Grippe: Häufige Fragen

Grippemittel aus der Apotheke

© PantherMedia / Ingram Vitantonio Cicorella

Stiftung Ökotest bewertete 2011 in einer Studie verschiedene Grippemittel. Dabei wählte das Institut 14 Grippemittel aus, bei denen der jeweilige Hersteller als Indikation die Behandlung einer Erkältung oder eines grippalen Infekts nennt. [1]

Der folgende Text informiert über die Ergebnisse der Testreihe, die Eigenschaften und Wirkprinzipien ausgewählter Präparate sowie mögliche Risiken bei der Anwendung.

Medikamente gegen Grippe

Eine simple Erkältung äußert sich in der Regel zunächst durch ein leichtes Kratzen im Hals, gefolgt von Husten, Schnupfen, leichtem Fieber sowie mäßigen Kopf- und Gliederschmerzen. Sie kann durch verschiedene Virenstämme ausgelöst werden. Häufig sind Rhino-, Entero- oder Coronaviren verantwortlich für einen Krankheitsausbruch. Eine medikamentöse Therapie ist nicht zwingend erforderlich, die Symptome lassen sich aber häufig durch frei verkäufliche Mittel aus der Apotheke gut behandeln. [2]

Bei der Mehrzahl der von Stiftung Ökotest überprüften Medikamente handelt es sich um sogenannte Komplexmittel. Sie enthalten zwei oder mehr Wirkstoffe, die in ihrer Gesamtheit die Erkältungssymptomatik umfassend bekämpfen sollen. Sie wurden ausnahmslos mit ungenügend benotet, da sich die Wirkstoffe in den Augen der Tester nicht sinnvoll ergänzen, aber zu einem hohen Nebenwirkungspotential führen. Keines der geprüften Arzneimittel könne einen grippalen Infekt oder gar eine Grippe heilen. Die kritische Bewertung deckt sich mit den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, die den meisten Kombinationspräparaten mangelnde Konformität mit den rationalen Grundlagen der Behandlung von Atemwegsinfekten bescheinigt.

Mit Angocin wurde zudem ein pflanzliches Mittel getestet. In ersten Studien sei das Medikament bei der Behandlung von Husten und Schnupfen einem Antibiotikum zwar nicht unterlegen gewesen, aufgrund des bislang fehlenden Wirksamkeitsnachweises ließ sich Stiftung Ökotest jedoch nicht zu einem positiven Urteil bewegen.[1]

Eine Auswahl der Arzneimittel wird im Folgenden vorgestellt.

Aspirin Complex:

  • Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure, Phenylephedrinhydrochlorid
  • Wirkungsweise: Acetylsalicylsäure gehört zu den sogenannten nicht-steroidalen Antiphlogistika, einer Gruppe von Schmerzmitteln, die neben der schmerzlindernden auch eine entzündungshemmende und fiebersenkende Komponente aufweisen. [3] Phenylephedrinhydrochlorid zählt zu den direkten Sympathomimetika. Der Wirkstoff interagiert direkt mit körpereigenen Rezeptoren (Andockstellen an einer Zelle) des sympathischen Systems (Teil des Nervensystems, der sich hauptsächlich anregend auf Körper und Psyche auswirkt). Infolgedessen werden die peripheren (außerhalb des Zentralnervensystems liegenden) Gefäße verengt, was einerseits zum Abschwellen der Nasenschleimhaut führt, andererseits aber in nicht unerheblichem Maße den Blutdruck steigern kann. [4]
  • Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen:Interaktionen mit Gerinnungshemmern, Cortisonen, nicht-steroidalen Antirheumatika (Schmerzmitteln), Antiepileptika (Mitteln gegen Epilepsie), bestimmten Herzmedikamenten (Digoxin), Medikamenten gegen Asthma, Antidepressiva, Mitteln gegen Rheuma (Methotrexat), blutzuckersenkenden Mitteln (Antidiabetika) u. v. a. möglich. Kann u. U. zu erhöhter Blutungsneigung, Magen-Darm-Beschwerden, Magenschleimhautreizungen, Herzrasen, Harnverhalt, Schlaflosigkeit, Halluzinationen u. v. a. führen.
  • Kontraindikationen: Magengeschwüre, Asthma bronchiale, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Allergien, Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie), Engwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck), erhöhte Blutungsneigung, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Gicht, Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern unter 16 Jahren u. v. a. [5]

Wick Medi Nait:

  • Wirkstoffe: Doxylaminsuccinat, Ephedrinhemisulfat, Dextromethorphanhydrobromid, Paracetamol
  • Wirkungsweise: Doxylaminsuccinat ist ein H1-Antihistaminikum (Anti-Allergikum und Schlafmittel). Es bindet im Gehirn an H1-Rezeptoren und entfaltet so seine Wirkung. Ephedrinhemisulfat zählt zur Gruppe der indirekten Sympathomimetika. Es erhöht die Konzentration bestimmter Neurotransmitter (Botenstoffe im Nervensystem) am synaptischen Spalt (Lücke zwischen zwei Nervenzellen, die mittels chemischer Botenstoffe überbrückt werden muss). Dies führt zum Abschwellen der Nasenschleimhaut sowie zum Anstieg des Blutdrucks durch die Verengung der Blutgefäße. Dextromethorphanhydrobromid ist ein chemischer Hustenstiller, der den Hustenreiz zentral (am Gehirn) unterdrückt. Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. [6]
  • Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen: Interaktionen mit Alkohol, Schlafmitteln, Antidepressiva, Neuroleptika, Theophyllin, Mitteln gegen Übelkeit (Antiemetika), Gerinnungshemmern (Antikoagulanzien) u. v. a. möglich. Kann außerdem die Ergebnisse verschiedener Messverfahren (Harnsäure, Blutzucker, Haut- und Drogentests) verfälschen. Kann u. U. zu Herzrhythmusstörungen, Anstieg oder Abfall des Blutdrucks, Krampfanfällen, Erhöhung des Augeninnendrucks, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot, Halluzinationen sowie bei missbräuchlicher Verwendung zur Entwicklung einer Abhängigkeit führen.
  • Kontraindikationen: Nicht anzuwenden bei Hypertonie (erhöhter Blutdruck), Asthma bronchiale, COPD, Herz- und Schilddrüsenerkrankungen, Lungenentzündung, Atemhemmung, grüner Star (erhöhter Augeninnendruck), schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Epilepsie, Hirnschäden, Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren u. v. a. [7]

Angocin:

  • Wirkstoffe: Kapuzinerkressenkrautpulver und Meerrettichwurzelpulver
  • Wirkungsweise: Freisetzung antibakteriell und antiviral wirksamer Senföle[1] 
  • Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen: Interaktion mit Gerinnungshemmern möglich. Kann u. U. zu Magen-Darm-Beschwerden und/oder allergischen Reaktionen führen.
  • Kontraindikationen: Nicht anwenden bei akuten Magen-Darm-Geschwüren, akuten Nierenentzündungen, bei bekannter Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe sowie bei Kindern unter 6 Jahren. Die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. [8]

Zu beachten

Eine gewöhnliche Erkältung darf nicht mit einer echten Grippe, die durch Influenza-Viren verursacht wird, verwechselt werden. Die echte Grippe ist eine schwerwiegende Erkrankung, die in jedem Fall ärztliche Behandlung erforderlich macht. Charakteristisch sind ein plötzlicher Krankheitsbeginn, hohes Fieber, Schüttelfrost sowie starke Kopf- und Gliederschmerzen.[2]

Bestimmte Personengruppen sollten jedoch auch bei einer simplen Erkältung einen Mediziner zu Rate ziehen, da sie besonders gefährdet sind, schwere und komplizierte Verlaufsformen zu entwickeln. Dazu zählen vor allem Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale, Diabetiker,Immunsupprimierte (z.B. Transplantatempfänger oder HIV-Patienten), Säuglinge,Kleinkinder, Schwangere und Senioren. [9]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe