Erkältung: Risiken

Erkältung – nicht auskuriert

© PantherMedia / Eugenio Marongiu

Eine Erkältung (grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) ist eine häufige Erkrankung mit zumeist harmlosem Verlauf. Viele Menschen gönnen sich aber keine Schonzeit, sondern gehen weiter ihren täglichen Verpflichtungen nach und kurieren die Erkrankung nicht aus. Die Konsequenz daraus ist die Verschleppung der Erkältung, die unter Umständen nicht nur länger andauert, sondern sich sogar noch verschlimmern kann. Wie es zu dieser Verschlechterung der Erkrankung kommen kann, wie man sie vermeiden kann und was es gegebenenfalls für Risiken gibt, werden im nachfolgenden Text erläutert.

Biologischer Zusammenhang

Eine Erkältung oder auch grippaler Infekt entsteht am häufigsten durch eine Infektion mit Viren zumeist über eine Tröpfcheninfektion. Im Normalfall ist das Immunsystem stark genug, um diese Viren oder auch andere Erreger unschädlich zu machen. Hat ein Mensch aber beispielsweise viel Stress, schläft zu wenig oder befindet sich gerade in einem bestimmten Gebiet oder einer Jahreszeit, in der besonders viele Viren im Umlauf sind, kommt schneller zu einer Infektion und in der Folge zur Ausprägung eines grippalen Infektes. Sind die Viren erst einmal durch die Mund- oder Nasenschleimhaut in den Körper eingedrungen, beginnen die typischen Erkältungssymptome und das Immunsystem läuft auf Hochtouren, um die Viren so schnell wie möglich zu zerstören.

Damit das Immunsystem gut arbeiten kann, ist es wichtig, dass es sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann und nicht zusätzlich noch durch andere Stressoren beansprucht wird. Aus diesen Gründen lautet die dringende Empfehlung, sich bei Vorliegen einer Erkältung zu schonen, solange ein Krankheitsgefühl und die typischen Symptome bestehen.

Setzt sich der Erkrankte zu früh großer sportlicher bzw. körperlicher Belastung oder auch psychischem Stress aus, so wird das Immunsystem zusätzlich geschwächt und ist nicht mehr in der Lage, stark genug gegen die Krankheitserreger vorzugehen. Dieser Vorgang nennt sich „Open- Window- Phänomen“ [1]. Der Körper („das Fenster“) öffnet sich den Keimen. 

Die Viren können sich relativ ungehindert vermehren und werden über das Blut im Körper verteilt.
Zusätzlich ist es möglich, dass sich zu einer viralen Erkrankung auch noch Bakterien oder Pilze ansiedeln und eine Zweitinfektion (Superinfektion) auslösen.

Risiken

Das schwerwiegendste Risiko betrifft die Auswirkungen auf das Herz. Es ist möglich, dass die Viren über das Blut in dieses Organ gelangen und dort eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) hervorrufen. Tauchen Symptome wie Luftnot (Dyspnoe), starke Müdigkeit und Leistungsminderungauf, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Wenn die Entzündung auf den Herzbeutel, der das Herz umgibt, übertritt, können auch Schmerzen im Brustkorb aufkommen [2]. Manchmal verläuft die Entzündung allerdings auch ohne Anzeichen. Eine zeitnahe Abklärung bei einem Facharzt ist dringend angeraten, da das Herz möglicherweise bleibende Schäden wie dauerhafte Herzschwäche (Herzinsuffiziens)oder Herzrhythmusstörungen (Arrythmien) bis hin zum Herzversagen entwickeln kann. Es sind aber nicht alle Herzmuskelentzündungen lebensbedrohlich. Viele heilen ohne Komplikationen aus, wenn die Therapievorschriften eingehalten werden [2]. Zu den Viren, die am häufigsten zuerst eine Erkältung und dann eine Myokarditis auslösen, gehören zum Beispiel der Coxsackie-B-Virus, der Adenovirus oder der Parvo-B19-Virus („Ringelröteln“) [3].

Ein weiteres Risiko stellt das Entwickeln einerLungenentzündung (Pneumonie) dar. Häufig handelt es sich zunächst bei der Erkältung um einen einfachen Infekt der oberen Atemwege, gekennzeichnet durch Husten (Tussis) und andere Erkältungssymptome. Wenn dieser Infekt allerdings nicht ordnungsgemäß auskuriert wird, kann es zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien wie zum Beispiel den Pneumokokken kommen, die in die Lunge gelangen und dort eine Entzündung der Lungenbläschen oder des dazwischenliegenden Gewebes, also der unteren Atemwege, hervorrufen. Auch hier kommt es zur Atemnot (Dyspnoe),einer Veränderung des Sputums, häufig gelblich-grünlich,und zumeist zu hohem Fieber (Pyrexie). Eventuell muss eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen. Im schlimmsten Falle kann eine Lungenentzündung sogar tödlich verlaufen [4].

Auch ein sogenannter „Etagenwechsel“ gilt als Risiko beim Nicht-Auskurieren einer Erkältung. Darunter versteht man, dass sich die Erkältung von ihrem Anfangsgebiet auf ein anderes Areal ausbreitet. Es bedeutet, dass sie sich zu Beginn auf Schnupfen (Rhinitis) und Husten (Tussis) beschränkt, später aber auch auf die Stimmbänder übergehen kann. Daraus entsteht eine sogenannteLaryngitis oder auch Kehlkopfentzündung. Sie äußert sich zunächst durch Heiserkeit (Dysphonie), später bleibt die Stimme eventuell ganz weg. Die Erkältung kann sich allerdings noch weiter ausbreiten und auch die Bronchien in der Lunge angreifen, woraus eine Bronchitis entstehen kann. Des Weiteren kann die Infektion auch in anderer Richtung die Nasennebenhöhlen erreichen und eineSinusitis auslösen sowie zur Mittelohrentzündung (Otitis media) führen [5].

Zu beachten

Wenn sich eine Erkältung ankündigt, sollte sie als Krankheit anerkannt und die richtigen Konsequenzen eingeleitet werden. Ganz wichtig ist es, dem Körper und dem geschwächten Immunsystem die Chance zu geben, wieder zu Kräften zu kommen und gegen die Erreger anzukämpfen. Das geht nur durch Ruhe, und Unterstützung durch beispielsweise verschiedene Hausmittel wie Inhalationen mit Salzwasser und das Trinken von Kräutertees. Bettruhe ist bei einer ausgeprägten Erkältung durchaus zu empfehlen, da der Körper so von allen Seiten gewärmt wird, was den Genesungsprozess beschleunigen kann.

Während einer Erkältung darf kein Sport getrieben oder schwere körperliche Arbeiten verrichtet werden, weil die starke Belastung den Körper schwächt. Oft bietet sich eine Woche Schonzeit an. Wer nur halb gesund ist, geht das große Risiko ein, einen Rückfall zu erleiden, der mit den oben genannten Komplikationen einhergehen kann.
Sollte die Erkältung nach zwei Wochen nicht spontan ausgeheilt sein und gegebenenfalls Luftnot, hohes Fieber oder ein starkes Krankheitsgefühl auftreten, ist es dringend notwendig, einen Arzt aufzusuchen [6].


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung