Erkältung: Risiken

Erkältung bei Chemotherapie

© PantherMedia / Lev Dolgachov

Menschen, die eine Chemotherapie durchzustehen haben, müssen mit einer Vielzahl an Nebenwirkungen zurechtkommen. Eine davon ist die Erkältung, mit der sie sich aufgrund der erhöhten Infektanfälligkeit und der starken Durchseuchung der Bevölkerung schnell anstecken können. Doch ist es manchmal nicht so leicht, die Erkältung auch zu erkennen. Bei vielen Patienten äußert sich diese durch eine plötzlich auftretende Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Müdigkeit oder Schüttelfrost.[1] Das Vorkommen von Fieber ist sehr unterschiedlich. Es kann auftreten, ohne eine Erkältung nach sich zu ziehen. Möglich ist allerdings auch, dass kein Fieber trotz Erkältung oder beides gleichzeitig eintritt.Im Knochenmark werden Blutzellen gebildet. Durch die Chemotherapie wird diese Blutzellproduktion vorübergehend gebremst. Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für die Infektionsabwehr zuständig sind, kommen dann nicht mehr in ausreichender Menge im Blut vor und so stecken sich Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, leichter mit einer Erkältung an.

Behandlung einer Erkältung bei Chemotherapie

Bei der Behandlung kommt es ganz darauf an, welche Erreger die Erkältung auslösen.

Sollte die Erkältung von Bakterien ausgelöst worden sein, ist zunächst die hochdosierte Antibiotikagabe das Mittel der Wahl.[1] Da mehrere Studien zeigten, dass es sich positiv auf das Krankheitsgeschehen auswirkt, wenn schnell mit der Antibiotikagabe begonnen wird, sollte zunächst ein sogenanntes Breitbandantibiotikum verordnet werden. Ein Breitbandantibiotikum ist ein Medikament, das gegen eine Vielzahl von Bakterien wirkt. Durch einen Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum kann parallel dazu der spezifische Erreger bestimmt werden. Sobald bekannt ist, welches Bakterium für den Infekt ursächlich ist, setzt der Arzt das Breitbandantibiotikum ab und verordnet ein speziell gegen diesen Keim gerichtetes Mittel.[4] Die häufigsten Erreger eines Infekts mit Fieber bei Patienten, deren weiße Blutkörperchen vermindert sind, sind Staphylococcus aureus, Streptokokken oder Corynebakterien.[4]

Viele Infekte (Erkältungen) werden aber auch von Viren ausgelöst. Dagegen helfen Hausmittel wie Inhalationen mit unbehandeltem Salz (ohne Trennmittel), viel trinken, Bettruhe und ausreichend Schlaf. Wenn der Arzt es für richtig erachtet, gibt es in manchen Fällen auch die Möglichkeit, virustötende Medikamente (Virustatika) einzunehmen.

Doch nicht nur Bakterien und Viren sind prädestiniert dafür, bei Patienten, deren Immunsystem (Krankheitsabwehrsystem) geschwächt ist, eine Erkältung auszulösen. Pilze können ebenfalls an einer Erkältung beteiligt sein und wandern häufig tiefer in die Lunge, wo sie, genau wie auch Bakterien und Viren, eine Lungenentzündung hervorrufen können. Um eine Pilzinfektion zu bekämpfen, eignen sich Medikamente, die zu Gruppe der sogenannten Antimykotika gehören. Gegebenenfalls werden sie vom Arzt verschrieben.[2]

Nicht unwichtig für die Risikoabschätzung der Infektanfälligkeit ist die Klärung, ob es sich beim Patienten um einen Niedrigrisikopatienten handelt, der eine Standardchemotherapie bei Lymphomen oder soliden Tumoren bekommt, um einen Standardrisikopatienten, der eine intensive Chemo- oder Stammzelltherapie erhält, oder um einen Hochrisikopatienten, bei dem zum Beispiel eine Knochenmarkstransplantation durchgeführt wird. Je nach Krebsart und Therapietyp besteht die Unterdrückung der Blutzellproduktion und damit die Schwächung des Immunsystems unterschiedlich lange.[4]

Sollte eine Erkältung sehr häufig, zum Beispiel einmal im Monat, auftreten, gibt es die Möglichkeit, dem Körper und damit dem Immunsystem Immunglobuline zuzuführen.
Immunglobuline stellen einen wichtigen Teil des Abwehrsystems da. Es handelt sich dabei um Antikörper, also Stoffe, die beispielsweise einen Virus an speziellen Oberflächenstrukturen erkennen und ihn schnellstmöglich zerstören können. Da der eigene Körper während der Chemotherapie nicht genügend dieser Immunglobuline bildet, werden sie transfundiert (über die Vene direkt ins Blut des Patienten gegeben). Es besteht leider immer die Möglichkeit, dass eine Allergie auftritt. Allerdings wird die Antikörpergabe ärztlich überwacht, sodass im Notfall schnell reagiert werden kann.[1]

Infos & Tipps

Sollten Krankheitsanzeichen (Symptome) wie Schüttelfrost, Fieber über 38 °C oder starker Husten mit Halsbeschwerden auftreten, ist es dringend zu empfehlen, spätestens jetzt einen Arzt aufzusuchen.[3]

Um eine Infektion so gut es geht zu vermeiden, sollten einige Ratschläge befolgt werden. Da sich auf großen Plätzen viele verschiedene Menschen versammeln, die ein vielfältiges Angebot an möglichen Krankheitserregern mit sich tragen, sollten diese während der Chemotherapie eher gemieden werden. Beispiele hierfür sind Demonstrationen, überfüllte Straßenbahnen oder auch Konzerte. Wenn diesen Orten nicht ausgewichen werden kann, sollte zumindest ein Mund- und Nasenschutz getragen werden.

Des Weiteren ist die Hygiene wichtig. Dazu gehört, sich häufig die Hände zu waschen und auf eine geeignete Mundhygiene zu achten.[3] Sollte sich in der Nacht eine unklare Situation bezüglich der Erkrankung ergeben, wäre es günstig, wenn der Patient in diesem Moment die Kontaktdaten des Arztes griffbereit hat, damit dieser im Zweifelsfall die Lage besser einschätzen kann.[3]

Wenn ein Patient bemerkt, dass er sich erkältet hat, stellen er sowie seine Angehörigen sich häufig die Frage, ob nun der Chemotherapiezyklus verschoben werden muss und ob dies schwerwiegende Folgen haben könnte. Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt sehr darauf an, welche Art von Erkältung und wie schwer sie auftritt. Nicht jeder Schnupfen und kleine Husten zieht eine Therapieunterbrechung nach sich. Der behandelnde Onkologe sollte aufgesucht und um Rat in der speziellen Situation gefragt werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung