Grippe: Häufige Fragen

Grippemittel im Test

© PantherMedia / Wawrzyniec Korona

„Ich habe eine Grippe“, hört man in den kalten und nassen Monaten besonders häufig. Nicht jede Grippe ist eine „echte“ Grippe. Eine in den kalten Monaten häufig auftretende Erkältungskrankheit (grippaler Infekt) muss von einer„echten“ Grippe (Influenza) unterschieden werden. Eine echte Grippe beginnt plötzlich mit Fieber über 38,5 °C, Schüttelfrost, starkem Krankheitsgefühl, massiven Kopf- und Muskelschmerzen sowie trockenem Husten. In diesem Fall ist ein Arzt aufzusuchen. Dieser sollte über das weitere Vorgehen entscheiden. [7]

Eine Erkältung wird meist durch Viren verursacht. Diese lassen sich aber nicht durch Antibiotika bekämpfen, die nur gegen Bakterien wirksam sind. [8]Trotzdem sind die Beschwerden, die bei einer Erkältung auftreten, z. B. Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen, lästig. Man möchte diese schnell beenden. Häufig wird dann zu rezeptfreien Mitteln aus dem breiten Sortiment der Apotheke oder in der Drogerie gegriffen. [2]

Grippemittel

Verschiedene dieser sogenannten „Grippemittel“ haben Experten der Stiftung Warentest und Ökotest in den letzten Jahren immer wieder getestet. [2] [4] [5]

Die typischen Grippemittel setzen sich aus mehreren Wirkstoffen zusammen, die gleichzeitig die wichtigsten Erkältungszeichen bekämpfen sollen. [2] [6]

Bei Kindern, Schwangeren und in der Stillzeit darf keines dieser Grippemittel angewendet werden. [6] [4]

Im Folgenden werden einige der häufigsten Grippemittel exemplarisch genauer betrachtet:

Grippostad C Hartkapseln:

Wirkstoffe: Paracetamol 200 mg, Koffein 25 mg, Vitamin C 150 mg, Chlorphenaminmaleat 2,5 mg

Chlorphenamin ist ein sogenanntes Antihistaminikum, das normalerweise allergische Reaktionen unterdrückt. Es soll die Nasenschleimhäute abschwellen. Der Wirkstoff unterdrückt die Ausschüttung des Gewebehormons Histamin und verhindert dadurch, dass die Nasenschleimhäute anschwellen. Allerdings macht es wie viele Wirkstoffe dieser Substanzklasse müde und schränkt das Reaktionsvermögen ein. Deshalb enthält das Medikament Koffein, um diesen Effekt auszugleichen. Es ist nicht belegbar, ob dies gelingt.Vitamin C soll die bestehende Erkältungsdauer verkürzen. Allerdings ist dies nur für deutlich höhere Dosen von Vitamin C und eine langfristige Einnahme, d. h. schon lange vor einer Erkältung, belegt. [1] Das Medikament darf nicht bei schweren Nierenfunktionsstörungen eingenommen werden. [2] [4] [6]

Aspirin Complex Granulat:

Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure 500 mg, Pseudoephedrinhydrochlorid 30 mg

Acetylsalicylsäure ist ein Cyclooxygenase-Hemmer. Cyclooxygenasen sind körpereigene Enzyme (Biokatalysatoren), die für die Bildung von Prostaglandinen (spezielle Botenstoffe) zuständig sind. Prostaglandine wiederum spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schmerzen,Fieber und der Förderung entzündlicher Vorgänge. Acetylsalicylsäure wirkt also gegen Schmerzen und fiebersenkend. Es darf allerdings nur eingeschränkt eingenommen werden, z. B. nicht bei akuten Magen- und Darmgeschwüren oder bei Leber- oder Nierenversagen.[6]

Pseudoephedrin ist ein sogenanntes Sympathomimetikum. Sympathomimetika sind Medikamente, welche die Wirkung des Sympathikus (Teil des Nervensystems) verstärken. Pseudoephedrin soll durch Verengung der Blutgefäße die Nasenschleimhäute abschwellen lassen. Oral (über dem Mund) eingenommen, besteht die Gefahr, dass die Wirkung auf den ganzen Körper übergreift, weil der Wirkstoff zentral erregend wirkt. Als unerwünschte Nebenwirkungen sind Symptome wie innere Unruhe, Schlaflosigkeit, aber auch Herzrasen und Blutdruckanstieg zu nennen. [3] Ältere Menschen können besonders empfindlich auf die zentralnervöse Wirkung reagieren. Das Medikament kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Es sollte deshalb kein Fahrzeug gelenkt werden.[3]

Wick MediNait Erkältungssirup für die Nacht:

Wirkstoffe: Paracetamol 2 g, Doxylaminsuccinat 25 mg, Dextromethorphan 50 mg, Ephedrin 26,7 mg

Die beiden Wirkstoffe Ephedrin und Doxylamin sollen die Nasenschleimhäute abschwellen lassen. Ephedrin zählt ebenso wie Pseudoephedrin zu den sogenannten Sympathikomimetika mit den oben bereits beschriebenen unerwünschten Nebenwirkungen. Doxylamin ist ebenfalls ein Antihistaminikum und macht müde, wie bereits geschrieben.[6], [4]

Dextromethorpan ist ein Antitussivum. Das bedeutet, es unterdrückt den Hustenreiz. Das ist nur sinnvoll, wenn der Husten nicht „produktiv“ ist, also noch kein Schleim ausgehustet wird. Medikamente mit solchen Wirkstoffen sollten nur zur Nacht genommen werden, wenn der Husten den Schlaf beeinträchtigt. Tagsüber können sie das Abhusten des bereits gelösten Schleims blockieren, was nicht sinnvoll wäre. [4][6]

Paracetamol ist ebenso wie Acetylsalicylsäure ein Hemmstoff der Cyclooxygenase. Es verfügt ebenfalls über eine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung. Außerdem enthält der Erkältungssirup 18% Alkohol. Dieser kann die potenziell leberschädigende Wirkung des Paracetamols verstärken, aber auch die Wirkung vieler anderer Arzneimittel wie z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, starke Schmerzmittel oder einige Medikamente gegen hohen Blutdruck. [2]

Kombinationsmedikamente mit Paracetamol stellen ein besonderes Risiko dar.Paracetamol hat nur eine enge therapeutische Breite. Das heißt, dass dieser Wirkstoff zwar gut gegen Fieber und als Schmerzmittel wirkt, bei Überdosierung aber starke Leberschäden verursachen kann. Die Dosis, bei der die Leber geschädigt wird, liegt nur wenig über der zulässigen Tageshöchstdosis. Wer bereits aus anderen Gründen Paracetamol einnimmt, sollte von einem Kombipräparat mit Paracetamol Abstand nehmen. [4] [6]

Zu beachten

Als Fazit ist festzustellen, dass mit den verbreiteten Grippemitteln häufig Wirkstoffe eingenommen werden, die der Körper zur Bekämpfung der Symptome eigentlich nicht benötigt.

Durch diesen Cocktail von Wirkstoffen steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen. Oft werden die Kombinationsprodukte solange genommen, bis sich sämtliche Symptome gebessert haben, selbst wenn einzelne Symptome schon längst verschwunden sind.

So urteilte Stiftung Warentest, dass solche Kombimedikamente „wenig geeignet“ sind. [2] [4] Stiftung Warentest ist der Ansicht, dass es Arzneimittel gibt, die wirken, aber dabei schonen und oft sogar preisgünstiger sind als Grippemittel. [2]

Nach den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft entspricht die Zusammensetzung vieler dieser Kombinationen nicht den rationalen Prinzipien der Behandlung von Atemwegsinfektionen. [8] Es ist sinnvoller, die einzelnen Symptome mit einzelnen Wirkstoffen zu behandeln, indem bei Schnupfen ein Schnupfenspray, bei Fieber und Schmerzen ein Schmerzmittel und bei Husten Hustensaft oder -pastillen eingenommen werden. Diese Medikamente wirken lokal. Keines der Grippemedikamente heilt oder verkürzt den grippalen Infekt. [2]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe