0,05 %. Ab sechs Jahren ist eine Wirkstoffkonzentration von 0,1 % zugelassen.
Bei einer Anwendungszeit länger als 7–10 Tage kann es zu einer Schädigung der Schleimhäute durch die Wirkstoffe Xylometazolin beziehungsweise Oxymetazolin kommen (Privinismus).

Präparate mit den genannten Wirkstoffen sind z. B. Endrine Nasenspray, Ratiopharm Nasenspray, Olynth Schnupfenlösung, Otriven, Nasic, Imidin N Nasenspray oder Balkis Schnupfenspray.

Schmerzmittel/Fiebersenker (Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure)

Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure hemmen ein bestimmtes Enzym (Eiweißstoff, der chemische Reaktionen beschleunigt oder erst ermöglicht) im menschlichen Körper, der an der Herstellung entzündungsfördernder Botenstoffe (Prostaglandine) beteiligt ist. Fehlen diese Botenstoffe aufgrund des Einsatzes der genannten Wirkstoffe, gehen Entzündungsschmerzen (wie bei einer Erkältung) sowie auch Fieber zurück. Daher ist der Einsatz der drei Wirkstoffe zur Linderung von Begleitbeschwerden bei einem bakteriellen Schnupfen gut geeignet. Die Wirkdauer aller drei Wirkstoffe liegt zwischen vier und sechs Stunden. Danach ist eine erneute Einnahme des jeweiligen Medikamentes erforderlich. Die Dosis richtet sich vor allem nach Alter, Geschlecht und Gewicht des Patienten und sollte im Idealfall mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden. Paracetamol kann überdosiert zu Leberschäden führen. Hohe Dosen von Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure können Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu einer Entzündung des Magens (Gastritis) verursachen. Bei Unverträglichkeiten gegen einen der drei Wirkstoffe sollten jeweils alternative Substanzen angewendet werden. Bei Nierenschäden sollte Ibuprofen nicht eingenommen werden, Paracetamol nicht bei Leberschäden. Acetylsalicylsäure soll nicht bei Kindern mit fieberhaften Infekten angewendet werden, da die Gefahr einer schwerwiegenden Hirn- und Leberschädigung besteht (Reye-Syndrom). [11]

Paracetamol ist z. B. unter den Markennamen Apocetamol, ben-u-ron, Fensum, Mono Praecimed oder Paedialgon erhältlich.
Markennamen von Ibuprofen sind z. B. Aktren, Esprenit, Imbun, Nurofen, Tabalon.
Acetylsalicylsäure ist beispielsweise in den Medikamenten Acesal, Alka-Seltzer, Aspirin oder Godamed enthalten.

Schleimlöser (Ambroxol, Bromhexin, Acetylcystein)

Schleimlöser wie Ambroxol, Bromhexin oder Acetylcystein können zähen Schleim auflockern und zu dessen erleichtertem Abtransport bei Schnupfen beitragen.
Nach Möglichkeit sollten die schleimlösenden Wirkstoffe bis zu 3-mal am Tag, immer zusammen mit mindestens einem großen Glas Wasser, eingenommen werden, um den bestmöglichen Effekt zur Schleimlösung zu erzielen. Unverträglichkeitsreaktionen oder Nebenwirkungen kommen bei allen drei Wirkstoffen nur sehr selten vor. Am ehesten können Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Alle drei Wirkstoffe sind auch gut in der Schwangerschaft oder Stillzeit anwendbar. Medikamente mit dem Wirkstoff Ambroxol sind z. B. Ambril, Mucoangin, Mucosolvan oder Paediamuc. Bromhexin ist z. B. in Bisolovon, Bromhexin Krewel Meuselbach oder BROMHEXIN 8 Berlin-Chemie enthalten. [13] 

Der Wirkstoff Ambroxol findet sich z. B. in den Medikamenten ACC, Acemuc, Acetabs, Bromuc, Fluimucil, Myxofat oder Siran. [14]

Antibiotika

Bakterieller Schnupfen entsteht durch eingedrungene, krankmachende Bakterien in die Schleimhaut. Antibiotika können Bakterien gezielt bekämpfen. Allerdings verringern sie nach aktueller Datenlage die Krankheitsschwere nur geringfügig. Daher ist ihr Einsatz nicht standardmäßig bei bakteriellem Schnupfen empfohlen. Ein Arzt kann jedoch in den folgenden Situationen die Einnahme von Antibiotika erwägen: Körpertemperatur über 38,5 °C, lange Krankheitsdauer über mehrere Tage bis Wochen, Beteiligung anderer Gesichtsregionen (z. B. Augen) oder Vorliegen anderer Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus).

Antibiotika können verschiedene Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten zählen Durchfall (Diarrhoe) und Erbrechen (Emesis). Besonders wichtig ist, dass die Antibiotika genau nach den Empfehlungen des verordnenden Arztes eingenommen werden sollten. [15]

Zu beachten

Ähnlich wie ein viraler Schnupfen sind auch bakterielle Erkältungen mit Schnupfen häufig bei sonst Gesunden selbstlimitierend – das heißt, sie klingen von selbst wieder ab. Jedoch kann sich ein bakterieller Schnupfen in einigen Fällen hartnäckig lange halten, sodass der Einsatz von Antibiotika ausnahmsweise nötig werden kann.

Zu den Warnhinweisen für einen komplizierten Verlauf von einem bakteriellen Schnupfen zählen hohes Fieber über etwa 38,5–39,0 °C, verschwommenes Sehen, Doppelbilder, geschwollene Augenlider oderheftige Kopfschmerzen mit einem deutlich verschlechterten Allgemeinzustand. Diese schwerwiegenderen Krankheitszeichen können entstehen, wenn der bakterielle Schnupfen auf andere Regionen des Gesichts beziehungsweise des Schädels übergreift.
In einigen Fällen können auch Wucherungen der Nasenschleimhaut(Polypen, Adenoide) ursächlich bzw. förderlich für die wiederholte Entstehung von bakteriellem Schnupfen sein. Eine gründliche ärztliche Untersuchung kann solch eine Ursache offenlegen. Gegebenenfalls kann eine Operation an der Naseschleimhaut das Problem lösen.
Ein aktueller und vollständiger Impfschutz nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) kann vor bestimmten Erregern des bakteriellen Schnupfens schützen.
Diese Angaben sind als Orientierungshilfe gedacht; sie können den individuellen Rat eines Arztes nicht ersetzen.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen